Sie sind winzig und großartig, unbekannt und spektakulär, einsam und urban: Deutschlands Inseln können ein ganzes Buch füllen. Das dachte sich auch Hansjörg Ransmayr, der das Buch »Islandeering« schrieb. Wir stellen euch aus seinem Werk interessante und schöne Inseln in Deutschland vor.

Schon mal was von Islandeerer gehört? Das sind Menschen, die Inseln über alles lieben. Egal wie groß oder wie klein, wie bunt oder eintönig oder wie einsam und belebt sie auch sein mögen. Ganz besonders lieben diese Menschen Inseln, die kaum einer kennt. Solche Inseln gibt es auch in Deutschland. Von einigen oder sogar von vielen dürftet ihr noch nie etwas gehört haben. Neugierig geworden? Wir stellen dir unbekannte schöne Inseln in Deutschland vor.

Unsere Reise durch die das deutsche Inselreich führt von Nord nach Süd. Von Ost nach West. Dabei richtet sich unser Blick nicht auf Klassiker wie Sylt oder Rügen. Die kennt ja jeder. Vielmehr möchten wir dir Inseln vorstellen, die oft nur den Menschen in der Region bekannt sind. Dabei sind auch Inseln, die nicht im Meer, sondern im Fluss oder See liegen. Auf einigen der Inseln wohnen nur wenige Menschen. Auf anderen niemand. Und einige sind sogar streng geschützt. Sie dürfen nicht betreten werden, nur bestaunt. Aber auch sie sind allemal eine Reise wert.

Bierinsel, Nordrhein-Westfalen

In den neunziger Jahren gelang der Brauerei Krombach ein gelungener Werbespot. In dem Spot war unter anderem eine Insel zu sehen, eine ziemlich kleine, bewaldete. Die Insel wirkt ziemlich idyllisch und passte zum Krombacher Slogan: »Eine Perle der Natur«. Man hätte sie vermutlich irgendwo in Kanada, Norwegen oder Neuseeland vermutet. Aber weit gefehlt. Sie liegt mitten in Deutschland. Und zwar am äußer­s­­­­­­­ten östlichen Zipfel der Wiehltalsperre nahe der Gemeinde Reichshof in Nordrhein-Westfalen.

Insel in der Wiehltalsperre

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Die Insel, die im streng geschützten Wasserschutzwald liegt, könnt ihr leider nicht betreten. Aber es gibt einen schönen Aussichtspunkt, von dem aus man zumindest den perfekten Blick darauf hat. Die Aussichtsplattform der Bierinsel liegt am Bergischen Panoramasteig. Parkt euer Auto am Wanderparkplatz in Nespen und lauft den Wanderweg »Wege durch die Zeiten«. Dann kommt ihr zur Aussichtsplattform. Fotoapparat nicht vergessen!

Burgwallinsel, Mecklenburg-Vorpommern

Eine der schönen unbekannten Inseln in Deutschland ist die in der Nähe von Teterow in der Mecklenburgischen Seenplatte gelegene Burgwallinsel im Teterower See. Sie ist rund einen Kilometer lang und an der größten Stelle 200 Meter breit. Im 7. Jahrhundert wurde sie bereits von Elbslawen besiedelt. Nach dem 12. Jahrhundert war sie sehr lange Zeit verlassen. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie wieder touristisch entdeckt. Auf der Insel könnt ihr baden oder einen Wassertreter und Ruderboote ausleihen. Auch einen Inselwanderweg gibt es. Wem es gut gefällt, der kann länger bleiben und im Hotel Wendenkrug übernachten.

Burgwallinsel

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Die Insel ist mit der Seilfähre oder der Barkasse »Regulus« zu erreichen.

Eibseeinseln, Bayern

Eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch findet ihr beim Eibsee an der Zugspitze. Das kristallklare Wasser erinnert eher an Gewässer in Kanada. Vor allem im Sommer könnt ihr nicht nur baden, sondern auch Kayak fahren, euch im Stand-up-Paddling versuchen, angeln oder tauchen.

Highlight des Sees sind die sieben kleinen Inseln, die sich entlang der Nordseite befinden: Maximiliansinsel, Schönbühl, Braxeninsel, Sasseninsel, Alpenbühl, Ludwigsinsel und Scheibeninsel. Alle Inseln sind unbewohnt. Nur auf der Maximiliansinsel steht eine kleine Blockhütte. Dort geben sich hin und wieder Paare das Ja-Wort. Einen Blick auf die Inseln könnt ihr während einer Wanderung auf dem Seerundweg erhaschen. Der Weg ist 7,2 Kilometer lang und führt an tollen Aussichtspunkten, Buchten und Badeplätzen vorbei.

Inseln in Eibsee in Bayern

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Wer mit dem Auto oder der Bahn anreist, nimmt Kurs auf den Parkplatz der Zugspitz-Seilbahn-Talstation. Von dort könnt ihr auf Entdeckungsreise gehen.

Harriersand, Niedersachsen

Gegenüber der Stadt Brake in Niedersachsen liegt Deutschlands größte Flussinsel: der 11 Kilometer lange Harriersand. Weite Teile der Insel bestehen aus zur Viehzucht genutzten Grünland. Im Norden der Insel liegt ein kleines Wattgebiet. Das ist nur zu Fuß erreichbar.

Vor allem Familien kommen gern auf die Insel; die Naturstrände bieten ein ideales Ausflugsziel und Erholungsgebiet. Sehenswert ist auch das Vogelschutzgebiet. Es bietet Schwärmen von Wild- und Blessgänsen gute Bedingungen, um zu überwintern. Wer hungrig ist, sucht die »Strandhalle« auf. Das ist ein schönes am Sandstrand gelegenes Lokal (mittwochs bis sonntags geöffnet).

Segelboot am Harriersand

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Mit der Fähre »Guntsiet« geht es von Anfang März bis Ende Oktober auf die Insel. Der Fähranleger ist nur zehn Minuten zu Fuß vom Bahnhof Brake entfernt.

Kühkopf, Hessen

Und noch eine Flussinsel. Dieses Mal im Rhein: der 17 Quadratkilometer große Kühkopf im Hessischen Ried. Die mit Wiesen und Schilf durchzogene Insel bietet vielen Vogelarten Rast- und Brutplätze. Eine wahre Naturoase. Zum Erkunden steht euch ein Rad- und Wanderwegenetz zur Verfügung. Der Natura-Trail der Naturfreunde bietet euch Einblicke in die Arten- und Biotopvielfalt des Kühkopfes. Ihr könnt aber auch ein Boot ausleihen und Erkundungsfahren im Altrhein unternehmen. Informativ ist es im Umweltbilldungszentrum Schatzinsel Kühkopf unweit der Stockstädter Brücke. Dort könnt ihr euch über die Geschichte, Flora und Fauna der Rheininsel informieren.

Rheininsel Kühkopf

Hansjörg Ransmayr

Die Insel ist über zwei Brücken erreichbar. Ihr könnt sie nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden. Wer mit der Bahn anreist, steigt am Bahnhof Stockstadt aus. Anschließend geht es rund 20 Minuten zu Fuß weiter.

Pfaueninsel, Berlin

Die Pfaueninsel im Südwesten Berlins zählt auch zu schönsten Inseln in Deutschland. Sie ist unter den Hauptstädtern und ihren Besucher ein populäres Tagesausflugsziel. Die Insel steht unter Naturschutz und gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Sie ist 88 Hektar groß, davon gehören 67 Hektar zum Landschaftspark. Wer die Insel erkunden möchte, sollte einen Inselspaziergang unternehmen. Er führt vom Fähranleger vorbei zum Schloss und von dort weiter zu den vier Steinsäulen des ehemaligen Palmenhauses. Dann geht es durch die Parschenkesselbucht zum Holländischen Haus und zur künstlichen Ruine der Meierei. Von dort habt ihr einen schönen Blick zum Luisentempel. Auch schön: der Fregattenhafen und der Rosengarten.

Schloss Pfaueninsel, Berlin

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Mit der S-Bahn fahrt ihr von Berlin aus bis zur Station Wannsee. Von dort fährt die Buslinie 218 zum Fähranleger.

Roseninsel, Bayern

1853 hatte König Maximilian II. von Bayern die Insel im Starnberger See einer Fischerfamilie abgekauft. Die Insel liegt rund 30 Gehminuten südlich von Schloss Possenhofen. Vom bedeutendsten deutschen Landschaftsarchitekten des 19. Jahrhunderts, Peter Joseph Lenné, geplant, entstand dort ein Park um den namensgebenden Rosengarten. Der legendäre Märchenkönig Ludwig II. traf sich dort später häufig mit seiner Cousine Elisabeth (Sissi). Die beiden zogen sich vor Hofzeremoniell und Öffentlichkeit zurück; die Insel war einer ihrer Lieblingsorte.

Boot auf dem Weg zur Roseninsel im Starnberger See

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Besucher dürfen hier gerne vorbeischauen. Angeboten werden Führungen durch den Garten und das Casino (Überfahrt mit der Fähre vom Glockensteg im Feldafinger Park). Sehenswert sind Casino, Rosengarten und das Alpenpanorama. Im Sommer runden »Roseninsel-Konzerte« das Programm ab.

Eine kleine Fähre fährt binnen fünf Minuten vom Feldafinger Park zur Insel über.

Steinhude, Niedersachsen

Die dreieinhalb Hektar große Badeinsel im Steinhuder Meer entstand vor mehr als vierzig Jahren (1974) durch Sandaufspülungen. Im Nordosten der Insel gibt es einen 100 Meter breiten Sandstrand mit flach auslaufender Uferzone; ein idealer Ort für Kinder, die hier viel Platz zum Baden, Planschen und Buddeln haben. Nach einem Tag am Strand könnt ihr abends das Bistro Meereslauschen besuchen. Dort locken Cafeteria, Aussichtsplattform, Steganlage und Biergarten. Hier ist es bei Sonnenuntergang einfach nur herrlich.

Boote im Hafen auf der Insel Steinhude

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Die Badeinsel erreicht ihr über eine rund 80 Meter lange Brücke. Die Insel ist ganzjährig geöffnet; nachts allerdings geschlossen. Camping, Grillen und Hunde sind auf der Insel nicht erlaubt.

Vilm, Mecklenburg-Vorpommern

Die Insel Vilm liegt südöstlich von Rügen. Sie ist zweieinhalb Kilometer lang und 94 Hektar groß. Sie gilt als Paradies für Tiere und Pflanzen.

Natur auf der Insel Vilm

Hansjörg Ransmayr

Zu Bekanntheit kam sie Ende der fünfziger Jahre. Seinerzeit schnappte sich die DDR-Führung die Insel und sperrte sie für die Öffentlichkeit. Fortan diente sie als Urlaubsinsel für den Ministerrat der DDR. Seit der Nachwendezeit dürfen Besucher wieder eingeschränkt auf die Insel.

Es gibt jeden Tag zwei Führungen. Maximal 30 Personen dürfen jeweils teilnehmen. Während dieser Führungen bekommt ihr die elf heute noch vorhandenen Ferienhäuser der DDR-Führung zu sehen. Anschließend geht es über Stock und Stein, unter anderem durch den Urwald. Ihr solltet also gut zu Fuß sein, denn ihr müsst immer wieder über alte, beeindruckende Baumriesen klettern.

Los gehen die Touren am Parkplatz am Hafen Lauterbach auf Rügen.

Buchtipp: Islandeering von Hansjörg Ransmayr

Seid ihr nach den vielen Inspirationen nun reif für die Inseln in Deutschland? In diesem Artikel haben wir dir ein paar Inseln vorgestellt. Einige von ihnen sind nur den Locals bekannt. Aber es gibt natürlich noch viele andere Inseln. Darunter sind sehr bekannte wie Amrum, Baltrum, Fehmarn, Föhr oder Spiekeroog. Zu all diesen Inseln und vielen mehr findet ihr in dem im Verlag Haffmans Tolkemitt erschienen Buch »Islandeering« von Hansjörg Ransmayr Hintergrundinformationen und nützliche Reisetipps. Die temporäre Sandinsel in der Donau ist genauso enthalten wie die windumtosten Halligen der Nordsee und idyllische Bergseeinseln.

»Islandeering« von Hansjörg Ransmayr, Verlag Haffmans & Tolkemitt. 428 Seiten, broschiert, 4-farbig. Format 17 x 21 cm. ISBN: 978-3-942048-69-9, Euro 22,95.