reisen EXCLUSIV Audio - Höre Dir diesen Artikel an
0:00
0:00

Kaum ein Land auf der Welt ist so sehr vom Wasser geprägt wie Neuseeland. Fjorde, die sich tief ins Landesinnere schneiden, türkisfarbene Buchten, tosende Küsten – und mittendrin: Abenteuer, die man so schnell nicht vergisst. Fünf Wasserabenteuer, die alles sind, aber nicht gewöhnlich.

Kajakträume im Abel-Tasman-Nationalpark

Es gibt Orte, die wirken wie aus einem Gemälde ausgeschnitten und nach Neuseeland verpflanzt. Der Abel-Tasman-Nationalpark ist einer davon. Goldene Strände wechseln sich mit türkisfarbenem Wasser ab, das so klar ist, dass der Paddelschatten auf dem Meeresgrund mitläuft. Wer hier ein Kajak ins Wasser zieht, weiß sofort, warum dieser Park zu den schönsten Küstenabschnitten der südlichen Hemisphäre gezählt wird.

Eine Gruppe bei einer Kanutour im Abel Tasman Nationalpark.

Foto: Tourism NZ Visual Library

Das Besondere: Viele der versteckten Buchten lassen sich ausschließlich per Paddel erreichen, wie Anchorage Bay, Torrent Bay und Stilwell Bay. Hier führt kein Wanderweg und keine Straße hin, so dass Menschenmassen zum Glück Fehlanzeige sind. Nur das Geräusch des Wassers, das leise gegen den Bug schwappt, und ab und zu ein neugieriger Seehund, der das Kajak für ein interessantes Unterwasserobjekt hält. Zwischen schroffen Granitfelsen und üppig bewachsenen Hügeln öffnen sich immer neue Lagunen, jede für sich ein kleines Paradies.

Wanderer auf Küstenweg entlang eines Strandes mit türkisblauem Wasser und hohen Bäumen

Foto: Tourism NZ Visual Library

Auch Übernachtungen direkt am Strand sind möglich. Eine Handvoll offizielle Campingplätze, die nur für Seekajaker zugänglich sind, machen es möglich. Ein Zelt aufschlagen, während das Meer im letzten Abendlicht leuchtet: Das gehört zu den Wasserabenteuern in Neuseeland, von denen Reisende noch Jahre später erzählen.

Raglan: Wo Wellen Geschichte schreiben

Surfer auf dem Weg ins Wasser am Ngarunui Beach in Neuseeland

Foto: Tourism NZ Visual Library

Schon in den 1960er-Jahren pilgerten die ersten Wellenreiter an diese zerklüftete Westküste der Nordinsel. Angezogen von den legendären Linkswellen, die hier mit einer Gleichmäßigkeit rollen, die anderswo ihresgleichen sucht. Manu Bay, von Einheimischen schlicht »The Point« genannt, gilt bis heute als einer der längsten »rideable left-handers« der Welt: eine Welle, die gleichmäßig nach links bricht und einen guten Surfer über mehrere hundert Meter trägt.

Was Raglan so besonders macht, ist nicht nur die Welle selbst, sondern das ganze Lebensgefühl drumherum. Das Dorf ist klein, entspannt und hat diese unaufdringliche Coolness, die entsteht, wenn Generationen von Surfern hier ansäßig sind. In den Cafés dampfen Flats White, an den Wänden hängen vergilbte Fotos von Wellen, die schon längst verebbt sind. Surfboards lehnen draußen an allem, woran sie lehnen können.

Wer selbst noch keine oder kaum Surferfahrung mitbringt: Hier gibt es Spots für jedes Level. Ngarunui Beach bietet mit seinem breiten Sandstrand und sanfteren Wellen den idealen Einstieg für Surf-Neulinge.

Surfen am Ngarunui Beach in Raglan ist ein Wasserabenteuer in Neuseeland, das im Gedächtnis bleibt.

Foto: Tourism NZ Visual Library

Whale Bay wiederum belohnt mit einer privateren Atmosphäre bei ebenso anspruchsvollen Bedingungen. Mehrere lokale Surfschulen bieten Kurse an, und Leihboards gibt es an jeder zweiten Ecke.

Rotorua: Zwischen Seeidylle und Adrenalinstoß

Rotorua riecht nach Schwefel. Das ist keine Warnung, sondern eine Einladung. Die geothermische Aktivität, die dieses ganze Gebiet prägt, brodelt nicht nur unter der Erde, sie formt auch die Landschaft darüber: dampfende Seen, sprudelnde Quellen, Krater, die sich mit Wasser gefüllt haben. Am frühen Morgen, wenn der Nebel noch über dem Lake Rotorua liegt und die Luft nach Mineralien duftet, fühlt sich diese Welt fast mystisch an.

Doch Rotorua ist mehr als dampfende Kulisse. Wer das Wasser aktiv erleben will, paddelt mit dem Kajak oder Stand-up-Board über den Lake Rotoiti oder den Lake Okareka. Zwei Binnenseen, die so ruhig liegen, dass das Spiegelbild der Hügel kaum zu unterscheiden ist vom Original. Wem das zu beschaulich ist, steigt in eines der Jetboote, die mit ordentlich Tempo über See düsen.

Höhepunkt und Schockmoment zugleich sind die Tutea Falls im Kaituna River: Sieben Meter freier Fall, senkrecht, ohne Vorwarnung. Der Kaituna entspringt dem Lake Rotoiti und schlängelt sich durch dichten Urwald, bevor er seine Paddler unerbittlich über diese Kante schickt. Wer den Mut aufbringt, weiß danach, warum dieser Spot auf keiner Bucket-List der besten Wassererlebnisse in Neuseeland fehlen sollte. Danach wirkt die restliche Fahrt auf dem Fluß wie eine gemächliche Spazierfahrt, selbst wenn die nächste Stromschnelle schon wartet.

Nichts für schwache Nerven: Eine Rafting Tour auf dem Kaituna River in Neuseeland

Foto: Tourism NZ Visual Library

Wer nach dem Rafting noch genügend Energie hat, sollte dem Waimangu Volcanic Valley folgen. Heiße Quellen in grünblauem Schimmer, brodelnde Kraterseen und aufsteigende Dampfsäulen säumen die Uferwege. Eine Landschaft, die sich vor etwa 130 Jahren beim Ausbruch des Mount Tarawera gebildet hat. Wasser ist hier nicht einfach Wasser. Es ist kochend, färbt sich türkis, dampft und sprudelt, als würde die Erde gerade erst entscheiden, welche Form sie annehmen will.

Ein Wassererlebnis in Neuseeland der besonderen Art: Das Waimangu Volcanic Valley mit seinen heißen Quellen.

Foto: Tourism NZ Visual Library

Abtauchen in Bay of Islands und Poor Knights Islands

Die Poor Knights Islands liegen vor der Küste Northlands. Sie sind unbewohnt, streng geschützt und kaum bekannt. Genau das ist ihr größtes Kapital. Der Zugang ist reguliert, und die Unterwasserwelt deshalb noch so, wie sie sein sollte: dicht, ursprünglich und vollkommen unbeeindruckt vom Tourismus.

Höhlen, Bögen und Tunnel durchziehen die Vulkanfelsen und schaffen eine unwirkliche Unterwasserlandschaft. Darin: Wolken aus Fischschwärmen. In tieferen Regionen leuchtet nachts das Plankton in einem blauen Schimmer, der an Magie glaubt lassen könnte. Der bekannte, französische Tiefseetaucher Jacques Cousteau zählte die Poor Knights zu seinen liebsten Tauchspots weltweit.

Die Bay of Islands nördlich bietet ergänzend dazu Wrack-Tauchgänge. Darunter das Wrack der Rainbow Warrior, des berühmten Greenpeace-Schiffs, das 1985 versenkt wurde. Heute ist es komplett mit Korallen überwachsen und ein Lebensraum für hunderte Spezies. Geschichte und Natur in einem Tauchgang. Zudem ist die Bay of Island perfekt für all jene, die die Unterwasserwelt lieber mit dem Schnorchel entdecken möchten.

Schnorcheln in der Unterwasserwelt der Poor Knights Islands in Neuseeland

Foto: Tourism NZ Visual Library

Bay of Plenty und Waikato: Zwischen Glowworms und Stromschnellen

Ein Tag in der Bay of Plenty kann sich anfühlen wie zwei Tage in zwei vollkommen verschiedenen Welten. Am Morgen: Rafting auf dem Wairoa River, wo Stromschnellen adrenalingeladen durch den neuseeländischen Dschungel treiben. Die Gischt klatscht ins lachende Gesicht, das Boot dreht sich schnell und kurz ist vergessen, dass es außerhalb dieser Schlucht noch eine Welt gibt.

Am Abend wechselt die Kulisse vollständig. In den Höhlen der Waitomo-Caves in der Waikato-Region, etwa eine Autostunde entfernt von der Bay of Plenty, leuchten Tausende von Arachnocampa luminosa. Die neuseeländische Glühwürmchen-Art kommt nirgendwo sonst in dieser Dichte vor. In kleinen Booten gleitet man lautlos durch die Grotten. Die Decke gleicht dabei einem Sternenhimmel, bloß dass diese Sterne in unmittelbarer Nähe sind und jeden Augenblick ein wenig anders leuchten.

Eine Glowworm-Tour in den Waitomo-Caves ist ein besonderes Wassererlebnis in Neuseeland

Foto: Tourism NZ Visual Library

Weitere Informationen über das Reiseziel und weitere Ideen für Wasserabenteuer in Neuseeland gibt es auf der offiziellen Website von Tourism New Zealand.