Machmal lohnt es sich, einen Ort noch einmal aufzusuchen. Weil sich die Stadt verändert hat. Ode man selbst. Im Fall des The Ritz-Carlton Tokyo trifft beides zu. 

Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Mal im The Ritz- Carlton Tokyo. 18 Jahre ist das her. Damals war das Hotel nagelneu. Und ich war natürlich auch viel frischer. Und das allererste Mal in der Stadt. Damals sprach kaum jemand Englisch, sich durch die Metropole zu navigieren, war ein Abenteuer, so ohne Smartphone. Aber ich habe mich dennoch verliebt. In das Land, die Stadt, das Essen und die reizenden Menschen.

Heute stehe ich wieder hier. Wieder im Ausgehviertel Roppongi. Wieder vor dem Aufzug, der mich in den 45. Stock bringt. Und obwohl ich weiß, was mich erwartet, ist es wieder ein kleiner Moment des Staunens, als sich die Türen öffnen.

Lobby im The Ritz-Carlton Tokyo

Foto: The Ritz-Carlton Tokyo

Die Lobby ist immer noch so, wie ich sie in Erinnerung hatte. Warmes Licht, elegante Möbel, diskrete Musik. Alles so zurückhaltend und gleichzeitig so durchdacht. Nichts schreit hier nach Aufmerksamkeit. Und doch bleibt der Blick an jeder Ecke hängen. Vielleicht liegt es an der Aussicht, die durch die bodentiefen Fenster drängt. Vielleicht aber auch daran, dass hier alles eine gewisse Ruhe ausstrahlt, die in Megametropolen selten ist.

Zimmer mit Aussicht im The Ritz-Carlton Tokyo

Mein Zimmer liegt noch ein paar Etagen höher. Perfekt, um über die Dächer zu schauen. Die Einrichtung ist dezent, ein bisschen oldschool vielleicht. Kein Instagram-Interieur, kein Design, das um Likes buhlt. Dafür großzügige Flächen, ein riesiges Bett und Fenster, die den Blick weit hinausziehen. Tagsüber ist da eventuell der Tokyo Tower, nachts ein Meer aus Lichtern, und mit etwas Glück zeigt sich morgens der Fuji still und würdevoll am Horizont. Es gibt Orte, an denen der Blick wichtiger ist als die Einrichtung. Das hier ist so ein Ort.

Zimmer im The Ritz-Carlton Tokyo

Foto: The Ritz-Carlton Tokyo

Ich habe mich wieder für den Club Level entschieden. Was genau ist der Club Level? Das ist eine Zimmerkategorie, die einem erlaubt, eine Art Lounge zu nutzen, die sich im Hotel befindet. Dort gibt es dann oft Mahlzeiten, auf jeden Fall Frühstück, Getränke innerhalb der Öffnungszeiten und kleine Snacks. Hier im The Ritz-Carlton Tokyo ist es noch eine Spur edler. Es gibt eine richtige Cooking Station, die nach Tageszeit Gerichte vorbereitet, und eine kleine Cocktailbar.

Private Lounge: Club Level

Club Level, also. Nicht wegen des Champagners oder der Pralinen, sondern wegen des Gefühls, dort oben einen eigenen kleinen Kosmos zu betreten. Die Lounge ist entspannt, nie überfüllt. Der Service ist aufmerksam und sehr persönlich, aber unaufdringlich. Es gibt Snacks, Drinks, eine Art stille Begleitung durch den Tag. Der persönliche Check-in gehört genauso dazu wie ein Concierge, der exakt weiß, wann er gebraucht wird – und wann nicht. Für mich ist das ein Stück Zuhause auf Zeit.

Pool im The Ritz-Carlton Tokyo

Foto: The Ritz-Carlton Tokyo

Die Kopfhaut knarzt. Das klingt komisch, ja das war es auch. Aber ich hatte wohl eine typische japanische Beautyanwendung und dabei wurde die Kopfhaut massiert und darunter lag bei mir viel Luft. Wer jetzt lacht … Nein, ernsthaft, es war, als hätte die Spa-Therapeutin kleine Luftreserven unter der Kopfhaut weggedrückt. Tatsächlich hat dadurch die Anspannung im Kopfbereich nachgelassen. Wem das zu aufregend ist, der kann sich auch ohne Anwendung ins Spa zurückziehen. Ist es doch ein Onsen hoch über der Stadt. Während unten das Leben rast, sitze ich splitterfasernackt im warmen Wasser und schaue hinaus, als hätte Tokio auf »Pause« gedrückt. (Nackt sein ist Pflicht!) Die Saunas, das Dampfbad, die stillen Ruhezonen – alles reduziert, ruhig, japanisch. Wer sich traut, ganz ohne Badekleidung in diesen Rückzugsort zu steigen, wird belohnt. Wer zögert, verpasst ein stilles Erlebnis, das noch lange nachwirkt.

Feinste Küche im The Ritz-Carlton in Tokyo

Essen in Tokio ist sowieso ein eigenes Kapitel. Doch was das Ritz-Carlton daraus macht, ist bemerkenswert. Das Restaurant »Hinokizaka« liegt so, dass man beim Abendessen das Gefühl hat, zwischen Himmel und Stadt zu schweben. Serviert wird japanische Küche in vier Spielarten: Sushi, Kaiseki, Tempura und Teppanyaki. Ich nehme Platz am Sushi-Tresen. Dort steht der Meister, schweigend, konzentriert. Er entscheidet, was ich essen werde. »Omakase« heißt das und bedeutet zusammengefasst: Vertrauen statt Auswahl. Es ist ein bisschen wie ein kulinarisches Blind Date, nur mit garantiert gutem Ausgang. Gang für Gang wächst meine Begeisterung. Die Zutaten frisch, die Zubereitung präzise, die Präsentation fast meditativ. Kein großes Brimborium, keine Show. Einfach Handwerk in Perfektion.

Dinner im The Ritz-Carlton in Tokyo mit Aussicht

Foto: Jennifer Latuperisa-Andresen

Tagsüber ist der Afternoon Tea in der Lobby Lounge mein Rückzugsort. Ich bin eigentlich keine große Teetrinkerin, aber hier wird der Nachmittag zur kleinen Zeremonie. Feines Porzellan, duftender Sencha, Mini-Sandwiches mit saisonalen Zutaten, kleine süße Kunstwerke, die an Kirschblüten oder Pflaumen erinnern. Alles ist leicht, hübsch und wohltuend. Ich sitze dort, schaue hinaus, beobachte die anderen Gäste und fühle mich für einen Moment sehr weit weg von allem.

Tokio: Die Stadt pulsiert

Und dann ist da draußen natürlich noch Tokio. Die Stadt schläft nie, heißt es. Ich würde eher sagen: Sie pulsiert, auch wenn sie schläft. Roppongi ist lebendig wie eh und je. Cafés, Bars, Galerien, kleine Läden mit seltsamen Öffnungszeiten. Ich ziehe los, lasse mich treiben, entdecke neue Ecken. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – ist es ein gutes Gefühl, am Ende wieder im Hotel zu landen. Die Tür fällt zu, die Hektik bleibt draußen, die Stadt wird leise.

Suite im The Ritz-Carlton Tokyo

Foto: The Ritz-Carlton Tokyo

Ein echter Tipp, fast ein Geheimnis: das Suntory Museum of Art gleich ums Eck. Schon das Gebäude ist sehenswert – entworfen von Kengo Kuma, der japanischer Architektur eine sanfte Eleganz verleiht. Innen wird japanisches Kunsthandwerk gezeigt: Lack, Keramik, Textilien, Tuschezeichnungen. Alles fein kuratiert, ruhig präsentiert. Wer Tokio kulturell entdecken will, aber keine Lust auf Massen hat, sollte hier vorbeischauen.

Rückkehr mit Eindruck

Und wenn ich dann abends noch ein paar Minuten im Club-Lounge-Sessel sitze, mit einem Glas japanischem Whisky, die Stadt zu meinen Füßen, dann denke ich: Schön, dass ich zurückgekommen bin. Nicht, weil ich etwas verpasst hätte, sondern weil manche Orte eben nachwirken – leise, aber nachhaltig.

Aussicht auf den Mount Fuji in Tokio

Foto: Jennifer Latuperisa-Andresen

Tokio hat sich verändert. Ich habe mich verändert. Aber das The Ritz-Carlton Tokyo ist geblieben, wie es war: ausgewählt, zurückhaltend, verlässlich. Und genau das macht es für mich so besonders. Kein Hotel für das schnelle Wow. Sondern für das stille Wiederkommen.

Mehr Infos zum The Ritz-Carlton Tokyo

Tokyo Midtown, 9 Chome-7-1 Akasaka, Minato City, Tokyo 107-6245, Japan

Ein Doppelzimmer kostet ab 800 Euro pro Nacht ohne Frühstück.

Mehr Infos gibt es auf der Website vom The Ritz-Carlton.


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