Vor der Westküste Griechenlands schafft eine kleine Inselgruppe Urlaubserinnerungen, deren intensive Farben ein Leben lang leuchten. Charmante Dörfer, üppige Vegetation und intensiv blaues Kristallwasser formen die Ionischen Inseln zu einer Bilderbuchkulisse. Eine Woche lang erkunden wir mit dem Rad und an Bord der »M/S Panagiota« das Paradies: Korfu, Paxos, Lefkas, Meganisi, Kefalonia. So viel darf vorweggenommen werden: Es wartet eine Reise der besonderen Art auf uns, die sich zu einem Urlaub mit Freunden entwickelt.
Text: Claudia Scholz
Sozialisiert als Kind der ehemaligen DDR war Urlaub für mich lange Zeit ein willkommener, aber unspektakulärer Platzhalter. Urlaub war eine Auszeit von der Schule und den damit verbundenen Pflichten. Zum Beispiel war Urlaub ein Ausflug in eine größere Stadt, Besuche bei Großeltern, die gemeinsame Fahrt mit den Eltern in den Zoo, die permanente Besetzung des Freibads mit Freunden. Urlaub war Routine. Kalkulierbar, sicher, ein Wabern in der eigenen Komfortzone. Soweit es diese gab. Was Urlaub nicht war: sich der Vorfreude hingeben. Unbekanntes Terrain erobern. Die Welt sehen. Abenteuer.

Foto: Tobias Lohmann
Heute reise ich wie selbstverständlich mit dem Flugzeug, der Bahn, dem Auto, mit dem Fahrrad, gar zu Fuß. Alles Neue sauge ich auf wie ein Schwamm. Ich reise mit offenen Augen, neugierig wie ein Kind. Nur so ein windumtostes Abenteuer, gepaart mit wunderbarer Unruhe, das fehlte noch. Bis jetzt. Funktionskleidung fürs Rad, Fahrradhelm, leichter Hüttenschlafsack für die Nacht unter Sternen, Badesachen, Schwimmschuhe, Hausschlappen und wenn sich noch ein Plätzchen findet, darf das eigene Instrument auch mit. Schon die Reiseunterlagen für unser Schiffsabenteuer vor der Westküste Griechenlands lassen erahnen, dass eine spannende Zeit auf uns wartet.
An Bord der »M/S Patagonia«
Unser Schiff , die »M/S Panagiota«, ist ein restaurierter Zweimast-Motorsegler mit zehn Kabinen, liebevoll eingerichtet und ein echtes Raumwunder. Edles Teakholz, Glasmalereien im Salon, gepolsterte Sonnenliegen. Die Kabinen sind klein, aber funktional: Bett, Bad, Stauraum, Klimaanlage. Kein Luxus, aber wunderschön. Aus der Kombüse schickt Koch Nondas täglich kleine Köstlichkeiten. Frischer Joghurt, Käse, Obst, einfache griechische Gerichte – alles voller Geschmack und unfassbar lecker. Wie das in dieser Miniküche funktioniert, bleibt auf immer Nondas‘ Geheimnis.

Foto: Claudia Scholz
Das Leben an Bord ist eng und herausfordernd, aber herzlich. Die Crew – ein eingespieltes Team. Unsere Guides Chrysa und Catharina geben uns eine Einführung in das kleine Einmaleins des Schiffslebens. Schnell lernen wir: immer festhalten, vorausschauend handeln – selbst Handtücher und Sonnenbrillen müssen gut gesichert werden, sonst verschwinden sie auf Nimmerwiedersehen im Meer.
Immer dabei: Das Rauschen der Wellen
Antriebslos und vollkommen entspannt döse ich irgendwo zwischen halbwach und schlaftrunken vor mich hin. Zwischen den Welten schaukelt es mich sanft von rechts nach links – das ungestüme Rauschen der Wellen und das wilde Vibrieren des Sonnensegels über mir verschmelzen zu einem sonoren Ton, der sich beruhigend in mein Unterbewusstsein arbeitet und leise verkündet: Urlaub.
Schon seit einer kleinen Weile habe ich den gerade einmal zweieinhalb Flugstunden entfernten Alltagstrott losgelassen. Stattdessen bin ich hier, irgendwo auf dem Ionischen Meer, auf diesem wunderschönen Schiff und in dieser Wucht aus Wasser und Himmel, geformt aus dem unglaublichsten Blau.

Foto: Claudia Scholz
Ich ertappe mich dabei, wie ich für die Dauer eines Wimpernschlags in den Schlaf drifte. Aber plötzlich kommt Leben in diese beruhigende Trägheit. Kurze, knappe Ausrufe schallen vom Sonnendeck Richtung Bug. Ein klackerndes Geräusch, das ich nicht zuordnen kann, durchmischt sich mit dem omnipräsenten Meeresrauschen. Der Motor des Schiffes verstummt erst und ebbt dann ganz ab. Eine Art verbales Wechselspiel entspinnt sich an Bord. Mich packt die Neugier, ich strecke mich gemächlich auf der weichen Liegematte des Decks und blinzele.
Leinen los in Korfu
Unser Kapitän Vasilis – ein Mann mit verschmitztem Gesichtsausdruck und der Farbe der griechischen Sonne im Gesicht – ist in seinem Element. Seine Augen leuchten strahlend blau, während er routiniert und mittels knapper Anweisungen mit seiner Crew kommuniziert. Nichts stört seine Aufmerksamkeit. Die Patagonia, sein liebevoll restaurierter hölzerner Motorsegler, manövriert stolz durch eine Traumkulisse. Rechts und links werden kleine und große Boote wie einem magischen Band und einer unsichtbaren Regieanweisung folgend Richtung Hafeneinfahrt gezogen.

Foto: Claudia Scholz
Hier vor der Oliveninsel Paxos, der kleinsten der sieben ionischen Eilande, erwartet uns gleich am ersten Tag unseres Abenteuers auf See einer der schönsten Hotspots der Reise. Der einzigartige Naturhafen Gaios. Unwirklich schöne Türkistöne, immersiv leuchtend, lassen alles bisher Gesehene verblassen.
Unsere kleine Reisegruppe trudelt an Deck ein. Wir genießen schweigend die Einfahrt ins Hafengelände – alle Reisenden im Geiste vereint. Man winkt sich von Boot zu Boot zu, wissend, dass, egal wie es einen hierher verschlagen hat, man Teil eines kleinen Traums sein darf.
Ankunft in Paxos
Nicht weniger als 250.000 silber glänzende Olivenbäume prägen den Anblick des nur etwa zehn Kilometer langen und nicht mal zwei Kilometer breiten, atmosphärisch schimmernden Insel-Separees Paxos. Das Liebesnest Poseidons.

Schwimmstopp am Levrecchio Beach I Foto: Claudia Scholz
Der Sage nach soll der Gott des Meeres persönlich für die Entstehung Paxos‘ verantwortlich sein. Um sich und seine Geliebte vor neugierigen Blicken zu schützen, schwang er kurzerhand seinen Dreizack und trennte liebestoll die Südspitze Korfus vom Festland ab. »Ein Mann der Taten«, denke ich mir und eile schwankend Richtung Kajüte. Die erste Radtour steht auf dem Programm!
In der Kajüte angekommen, verstaue ich rasch Badesachen, Handtuch und Sonnencreme in meiner Fahrradtasche und kehre zu den anderen zurück. Es geht auf die erste kurze, knapp sieben Kilometer lange Radtour entlang der Küste zum Strand. Die Räder sind unser ständiger Begleiter auf den Inseln. Ende Juli, es ist heiß und Helios peitscht engagiert seinen Sonnenwagen über unsere Köpfe. Wir sehnen das kühlende Nass des Badestopps herbei, genießen den Fahrtwind und die atemberaubende Kulisse. Wer es sich leisten will, bucht vor Reiseantritt ein E-Bike. Einige Küstenabschnitte haben eine herausfordernde Steigung, der man mit Unterstützung aber mühelos trotzen kann.

Foto: Adrian Greiter
Auf den Inseln unterwegs mit dem Fahrrad
Abends kehren wir erschöpft, aber glücklich in die gemütliche »Taverne Taka Taka« in Gaios ein. Bei bestem Seafood und einem Glas Retsina kommen wir ins Schwärmen über das Erlebte. Das gemeinsame Essen wird zum Warm-up und ist ein geselliger Austausch zwischen den Sprachen.

Foto: Claudia Scholz
Schnell wird klar: Die Chemie stimmt. Der nächste Tag auf See beginnt mit Sonnenschein, Fahrtwind und einem geselligen Frühstück. Heute nehmen wir Kurs auf Lefkas-Stadt. Die Überfahrt dauert länger, beste Voraussetzung also für einen erfrischenden Badestopp vor Antipaxos, der kleinen Schwesterinsel von Paxos.
Das Leben an Bord: Kartenspielen und Sonnen
Das Schiffsleben genießt jeder nach seinem Gusto. Hier werden Karten gespielt, dort wird gelesen oder versonnen aufs Meer gestarrt, oder man lümmelt auf dem Oberdeck, geschützt durch ein Sonnensegel, und hängt seinen Gedanken nach, während einem der kräftige Fahrtwind um die Nase weht und die Temperaturen erträglich macht.

Foto: Claudia Scholz
In Lefkas-Stadt erwartet uns eine spannende Einfahrt durch einen schmalen Hafenkanal. Dieses Nadelöhr im Nordwesten Griechenlands wurde kurzerhand durch eine ausrangierte, circa 50 Meter lange Schiffsbrücke für den Straßenverkehr befahrbar gemacht und erlaubt seither den Straßenverkehr zwischen dem Norden der Insel Lefkas und dem griechischen Festland. Das stündlich arrangierte Hochklappen und Ausschwenken der Seitenflächen gleicht einer Choreografie und wird von freudigem Hupen und Applaus begleitet – Geduld und gutes Timing sind gefragt.
Unterwegs mit den Fahrrädern rund um Lefkas
Weniger geduldig geht es jetzt auf der »M/S Panagiota« zu. Gleich nach dem Anlegen steigen wir auf die Räder, umrunden voller Vorfreude die große Lagune von Lefkas und tauchen am weißen Sandstrand Agios Ioannis in das erfrischende Nass.
Vor unserer kleinen Gemeinschaft liegen noch viele paradiesische Inselschönheiten und unvergessliche Reisemomente im Ionischen Meer. Geschaffene Erinnerungen, die lange nachhallen werden und auch Jahre später noch verzaubern. Radtouren durch endlose Olivenhaine, charmante kleine Hafenorte wie Fiskardo auf Kefalonia, beeindruckende Höhlen, Wanderungen mit tierischen Begleitern und Zeit für ruhige, aber auch gesellige Momente an Bord der Panagiota.

Foto: Inselhüpfen
Den letzten Tag vor Ausschiffung verbringen wir in Arillas, einem zauberhaft ruhigen Örtchen an der griechischen Westküste auf dem Festland. Ein letzter Sprung ins Meer, ein letztes gemeinsames Abendessen, dann setzen wir über nach Korfu-Stadt.
Der Abschied fällt schwer. Die Sonne taucht die See in warmes Licht, und während wir schweigend an Deck sitzen, wird klar: Wir kamen als Fremde – und gehen als Freunde.
Mehr Infos zur Reise
Direktflüge nach Korfu starten täglich von allen größeren Flughäfen Deutschlands; beispielsweise Berlin, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln/Bonn und München.
Erlebnis Ionische Inseln, ab und bis Korfu, 8 Tage / 7 Nächte, ab 1.899 Euro pro Person. Mehr Infos und Buchung unter. www.inselhuepfen.com
Hier stellen wir dir die schönsten Inseln in Griechenland vor.

Foto: Ivan Duran
