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Eine einzige Bahnlinie, zwei Betreiber und nun ein tödlicher Unfall: Das Zugunglück nahe Machu Picchu hat die Risiken auf der eingleisigen Strecke durch das Heilige Tal der Inka offengelegt. Warum diese Route für den Tourismus dennoch so wichtig ist – und wo ihre Schwachstellen liegen.

Am Dienstag (30. Dezember) ereignete sich auf der eingleisigen Bahnstrecke zwischen Ollantaytambo und Machu Picchu (Aguas Calientes) ein schwerer Frontalzusammenstoß zweier Touristenzüge, bei dem ein Lokführer ums Leben kam und rund 40 weitere Personen, darunter viele ausländische Besucher, verletzt wurden. Der Vorfall hat den touristisch bedeutenden Verkehrsweg, über den jährlich weit über eine Million Menschen zur legendären Inka-Ruinenstadt reisen, vorübergehend lahmgelegt und Fragen zur Sicherheit der Zugstrecke aufgeworfen.

Spektakuläre, aber anspruchsvolle Strecke

Die Strecke von Ollantaytambo nach Aguas Calientes, dem nächstgelegenen Bahnhof zur weltberühmten Inka-Zitadelle Machu Picchu, ist nur etwa 30 bis 40 Kilometer lang und folgt überwiegend dem Urubamba-Fluss durch das Heilige Tal der Inka.

Blick auf die Landschaft vom Zug nach Machu Picchu aus

Foto: Nika Lerman/Shutterstock.com

Da die Strecke fast vollständig eingleisig ist und nur wenige Ausweichgleise besitzt, müssen die Zugbewegungen exakt aufeinander abgestimmt werden. Die Streckenführung macht den Betrieb logistisch anspruchsvoll; besonders in der Hochsaison, wenn stündliche Abfahrten auf der Tagesordnung stehen. Typische Fahrzeiten von Ollantaytambo nach Aguas Calientes liegen bei rund 1 Stunde 30 Minuten bis knapp 2 Stunden, je nach Zugtyp und Wetterlage.

Die Betreiber: PeruRail und Inca Rail

Zwei private Gesellschaften teilen sich die Konzession auf dieser touristisch wichtigen Verbindung:

  • PeruRail – bietet unter anderem die Züge »Expedition« und »Vistadome« an und betreibt auch längere Verbindungen ab Cusco (z. B. Poroy–Machu Picchu).
  • Inca Rail – bekannt für Zug-Angebote wie First Class, 360° Panoramic oder Voyager.

Alle Züge verfügen über große Panoramafenster, komfortable Sitze und zusätzliche Serviceangebote wie Snacks, Getränke und oft kleine Kulturprogramme an Bord.

Geschichte und Bedeutung der Route

Die Bahnlinie wurde Ende der 1920er bis Anfang der 1930er Jahre gebaut und hat seither die Entwicklung der Region stark beeinflusst – nicht zuletzt indem sie dem heute »Machu Picchu Pueblo« genannten Aguas Calientes erst bedeutende Bedeutung für den Tourismus verschaffte.

Touristenzug von Cusco nach Machu Picchu am Bahnhof Ollantaytambo

Foto: dsokol66/Shutterstock.com

Da keine öffentliche Straße direkt zur archäologischen Stätte führt, nutzen praktisch alle Besucher die Kombination aus Zug und Bus. Die Bahn bringt sie bis Aguas Calientes, von wo aus ein Shuttlebus in etwa 25 bis 30 Minuten zur Zitadelle fährt.

Zugunglück Machu Picchu: Hintergründe und Folgen

Der Zusammenstoß am 30. Dezember 2025 ereignete sich gegen 13:20 Uhr Ortszeit in der Nähe des archäologischen Bereichs Qoriwayrachina. Dabei kollidierten zwei Personenzüge von PeruRail und Inca Rail frontal miteinander. Bei dem Unfall kam ein Lokführer ums Leben, mindestens 30 bis 40 weitere Personen wurden verletzt, darunter nach Angaben der US-Botschaft in Lima auch US-Staatsbürger und weitere ausländische Touristen. Etwa 20 Verletzte befanden sich in relativ ernstem Zustand. Rettungskräfte mussten teilweise über schwieriges Gelände zum Unfallort vorstoßen, da es keine direkte Straßenanbindung gibt.

Nach dem Unglück wurden alle Bahnverbindungen auf der Strecke vorübergehend eingestellt. Passagiere evakuiert und die Verletzten in Krankenhäuser in der Region Cusco gebracht, berichtet unter anderem die staatliche peruanische Nachrichtenagentur Andina auf ihrer Website. Videos aus sozialen Medien zeigen beschädigte Züge mit zerborstenen Fenstern und Helfer, die Verletzte entlang der Gleise versorgen.

Die Behörden untersuchen derzeit die Unfallursache. Neben internen Untersuchungen der Bahnbetreiber kündigte auch das peruanische Wettbewerbs- und Verbraucherschutzinstitut INDECOPI eine Untersuchung an.

Proteste im September wegen Busverbindungen

Erst im September dieses Jahres stand die Inka-Ruinenstadt wegen gewaltsamer Proteste und Evakuierungen im Fokus. Nachdem Anwohner die Bahnstrecke blockiert hatten, musste der Zugverkehr vorübergehend eingestellt werden. Rund 1.600 Touristen, darunter auch Reisende aus Deutschland, wurden in Sicherheit gebracht.

Der Betrieb wurde erst wieder aufgenommen, nachdem die Blockaden aufgehoben worden waren. Hintergrund der Proteste ist ein Streit über die Vergabe des Busbetriebs zwischen Aguas Calientes und der archäologischen Stätte, bei dem sich lokale Gruppen bei der Auftragsvergabe benachteiligt fühlen.

Praktische Hinweise für Reisende auf einen Blick

  • Fahrpläne: In der Hochsaison verkehren die Züge häufig stündlich, Tickets sind oft Wochen im Voraus ausgebucht.
  • Buchung: Tickets sollten frühzeitig online über die offiziellen Websites gebucht werden.
  • Dauer & Stationen: Abfahrtspunkte können Ollantaytambo oder – je nach Angebot – auch Cusco sein, mit entsprechend längeren Fahrtzeiten.
  • Reiseerlebnis: Die Route gilt als eine der landschaftlich schönsten Bahnstrecken Südamerikas, mit spektakulären Blicken auf das Heilige Tal.