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Wer Peru zu Fuß entdeckt, spürt den Pulsschlag dieses Landes. Zwischen schneebedeckten Andengipfeln, tief eingeschnittenen Tälern und jahrhundertealten Wegen entfaltet sich eine Welt, die sich Reisenden im Bus oder Zug verschließt. Wir stellen fünf anspruchsvolle Wanderwege in Peru vor, die sich hervorragend zum Erkunden des Landes eignen.

Choquequirao (Cusco)

Wer sich auf die mehrtägige Wanderung zur legendären Inka-Stätte Choquequirao in Peru begibt, entscheidet sich für ein Abenteuer abseits des Mainstreams. Der Weg führt in vier bis fünf Tagen durch das Apurímac-Tal, über wackelige Hängebrücken und steile Serpentinenpfade. Insgesamt ist man dabei rund 60 Kilometer unterwegs. Auf etwa 3.000 Metern Höhe erscheint schließlich Choquequirao, auch »Schwesterstadt von Machu Picchu« genannt: eine gewaltige Anlage aus Terrassen, Tempeln und zeremoniellen Plätzen, umgeben von Nebelwald und Felsmassiven.

Peru Trekking: Wanderer auf dem Choquequirao

Foto: Juan Vallejo/PROMPERU

Wer möchte, kann die Route über den Maizal-Pass nach Yanama oder sogar bis Machu Picchu verlängern. Das wäre freilich eine anspruchsvolle, zehntägige Variante zum Wandern in Peru, die ein hohes Durchhaltevermögen voraussetzt.

  • Beste Reisezeit: Trockenzeit von Mai bis Oktober mit stabilen Wetterbedingungen und weniger rutschigen Wegen. Während der Regenzeit (November bis April) ist die Route schwerer begehbar, das Risiko von Erdrutschen steigt.
  • Schwierigkeitsgrad: Anspruchsvoll; steile, lange Auf- und Abstiege, täglich fünf bis acht Stunden Gehzeit, Höhendifferenzen zwischen ca. 1.500 und 3.000 Meter. Gute Kondition und Akklimatisierung sind notwendig.
  • Startpunkt: Meist im Ort Cachora (2.800 Meter), etwa vier Stunden Fahrt von Cusco entfernt. Von dort rund 32 Kilometer bis Choquequirao und zurück. Verlängerungen über den Maizal-Pass oder bis Machu Picchu möglich.
  • Genehmigungen: Keine speziellen Permits erforderlich; Eintrittsgebühr in Höhe von 60 Soles (etwa 15 €) für die Ausgrabungsstätte (vor Ort zahlbar).

Laguna 69 (Áncash)

Im Herzen des Huascarán-Nationalparks wartet eines der bekanntesten Naturschauspiele Perus: die Laguna 69. Die mittelschwere Tageswanderung beginnt in Cebollapampa auf etwa 3.800 Meter und führt rund sieben Kilometer hinauf zur Lagune. Unterwegs wechseln sich grasbewachsene Hochebenen, Wasserfälle und wunderschöne Ausblicke auf Nevado Pisco und Huascarán ab. Wer den letzten, steilen Anstieg geschafft hat, steht vor einem türkisfarbenen Spiegel, so intensiv, dass kein Filter ihn nachahmen könnte.

Foto: Daniel Silva/PROMPERU

  • Tipp: Aufgrund der Höhe empfiehlt sich ein Akklimatisationstag in Huaraz oder am Lago Llanganuco.
  • Beste Reisezeit: Trockenzeit von Mai bis September; stabile Bedingungen, wenig Regen, beste Sicht auf die Berge.
  • Schwierigkeitsgrad: Mittel bis anspruchsvoll; Tageswanderung, insgesamt ca. 12–15 Kilometer, etwa 900–1.100 Höhenmeter Auf- und Abstieg, höchster Punkt auf ca. 4.600 Meter. Akklimatisierung dringend empfohlen.
  • Startpunkt: Üblicher Startpunkt ist der Parkplatz Cebollapampa (3.800 Meter), erreichbar von Huaraz (ca. drei bis vier Stunden Busfahrt).
  • Genehmigungen: Eintrittsgebühr für den Huascarán-Nationalpark (vor Ort oder über Veranstalter zu bezahlen). 30 Soles für 1 Tag (etwa 7,50 €)

Santa Cruz Trek (Huaraz)

Die klassische Hochgebirgsroute des Huascarán-Nationalparks ist ein Paradies zum Wandern in Peru. Über rund 50 Kilometer führt der Santa-Cruz-Trek in vier Tagen von Vaquería nach Cashapampa (oder umgekehrt). Auf dem Weg warten Lagunen in schimmernden Blautönen – Ichiccocha, Jatuncocha – und Ausblicke auf Gipfel wie Taulliraju oder Alpamayo, der als einer der schönsten Berge der Welt gilt. Der Übergang über den 4.750 Meter hohen Punta Unión ist das emotionale und topografische Highlight. Lagerplätze wie Llamacorral oder Taullipampa bieten Nächte mit Bergpanorama.

Wanderer genießt Ausblick auf Berge und See auf dem Santa-Cruz-Wanderweg in Peru

Foto: Daniel Silva/PROMPERU

  • Beste Reisezeit: Trockenzeit von Mai bis September, auch April und Oktober sind geeignet (kühler, aber meist stabiles Wetter). In der Regenzeit (November bis März) sind die Wege schlammig und teils gefährlich.
  • Schwierigkeitsgrad: Mittel; Dauer etwa vier Tage, täglich vier bis sechs Stunden Gehzeit. Lange Auf- und Abstiege, größte Herausforderung ist die Höhe bis 4.750 Meter (Punta Unión). Zeltausrüstung und Akklimatisierung erforderlich.
  • Startpunkt: Meist Anreise von Huaraz nach Cashapampa (Startpunkt) oder alternativ nach Vaquería, je nach Laufrichtung.
  • Genehmigungen: Eintrittskarte für den Huascarán-Nationalpark (erhältlich im Parkbüro in Huaraz oder an Kontrollpunkten). 60 Soles für 2–3 Tage (ca. 15 €)

Colca-Tal (Arequipa)

Das Colca-Tal, das mit bis zu 3.400 Metern doppelt so tief wie der Grand Canyon ist, gilt als Eldorado für alle, die zum Wandern nach Peru kommen. Ausgangspunkt für viele Touren ist Cabanaconde, von wo aus mehrere Pfade hinab in die spektakuläre Schlucht führen. Dabei geht es vorbei an uralten Terrassenfeldern und kleinen Andendörfern; und mit etwas Glück ziehen hoch oben majestätische Kondore über den Himmel am Mirador Cruz del Cóndor. Besonders lohnend ist außerdem der Abstieg zur Oase Sangalle, wo Palmen sowie Thermalquellen für willkommene Erholung sorgen. Wenn du möchtest, kannst du die Runde über Llahuar mit seinen heißen Quellen erweitern oder dich sogar auf mehrtägige Trekkingvarianten über Fure und Tapay begeben.

Wanderer auf Trekkingroute im Colca-Tal in Peru

Foto: Renzo Tasso/PROMPERU

  • Beste Reisezeit: Trockenzeit von Mai bis November; stabile Wege, klare Sicht, milde Tagestemperaturen.
  • Schwierigkeitsgrad: Je nach Route unterschiedlich; die beliebten Zwei-Tages-Touren ab Cabanaconde sind mittelschwer. Zu bewältigen sind steile Abstiege und Anstiege mit vielen Höhenmetern, aber auch für sportliche Einsteiger geeignet. Mehrtägige Varianten mit Übernachtungen erfordern eine gute Kondition und Höhenanpassung (Routen meist zwischen 3.200 und 4.900 Meter).
  • Startpunkt: Hauptausgangspunkt ist Cabanaconde (ca. sechs Stunden Fahrt von Arequipa). Beliebte Routen führen zur Oase Sangalle, zu den Dörfern Tapay, Llahuar und Chivay. Der berühmte Kondor-Aussichtspunkt liegt nahe dem Taleingang.
  • Genehmigungen: Eintrittsgebühr (»Boleto Turístico«) für das Colca-Tal, vor Ort oder beim Touranbieter zu bezahlen. Preis: 70 Soles (ca. 17,5 €)

Gocta (Amazonas)

In der üppig-grünen Bergregenwaldregion von Amazonas liegt eines der letzten großen Naturgeheimnisse Perus. Der Gocta-Wasserfall, mit über 770 Meter einer der höchsten der Erde, blieb bis vor wenigen Jahrzehnten selbst Einheimischen weitgehend unbekannt. Heute führt ein rund fünf Kilometer langer Pfad von San Pablo oder Cocachimba durch Nebelwald, wo Tukane, Kolibris und bunte Schmetterlinge den Weg begleiten. Immer wieder taucht zwischen den Bäumen das gleißend weiße Band des Wasserfalls auf – bis man schließlich vor seiner donnernden Wucht steht, überwältigt von Größe und Klang.

Panoramablick auf Gocta-Wasserfall in Peru

Foto: Wirestock Creators/Shutterstock.com

  • Beste Reisezeit: Trockenzeit von Mai bis September; Pfade sind dann weniger rutschig und die Sicht auf den Wasserfall am besten. In der Regenzeit (Oktober bis April) führt er zwar mehr Wasser, doch die Wanderwege dorthin können schlammig sein.
  • Schwierigkeitsgrad: Leicht bis mittelschwer; Hauptroute 5–7 km, moderat ansteigend und gut markiert, maximaler Höhenunterschied ca. 600 Meter. Auch für Familien mit älteren Kindern geeignet, gute Grundfitness empfohlen.
  • Startpunkt: Wanderstart wahlweise in Cocachimba oder San Pablo – je nach gewünschter Perspektive auf den Wasserfall. Beide Dörfer sind über Straßen von der Stadt Chachapoyas erreichbar.
  • Genehmigungen: Eintrittsgebühr für das Schutzgebiet bzw. den Wasserfall am Dorfeingang zu entrichten. Preis: 20 Soles (etwa 5 €)