18 Inseln, 50.000 Menschen, fast doppelt so viele Schafe. Die Färöer liegen mitten im Nordatlantik, weit genug von allem entfernt, um sich wie eine eigene Welt anzufühlen. Wer hierherkommt, trifft auf eine Landschaft, die wenig Kompromisse macht, eine Küche, die auf alten Techniken aufbaut, und eine Gastfreundschaft, die überrascht. Dieser Guide zeigt, wie man hinkommt, wo man schläft, was man isst und warum die Färöer zu den ungewöhnlichsten Reisezielen Europas gehören.

Wie kommt man auf die Färöer?

Auf die Färöer-Inseln reist man am bequemsten mit dem Flugzeug über Kopenhagen. Von dort fliegt Atlantic Airways mehrmals pro Woche zum Flughafen Vágar, den einzigen Flughafen der Inselgruppe. Je nach Saison gibt es Direktverbindungen aus weiteren europäischen Städten, etwa aus Skandinavien und Mitteleuropa; die genauen Routen wechseln regelmäßig.

Von Deutschland aus ist in der Regel ein Umstieg nötig, typischerweise über Kopenhagen. Welche Abflugorte gut angebunden sind und wie die Flugzeiten aussehen, ändert sich von Jahr zu Jahr. Ein Blick auf die Webseiten der Airlines oder gängige Flugportale lohnt sich.

 Fähre aus der Vogelperspektive auf einem Fjord zwischen den Bergen der Färöer-Inseln

Foto: Thomas Dorgler

Wer Zeit mitbringt, erreicht die Färöer auch mit der Fähre Norröna, die den dänischen Hafen Hirtshals mit Tórshavn verbindet und weiter nach Island fährt. Die Überfahrt dauert rund anderthalb Tage und findet vor allem im Sommer ein- bis zweimal pro Woche statt. Fahrpläne und Preise variieren je nach Saison.

Die Färöer-Inseln gehören zum Königreich Dänemark, sind aber weder EU-Mitglied noch Teil des Schengenraums. Für Reisende aus Deutschland genügt in der Regel ein gültiger Personalausweis oder Reisepass. Visa-Bestimmungen können sich ändern, daher lohnt es die aktuellen Einreiseinformationen bei Visit Faroe Islands oder den dänischen Behörden zu checken, besonders für Nicht-EU-Bürger oder längere Aufenthalte.

Welche Inseln sind mit dem Auto erreichbar?

Zwischen den 18 Inseln bewegt man sich wie auf einer kleinen Expedition: über spektakuläre Brücken, durch Tunnel unter dem Atlantik und mit Fähren durch enge Schluchten.

In den letzten Jahren hat sich das Straßennetz rasant entwickelt. Besonders der Sandoyartunnilin, ein knapp elf Kilometer langer Unterseetunnel zwischen Streymoy und Sandoy, hat die Verbindung grundlegend verändert: Wo früher nur die Fähre fuhr, erreicht man das südliche Inselreich heute mit dem Auto.

Viele der größeren Inseln sind über Unterseetunnel und Brücken verbunden, darunter Streymoy und Eysturoy mit ihrem Unterwasser-Kreisverkehr, der längst zur Sehenswürdigkeit geworden ist. Mit einem Mietwagen kommt man erstaunlich weit und kann mehrere Inseln in Tagesausflügen kombinieren.

Blick vom Deck einer Fähre auf den Fjord zwischen den Klippen der Färöer-Inseln

Foto: Isak Sandin

Für entlegenere Eilande bleiben Fähren und teilweise Helikopter das Verkehrsmittel der Wahl. Fahrpläne und Frequenzen ändern sich regelmäßig; Fährverbindungen und Heliflüge lohnt es sich, kurz vor der Reise online zu prüfen und bei engen Anschlüssen etwas Puffer einzuplanen.

Die modernen Unterseetunnel sind mautpflichtig. Die Gebühren werden elektronisch erfasst und später über die Mietwagenfirma oder ein Online-Portal abgerechnet. Aktuelle Details lassen sich vor Abfahrt leicht online prüfen.

Kommt man auf den Färöern mit Englisch durch?

Auf den Färöern spricht man Färöisch, eine nordgermanische Sprache, die vom Altwestnordischen abstammt und weltweit nur von wenigen Zehntausend Menschen gesprochen wird. Dänisch ist die offizielle Zweitsprache, tritt im Alltag aber zunehmend hinter Englisch zurück. Besonders Jüngere wechseln mühelos ins Englische, sodass man sich damit fast überall gut verständigen kann.

Wann ist die beste Reisezeit für die Färöer?

Dank des Golfstroms ist es auf den Färöern milder, als man vermuten würde. Im Winter liegen die Temperaturen meist um 3 bis 5 Grad, im Sommer zwischen etwa 11 und 13 Grad. Regen gehört zum Alltag: An rund 300 Tagen im Jahr fällt Niederschlag, wenn auch nicht ununterbrochen.

Was das Wetter wirklich prägt, sind die raschen Wechsel. Sturm, Regen, Nebel und Sonnenschein können sich innerhalb einer Stunde abwechseln. Die Einheimischen haben dafür eine pragmatische Haltung: »Wir können gerne über das Wetter reden, aber es nicht ändern.« Zum Thema Sommer pflegen sie eine ähnlich entspannte Einstellung. Auf die Frage »Wie war der Sommer?« lautet die Antwort oft: »Der Sommer? Keine Ahnung, da war ich auf der Toilette.«

Neugieriges Schaf schaut direkt in die Kamera, im Hintergrund Fjord und Landschaft der Färöer-Inseln

Foto: Liam McGarry

Wo kann man auf den Färöern Papageientaucher beobachten?

Neben der rauen Landschaft mit ihren Klippen, Wasserfällen und tief eingeschnittenen Fjorden sind es vor allem die Seevögel, die die Färöer prägen. Hunderttausende Papageientaucher brüten im Sommer auf den Inseln. Rund um Juli und August bieten sich an vielen Orten gute Chancen, die buntgeschnäbelten Vögel auf den Grasrändern der Klippen zu beobachten.

Papageientaucher auf den Klippen der Färöer-Inseln während der Brutsaison.

Foto: Jessica Pamp

Das Örtchen Gjógv auf Eysturoy liegt an einer tiefen Hafenschlucht, die als einer der schönsten Naturhäfen der Inseln gilt. Auf den umliegenden Klippen lassen sich in der Brutsaison mit etwas Glück Papageientaucher beobachten, je nach Jahr und lokalen Schutzvorgaben. Von Gjógv führen gut markierte Wanderwege in die umliegenden Berge; bei Nebel oder starkem Wind empfiehlt sich gute Ausrüstung und eine aktuelle Wetterinfo.

In Tórshavn lohnt sich ein Bummel durch die kleinen Boutiquen und Concept Stores, etwa durch den Laden von Guðrun & Guðrun (Niels Finsensgøta 13, 100 Tórshavn), die aus grober Schafswolle internationale Designerstücke fertigen. Adressen und Öffnungszeiten ändern sich gelegentlich; aktuelle Infos lassen sich kurz vor der Reise online finden.

 Spaziergängerin in der Altstadt von Tórshavn mit roten Holzhäusern und Grasdächern, Färöer-Inseln.

Foto: fokke baarssen/Shutterstock.com

Gut gebettet: Übernachten auf den Färöern

Wer die Ruhe eines Dorfes sucht, findet im Gästehaus Gjáargarður in Gjógv (Dalavegur 20, 476 Gjógv) eine gute Basis: einfache, gemütliche Zimmer, Aussicht auf Berge und Meer und ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen an der Nordküste von Eysturoy.

Blick auf ein färöisches Dorf im Tal zwischen grünen Bergen, im Vordergrund eine schmale Schlucht zum Meer.

Foto: Vincent Pawlowski

In Tórshavn punktet das Hotel Føroyar (Gilsvegur 10, 100 Tórshavn) mit weitem Blick über Stadt und Hafen. Hier hat auch schon die deutsche Nationalmannschaft genächtigt.

Was isst man auf den Färöer-Inseln?

Auf den Färöern schmeckt man das Wetter: salzige Luft, kräftigen Wind und sehr kurze Sommer. Die Küche lebt von dem, was Meer und Weiden hergeben: Fisch in allen Variationen, Lamm, Kartoffeln, Rhabarber. Alte Techniken wie Fermentieren, Trocknen und Räuchern sichern das ganze Jahr über Vorräte. Eine junge Gastroszene verbindet diese Traditionen mit moderner nordischer Küche und lokalen Zutaten.

 Getrockneter Fisch hängt an einer Leine vor dem Hafen von Tórshavn, Färöer-Inseln.

Foto: Robert Bahn

Wer sich darauf einlässt, bekommt Gerichte, die manchmal herausfordern, aber fast immer in Erinnerung bleiben: hauchzart getrocknetes Lamm, butterweiche Jakobsmuscheln, noch ofenwarmes Sauerteigbrot mit dick gesalzener Butter.

Die besten Restaurants in Tórshavn

Barbara Fish House

Mitten in den Gassen der Altstadt von Tórshavn versteckt sich das Barbara Fish House in einem alten, grasgedeckten Holzhaus. Drinnen wird es schnell warm und eng, wenn eine Reihe kleiner Teller auf den Tisch kommt: fangfrischer Fisch, Muscheln, Meeresfrüchte, dazu gutes Brot und Wein. Das Menü folgt dem, was gerade ins Netz gegangen ist, und wechselt regelmäßig. Adresse: Gongin 4–6, 100 Tórshavn. Öffnungszeiten ändern sich; eine Reservierung und ein Blick auf die Website lohnen sich.

Schild des Barbara Fish House an einer Holz- und Steinmauer in Tórshavn, Färöer-Inseln.

Foto: Georgi Kalaydzhiev

Áarstova

Wer Lamm liebt, ist in Áarstova richtig. Das Restaurant liegt in einem traditionellen Haus mit Grasdach im Zentrum von Tórshavn und wirkt wie ein sehr stilvolles Wohnzimmer: dunkles Holz, Kerzenlicht, enge Räume, aus der Küche zieht der Duft von geschmortem Fleisch. Auf den Tellern landen Klassiker der färöischen Küche, vor allem Lamm in verschiedenen Varianten, dazu Fischgerichte. Das Restaurant ist bei Einheimischen und Gästen beliebt; besonders am Wochenende empfiehlt sich eine Reservierung. Preislich bewegt es sich im gehobenen Bereich. Adresse Gongin 1, 100 Tórshavn. Mehr Informationen auf der Website.

Wie ist das mit dem Trinkgeld auf den Färöern?

Auf den Färöern sind Servicegebühren in Restaurants, Hotels, Bars und Taxis in der Regel im Preis enthalten. Trinkgeld war lange kaum Thema und ist bis heute keine Pflicht. Inzwischen ist es völlig in Ordnung, bei gutem Service etwas aufzurunden oder ein kleines Extra zu geben, etwa fünf bis zehn Prozent oder ein paar Kronen. Wer nichts gibt, macht sich nicht unbeliebt; wer ein Trinkgeld dalässt, zeigt zusätzliche Wertschätzung.

Zu Gast bei Färingern

Heimablídni

Heimablídni bedeutet wörtlich »Gastfreundschaft daheim«. Privatleute öffnen ihre Türen, bekochen Gäste bei sich zu Hause und erzählen dabei über Alltag, Inseln und alte Bräuche. Aus dem Restaurantbesuch wird ein Abend mitten im färöischen Familienleben. Angeboten wird Heimablídni an verschiedenen Orten und von unterschiedlichen Gastgebern auf den Inseln. Aktuelle Termine, Menüs und Buchungsmöglichkeiten finden sich über Tourist-Information(hier geht’s zur Website). Die Abende sind meist einfach, herzlich und sehr persönlich.

Geheimtipp: Konzerte in Meereshöhlen

Eine der ungewöhnlichsten Begegnungen mit Natur und Kultur sind Sommerkonzerte in Meereshöhlen. Mit einem traditionellen Segelschiff und kleinen Zodiacs geht es entlang der Steilküste zu Höhlen, in denen Musikerinnen und Musiker akustische Sets spielen. Termine, Anbieter und Preise ändern sich von Saison zu Saison; aktuelle Informationen gibt es online bei Visit Faroe Islands (Website-Link).

Besser nicht …

… mit den Einheimischen sofort über Walfang diskutieren. Das verschließt schnell die Türen zu den an sich sehr offenen und gastfreundlichen Inselbewohnern. Wer das Thema ansprechen möchte, tut das besser im Laufe eines Gesprächs, wenn Vertrauen entstanden ist.

… sich bei Nebel ohne ortskundigen Guide auf Wanderschaft begeben. Einige der eindrucksvollsten Wanderrouten führen über unmarkierte Pfade entlang steiler Klippen. Bei Nebel oder Sturm kann das gefährlich werden. Vor dem Aufbruch lohnt es sich, Wetter, eventuelle Wegsperrungen und Permit-Regeln zu prüfen, aktuelle Karten oder GPS-Tracks zu nutzen und im Hotel oder bei Gastgebern eine kurze Info zur geplanten Route zu hinterlassen.

Wanderer steht am Kliffrand über dem Atlantik, dahinter der See Sørvágsvatn auf den Färöer-Inseln.

Foto: Jake Hind

Mehr Infos auf der Website der Visit Faroe Islands.

Wer die Färöer jenseits des Reiseführers kennenlernen möchte, liest diese Reportage. Weitere Eindrücke von der Landschaft gibt es in der Bildergalerie.