Wo einst Lady Di die Aussicht auf das zerklüftete Jabel-Akhdar-Gebirge aus dem Zelt heraus genoss, können heute Hotelgäste ihre Blicke bequem vom Balkon oder Terrasse aus über eine schroffe, zerklüftete Berglandschaft schweifen lassen, ganz ohne Abstriche bei den luxuriösen Annehmlichkeiten zu machen, die ein Fünf-Sterne-Haus in luftiger Höhe bietet. Die vergleichsweise milde Temperatur, insbesondere im Sommer, nimmt man unterdessen nicht nur gerne in Kauf, man sehnt sich sogar danach. Text: Andreas Dauerer

Es ist schon gemein, aber die Natur kann man nicht austricksen. Geht einfach nicht. Denn wer von Europa aus in den Oman, ins Anantara Al Jabal Al Akhdar reisen will, der steigt in der Regel bei gemäßigten Temperaturen in den Flieger, um dann unter sengender Hitze im Glut-ofen der Hauptstadt Muskat zu landen.

Bei einer Luftfeuchtigkeit von durchschnittlich 50 Prozent kann da schon mal das Atmen schwerfallen, in jedem Falle aber macht es die Ankunft schnell zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. In geschlossenen Räumen ist der Oman dann aber rasend schnell wieder bei Europa, manchmal sogar geradezu im Wintermodus, so stark werden die Regler der Klimaanlagen in Richtung Eiskristall gestellt. Schnell wird einem klar, dass man trotz 45 Grad Außentemperatur etwas Langärmliges griffbereit haben sollte.

Die Omanis haben das richtige Kleidungsstück: die Dishdasha

Die Omanis haben das in Sachen Kleidung mit der traditionellen Dishdasha natürlich seit Jahrhunderten bestens abgedeckt. Das lange Gewand, unter dem sie einen Wickelrock tragen, dient quasi gleichermaßen zum Schutz vor arabischer Sonne und vor Klimaanlagen. Aber, so viel sei verraten, selbst die an das Klima gewöhnten Omanis schwitzen bei 45 Grad unter ihrer Dishdasha. Wie sie es allerdings anstellen, dass sie bei dem vielen Staub trotzdem immer aussehen, als seien sie gerade der Waschtrommel inklusive Bügelservice entstiegen, das steht auf einem ganz anderen Blatt.

Um jedoch genau diesen natürlichen Gegebenheiten zumindest manchmal ein Schnippchen zu schlagen, fährt man ins Gebirge. Denn mit jedem Höhenmeter wird zwar die Luft ein wenig dünner, dafür fällt das Quecksilber im Thermometer. Geradezu feudal kann man sich im Anantara Al Jabal Al Akhdar eine kühlere Auszeit nehmen, das Ende 2016 auf dem Saiq-Plateau im Nordwesten des Landes seine Pforten geöffnet hat.

Anantara Al Jabal Al Akhdar Resort

Andreas Dauerer

Auf 2.000 Metern ist es im Vergleich zur Küste etwa 15 Grad kälter, was dann zwar immer noch um die 30 Grad unter der Mittagssonne bedeuten kann, aber eben keine 45 mehr. Die zweistündige Fahrt bei vergleichsweise frostigen 20 Grad aus der Klimaanlage von Maskat ins Jabel-Akhdar-Gebirge ist zunächst langweilig, weil Autobahn, dann aber spektakulär. Die letzte halbe Stunde geht es über den Sumail-Pass recht kurvenreich und steil in eine faszinierende Bergwelt hinauf. Immer wieder eröffnen sich wunderbare Ausblicke auf das Hadschar-Gebirge, bis man relativ unvermutet am Plateau ankommt – und dem Anantara.

Das höchst gelegene Luxushotel im Mittleren Osten

Es gibt ja Hotels, da möchte man eigentlich nichts sehnlicher, als nur im Eingangsbereich stehen bleiben, weil der so opulent und schön ist, dass das eigene Zimmer dagegen freilich nur schlecht aussehen kann. Wieder andere Eingangshallen sind so scheußlich, dass man gar nicht schnell genug auf das eigene Zimmer gehen möchte, weil das in jedem Falle nur besser sein kann. Gut, dass diese beiden Dinge auf das Anantara Al Jabal Al Akhdar nicht zutreffen. Es wäre nicht direkt zu erwarten gewesen, schließlich versteckt sich hinter der schweren hölzernen Flügeltür das höchst gelegene Luxushotel im Mittleren Osten. Dunkle Töne überwiegen, ein bisschen Holz, ein bisschen Gold in angenehmer arabischer Schlichtheit. Kalte feuchte Tücher werden gereicht, im Hintergrund singt ein Omani sein Lied zur Trommel, schließlich wird man in den Nebenraum geführt, und es gibt Tee und süße Datteln zur Begrüßung.

Dennoch stellt sich bei mir eine gewisse Unruhe ein, denn meine Blicke gehen immer nur nach draußen. So muss es wohl auch Lady Di ergangen sein, die hier auf dem Saiq-Plateau, eben dort, wo jetzt auf 66.000 Quadratmetern Anantara das Al Jabal Hotel eröffnet hat, picknickte, während Prinz Charles zum Pinsel griff und die Landschaft auf die Leinwand bannte.

Ein betörend schönes Panorama, kurz vor der Abrisskante

Das Anantara Al Jabal Al Akhdar schmiegt sich bis an den Rand des sehr schroff abfallenden Plateaus und gibt so ganz wunderbare Blicke auf das Jabel-Akhdar-Massiv frei. Ich folge nur dem Wasserlauf, den Architekt Lotfi Sidirahal wohl als geometrischen Wegweiser in den Boden mauern ließ und der vom Eingang schnurgerade bis zur Aussichtsplattform führt.

Umgebung des Anantara Al Jabal Al Akhdar Resort

Andreas Dauerer

Gefühlt sind das 200 Meter, zuerst ein paar Stufen hoch, vorbei am Hauptrestaurant Al Maisan rechts und dem Al Qalaa für traditionelle, regionale Küche links, dann hinunter durch ein noch relativ karges Feld, wo zarte Pflanzen in der nächsten Regenperiode grün erstrahlen sollen, und wieder ein paar Stufen hinauf zwischen dem italienischen Restaurant Bella Vista und Infinity Pool, ein paar Schritte noch auf dem Steg, und dann halte ich einfach den Atem an: Vor mir eröffnet sich ein faszinierendes Bergpanorama, und keine zwei Meter weiter schlängelt sich die Abrisskante des Plateaus links und rechts vorbei. Diana durfte wohl ähnlich große Augen bekommen haben, wie ich jetzt, und ich kann mir nur zu gut vorstellen, welchen Bergrücken Prinz Charles wohl gemalt hat. Hier lange zu verweilen, ist keine Kunst, es geht von ganz alleine.

Unterwegs mit dem Mountain-Guru

Die Standardzimmer des Anantara Al Jabal Al Akhdar sind leicht nach hinten versetzt und bieten ebenfalls den spektakulären Blick vom Balkon hinüber zu den Bergen und in die Täler, teilweise auch auf die Bergdörfer mit ihren terrassierten Hängen, wo sich einst die Bauern selbst versorgt haben. Grüner Berg heißt Jabal Akhdar übersetzt, weil es hier öfter regnet als im Rest des Landes und deshalb relativ viel wächst. Maher, Anfang 30, kennt jeden Strauch.

Reiseführer des Anantara Al Jabal Al Akhdar Resort

Andreas Dauerer

Er ist selbst in einem der gegenüberliegenden Bergdörfer geboren, arbeitet jetzt aber als »Mountain-Guru« und führt Hotelgäste auf Tagestouren durch die Landschaft und Dörfer.

Auch hier im Al Jabal ist Anantara seinem Guru-Konzept treu geblieben.

»Ich wäre zwar lieber Bauer geworden, wie mein Vater«, verrät Maher, »aber meine Heimat den Touristen zu zeigen, das ist doch auch wunderbar.«

Das ist es in der Tat, und eine Wanderung über diese eigentümliche und teilweise bizarre Bergwelt lohnt sich. Aprikosen, Pflaumen, Feigen, Granatäpfel, Hennabäume, Äpfel und Birnen wachsen hier, dazu auch Walnüsse, Mandeln und Safran. Und Rosen. Nebst Blumen wird hier auch das berühmte Rosenwasser gewonnen, das die arabischen Köche so gerne in ihren Nachspeisen verwenden. Alles auf mühsam angelegten Terrassen, so weit das Auge reicht. Regenwasser wird in aufwendigen Wassersystemen, den Faladsch, in die einzelnen Felder geleitet. »Jedes Feld wird eine Stunde bewässert, dann kommt das nächste dran«, so Maher. Dazu wird mit einem Holzbrett kurzerhand der Wasserlauf geblockt, das ist so einfach wie genial.

Der König ist die Bergkulisse

Egal, ob im Hotel oder außerhalb, der wahre König ist stets die zerklüftete Bergkulisse. Zurück im Hotel, ertappe ich mich immer wieder, dass ich in Richtung Abgrund marschiere. Wagemutige können sich abseilen, bequemere Zeitgenossen liegen am Pool oder machen im Spa ein wenig die Äuglein zu. Abends trifft man sich auf einen Aperitif wieder am Abgrund zum Sonnenuntergang und genießt Drink und Farbenspiel. Wenn die Sonne dann erst mal hinter den Bergkuppen verschwunden ist, kann man ganz beseelt zum Abendessen marschieren. Vielleicht auch mit einem Abstecher zum Zimmer, um sich noch einen Pulli zu holen.

onnenuntergang im Anantara Al Jabal Al Akhdar Resort

Andreas Dauerer

Anantara Al Jabal Al Akhdar Resort, Nizwa. Sultanat Oman, Tel. +968 25 218000. Das Anantara Al Jabal hat 82 Zimmer mit Blick auf den Canyon sowie 33 private Villen mit eigenem Pool sowie Butler-Service. Die Villen sind ideal für Gäste, die noch mehr Wert auf Privatsphäre legen. Dazu sind sie im Vergleich zu den regulären Zimmern mindestens doppelt so geräumig, und zwar zwischen 178 und knapp 310 Quadratmetern. Wer noch mehr Platz braucht, kann in die Royal Mountain Villa ziehen. Drei Schlafzimmer, Küche, Wohnzimmer, großer Pool mit Terrasse und Jacuzzi im ersten Stock mit dem schönsten Blick auf die Klippen. Kostenpunkt: ab ca. € 4.300 pro Nacht. Reguläre Zimmer sind für etwa € 520 zu haben, eine Villa mit einem Schlafzimmer ab ca. € 640. Weitere Informationen über das Resort gibt es hier.

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