28 Objekte des Bergbaukomplexes Friedrichsgrube im heutigen Tarnowskie Góry sind von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt worden. Es ist die 15. Unesco-Welterbestätte in Polen. Die Verantwortlichen vor Ort erhoffen sich davon einen touristischen Aufschwung.

Beinahe jedes Kind in Polen kennt den Stollen der Schwarzen Forelle (Sztolnia Czarnego Pstrąga). Der 600 Meter lange Abschnitt des Tiefen Friedrichstollens ist seit 1957 als längste unterirdische Bootstrasse in Polen für Besucher geöffnet und empfängt Schulklassen aus dem ganzen Land. Seinen klingenden Namen hat er von den Süßwasserfischen, die im dämmrigen Licht der Karbidlampen gänzlich schwarz erscheinen. Der Schwarze-Forelle-Stollen und das nahe gelegene Besucherbergwerk zählen bereits seit langem zu den wichtigsten denkmalgeschützten Sehenswürdigkeiten der Woiwodschaft Śląskie (Schlesien). Nun wurden beide gemeinsam mit 26 weiteren Objekten der ehemaligen Bergbauanlagen in Tarnowskie Góry Anfang Juli zum Welterbe der Unesco erklärt. Für Polen ist das der 15. Eintrag in die prestigeträchtige Liste.

1784 ging es los

Überzeugt hatten die Jury vor allem die jahrhundertealten Techniken zur Entwässerung der Stollen, Schächte und Kammern. Einen Entwicklungsschub erhielten die Tarnowitzer Gruben sowie der Bergbau in ganz Schlesien durch die Initiative von Friedrich Wilhelm von Reden.

Vor Ort betrieb der preußische Bergbauhauptmann den Bau der nach dem preußischen König benannten Friedrichsgrube und der dazu gehörenden Friedrichshütte. Sie nahmen 1784 und 1786 den Betrieb auf. Vom großen Innovationsgeist des Grafen zeugt die Tatsache, dass er bereits 1788 eine der ersten Dampfmaschinen Preußens zur Entwässerung des Bergwerks einsetzen ließ. Einzigartig ist zudem das Verfahren, mit dem ein Teil der Entwässerungsanlagen für die Wasserversorgung der Stadt genutzt wurde. Die Dampfmaschine war auch der Anlass, warum der Weimarer Geheimrat Goethe dem oberschlesischen Örtchen 1790 einen Besuch abstattete. Im Auftrag seines Herzogs sollte der Dichterfürst die Bergwerke von Ilmenau wiederbeleben. Die größte technische Herausforderung war dabei eben die Entwässerung der alten Silber- und Manganstollen. Von Reden führte den hohen Gast persönlich durch die Anlage.

Fördertürme der Schächte und Mundlöcher der Kanäle auch unter Schutz gestellt

Gut vier Fünftel des neuen Welterbes befinden sich unter der Erde, etwa ein Fünftel der insgesamt fast 1.700 Hektar sind oberirdische Flächen und Bauwerke. So wurden in der Tiefe gelegene Silberstollen und Entwässerungskanäle ebenso unter Schutz gestellt, wie die kleinen und großen Fördertürme der Schächte, die Mundlöcher der Kanäle oder die durch die jahrhundertelange Abbautätigkeit entstandenen Landschaften.

Einige der Objekte befinden sich auf dem Gebiet der benachbarten Orte Bytom (Beuthen) und Zbrosławice (Broslawitz). Zu den wichtigsten Bergbaudenkmälern, die es auf die Unesco-Liste geschafft haben, zählt der Tiefe Friedrichstollen. Die rund 17 Kilometer lange Anlage wurde 1834 als Entwässerungsstollen für die Friedrichsgrube in Betrieb genommen. Ein weiterer wichtiger Entwässerungskanal für die Friedrichsgrube ist die Sztolnia »Boże Wspomóż«. Der Gotthilfstollen wurde 1807 fertiggestellt. Als Welterbe geschützt sind auch die im Stil des Klassizismus errichteten Portale der Mundlöcher beider Stollen, also die Orte ihres Austritts an die Erdoberfläche.

40 Meter tief, 1.800 Meter lang

Die rund vier Kilometer vom Schwarze-Forellen-Stollen entfernte Hauptbesuchertrasse wurde 1976 eröffnet. In 40 Meter Tiefe führt sie über rund 1.800 Meter durch Teile der drei Schächte Anioł (Engel), Żmija (Viper) und Szczęść Boże (Glückauf). Die Anlagen stammen aus der Zeit vom 17. bis 19. Jahrhundert und können in Gruppen besichtigt werden, ein rund 300 Meter langer Abschnitt der Trasse wird auf Booten zurückgelegt. An der Oberfläche wartet ein kleines Freilichtmuseum mit verschiedenen Dampfmaschinen und Lokomotiven auf die Besucher.

Teil des Unesco-Welterbes sind auch die Landschaften, die aus den ehemaligen Bergbauhalden entstanden sind. So gilt beispielsweise der Stadtpark von Tarnowskie Góry als eines der ersten Beispiele für die Rekultivierung postindustrieller Gebiete. Er wurde 1903 auf Betreiben der Stadt angelegt und beheimatet heute Bäume aus rund 50 vorwiegend heimischen Arten. Einen Einblick in die Geschichte des Bergbaus in der Region bietet die südlich der Halde der Friedrichsgrube gelegene Landschaft »Srebrna Góra« (Silberberg), die sich hauptsächlich auf dem Stadtgebiet von Bytom befindet. Schon im Mittelalter wurde dort das silber- und bleireiche Erz geborgen, das nur wenige Handbreit unter der Oberfläche verborgen lag. Später verlagerte sich der Abbau immer weiter in die Tiefe. Diese Vergangenheit spiegelt sich in der buckligen Hügellandschaft wider, die zum großen Teil von Wald bedeckt ist.

Aufbau der touristischen Infrastruktur steht nun auf der Agenda

Mit dem einstigen Silberbergwerkskomplex von Tarnowskie Góry gelangte erstmals seit 2013 wieder ein polnisches Kulturgut auf die Liste des Welterbes der Unesco. Besonders stolz auf die Auszeichnung ist man beim Verein der Freunde des Tarnowitzer Landes. In erster Linie müsse jetzt in den Ausbau der touristischen Infrastruktur und der Bildung investiert werden. Dabei gelte es auch, die bisher nicht oder nur teilweise für den Publikumsverkehr geöffneten Objekte des Welterbes zugänglich und erlebbar zu machen. Der Verein hatte den Antrag seit 2011 in Eigenverantwortung entwickelt.

Informationen zum Besucherbergwerk in Tarnowskie Góry gibt es unter www.kopalniasrebra.pl.

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