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Charing Cross heißt die U-Bahn-Station, die mich mitten in London ausspuckt. Vor mir liegt ein paar Schritte weiter das Corinthia London. Ein Grandhotel mit Geschichte, Herz und Stil. Ich freue mich auf gutes Essen, feinen Service, gemütliche Zimmer, die mir diesen Aufenthalt versüßen.

Schon an der Whitehall Place, einer Straße in London die den Trafalgar Square mit dem Parliament Square verbindet, beginnt für mich eine andere Zeitrechnung. Der Doorman, makellos gekleidet, öffnet die Tür und übernimmt meinen Koffer, als wäre er ein Schatz. Über mir explodiert in der Lobby ein Meer aus 1.001 Kristallen. Es ist ein Baccarat-Kronleuchter und deswegen nennt sich die Lobby auch Crystal Moon Lounge. Sein Licht tropft wie flüssiger Honig über Marmorflächen, irgendwo spielt ein Pianist leise Standards.

Noch bevor ich richtig ankomme, lockt mich ein nostalgisches Wägelchen mit einer kunterbunten Candy Bar. Ein Augenzwinkern in Zuckerform, das mir sofort klarmacht: Dieses Haus versteht es, nicht nur zu beeindrucken, sondern auch spielerisch zu verwöhnen.

die Crystal Moon Lounge im Corinthia London

Foto: Corinthia London

Der Duft frischer Blumen, der Glanz polierten Holzes und dieses undefinierbare Aroma, das nur altehrwürdige Grandhotels haben, erfüllen die Luft. Kein Wunder – dieses Haus war einst eine Zentrale des britischen Verteidigungsministeriums, durchzogen von Geheimgängen ins Regierungsviertel.

Ich denke an die Geschichten: Churchill am Fenster, MI9 im Zimmer 424, James-Bond-Comics mit dieser Fassade als MI6-Hauptquartier. Jetzt stehe ich hier, nicht als Spionin (na, wer weiß?), sondern als Reisende mit einer Vorliebe für alles, was funkelt, schmeckt und ein bisschen nach Vergangenheit duftet.

Einchecken in die Suite

Meine Suite ist ein Refugium in sanftem Braun und Grau, ein samtiges Sofa, dazu eine große Bonbonniere, leicht versteckt im Schrank, randvoll gefüllt mit allerlei Zückerchen. Mit einem Karamellbonbon im Mund spaziere ich durch das Zimmer ins Bad. Hier erwartet mich selbstverständlich Marmor, eine Regendusche, und die Badewanne hat einen eigenen Fernseher. Schon ein feiner Ort zum Entspannen – doch ich lerne, es geht noch besser.

Badezimmer der Whitehall Penthouse Suite im Corinthia London

Foto: Corinthia London

Das Spa ist ein eigenes Universum auf vier Ebenen unter der Erde. Schwarzer Marmor, knisternde Kamine, Pools, Saunen, Dampfbäder – alles in einer Lichtstimmung, die eher an eine luxuriöse Privatvilla als an ein Stadthotel erinnert. Ich lasse mich auf einer beheizten Steinliege nieder, bevor ich zu meinem Augustinus-Bader-Treatment verschwinde.

Ein Spa zum Niederknien

Die Szene am Pool ist so schön, dass ich meinem Mann gerade eine Nachricht tippen will: »Das musst du dir unbedingt ansehen.« Doch kaum habe ich den Messengerdienst geöffnet, tritt ein Mitarbeiter aus einer Seitentür, lächelt und erklärt: »No phones here, Ma’am.«

Digital Detox auf Ansage. Also lasse ich das Handy sinken – und mich gleich mit. Das Jet Lag Glow Facial, eine Mischung aus warmem Öl, gezielten Massagegriffen und Hightech-Hautpflege, lässt mich nicht nur frischer aussehen, sondern auch fühlen, als hätte ich mich einmal komplett neu gestartet.

Spabereich im Corinthian London

Foto: Jennifer Latuperisa-Andresen

Mit frischem Glow geht es auf die Corinthia-Bühne für große kulinarische Auftritte. Im The Garden, unter Lichterketten und umgeben von mediterranem Grün, schmeckt mein Risotto Frutti di Mare nach Amalfiküste, mein Glas Rosé nach Sommerurlaub. Dann kommt das Tiramisu – frisch am Tisch vom Kellner angerichtet. Cremig, luftig, mit einem Hauch Espresso. Ein Dessert, das Glücksgefühle auslöst, wie andere Leute sie nur beim Wiedersehen mit alten Freunden empfinden.

Schlemmen im Kerridge’s Bar & Grill

Abends geht es ins Kerridge’s Bar & Grill. Tom Kerridge, in Großbritannien eine kulinarische Institution und so etwas wie der britische Tim Mälzer, eröffnete 2005 das The Hand & Flowers in Marlow – der erste Pub weltweit mit zwei Michelin-Sternen. Seine Küche ist bodenständig und gleichzeitig präzise inszeniert, voll britischem Charakter und moderner Raffinesse.

Hier im Corinthia serviert er perfekt gereifte Steaks aus der gläsernen Vitrine, kreative Gerichte wie Stockfisch-Scotch-Ei mit Chorizo und Paprikasoße oder ein Cornish Plaice, bei dem jeder Bissen ein kleines Schauspiel ist. Der Duft von Röstaromen und warmem Holz füllt den Raum, während leise Musik den Abend untermalt.

gedeckter Tisch im Restaurant im Corinthia London

Foto: Corinthia London

Wer danach noch Lust auf Glamour hat, findet ihn im Velvet – einem Cocktailparadies, das wie aus den Goldenen Zwanzigern gefallen scheint. Hier serviert Salvatore Calabrese Drinks, die von Kunstwerken inspiriert sind, manche gar mithilfe von KI interpretiert. Mein Drink duftet nach kandierter Birne, und ich muss lächeln: Schon wieder diese süße Spur, die sich wie ein roter Faden durch meinen Aufenthalt zieht.

Ein Afternoon Tea, wie er im Buche steht

Apropos süß: Schauplatz ist die Crystal Moon Lounge, diesmal zum Afternoon Tea. Champagner perlt in Baccarat-Flöten, die im Licht des Kronleuchters funkeln. Auf den Etageren reihen sich Scones, Törtchen und filigrane Macarons wie kleine Kunstwerke. Es überrascht mich nicht, dass dieser Afternoon Tea 2025 den Titel »Best Traditional Afternoon Tea« gewonnen hat – jeder Tisch ist besetzt.

Die High Society trifft sich hier gern. Oder Freundinnen, die sich amüsiert über ihr Leben austauschen. Ein wirklich süßer, authentischer Moment, den ich nur jedem ans Herz legen kann. So wie dieses Hotel im Allgemeinen. Jedes Mal, wenn ich das Hotel wieder betrete, macht sich in meiner Bauchregion ein Gefühl breit, das sich als Wohlfühlen definieren lässt. Ein Nachhausekommen.

Dachterrasse des Corinthia London

Foto: Corinthia London

Beim Auschecken an der Rezeption lächelt die Concierge, reicht mir die Rechnung – und einen kleinen Beutel mit Leckereien aus der Candy Bar. Ich befürchte, mein dortiges Auftauchen ist schon aufgefallen. »For the road.« Als ich ins Taxi steige, weiß ich, dass sich dieser Aufenthalt wie ein Bonbon in meine Erinnerung legen wird: glänzend, verführerisch und mit einem warmen, süßen Kern.

Mehr Infos zum Corinthia London

Whitehall Place
London SW1A 2BD
Vereinigtes Königreich

Eine Nacht für zwei Personen ab etwa 925 Euro.

Mehr Infos findest du auf der Website des Corinthia London.


In diesem Artikel verraten wir die coolsten Viertel Londons.

Zimmer im Corinthia London

Foto: Corinthia London