So lebt die DFB-Elf bei der WM 2026 in den USA
Als Deutschland 2014 in Brasilien Weltmeister wurde, war schnell von einem Ort die Rede, der fast ebenso berühmt wurde wie das Finale von Rio: Campo Bahia. Das abgeschiedene Teamquartier an der Küste des Bundesstaates Bahia entwickelte sich während des Turniers zum Symbol für Zusammenhalt, Ruhe und perfekte Vorbereitung. Viele Spieler schwärmten später von der besonderen Atmosphäre zwischen Palmen, Strand und Teamgeist. Für viele Beobachter war klar: Der vierte WM-Titel wurde nicht nur auf dem Platz gewonnen, sondern auch dort, wo die Mannschaft zwischen den Spielen lebte.
Zwölf Jahre später setzt der Deutsche Fußball-Bund bei der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko erneut auf ein Quartier, das deutlich mehr sein soll als nur ein Hotel. Die deutsche Nationalmannschaft wird ihr Team Base Camp in Winston-Salem im US-Bundesstaat North Carolina beziehen. Dort wohnen die Spieler im historischen »The Graylyn Estate« (hier lang zur Website) und trainieren auf dem Gelände der Wake Forest University.
Warum das Quartier bei einer WM so wichtig ist
Wer an eine Weltmeisterschaft denkt, hat meist die Stadien, die Spiele und die Stars vor Augen. Tatsächlich verbringen die Mannschaften aber den Großteil eines Turniers nicht auf dem Rasen, sondern im Teamquartier. Hier wird trainiert, regeneriert, gegessen, analysiert und abgeschaltet.
Gerade bei einer WM, die sich über mehrere Wochen erstreckt und enorme mentale Belastungen mit sich bringt, gilt das Base Camp als entscheidender Faktor. Der DFB hat in den vergangenen Jahren immer wieder betont, wie wichtig kurze Wege, Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeiten für den Turnieralltag sind. Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann sprach davon, einen Ort gesucht zu haben, der sowohl Gemeinschaft als auch Ruhe ermöglicht.
Die Erfahrungen aus früheren Turnieren spielen dabei ebenfalls eine Rolle. Während Campo Bahia 2014 bis heute als Erfolgsmodell gilt, wurden die Quartiere bei den enttäuschenden WM-Auftritten 2018 in Russland und 2022 in Katar deutlich kritischer diskutiert. Das bedeutet zwar nicht, dass ein Hotel über Sieg oder Niederlage entscheidet. Doch das Umfeld kann Einfluss darauf haben, wie sich ein Team während eines langen Turniers entwickelt.
Graylyn Estate: Ein Schloss mitten in North Carolina
Das neue WM-Zuhause der deutschen Mannschaft erinnert eher an ein englisches Landgut als an ein klassisches Sporthotel. Das Graylyn Estate wurde ursprünglich in den 1930er-Jahren als privates Anwesen einer wohlhabenden Industriellenfamilie erbaut. Heute wird das historische Gebäude als exklusives Boutiquehotel mit 85 Zimmern betrieben und gehört zur benachbarten Wake Forest University.
Das Anwesen liegt auf einem großen Gelände mit alten Bäumen, gepflegten Gärten und zahlreichen Rückzugsmöglichkeiten. Genau diese abgeschirmte Atmosphäre dürfte für den DFB ein entscheidender Faktor gewesen sein. Während rund um die WM Millionen Fans unterwegs sein werden, soll die Mannschaft hier weitgehend ungestört arbeiten können.
Optisch hat das Quartier wenig mit den oft austauschbaren Teamhotels großer Turniere gemeinsam. Statt Hochhaus, Business-Lobby und Konferenzräumen dominieren historische Architektur, Kaminzimmer und großzügige Grünflächen. Das Umfeld wirkt fast wie eine Mischung aus Universitätscampus, Herrenhaus und Luxusresort.
Training auf dem Campus der Wake Forest University
Nur wenige Minuten vom Hotel entfernt befindet sich das Trainingsgelände der Wake Forest University. Dort trainiert die DFB-Elf während des Turniers auf modernen Anlagen, die zu den besten College-Sportstätten der USA zählen. Auch das Medienzentrum wird auf dem Universitätsgelände eingerichtet.

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Trainer Nagelsmann zeigte sich bei einem Besuch vor Ort beeindruckt von den Bedingungen. Besonders die kurzen Wege zwischen Hotel und Trainingsplatz gelten als großer Vorteil. Statt langer Transfers kann sich die Mannschaft vollständig auf Training und Regeneration konzentrieren.
Für die Spieler bedeutet das einen Alltag, der fast an das DFB-Quartier »Home Ground« in Herzogenaurach erinnert, das bereits bei der Heim-EM 2024 als Rückzugsort genutzt wurde. Auch dort standen Ruhe, Gemeinschaft und professionelle Infrastruktur im Mittelpunkt.
Strategisch günstig gelegen
Ein weiterer Grund für die Wahl von Winston-Salem dürfte die Lage sein. North Carolina liegt an der Ostküste der USA und ermöglicht vergleichsweise günstige Flugverbindungen zu mehreren WM-Spielorten. Die Wege bleiben zwar deutlich länger als bei Turnieren in Europa, doch innerhalb Nordamerikas gilt die Region als logistisch sinnvoll.

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Die WM 2026 stellt die Teams ohnehin vor besondere Herausforderungen. Erstmals nehmen 48 Nationen teil, gespielt wird in drei Ländern und über riesige Distanzen hinweg. Zwischen einigen Austragungsorten liegen mehrere Flugstunden. Umso wichtiger wird ein zentral gelegenes Basislager, das Stabilität verspricht.
Kann ein Hotel tatsächlich Weltmeister machen?
Die Geschichte von Campo Bahia zeigt zumindest, warum Teamquartiere oft zu Legenden werden. Das Resort in Brasilien war weit mehr als eine Unterkunft. Es wurde zum Symbol einer Mannschaft, die eng zusammenrückte und eine besondere Dynamik entwickelte. Noch heute verbinden viele Fans den WM-Triumph von 2014 mit den Bildern von Spielern, die gemeinsam am Strand saßen oder auf den Terrassen des Quartiers entspannten.
Natürlich wird auch das schönste Hotel keinen Titel garantieren. Entscheidend bleiben Qualität, Form und Nervenstärke auf dem Platz. Dennoch suchen Nationalmannschaften seit Jahren gezielt nach Orten, die Konzentration fördern und Ablenkungen minimieren.
Genau das scheint der DFB auch in North Carolina gefunden zu haben. Das Graylyn Estate soll für einige Wochen zum Zuhause der deutschen Nationalmannschaft werden. Und vielleicht beginnt dort tatsächlich die Geschichte eines erfolgreichen Turnier. So wie einst in Campo Bahia.





