Geschichte und Tradition spielen im Jura & Drei-Seen-Land eine große Rolle. Eine Städtetour durch verschiedene Epochen zeigt, wie viele Kulturschätze hier verborgen sind. Eine Rundreise durch die Vergangenheit.

Das Jura & Drei-Seen-Land bildet mit seinen mittelalterlichen Gässchen, barocken Prachtbauten und Jugendstilvillen einen Querschnitt der Geschichte ab. Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein, dabei ist die Region in der Westschweiz die Wiege der messbaren Zeit. Denn hier liegt der Ursprung der Uhrenindustrie. Gerade ein Kurzurlaub eignet sich hervorragend, um das Jura & Drei-Seen-Land mit seinen historischen Ortschaften, Geheimnissen und Legenden zu entdecken.

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Saint Ursanne ist ein Städtchen mit mittelalterlichem Charme

Im Herzen des Kanton Juras befindet sich Saint Ursanne. Der mittelalterliche Ortskern besteht aus Burghäusern, die im 14. bis 16. Jahrhundert erbaut wurden. Im Mittelpunkt der Altstadt, die von einer Mauer umgeben ist, steht ein Benediktiner-Kloster sowie eine Stiftskirche mit Krypta aus dem 12. Jahrhundert. Unterhalb des Altars sind die Gebeine des heiligen Ursicinus vergraben, auf den der Sage nach die Gründung der Stadt zurückgeht.

Auch die altüberlieferte Legende einer Drachenschlange mit Karfunkel auf der Stirn geistert durch Saint Ursanne. Der Stein soll demjenigen Glück bringen, der sich ihm bemächtigt. Saint Ursanne ist von dem Fluss Doubs umgeben, der sich tief in die Juraketten eingeschnitten hat. Unweit der Stadt liegt der bewaldete Hügelrücken »Clos du Doubs«.

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Solothurn gilt als die schönste Barockstadt der Schweiz

Auch Solothurn hat etwas Mystisches: Es besteht eine gewisse Vorliebe für die Zahl Elf. Die St. Ursen Kathedrale verfügt beispielsweise über elf Altare und elf Glocken. Bis heute konnte allerdings nicht entschlüsselt werden, warum die Elf eine derartige Faszination ausübt.

Solothurn repräsentiert verschiedene Architekturstile, kann aber vorwiegend dem Barock zugeordnet werden. Zudem besticht die Stadt, die Anfang des 16. Jahrhunderts als Residenz der Gesandten des französischen Königs diente, durch Renaissancebauten, die sich zu einer prächtigen Allee aneinander reihen.

Solothurn, die als schönste Barockstadt der Schweiz gilt, vereint französische, italienische und deutsche Einflüsse miteinander. Unweit der Stadt entfernt lädt die Verenaschlucht mit Kapelle und Einsiedelei zu romantischen Spaziergängen ein.

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Sehenswert sind die Uhrenmetropolen La Chaux-de-Fonds und Le Locle

Die Unesco-Weltkulturstätten La Chaux-de-Fonds und Le Locle sind der Ursprung der Uhrmacherei. In den harten Wintern diente das Handwerk als ideale Beschäftigung der Bauern, wenn diese aufgrund der Kälte nicht auf den Feldern arbeiten konnten. Schon Karl Marx bezeichnete La Chaux-de-Fonds als eine »einzige Uhrenwerkstatt«.

Selbst die Architektur ist auf die Bedürfnisse der Uhrmacher angepasst, denn für die filigrane Arbeit am Uhrwerk bedarf es sehr guter Lichtverhältnisse. Die besondere Anordnung der Straßenzüge, die vorwiegend dem Jugendstil entstammen, verläuft daher sternförmig und gleicht einem Schachbrett. Le Corbusier, der einflussreiche Architekt des 20. Jahrhunderts, fühlte sich von der experimentellen, aber dennoch klaren Stilrichtung seiner Heimatstadt inspiriert und verewigte sich in La Chaux-de-Fonds mit eindrucksvollen Bauwerken.

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Neuenburg erstrahlt in gelbem Glanz

Am Ufer des Neuenburger Sees wurden archäologische Stätten unterhalb des Wassers gefunden, die nun als rekonstruierte Pfahlbausiedlungen zu besichtigen sind. 2011 sind die Zeugnisse aus der Antike in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen worden. Anhand der iphone-App »Palafittes Guide« können insgesamt 22 ausgewählte prähistorische Fundorte im Jura & Drei-Seen-Land ausfindig gemacht werden.

Die Bauweise des Luxus-Hotels Le Palafitte ist an die historische Pfahlbauweise angelehnt und steht auf Stelzen mitten im Wasser. In Neuenburg ist zudem das Laténium, das größte archäologische Museum der Schweiz beheimatet, in dem Besucher in die Geschichte der Schweiz eintauchen. Die Universitätsstadt Neuenburg wurde vollständig aus gelbem Kalkstein erbaut, der den Gebäuden die charakteristische Farbe verleiht. Je nach Sonneneinwirkung kann diese mal gelb, mal ockerfarben oder orange schimmern. Das Neuenburger Schloss sowie die Kollegiatskirche aus dem 12. Jahrhundert sind zwei Wahrzeichen der Stadt.

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Auf der St. Petersinsel genoss Rousseau das Leben in der Natur

Die traditionsreiche Uhrenmetropole Biel, die sich durch den Kontrast zwischen alt und neu auszeichnet, ist die größte zweisprachige Stadt der Schweiz. Deutsch und Französisch wird hier gleichberechtigt gesprochen. Biel liegt direkt am gleichnamigen See.

Mit dem Schiff gelangt man zur St. Petersinsel, die für Jean-Jacques Rousseau im 18. Jahrhundert als Refugium diente. Fern von den Feinden, die er sich durch seine kirchen- und gesellschaftskritischen Schriften machte, fand der französische Philosoph Ruhe und Frieden im Einklang mit der Natur. Hier habe er sein »wahres Glück« gefunden, schrieb Rousseau, der angeblich auf dem Wasser und inmitten der Wiesen seine beste Zeit des Lebens verbrachte. Später pilgerten Persönlichkeiten wie Goethe oder Kaiserin Joséphine Bonaparte zur Insel – der Ort wurde zu einem Wallfahrtsort. Sein Zimmer im Klosterhotel, das er stets über die Sommermonate anmietete, ist seither unverändert geblieben und kann jederzeit besichtigt werden.

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