Seit Jahrzehnten gilt Ibiza als Mekka der partysüchtigen Nachtschwärmer. Was viele jedoch nicht wissen: Fernab der Tanztempel zeigt sich die Baleareninsel von einer gänzlich anderen Seite. Luxuriöse Fincas, umgeben von sattgrünen Hügeln und verführerisch duftenden Orangenbäumen, versprechen Erholung pur. Eine davon: das Cas Gasi. Ein Besuch. Text: Frank Störbrauck

Zwei Dinge fallen vielen Europäern ein, wenn sie an Ibiza denken: Prominente und Party. Ob als Jetset-Treff, Promiziel oder Partyinsel – das Baleareneiland hat die Sommer-Sonne-Strand- und Partyszene so lange geprägt wie kaum ein anderer Landstrich in Europa. Tatsächlich hat die nach Mallorca und Menorca drittgrößte Insel der Balearen auch heute noch beides en masse zu bieten. Die Tanztempel Amnesia, Pacha, Space und Privilege gelten als Synonym für schweißtreibende Diskonächte unter freiem Himmel. Ibizas Credo war und ist dabei stets das »leben und leben lassen«.

Ushuaia Outdoor Party Ibiza

David Švihovec

Das liberale und tolerante Flair, ausgelöst durch die Hippiebewegung in den frühen 70er-Jahren, zog viele Prominente in der Vergangenheit an. Schauspielerin und Kabarettistin Gaby Köster etwa hat sich hier niedergelassen. Und auch Ulknudel Ralph Morgenstern flüchtet gleich mehrere Monate nach Ibiza, wenn es seine Zeit erlaubt. Wer nun aber glaubt, die Prominenten seien Abend für Abend in den In-Clubs der Insel zu treffen, irrt. Im Unterschied zur großen Schwester Mallorca suchen die meisten Celebrities auf Ibiza nicht das Rampenlicht der Öffentlichkeit. Sie schätzen die Orte auf Ibiza, an denen es ruhiger zugeht.

Zu Gast im Agroturismo Cas Gasi

Margaret von Korff weiß das nur zu gut. 1995 eröffnete die 55-Jährige gemeinsam mit ihrem Ehemann Luis Trigueros das Cas Gasi, ein luxuriöses Landhotel im Zentrum der Insel.

»Viele Prominente sind froh, wenn sie sich einmal vom Trubel des Alltags in traumhafter Umgebung erholen können. Für viele von ihnen ist das Inselinnere von Ibiza so ein Ort«, weiß sie aus dem Nähkästchen zu berichten.

Nun gehört die Spanierin deutscher Herkunft wahrlich nicht zu jener Kategorie von Hotelbesitzern, die mit den Namen ihrer prominenten Gäste auf Werbetour geht.

Margaret von Korff im Cas Gasi

Cas Gasi

Ihrem Gesicht entgleitet lediglich ein Lächeln, wenn man sich bei ihr dezent nach Bruce Willis, Kate Moss, Richard Gere oder Sonja Haraldsen, besser bekannt als die Königin von Norwegen, erkundigt. Auf Ibiza pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass sie auf ihrer Cas Gasi eben jene Prominente bereits zu Gast hatte – und ein paar von ihnen sogar heute noch als Stammgäste regelmäßig begrüßt.

Deluxe Garden Bedroom im Cas Gasi, Ibiza

Cas Gasi

Für Margaret von Korff und viele ihrer Landhotelkollegen, zu denen sie ein kollegiales Verhältnis hat, spielt der Promifaktor ihrer Gäste freilich keine Rolle. Jeder Gast bekommt und verdient »selbstverständlich das gleiche Maß an Service und Aufmerksamkeit«, so ihr Credo.

Pinienwälder, Olivenhaine und Orangenbäume betören die Sinne

Gemeinsam mir ihrem Ehemann hat sie die Finca restauriert und Liebe zum Detail dekoriert – ohne dabei die traditionelle ibizenkische Architektur aus den Augen zu verlieren. Typische Elemente wie die großzügigen Veranden und Terrassen, die dicken Mauern und die Holzdecken aus Sabinabalken finden sich auf dem Anwesen ebenso wie ein kunstvoller Marmortisch aus Florenz und Teppiche aus Afghanistan und der Türkei.

Das größte Pfund ist aber die liebliche Landschaft, in die das Cas Gasi eingebettet ist.

Cas Gasi Anwesen auf Ibiza

Cas Gasi

Von der Terrasse genießt man einen Blick über die Pinienwälder, Olivenhaine und Orangenbäume, die immer wieder aufs Neue verführerisch duften.

»Unsere Finca ist vor allem für jene geeignet, die keine klassischen Hotels mögen, sich der kleinen Freuden des Alltags wieder bewusst werden möchten und pure Natur genießen wollen«, fasst Margaret von Korff ihre Einschätzung zusammen.

Dafür sorgt auch die Küche des Hauses, die sich überwiegend der biologischen Ingredienzien aus dem heimischen Garten bedient.

Essensgericht im Cas Gasi

Cas Gasi

Das Cas Gasi ist nämlich eines von 16 Agroturismo-Gästehäusern der Insel: Fincas, die in den vergangenen zehn Jahren zu exklusiven Minihotels umgebaut wurden. An die überwiegend im gehobenen Segment angesiedelten Agroturismo-Betriebe stellen die Behörden strenge Anforderungen. So muss die Finca vor 1940 errichtet worden sein, und die Betreiber dürfen nicht mehr als zwölf Gästezimmer anbieten. Außerdem ist ein landwirtschaftlicher Betrieb zwingend vorgesehen – der im Cas Gasi besonders üppig ausfällt.

Der Garten, ein einziges Gemüsefeld

So wird auf zwei Hektar, immerhin der Hälfte des Anwesens, biologische Landwirtschaft betrieben. Man findet allerlei Gemüse- und Obstsorten in den Gärten des Cas Gasi: Zucchini, Auberginen, Paprika, Tomaten, Aprikosen, Wassermelonen, Orangen, Zitronen und vieles mehr. Besonders stolz ist Margaret von Korff auf ihre 450 Bäume zählende Olivenbaumplantage. Aus ihnen wird das kaltgepresste, naturbelassene Olivenöl erzeugt, das schon so manchen Besucher in helles Entzücken versetzte …

Sonnenblumen, im Hintergrund das Cas Gasi auf Ibiza

Cas Gasi

Viele der Gäste nutzen die zentrale Lage des Landhotels zu Ausflügen auf die Insel. Wer sich sportlich betätigen möchte, kann dies auf den 23 Radwandertouren tun. Sie sind allesamt offiziell ausgewiesen und ausgeschildert. Von familienfreundlichen Lighttouren bis hin zu Extremtrampelpfaden reicht das Bikerangebot; hinweg über sattgrüne Hügel, von denen sich ein Panorama über die Flora der Insel bietet.

Mitteleuropäern fallen besonders die knorrigen Feigen-, Affenbrot-, Mandel- und Olivenbäume auf.

Olivenbaum im Cas Gasi

Cas Gasi

Dazwischen immer wieder Kiefern, Pinien und Sabinabäume. In der Buschlandschaft, der Macchia, findet man rosafarbene Zistrosen, Lavendel, Thymian und Rosmarin sowie wilden Fenchel. Und überall auf der Insel sieht man die ursprünglich aus Amerika stammenden Agaven und Feigenkakteen (Opuntien), die im Spätsommer sehr leckere Früchte tragen. Aber Vorsicht beim Naschen! Die Einheimischen können ein Lied von unbedarften Touristen singen, deren Zungen nach den ersten Kakteenfeigen  an stachelige Igel erinnerten …

Unbedingt probieren: Burrida de Ratjada

Apropos naschen: Das kann man wirklich besser in einem der zahlreichen Restaurants auf der Insel tun. Das Angebot ist riesig. Und wen wundert es: Es sind die Meeresfrüchte, die in den Küchen Ibizas in die Rolle der Protagonisten schlüpfen. Eine Fischspezialität ist beispielsweise Burrida de Ratjada, geschmorter Rochen mit zerhackten Mandeln. Weitere Spezialitäten sind Seeteufel-Schmortopf, Bonito-Schmortopf mit Fenchel und Kapern und Bull d’Anfos, das aus den Innereien des Zackenbarschs und gekochtem Gemüse zubereitet wird.

Probieren kann man die Leckereien fast überall: Das Angebot reicht von Gourmettempeln, die Fünf-Gänge-Menüs kredenzen, bis hin zu einfach-rustikalen Strandrestaurants, die deftige Fischkreationen servieren. Ein echtes Unikat auf Ibiza ist das Restaurant Cala Mastella, benannt nach dem gleichnamigen Strand.

Cala Mastella auf Ibiza

lunamarina/Shutterstock.com

Wenn man vom – zugegebenermaßen recht mickrig ausfallenden – Strand aus den holprigen Felspfad auf der linken Seite der Bucht entlangläuft, gelangt man zu diesem malerisch gelegenen Mittagslokal von Juan Ferrer – dank seiner schillernden Barttracht besser bekannt als »El Bigote« (»Der Schnurrbart«). Der Chef des Hauses hat mittlerweile 83 Jahre auf dem Buckel und lässt sich nur noch sehr selten in der Küche blicken. Dafür taucht er aber hin und wieder mittags in dem Lokal auf. Dann trinkt er ein gutes Glas Wein und beobachtet das  Treiben auf der Terrasse. Und ab und zu huscht ihm ein Lächeln über das Gesicht, wenn wieder einer der Prominenten der Insel betont unauffällig auf einem der wackeligen Stühle Platz nimmt und sich wunderbar bekochen lässt …

Hinkommen und übernachten

Anreise. Germanwings fliegt bis Ende Oktober fünfmal in der Woche von Köln/Bonn und viermal wöchentlich von Stuttgart direkt nach Ibiza.

Unterkunft. Agroturismo Cas Gasi, Camino Viejo de Sant Mateu, Sta. Gertrudis, Ibiza, Tel. +34 971 197700,  Zimmer kosten ab € 325 pro Nacht in der Nebensaison (Preise können variieren), inkl. Frühstücksbüffet, WLAN, individuellem Safe, Klimaanlage, Fußbodenheizung.

Tourguide. Miquel Tur-Witt ist auf Ibiza geboren, spricht fließend Deutsch, Tel. +34 629 684 246, E-Mail: mituwi@telefonica.net

Tour durch die Höhe und einkaufen im Cafe-del-Mar-Shop

Höhlentour. An der Bucht von Puerto San Miguel im Norden der Insel führt ein Weg hinunter in die berühmte Tropfsteinhöhle von Can Marçà. Hier lässt sich tief in der Inselgeschichte schnuppern: Die 100.000 Jahre alte Höhle diente in früheren Zeiten Schmugglern zum Versteck ihrer Beute. Geführte Touren, auch auf Deutsch. Unser Tipp: Anschließend im Café den herrlichen Ausblick über die Bucht genießen! Puerto San Miguel.

»Café del Mar«-Shop. Für viele Ibiza-Besucher ist ein Abstecher zum berühmten Sonnenuntergang im Café del Mar ein absolutes Muss. Das Café ist einfach Kult – wenn auch recht teuer: Eine Cola kostet zum Beispiel happige fünf Euro! Einen Häuserblock hinter dem Café gibt es sogar einen eigenen exklusiven Shop. Der bietet feine Klamotten und schicke Accessoires im Café-del-Mar-Style sowie die chilligen und souligen Soundtracks an. C/ Vara de Rey 27, San Antonio, täglich geöffnet von 16.30 bis 21.30 Uhr.

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