Ein Refugium für alle, die ihren Urlaub nachhaltig und umweltbewusst verbringen möchten, ist die Kanareninsel El Hierro. Die Insel gilt sogar als weltweites Vorzeigemodell für nachhaltigen Tourismus. Neugierig geworden? Das sind die schönsten Orte auf El Hierro.

Wer El Hierro besucht, wird verstehen, warum hier einst das Ende der Welt verortet wurde. Bis heute gibt es auf der Insel keine großen Hotels und keine Autobahnen.

Ein junger Mann steht mit ausgebreiteten Händen auf einer Straße auf El Hierro

Carlos Jonay Suarez

Dafür hat die zweitkleinste Kanareninsel das, wonach sich viele Urlauber sehnen: intakte Natur – die ganze Insel ist Unesco-Biosphärenreservat. Im Jahr 2019 kamen etwas mehr als 7.000 Besucher nach El Hierro, davon 28 Prozent aus Deutschland. Die Herrenos nennen ihre Insel auch heute noch »die Vergessene«. Sie setzen auf sanften Tourismus, halten ihr Wanderwegenetz in Schuss und kredenzen eine gute Küche mit viel Fisch, Ziegen, Käse und köstlichem Wein.

Die Überfahrt von Teneriffa dauert mit dem Schnellboot zwei Stunden – und führt in eine andere Welt. Bis 1.500 Meter steigt die Insel in die Passatwolken auf und zeigt alle paar Kilometer eine andere Naturlandschaft. Sie gilt als Paradies für Wanderfreaks.

Luftaufnahme von El Hierro

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Auf der Hochebene krümmen sich im Wacholderwald El Sabinar jahrhundertealte verkrüppelte Bäume. Aus dem Atlantik kommen Wale, Delfine, Thunfische und Schildkröten bis dicht vor die von Lavaströmen geprägte Inselküste.

El Hierro – wo Nachhaltigkeit großgeschrieben wird

El Hierro ist eine wunderbare Insel für alle, die ihren Urlaub nachhaltig und umweltbewusst verbringen möchten. Die Insel gilt als weltweites Vorzeigemodell für nachhaltigen Tourismus. Und das sind die Gründe: Die Insel setzt komplett auf erneuerbare Energien und gewinnt den gesamten Strom aus Wasser- und Windkraft.

Windkrafträder auf El Hierro

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Auf den vielen naturbelassenen Stränden und Buchten könnt ihr nahezu allein chillen oder bei einem Tauchausflug die Korallenriffe entdecken. Viele der Einheimischen verdienen ihren Lebensunterhalt als Ziegenhirten, Gemüsebauern oder leben vom Fischfang. Wer jedoch bei so viel Idylle denkt, die Insel wäre in Sachen Internet ab vom Schuss, liegt weit daneben: Überall auf El Hierro gibt es kostenloses WLAN – auch für Touristen.

Strände zum Verlieben: El Verodal und Bucht von Tacorón

Der Strand El Verodal an der Nordwestküste befindet sich in einer herrlichen Umgebung in der Gemeinde La Frontera. Der Strand ist wegen seines rötlichen Vulkansandes eine Besonderheit und definitiv einen Besuch wert. Aber Achtung: Das Schwimmen ist wegen der starken Strömungen nicht zu empfehlen. Trotzdem ist El Verodal ein beliebter Strand mit einer spektakulären Landschaft in vulkanischer Umgebung, die von beeindruckenden Klippen überragt wird.

Trotz ihrer geringen Größe ist die Bucht von Tacorón im Süden der Insel ein wahres Juwel. Nicht umsonst heißt dieser Teil des Ozeans das Meer der Ruhe (Mar de las Calmas), denn der Strand ist ein unvergesslicher Ort, an dem sich das Meeresblau mit vulkanischen Schwarz- und Farbtönen des Sandes und dem Rot und Ocker am Hang von El Julán mischt. Der weiche, mehrfarbige Sand eignet sich perfekt zum Entspannen.

Bucht von Tacoron auf El Hierro

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Meeresschutzgebiet Marine Reservat Mar de las Calmas

Highlight der Insel ist das 750 Hektar große Marine Reservat Mar de las Calmas. Es ist eines der drei Meeresschutzgebiete der Kanarischen Inseln. Die Vielfalt der Unterwasser-Flora und Fauna rund um El Hierro begeistert sowohl erfahrene Taucher als auch Amateure. Abstand ist hier selbstverständlich, denn die zwölf Tauchzonen verteilen sich gleichzeitig auf maximal zwölf Taucher.

Ideen zum Wandern auf El Hierro: Camino de Jinama und Hezal-Wald

El Hierro hat alles, was sich Wanderfreaks für einen perfekten Urlaub wünschen: unberührte Natur und ganz viel Ruhe. Obwohl El Hierro eine kleine Insel ist, ist sie vollgepackt mit Naturwundern wie dicht bewachsenen Wäldern, Meeresklippen, Lavafeldern und einer üppigen Vegetation, die dem Eiland die Auszeichnung zum Unesco-Weltbiosphärenstatus verliehen haben.

Lorbeerwald auf El Hierro

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Trekkingschuhe und eine Windjacke sind bei der Wanderung auf dem Camino de Jinama empfohlen. Der Weg wurde vor dem Straßenausbau in den 1950er Jahren als Rundweg um die gesamte Insel genutzt. Er ist bekannt  für seine außergewöhnliche Szenerie an Wacholderbäumen und teilt sich in zwei unterschiedliche Streckenabschnitte auf. Der erste ist wegen eines starken Gefälles zu einer Klippe anspruchsvoll. Der zweite, der von der Caridad-Klause zur Kapelle San Andrés führt, ist hingegen meist flach und auch für Trekking-Anfänger gut zu bewältigen.

Wanderweg entlang der Küste auf El Hierro

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Feuchtwald El Brezal: El Hierros populärster Wanderweg

El Hierros beliebtester Wanderweg führt auf insgesamt sieben Kilometern durch den Feuchtwald El Brezal. Farnbewachsene Wege schlängeln sich durch lichte Lorbeerhaine, an denen ein Krater umwerfende Blicke auf die grandiose Landschaft des El-Golfo-Tals freigibt.

Eine gut machbare, sieben Kilometer lange Strecke vom Strand Arenas Blancas nach Mencáfete ermöglicht es, all dies in ungefähr sechs Stunden Rundgang zu entdecken. Erstere ist eine Gegend von  natürlicher Schönheit, Ruhe und Frieden. Ein Weg, wo die Wellen des Atlantiks scheinbar das einzige Geräusch sind. Es gibt zahlreiche Felsenbecken mit Seeigeln, Krabben, Fischen und anderen Wildtieren.

Von hier aus geht es weiter über Pozo de la Salud, eine medizinische Mineralwasserquelle, die seit dem 19. Jahrhundert heilende Eigenschaften besitzt, und danach in das Naturschutzgebiet Mencáfete Integral. Dort leben vom Aussterben bedrohte Arten wie die lokale »cabezón herreño«. Das ist eine markante violette Pflanze.

Anschließend geht es weiter zu den feuchten Wacholder- und Monteverdewäldern. Die unter den Lorbeerbäumen versteckten Höhlen sind die Heimat von Fledermäusen und Wildkatzen. Das Süßwasser der märchenhaften Mencáfete-Quelle auf 923 Metern Höhe ist die Belohnung für diejenigen unter euch, die die gesamte Strecke zurücklegen.

Wanderer in einem Wald auf El Hierro

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Baden im Vulkanbecken Charco Azul

Charco Azul in El Hierro ist ohne Zweifel einer der spektakulärsten Badeorte der Kanarischen Inseln. Vor Millionen von Jahren formten Vulkaneruptionen die ausgedehnte, türkisblaue Poollandschaft. Die natürlichen Becken bieten Schutz vor dem offenen Meer – und schaffen eine romantisches Refugium für Paare, die Ruhe in einer Meereslandschaft suchen. Das Naturschwimmbecken lohnt besonders am Abend. Dann nämlich, wenn die Sonne über dem Ozean verschwindet.

Charco Azul auf El Hierro

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Sonnenuntergang am westlichsten Punkt Europas

Einsam steht der Leuchtturm El Faro de Orchilla am scheinbaren Ende der Welt. Zumindest dachten das die Europäer vor hunderten von Jahren. Im 17. Jahrhundert wurde der Leuchtturm zur Referenz des nullten Meridians gewählt, bis der Punkt 1885 nach Greenwich in England verlegt wurde. Zwei Kilometer westlich vom Leuchtturm entfernt erinnert ein Denkmal an den ehemaligen Nullmeridian. Heute ist der Orchilla-Leuchtturm für all diejenigen ein Geheimtipp, die die Besonderheit der kanarischen Sonnenuntergänge beiwohnen wollen. Aufgrund seiner einsamen Location stören Stadtlichter kaum die rosa, violett und indigofarben schimmernde Abendlandschaft.

Leuchtturm El Faro de Orchilla

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Mirador de La Peña: Einblicke in eine riesige prähistorische Spalte

Vom Aussichtspunkt Mirador de La Peña in Guarazoca im Norden der Insel El Hierro sind die Auswirkungen eines gigantischen Erdrutsches vor Millionen von Jahren noch deutlich zu sehen, der an dieser Stelle das El Golfo-Tal schuf. Die Felsen in dieser riesigen Senke sind dicht von endemischer Flora bedeckt. Am Fuße des Tals erstreckt sich eine vulkanische Ebene, auf der Wein und Obstbäume wachsen und die in den Atlantik mündet. Der kanarische Künstler und Architekt César Manrique, der sich zeitlebens der Verschönerung seiner Heimatinseln widmete, schuf das Gebäude des Aussichtspunktes.

Mirador de La Pena El Hierro

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Ab ins Wasser: La Maceta und La Restinga

Das Naturschwimmbad La Maceta, im El Golfo- Tal gelegen, bietet alles, was nötig ist, damit die Kombination aus Sonne, Lava und Meer ein pures Vergnügen ergibt. La Maceta liegt im Norden der Insel. Seine verschieden großen Becken liegen vor Wellengang geschützt und dienen auf den Kanaren als Blaupause für diese Art von Badeanlagen.

Naturpool Las Macetas auf El Hierro

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Die Gewässer rund um die Kanarischen Inseln sind kristallklar. Mancherorts beträgt die Sichtweite unter Wasser bis zu 30 Meter. Mit rund 20°C ist die Wassertemperatur das ganze Jahr über angenehm mild. Insbesondere El Hierro ist weltberühmt für seine grandiose Unterwasserwelt. Das international geschätzte Tauchrevier des La Restinga Meeresschutzgebiets beheimatet unzählige Fischarten wie Delphine, Thunfische, Trompetenfische, Rochen, Barrakudas und viele mehr. Die Region ist auch der perfekte Ort für den ersten Tauch- oder Schnorchelgang von Kindern. Mehrere Anbieter unternehmen Touren, die Einblick in die Meeresflora und auf den Unterwasservulkan Tagoro gewähren. Das Meeresschutzgebiet rund um La Graciosa ist sogar das größte Reservat seiner Art in Europa.

Los Lajiales: Den Vulkanen auf der Spur

Auf den El Hierro befinden sich einige der heißesten Wege der Welt – im wahrsten Sinne des Wortes. Wege, die in ihrem Zusammenspiel aus Lava, Palmen, Schluchten und Klippen ein unvergessliches Spektakel bilden. Dank geführter Touren und ausgebauter Trekking-Trails sind sie für jedermann begehbar. Besonders im Gebiet des El Julan könnt ihr vulkanische Aktivitäten erleben, und in La Restinga den Lava-Formationen von La Malpaís de Los Lajiales begegnen. Die harsche Kraterlandschaft ist das Resultat vulkanischer Aktivitäten vor über 6.000 Jahren.

Los Lajiales auf El Hierro

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Paragliding auf El Hierro

Wer die Faszination des Gleitschirmfliegens entdecken möchte, ist auf der westlichsten Insel des Archipels genau richtig. Viele Sprungpunkte bieten sich zum ersten Absprung an, und damit zu einem unvergleichlichen Erlebnis von Freiheit. Vom Himmel aus, ungestört von jeglichem Motorenlärm und nur begleitet vom Rauschen des Windes, breitet sich unter den Fliegern die spröde Schönheit der Insel aus. Die Passatwinde, die in den hohen Lagen der Insel beständig wehen, erlauben das ganze Jahr über Gleitschirmfliegen unter optimalen Bedingungen.

Paragliding über den Wolken

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Zu den besten Fluggebieten zählen diejenigen, die Frontera zugewandt sind. Wenn die Passatwinde nicht wehen, eignet sich die gegenüberliegende Seite der Insel. Einmal in der Luft, eröffnet dieser Sport für die mutigsten und abenteuerlustigsten unter euch eine sensationelle Aussicht auf das Meer und die angrenzenden Berge. Überall auf der Insel steht eine große Anzahl von Hängen, Schluchten und Gipfeln bereit. Sie bieten gute Startpunkte fürs Gleitschirmfliegen. Generell wird das Gleitschirmfliegen in Bergregionen betrieben, da für den Start eine große Höhe erforderlich ist. Unter den Sprungplätzen sticht Dos Hermanas hervor. Das ist einer der  höchsten Punkte, von wo aus man sich gleitend ins Tal begeben kann. Der Ort gilt durch seinen privilegierten Blick über das Tal von El Golfo bei Gleitschirmliebhabern als Muss.

Probier’ doch mal: Kulinarisches aus El Hierro

Die Kanaren sind die Heimat einiger einzigartiger Weine und Käsesorten. Kanarische Käsesorten zeichnen sich durch unnachahmliche Eigenheiten aus. Ob frisch und roh, geräuchert, mit Paprika ummantelt oder mit Feige-Thunfisch überzogen – der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. Während auf Teneriffa der geräucherte Ziegenkäse ziemlich bekannt ist, ist es der wahlweise aus Ziegen- Schaf- oder auch Kuhmilch hergestellte Käse auf El Hierro. Wie wäre es mit einem Salat mit Ziegenkäse, Walnüssen und karamellisierten Zwiebeln?

Ziegenkäse-Salat

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Kein Wunder: Die besten Ziegen werden unter anderem auf El Hierro gezüchtet; ein Muss auf dem Speiseplan eines authentischen El-Hierro-Urlaubs sind deshalb gebratene junge Zicklein. Ihr Fleisch hat einen starken Eigengeschmack. Es wird mit den Händen gegessen, begleitet von Papas Arrugadas, kleinen Kartoffeln mit salziger Kruste.