reisen EXCLUSIV Audio - Höre Dir diesen Artikel an
0:00
0:00

Klein, aber oho: Antwerpen ist Belgiens heimliche Hauptstadt des guten Geschmacks. Historische Gildehäuser treffen auf eine der lebendigsten Modeszenen Europas und wer die Stadt einmal kennengelernt hat, kommt garantiert wieder. Ein Streifzug durch die besten Adressen.

Antwerpen ist eine Stadt, die einem sofort den Atem verschlägt und das beginnt schon bei der Ankunft. Der Hauptbahnhof, ein neobarocker Prachtbau aus dem frühen 20. Jahrhundert, gilt als einer der schönsten Bahnhöfe der Welt und ist für sich schon eine Sehenswürdigkeit. Wer weitergeht, taucht ein in eine Stadt voller Widersprüche, die sich wunderbar ergänzen: flämische Altmeister und internationale Modeavantgarde, mittelalterliche Gildehäuser und hippe Concept Stores, Hafenromantik und Diamantenglanz.

Fassade des Hauptbahnhofs in Antwerpen

Foto: Daniels Joffe

Ja, Antwerpen ist das Zentrum des weltweiten Diamantenhandels. Rund um den Bahnhof liegt das Diamond Quarter, wo täglich Milliardenwerte die Hände wechseln. Wer die klassischen Sehenswürdigkeiten der Stadt erkunden möchte, von der Liebfrauenkathedrale bis zum Rubenshuis,  dem sei unser großer Antwerpen-Reiseguide empfohlen.

Wo gibt’s die besten Pommes?

Die wichtigste Frage zuerst. Schließlich sind Pommes in Belgien kein Fast Food:  Sie sind Kulturgut. Und wer das noch nicht verstanden hat, wird es spätestens in Antwerpen begreifen. Hier nimmt man Frites ernst: die Sorte der Kartoffel, das zweifache Frittieren, die Sauce.

Frau freut sich über ihre Frites im Frites Atelier

Foto: instagram.com/fritesatelier

Das Frites Atelier in der Korte Gasthuisstraat ist wahrscheinlich die ambitionierteste Adresse der Stadt. Neben einem stylischen Interieur warten hochwertige Zutaten, kreative Toppings und Saucen, die man so schnell nicht vergisst. Durchgehend bis abends geöffnet, also kein Stress.

Klassischer und  – zugegeben – ein wenig geerdeter geht’s beim Fritkot Max direkt an der Groenplaats. Der Laden ist kultig, günstig, immer voll. Wer nach einem langen Shoppingtag noch Hunger hat, findet beim Frituur’t Stad am Melkmarkt nahe der Kathedrale bis Mitternacht sein Glück. Und wer mit dem Zug anreist oder abreist: Das Frietatelier De Laet am Koningin Astridplein punktet mit großer Saucen-Auswahl direkt am Bahnhof. Was sollen wir sagen: Knuspriger kann eine Stadt einen nicht willkommen heißen, oder aber Abschied nehmen.

Tisch mit Fritten und Nuggets

Foto: instagram.com/fritesatelier

Wo lohnt sich das Shopping?

Antwerpen und Mode – das ist keine zufällige Liebe. Die Stadt hat mit den »Antwerp Six« in den 1980ern die Modewelt aufgemischt und diesen Spirit nie verloren. Heute spürt man ihn auf Schritt und Tritt: in den kuratierten Vintage-Stores, den kleinen Designerboutiquen und den Concept Stores, die wie Ausstellungsräume wirken.

Kleider im Vintagestore in Antwerpen

Foto: Becca Mchaffie

Wer Vintage sucht, ist in der Nationalestraat goldrichtig: Melting Pot Kilo (Nr. 14) ist ideal zum Stöbern für günstige Funde, Labels Inc. (Nr. 95) punktet mit Designer-Secondhand, und Jutka & Riska (Nr. 87) überrascht mit bunten, auffälligen Einzelstücken. Etwas abseits, aber absolut empfehlenswert: ENSŌ Vintage in der Lombardenvest und das winzige State of 8 in der Reyndersstraat – beide kuratiert, von Frauen geführt und LGBTQ+-friendly.

In der Kammenstraat lohnt sich ein Bummel durch Think Twice, Ja, das ist eine Filiale der Secondhand-Kette, hat aber eine großer Auswahl an Basics und besonderen Stücken. Die Straße selbst hat eine entspannte Atmosphäre mitten in der Stadt. Wirklich perfekt zum Stöbern ohne Hetze.

Pullover anprobieren

Foto: AC/Unsplash

Für Concept-Store-Feeling lohnt sich Juttu auf der Meir mit Mode, Lifestyle und Geschenken, oder der charmante Jacob’s Conceptstore in der Hoogstraat. Wer eher in gehobene Richtung tendiert: Verso in der Lange Gasthuisstraat und Rue Blanche in der Leopoldstraat bieten minimalistische, schicke Mode. Perfekt für alle, die wissen, was sie wollen.

Und die Kloosterstraat? Die entspannte Einkaufsstraße mit Antik-, Vintage- und Interiorläden ist sonntags geöffnet und ein echter Geheimtipp für den letzten Reisetag. Nach dem Shopping lohnt sich übrigens ein Stopp im anliegenden Café De Vischmijn. Locals behaupten, hier gäbe es das beste belgische Bier der Stadt.

Kaffeetasse in Antwerpen

Foto: Natanja Grun

Wo bekommt ihr den besten Kaffee?

Antwerpen hat eine echte Café-Kultur. Hier such ihr touristische Kettenläden vergebens. Dafür gibt es besondere Orte mit Charakter, an denen man sich sofort wohlfühlt. Das Kasette Koffie ist so ein Ort: Die puscheligen Hühner im Hinterhof und die Wandbilder haben längst Kultstatus. Und auch der Kaffee hält da locker mit. Besitzer Reuben röstet selbst, kümmert sich persönlich um jede Mischung und legt manchmal auch am DJ-Pult auf. Hier kommt man für einen Kaffee und bleibt zwei Stunden. Wer es ruhiger und gemütlicher mag, dem sei das Objekty Café in der Anselmostraat empfohlen: angesagtes Ambiente, gute Tee- und Kaffeeauswahl, kein Touristentrubel, dafür aber jede Menge Design. Genau der richtige Ort, um den Tag sacken zu lassen. Und wer morgens früh los will: Die Bakkerij Funk lässt mit ihren Heißgetränken und handgemachten Gebäck-Teilchen den Tag perfekt starten.

Donuts auf einem Tablett

Foto: Instagram/Bakkerij Funk

Wo lohnt sich ein Abstecher abseits des Trubels?

Das MAS – das »Museum aan de Stroom« – ist mehr als ein Museumsbesuch: Die Rolltreppen führen über neun Etagen zu einem kostenlosen Panoramablick über die Stadt und den Hafen. Kein Eintritt, keine Warteschlange: einfach reingehen und staunen. Pflichtstopp.

Fassade des MAS Museum am Strom in Antwerpen

Foto: Eduard Delputte

Wer Antwerpens Modegeschichte verstehen will, besucht das MoMu, das gerade die legendären »Antwerp Six« feiert, jene sechs Absolvent:innen der Royal Academy, darunter Dries Van Noten und Ann Demeulemeester, die 1986 in London die belgische Mode weltberühmt machten. Die Ausstellung läuft noch bis Januar 2027. Für einen grünen Moment zwischendurch: der Rubens Garten hinter dem Rubenshuis, den Dries Van Noten mitgestaltet hat. Es ist eine wunderschöne, fast magische Oase mitten in der Stadt, die die meisten Besucher gar nicht kennen.

Häufige Fragen

Wann ist die beste Reisezeit für Antwerpen?

Von Mai bis September ist Antwerpen am schönsten — die Terrassen sind besetzt, die Stadt lebt draußen. Juli und August können warm werden, aber selten unangenehm heiß. Wer Menschenmassen meidet, kommt im Mai oder September auf seine Kosten. Auch ein Winterbesuch lohnt sich: Die Weihnachtsmärkte gehören zu den stimmungsvollsten in Belgien.

Wann haben die Läden geöffnet?

Die meisten Geschäfte öffnen montags bis samstags zwischen 10 und 18 Uhr. Sonntags haben viele Läden in der Innenstadt ebenfalls geöffnet — besonders in der Kloosterstraat ist der Sonntag sogar Pflichtprogramm. An belgischen Feiertagen ist es ruhiger, größere Shoppingstraßen wie die Meir bleiben aber meist geöffnet.

Was muss man in Belgien gegessen haben?

Frites mit Andalouse-Sauce — natürlich. Aber auch: Moules-Frites (Muscheln mit Pommes), Stoemp (Stampfkartoffeln mit Gemüse), Waterzooi (ein cremiger Eintopf aus Gent) und belgische Waffeln direkt vom Stand. Dazu unbedingt ein lokales Bier probieren — Belgien hat mehr Biersorten als die meisten Länder der Welt. Und zum Abschluss: eine Praline vom Chocolatier des Vertrauens.

Wie komme ich am besten nach Antwerpen?

Per Zug ist Antwerpen von Köln in rund zwei Stunden erreichbar — ohne Umsteigen und direkt im Herzen der Stadt. Das Auto kann man getrost stehen lassen: Die Innenstadt hat eine Umweltzone (LEZ), Parken ist teuer, und die meisten Sehenswürdigkeiten liegen fußläufig zusammen. Vor Ort empfiehlt sich das Leihfahrrad.

Wo finde ich offizielle Infos zur Stadt?

Die offizielle Tourismus-Website visitantwerpen.be bietet aktuelle Veranstaltungshinweise, Stadtpläne und Tipps auf Deutsch. Für Museumsöffnungszeiten und Tickets lohnt sich außerdem ein Blick auf mas.be und momu.be.