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Ein Ort, der seit Jahrhunderten für die Größe vergangener Zivilisationen steht, ist plötzlich zum Schauplatz tödlicher Gewalt geworden: Der Anschlag in Teotihuacán hat nicht nur Mexiko erschüttert, sondern weltweit für Entsetzen gesorgt. 

Am 20. April 2026 eröffnete ein bewaffneter Täter das Feuer auf Besucher der berühmten Teotihuacán-Pyramiden, einer der bedeutendsten archäologischen Stätten Mexikos. Die Pyramiden liegen nordöstlich von Mexiko-Stadt. Eine kanadische Touristin im Alter von 32 Jahren wurde getötet, mehrere weitere Menschen verletzt. Augenzeugen schilderten panische Szenen: Menschen suchten Schutz hinter Mauern, rannten über die weiten Plätze oder warfen sich zu Boden, während Schüsse über das Gelände hallten. Der Angreifer, der sich auf der Mondpyramide befand, nahm sich später selbst das Leben, berichtet u.a. CNN auf seiner Website.

Der Vorfall gilt als außergewöhnlich. Und zwar nicht nur wegen der Brutalität, sondern auch wegen des Ortes. Denn Gewalt dieser Art ist in Teotihuacán bislang kaum vorgekommen. Entsprechend groß ist die Verunsicherung, insbesondere bei internationalen Reisenden.

Aktuelle Lage: Einschränkungen für Besucher

Das Nationale Institut für Anthropologie und Geschichte teilte in einer Stellungnahme mit, dass die archäologische Stätte von Teotihuacán bis auf Weiteres geschlossen bleibt, berichtet die US-Website NPR. Sicherheitskräfte riegelten das Gebiet ab, Ermittler sicherten Spuren, und die Behörden begannen mit einer Untersuchung.

Wer einen Besuch in Kürze plant, sollte sich daher vorab über den aktuellen Stand informieren, etwa über offizielle Stellen oder Reiseveranstalter.

Eine Stadt zwischen Himmel und Erde

Abseits der aktuellen Tragödie bleibt Teotihuacán eine der faszinierendsten archäologischen Stätten der Welt. Rund 40 Kilometer nordöstlich von Mexiko-Stadt gelegen, gehört sie seit 1987 zum Unesco-Weltkulturerbe und zieht jährlich Millionen Besucher an.

Dutzende Besucher vor der Sonnenpyramide in Teotihuacán

Foto: Joao D’Andretta
/Shutterstock.com

Ihre Blütezeit erlebte die Stadt zwischen etwa 100 und 650 n. Chr. Damals war sie eine der größten Metropolen der Welt, mit schätzungsweise bis zu 200.000 Einwohnern. Bemerkenswert ist vor allem die Planung: Die Stadt wurde nicht zufällig errichtet, sondern folgte einem geometrischen Konzept, das religiöse, politische und gesellschaftliche Ordnung widerspiegelte.

Die Straße der Toten: Achse einer Welt

Im Zentrum der Anlage verläuft die berühmte »Straße der Toten«, eine mehrere Kilometer lange Hauptachse, die die wichtigsten Bauwerke miteinander verbindet.

Der Name stammt von den Azteken, die die Ruinen Jahrhunderte später entdeckten und glaubten, entlang dieser Straße seien die Gräber großer Herrscher angeordnet. Tatsächlich handelt es sich um eine monumentale Prozessionsstraße, gesäumt von Plattformen, Tempeln und Palastanlagen.

Hier wird die Größe und symbolische Kraft Teotihuacáns besonders spürbar; eine Stadt, die offenbar nicht nur für Menschen, sondern auch für Götter gedacht war.

Monumente der Macht: Sonnen- und Mondpyramide

Die Sonnenpyramide dominiert das Zentrum der Stadt. Mit rund 65 Metern Höhe gehört sie zu den größten Bauwerken ihrer Art in ganz Amerika. Ihre gewaltige Basis und die präzise Ausrichtung lassen erahnen, welche organisatorischen und technischen Fähigkeiten hinter ihrer Errichtung standen.

Am nördlichen Ende der Anlage erhebt sich die Mondpyramide. Sie ist kleiner, wirkt aber durch ihre Lage vor der Kulisse umliegender Berge besonders eindrucksvoll. Von ihrer Plattform aus öffnet sich ein weiter Blick über die gesamte Stadt – ein Panorama, das die Ordnung und symbolische Ausrichtung Teotihuacáns sichtbar macht.

Kunst, Religion und Rätsel

Ein weiteres zentrales Bauwerk ist der Tempel der gefiederten Schlange, auch bekannt als Tempel des Quetzalcóatl. Seine reich verzierten Fassaden mit steinernen Köpfen und Reliefs gehören zu den eindrucksvollsten Beispielen präkolumbianischer Kunst.

Pyramide der gefiederten Schlange (Quetzalcóatl Pyramide)

Foto: tolobalaguer.com/Shutterstock.com

Doch trotz jahrzehntelanger Forschung bleibt vieles unklar. Wer die Stadt genau gegründet hat, ist bis heute nicht eindeutig belegt. Ebenso rätselhaft ist ihr plötzlicher Niedergang im 7. Jahrhundert. Hinweise deuten auf Konflikte, Umweltprobleme oder politische Veränderungen hin.

Gerade diese Mischung aus Größe und Geheimnis macht Teotihuacán bis heute so faszinierend.