Es ist eine irre Stadt, dieses Los Angeles. Eigentlich ist es gar keine Stadt, sondern eine Ansammlung kleinerer Orte aus insgesamt drei Countys. Und rund 100 Kilometer Strand. Ansonsten: hektische Menschen, Unmengen von Touristen aus aller Welt und viel Smog. Wie gut, dass man nicht immer am Boden bleiben muss, um in L.A. etwas zu erleben. Text: Verena Wolff

Wolkenkratzer? Klar, gibt’s auch in der Stadt eine ganze Menge. Der Höchste ist das Wilshire Grand Center, gelegen am bekannten Wilshire Boulevard an der Ecke zur Francisco Street. 335 Meter hoch, fertiggestellt erst im vergangenen Jahr. 73 Stockwerke, auf dem Dach die höchstgelegene Bar der westlichen Hemisphäre. In den oberen Stockwerken: das Intercontinental Downtown Los Angeles. Beworben als höchstes Hotel der westlichen Welt, doch dieser Titel ist flüchtig. Also ist es jetzt die höchste Open-Air-Bar, Spire 73. Auch gut. Denn sie ist tatsächlich draußen gelegen, so dass man tagsüber denn Sonnenschein und am Abend die angenehmen Temperaturen in Southern California genießen kann.

Unnnnnnnd - abgedrückt. Die mutigen Rutscher von LA erwartet ein Paparazzi-Komitee.

Verena Wolff

Auch die Zimmer sind gut gelungen: modern und gemütlich, ein jedes mit speziellen Accessoires, die an die Stadt der Schönen und Reichen erinnern. Der Clou aber ist natürlich der Ausblick: In einem Eckzimmer kann man fast auf halber Zimmerfläche nach draußen schauen und die Aussicht genießen. Auf den Ozean, auf die Stadt – und auf die zahlreichen Highways, die Los Angeles zerfurchen. Und man kann sich darüber freuen, dass man gerade nicht in einem der schier endlosen Staus festsitzt, die zum ganz normalen Straßenverkehr gehören.

Rezeption und Lounge auf der 70. Etage

Die Höhe ist das Pfund, mit dem das Hotel wuchert – das wird schon beim Einchecken klar. Denn die Hinweise, dass Rezeption und Lounge (und die Bar und ein Restaurant) im 70. Stockwerk des Wolkenkratzers sind, sind äußerst dezent. Und dann sind da noch die Aufzüge. Die nämlich sind so modern, dass man nicht mehr einfach auf einen Knopf drückt – sondern einem kleinen Bildschirm durch einen Fingerdruck zu verstehen gibt, in welches Stockwerk man möchte. Dort einmal angekommen ist man erstmal überwältig von dem, was draußen ist – vor allem, wenn gerade die Sonne untergeht.

Pool im Intercontinental Downtown Los Angeles

Verena Wolff

Auch die drei Stockwerke darüber sind öffentlich – sie sind den Restaurants und eben Spire 73 vorbehalten. Ausblick inklusive. Doch auch der 7. Stock ist nicht schlecht, wenn auch vergleichweise niedrig für Wolkenkratzer-Fans: Dort befindet sich nämlich ein Außenpool inklusive einer schicken Poolbar. Und obwohl man so nah über den belebten Straßen von Downtown Los Angeles schwimmt und sonnt, ist kaum etwas vom Straßenlärm zu hören.

Eine weitere Attraktion in luftiger Höhe findet sich auf dem zweithöchsten Hochhaus der Stadt: dem US Bank Tower. Der ist zwar 25 Meter niedriger als die Antenne am Wilshire Grand, aber auch 30 Jahre älter.

US Bank Tower in LA

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Vor ein paar Jahren musste renoviert und saniert werden – und da hatte man eine dieser amerikanischen Ideen: bisschen verrückt vielleicht, aber warum eigentlich nicht? Also baut man eine Rutsche. Vom 70. ins 69. Stockwerk. Klingt unspektakulär? Die Rutsche ist außen am Turm angebracht. Und sie ist aus Glas. Rundherum.

14 Meter die Rutsche runter – vom 70. Stock

Für Menschen mit Höhenangst ist das nichts, wenn sie sich auf gut 320 Metern auf einen Filzsack setzen sollen, unter ihnen die Stadt. Doch dann geht alles ganz schnell, denn es sind nur 14 Meter, die man von einem Stockwerk in das nächste überwindet. Und dann ist es, wie wenn man das erste Mal vom Zehn-Meter-Turm springt. Man merkt, dass es gar nicht so schlimm war und will gleich nochmal. Denn natürlich macht es viel Spaß – und die Rutsche spuckt einen direkt auf der Aussichtsplattform des Wolkenkratzers aus. Hier hat man aus luftiger Höhe einen wunderbaren Rundumblick über die Stadt. Von den Hollywood Hills über das Griffith Observatory, in die Berge und zu den Stränden des Pazifik.

Los Angeles von oben: Rutsche im US Bank Tower

Verena Wolff

Doch man muss nicht immer auf Wolkenkratzer fahren, um über den Dingen zu stehen – oder zu laufen. Denn man kann mit Guides beispielsweise zum weltberühmten Hollywood-Schild laufen. Durch den Griffith Park, bergan, kaum Schatten – aber mit einem großartigen Ausblick, wenn man den Anstieg mal geschafft hat.

View from Hollywood sign

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Und es halbwegs klar ist in der Millionenstadt, die sich unendlich in alle Himmelsrichtungen auszubreiten scheint. Thomas und Jessie sind Anbieter einer solchen geführten Tour, die über die AirBnB Experiences zu buchen ist. Und einen Mehrwert gibt es auch: Thomas ist Fotograf – und zweigt auch Menschen, die normal nur mit dem Selfie-Stick hantieren, wie man ein Bild mit bester Wirkung schießen kann.

Tolle Aussicht vom Hollywood Bowl Overlook

Wer aus einer anderen Perspektive auf die Stadt schauen will, der muss mit dem Auto auf den Mulholland Drive fahren. Schon mal gehört? Kein Wunder, denn es gibt sogar einen Film mit diesem Namen. Es gibt verschiedene Stellen auf dem Mulholland zwischen dem Hollywood Freeway im Osten bis zur Interstate/Freeway 405 im Westen, an denen »Lookouts« eingerichtet wurden, um in Ruhe den Blick über die Stadt zu genießen. Der tollste? Der Hollywood Bowl Overlook, denn von hier aus kann man die gesamte Stadt sehen. Allerdings: Diese Lookouts sind nur von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang geöffnet. Und die Ranger verstehen keinen Spaß, wenn sie ein Auto oder Menschen außerhalb dieser Zeiten dort erwischen.

Hollywood Bowl Overlook

Kit Leong

Das Griffith Observatory ist den meisten Kinogängern aus zahlreichen Filmen bekannt – der jüngst ist der oscarprämierte Streifen La La Land mit Ryan Gosling und Emma Stone. Aber auch in James Dean’s »Denn sie wissen nicht, was sie tun«, »Terminator« oder »Transformers« spielte das markante weiße Gebäude mit dem Kuppeldach eine nicht zu übersehende Rolle.

Griffith Observatory

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Doch es ist auch eines der meistbesuchten wissenschaftlichen Einrichtungen in der Stadt, die drei Hauptabteilungen hat: die Hall of Science, das Planetarium und das Laserium. Zu sehen sind Gesteinsbrocken vom Mars, vom Mond und von Meteoriten, ein Modell des Hubble-Weltraumteleskops, ein Seismograph und ein 100 Kilogramm schweres Foucaultsches Pendel. Und dass die Sicht bei schönem Wetter atemberaubend ist, muss man wohl nicht extra erwähnen!

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