Die Punta Cana in der Dominikanischen Republik ist ein Traumreiseziel für alle, die sich tagelang am Pool in der Sonne fläzen möchten. Darüber hinaus locken Begegnungen mit unberührter Natur, exotischen Tieren – und herzzreißender Musik. Text: Frank Störbrauck

Eduardo ist in seinem Element. Der 32-Jährige fasst mit seiner Hand sanft an die Hüfte seiner Freundin Janina und führt sie souverän über die Tanzfläche. Er zieht den linken Fuß vor, den rechten im Halbkreis nach, sein Hüftschwung sorgt dafür, dass sich die bei den sehr nahe kommen. Aber nur kurz, durch den peitschenden Rhythmus der Musik bewegen sich die beiden im nächsten Moment schon wieder auseinander.

Sie tanzen Merengue; die Basis des Tanzes ist recht einfach: Er besteht nur aus zwei verschiedenen Phasen, in denen jeweils die Hüftbewegung durch Beugen des einen und Strecken des anderen Beines ausgeführt wird. Der Sound und die gute Laune der Tänzer wirkt ansteckend; man tanzt und wippt automatisch mit. Das ist bei den übrigen Gästen nicht anders, die sich hier im D’Lujo Car Wash in Bávaro an der Punta Cana amüsieren.

Merenge in der Autowaschanlage? Völlig normal

Car Wash? Die Location ist in der Tat das, wonach es klingt: eine Autowaschanlage. Allerdings keine wie in unseren Breitengraden. Viele Car-Wash-Stationen in der Dominikanischen Republik sind nämlich Autowaschanlagen mit angeschlossener Bar und Tanzfläche. So auch der D’Lujo Car Wash: Im hinteren Teil der Anlage harren Autos und Motorräder in der Nachmittagssonne auf Wasser und Schaum aus, während nebenan auf dem überdachten Dancefloor getanzt und gefeiert wird. »Mein Auto steht noch da hinten. Es dauert wohl noch, bis ich dran bin«, sagt Eduardo lächelnd. Traurig scheint er darüber nicht zu sein. »Merengue ist mein Leben. Ich liebe die Musik über alles«, erzählt er.

Car Wash an der Punta Cana

Frank Störbrauck

Damit ist er nicht allein. Der Merengue ist in der Dominikanischen Republik allgegenwärtig. Ob im Bus, im Restaurant, in der Wartehalle, beim Friseur oder im Supermarkt: Überall ist er zu hören, meist in ohrenbetäubender Lautstärke. Für viele Dominikaner symbolisiert der Merengue die ausgelassene Seite des Alltags; so wie der Salsa auf Kuba oder der Reggae auf Jamaika steht er für das Lebensgefühl einer ganzen Nation.

Verflossene Liebe und unerfüllte Sehnsüchte

In den Texten geht es häufig um verflossene Liebe und unerfüllte Sehnsüchte, manchmal wird es richtig sentimental. So singt etwa Juan Luis Guerra, der Superstar des Merengues, in einem seiner erfolgreichsten Hits »Burbujas de amor«: »Weißt du, ich wäre gern ein Fisch. Und dann würde ich meine Nase in dein Aquarium stecken und kleine Luftblasen machen aus lauter Liebe zu dir.«

Verantwortlich für die Beats im Car Wash ist DJ Hansel. Er steht am Ende der Tanzfläche in seiner Kanzel. Aufmerksam verfolgt er das Geschehen. »Heute ist Sonntag, dann ist es immer am vollsten«, sagt er. Merengue läuft immer gut, aber hin und wieder spielt er auch mal einen Salsa oder Bachata-Song.

Er hat ein Händchen für die Stimmung des Publikums, denn die Tanzfläche ist zum Bersten voll. Die schweren Ventilatoren unter der vier Meter hohen Decke pusten kaum Luft auf den Dancefloor. Den meisten Gästen läuft der Schweiß von der Stirn. Touristen sind kaum unter den Besuchern; es sind vor allem Einheimische, die sich hier amüsieren.

»Schade, dass so wenig Touristen da sind. Bring beim nächsten Besuch welche mit, und wir tanzen alle gemeinsam«, sagt Eduardo zum Abschied mit einem Augenzwinkern.

Hin und wieder fährt einer der Touristenbusse am Car Wash vorbei, auf dem Weg vom Flughafen in die Hotels an der Punta Cana. Der Name ist ein Synonym für eine Urlaubsregion, die wie aus dem Bilderbuch gemalt zu sein scheint: Auf einer Länge von rund 60 Kilometern zieht sich ein schneeweißer Korallensandstrand entlang, umrahmt allein vom türkisblauen Meer und Tausenden von Kokosnusspalmen.

Ein Hotel nach dem anderen an der Punta Cana

Entlang der Küste haben sich die Hotels und Resorts niedergelassen, vornehmlich jene, die von spanischen Hotelketten geführt werden. Glücklicherweise besagen die Bauvorschriften an der Punta Cana, dass keines der Hotels höher als drei Stockwerke gebaut werden darf – architektonische Bausünden wie in Teilen Spaniens, wo hässliche Betonklötze die Küste verschandelt haben, findet man hier nicht.

Das bedeutet aber nicht, dass es sich bei den Resorts um knuddelige Herbergen handelt, in denen man mit etwas Glück Resort, Strand und Meer ganz für sich allein hat. Im Gegenteil: Denn was man den Resorts in der Höhe verbietet, erlaubt man ihnen in der Breite. Die meisten Hotelanlagen entlang des Boulevard Tourístico sind daher mehrere Fußballfelder groß. Sie sind so riesig, dass Elektro-Shuttle-Bahnen von frühmorgens bis spätabends über die Anlagen tuckern, um die Gäste von A nach B zu transportieren. Und noch eines haben die Resorts gemeinsam: Sie bieten fast ausnahmslos eine All-inclusive-Verpflegung.

Ganz schön luxuriös im Royal Suites Turquesa

Das Royal Suites Turquesa by Palladium beispielsweise ist ebenfalls ein All-inclusive-Resort, eins, das sich fünf Sterne ans Revers geheftet hat. Komfort wird hier großgeschrieben: Kofferträger kümmern sich beim Einchecken ums Gepäck, für jedes Apartmenthaus ist ein Butler zuständig, die Minibar wird kostenlos mit Softdrinks gefüllt – selbst große Flaschen Wodka, Whisky, Gin und Rum sind dort zu finden.

Touristen im Royal Suites Turquesa by Palladium

Frank Störbrauck

Im Bett wartet ein Kissenmenü auf die Auswahl, die Badewannen entpuppen sich als Whirlpools – und wer eine Suite im Erdgeschoss bucht, kann von der Terrasse gleich in den Pool springen. Ruhe und Erholung werden im Royal Suites großgeschrieben, weshalb Kinder nicht erlaubt sind: »Wir sind ein Resort ausschließlich für Erwachsene und wollen uns abheben von dem, was vielleicht manch einer immer noch unter einem All-inclusive-Urlaub versteht«, erläutert Octavio Subervi, Manager des Royal Suites, die Philosophie des Hauses.

Wer das Hotel nicht verlässt, ist selber schuld

Und so überrascht es nicht, dass viele Gäste ihren Aufenthalt in der süßen All-inclusive-Welt zum tagelangen Fläzen an Pool und Strand nutzen; dabei lohnt sich ein Ausflug durchaus, denn die Punta Cana ist gesegnet mit exotischer Tierwelt und üppiger grüner Natur.

Der Manati Park beispielsweise liegt nur rund 15 Minuten Fahrzeit von den meisten Resorts entfernt. Ein Gratis-Shuttle-Bus chauffiert die Touristen von den Hotels zum Park und zurück. Allerdings klappert der Shuttle auf einer Tour bis zu fünf Hotels ab – weshalb eine Fahrt mit dem Taxi zumindest in Erwägung gezogen werden sollte. Leguane, Tukane, Flamingos, Kaimane und Delfine gibt es in dem Park zu bestaunen – und wer Glück hat, trifft auf Alma-Eric van der Hooning.

Die Österreicherin ist 49 Jahre alt, blond und braun gebrannt. Vor 16 Jahren ist sie ausgewandert, weil sie das kalte Klima zu Hause nicht mehr aushielt. »Ich sehnte mich damals nach ewigem Sommer, Palmen und Strand.« Nur damals? »Heute freue ich mich, wenn ich meine Familie in Europa besuche und auch einmal ein paar kühle Tage genießen kann. Immer diese Schwüle und Hitze, da freut man sich auch mal über Abwechslung«, sagt sie, während sie durch die Pferdereitanlage schlendert.

Aber die Punta Cana wieder verlassen, das möchte sie nicht. Sie ist heute mit einem Dominikaner verheiratet, die beiden haben ein Haus, draußen auf dem Land. Die Menschen sind ihr ans Herz gewachsen; auch wenn die Mentalität der Dominikaner hin und wieder ein mahnendes Wort gegenüber den Angestellten im Park erfordert:»Der Hang zum Müßiggang, zum Feiern ist schon weitverbreitet«, sagt sie und schmunzelt dabei.

Im Manati Park fiepst, gluckst und grunzt es munter vor sich hin

Liebevoll präsentiert sie »ihre Kleinen,«, so nennt sie die Tiere, die unter ihrer Obhut stehen. Und die sind kaum zu überhören: Es fiepst und gluckst, gurrt und grunzt. Auf einem Felsen postieren sich stolz die Nashornleguane, rund drei Dutzend lümmeln sich in dem Gehege. Hunger scheinen sie nicht zu haben. Blumenkohl, Salat und Möhren liegen weit verstreut auf dem Boden.

»Die Leguane sind unsere Publikumslieblinge, besonders bei Familien«, erläutert Alma.

»Wenn sich ein Leguan der streichelnden Hand entgegenreckt, dann sind nicht nur Kinder entzückt«, weiß sie aus Beobachtung. Manche Kinder seien aber verängstigt wegen des dinosaurierhaften Aussehens der Leguane, sagt sie. »Da muss ich dann erst einmal eine kleine Einführung halten und ihnen erklären, dass sie ganz brav sind.« Sie lächelt dabei, die Rolle der Zoo-Mama scheint ihr zu gefallen. Wenig spannend sind die Besuche bei den Kaimanen (liegen mit Pokerface im Wasser und bewegen sich keinen Millimeter) und den Flamingos (grazil wie Ballerinen, aber sehr scheu).

Auf einem Baum tauchen plötzlich aufgeplusterte Papageien auf; ein ganzes Dutzend, die aussehen, als hätten sie extra für die Besucher ihr farbenfrohstes Kleid angezogen. Ein Papagei kommt angeflogen und nimmt Platz auf Almas Schulter:

»Immer zutraulich ist er, aber ganz schön frech, wenn er den Mund aufmacht. Sehr ordinäres Vokabular«, sagt sie.

Alma-Eric van der Hooning im Manati Park an der Punta Cana

Frank Störbrauck

Die früheren Besitzer hätten ihm lauter Schimpfwörter beigebracht, erläutert Alma in einem Ton, der fast entschuldigend klingt. »Glücklicherweise hält er aber den Mund, wenn ihm niemand diese Wörter vorflüstert«, sagt sie lachend.

Cuba Libre trifft auf Gusttavo Limas »Balada«

Eine weitere Attraktion im Ausflugsprogramm der Region ist der Parque Nacional del Este. Sie ist rund 90 Minuten südwestlich von der Punta Cana gelegen. Schon 1975 wurde er gegründet. Heute ist er der fünfgrößte Nationalpark der Dominikanischen Republik. Teil des Nationalparks ist die Insel Saona.

Zahlreiche Veranstalter bieten organisierte Katamarantouren zur Insel an. Der Fun-Faktor gerät bei den Touren nicht zu kurz. Während der rund zweistündigen Katamaranfahrt zur Insel gibt es jede Menge Gratis-Drinks. Und obendrein improvisierte Merengue-Tanzkurse der Animateure an Bord.

Unter der tropisch-heißen Mittagssonne sollte man aber besser nicht zu viel Cuba Libre trinken – auch wenn das Personal an Bord gern den Eindruck vermittelt, die Rum-Ressourcen an Bord seien unendlich. Eine Gruppe Brasilianer scheint das nicht zu scheren, noch bevor der Katamaran ablegt, haben sie schon mehrere Cocktails intus. Sie prosten sich zu und singen laut – und als aus den Musikboxen zur Einstimmung Gusttavo Limas »Balada« röhrt, stehen sie auch schon in Reih und Glied parat, um den Tanzeinlagen der Animateure zu folgen.

Bei den Seesternen klicken die Handykameras

Das geht während der rund zweistündigen Fahrt ohne Unterlass so weiter, und man fragt sich, ob die brasilianische Spaßtruppe überhaupt etwas von der betörend schönen Umgebung mitbekommt. Denn das Meer ist auf der Tour der wahre Höhepunkt. Weich und lau umspült es Beine und Bauchnabel. Das Wasser ist klar wie Kristall. Und als plötzlich ein Tourist bei einem Stopp einen Seestern vom Meeresboden fischt, gibt es kein Halten mehr. Wer nicht bereits mit einem Seestern stolz vor der Kamera posiert, springt ins Wasser, um es den anderen gleichzutun.

Auf der Insel kann man es anschließend entspannt angehen lassen und sich nach dem Mittagessen am Strandbuffet unter Palmen legen, sich vom Wind umwehen lassen, das Meeresrauschen genießen und der vom Restaurant herübersäuselnden Musik lauschen. Musik, die sehr bekannt vorkommt – und für Vorfreude auf den Abend sorgt: Merengue.

Infos. Das Fremdenverkehrsamt der Dominikanischen Republik erteilt Infos über die Punta Cana: Hochstraße 54, 60313 Frankfurt, Tel.: 069 91397878, www.godominicanrepublic.com

Anreise. Air France fliegt von verschiedenen Flughäfen in Deutschland über Paris je nach Saison bis zu viermal in der Woche nach Punta Cana. Den Hin- und Rückflug gibt es ab rund € 850. www.airfrance.de

Hotel. Royal Suites Turquesa by Palladium, C/ El Cortecito, Playa Bávaro, Punta Cana, Dominikanische Republik, Tel.: +18 092 210719, pro Nacht in der Juniorsuite ab rund € 211, www.palladiumhotelgroup.com. Pauschal buchbar über Thomas Cook: 14 Übernachtungen in der Juniorsuite mit All-inclusive-Verpflegung, inklusive Flug, Transfers und Reiseführer ab € 1859 pro Person an, www.thomascook.de

Buchtipp. Dominikanische Republik, Natur und Reise, von Elmar Mai, Natur und Tier Verlag, ausführliche Präsentation der Naturreiseziele, Pflanzen und Tiere der Insel, 525 Seiten, € 26,80

 

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