Der Nordwesten der USA ist eine unterschätzte Schönheit. Doch wer sich die Rosinen aus Oregon und Washington herauspicken möchte, der braucht einen Experten. Wir haben einen gefunden: Kieron Weidner. Er ist Biologe, Tourguide und ein unglaublich netter Kerl. Text: Jennifer Latuperisa-Andresen

Der Mercedes-Benz-Sprinter fährt mit Biodiesel, auch die Wasserflaschen für die Tour sind wiederverwendbar und selbst wenn Kieron Weidner einen Mittagsstopp einlegt, handelt es sich um die Bio-Fast-Food-Kette »Burgerville«, wo die würzige Gemüsefrikadelle zwischen zwei Brötchenhälften liegt und die Verpackung aus Mais und somit kompostierbar ist. Seine Devise lautet »Leave no trace«. »Das ist doch ganz klar«, erklärt er mir, »wir leben vom Tourismus, wollen aber mit dem, was wir tun, nichts zerstören, sonst rauben wir uns ja die eigene Existenzgrundlage.« Der 30-jährige Biologe arbeitet für die EverGreen Escapes, ein kleines junges Unternehmen, das Touren durch die US-Bundesstaaten Oregon und Washington sowie für British Columbia in Kanada anbietet.

Wer den Nordwesten der USA in seiner schönsten Pracht erleben möchte, sollte sich in erfahrene Hände begeben. Das Terrain ist riesig (größer als Deutschland) und es gibt Hunderte von Kilometern, die dazwischen liegen. Praktisch also, wenn Kieron am Steuer sitzt und neben dem Weg auch noch viele Einzelheiten zu den verschiedenen Orten und Sehenswürdigkeiten weiß. Er wandert voraus, um den besten Platz für ein Foto zu finden, kennt die angesagtesten Clubs der Stadt und erklärt in kurzen, prägnanten Sätzen die Besonderheit der amerikanischen Kiefer. Ein attraktives Wunderpaket also, das zudem Humor hat. Also anschnallen, zurücklehnen und Mr. Weidner das Steuer überlassen. Mal sehen, wohin es geht.

Auf geht’s zum Columbia River Gorge

Wenn er sich nur einen Ort aussuchen dürfte, so sagt er, dann wäre es diese weite Felsenschlucht zwischen Oregon und Washington. Warum? »Hier findet sich alles, wofür der Nordwesten der USA steht. Vom subtropischen Regenwald bis zu den Trockenebenen.« Zudem, so erklärt er mir, kann man hier wunderbar sehen, wie diese Schlucht entstanden ist, weil sich der Fluss in jahrtausendelanger Arbeit durch den Basalt gegraben hat und so die einzelnen Schichten des Gesteins freigelegt hat. »Auf einer Strecke von 100 Kilometern treffen wir auf über 70 Wasserfälle«, schwärmt Kieron. Der bekannteste: Multnomah Falls mit einem Höhenunterschied von 188 Metern.

»Mit ein bisschen mehr Zeit sollte man den Eagle Creek entlangwandern. Dort sieht man, wie die unterschiedlichen Höhen und daraus resultierender Niederschlag ein mannigfaltiges Ökosystem geschaffen haben.«

Wir verweilen einen Moment am Crown Point und genießen die phänomenale Aussicht auf die majestätische Felsenschlucht.

Nächste Station: Mount Rainier, Washington

Seine Silhouette liegt erhaben über dem Dunst der Stadt Seattle. Sie ist die größte Stadt im Nordwesten der USA. Nur 87 Kilometer ist der Schichtvulkan von der Metropole entfernt, und wer sich zum Mount Rainier begibt, wird einen Ausflug in eine andere Welt machen. Kieron fährt im Sommer wie im Winter den schlafenden Riesen an, der 1854 das letzte Mal ausgebrochen ist. Durch die Höhe von 4395 Metern (mehr als 1000 Meter höher als der Teide auf Teneriffa) vergletschert die Spitze und trägt somit auch in den Sommermonaten eine Schneekappe.

»Mein Geheimtipp ist es, den Berg während des Sonnenaufgangs zu erleben. Denn dann färbt sich der Himmel purpurrot und die weiße Kuppe des Vulkans ragt über die noch im Dunklen liegende Welt empor. Ein Anblick, der mich jedes Mal aufs Neue in seinen Bann zieht.« Richtig lustig jedoch wird es am Mount Rainier im Winter, denn durchschnittliche 17 Meter Neuschneesorgen für eine ausreichende Wintersportgrundlage. »Spannend sind Schneeschuhwanderungen. Nur wir, die Tiere und der Vulkan, weit und breit keine Menschenseele.«

Die Küste Oregons: wie aus dem Bilderbuch

Kieron ist ein Outdoor-Bursche. Er hat schon in Kratern, Wüsten und Baumhäusern übernachtet. Und er würde es auf jeder Tour wieder tun. Wem das zu viel Abenteuer ist, der sollte sich vielleicht auf den Küstenstreifen Oregons konzentrieren. Von Astoria nach Florence sind es 296 Kilometer, die gesäumt sind von spektakulären Aussichten und bezaubernden Örtchen.

»Oregon hat Bilderbuchstrände. Kein Wunder, dass Hollywood hier gerne seine Filme dreht.« In Cannon Beach beispielsweise wurden schon einige Blockbuster verfilmt. In den Örtchen entlang der Route findet man Boutiquen, Cafés und Weingüter. »Aber auch hier kann ich für Action sorgen«, sagt Kieron stolz. In Florence empfiehlt er Sandboarding. »Ich liebe es, mit einem Buggy die Dünen hinunterzupesen.« Und ich bin froh, dass er das nicht mit unserem Tourbus tut.

Erst vor Kurzem ist Kieron von Seattle nach Portland gezogen, »aber mir gefällt es richtig gut«. Portland ist eine unterschätzte Stadt, die viele auf Reisen links liegen lassen. Schade, denn die Stadt hat ein ganz besonderes Flair. Irgendwo zwischen Alt-Hippie und Provinz. Wichtig ist es nicht, en vogue zu sein, sondern intellektuell und umweltbewusst. »Ich liebe den Fair-Trade-Kaffee bei Stumptown und verbringe meine Zeit gerne in der größten Buchhandlung der Welt, wo es auch gebrauchte Bücher zu kaufen gibt – Powell’s Books. Ich mag die kleinen Programmkinos, wo man sich eher so fühlt, als ob man in einem privaten Wohnzimmer sitzt und man zum Film ein Bier serviert bekommt.« Wer eine überschaubare Atmosphäre und ein authentisches Stadtleben sucht, der ist in Portland genau richtig.

Kosmopolitisch, aber verregnet: Seattle

Etwas weltoffener, dafür nicht so vom Wetter begünstigt zeigt sich Seattle. In den 90er-Jahren war es die Musikmetropole. »Nirvana« und »Pearl Jam« hießen die Bands, die der Jugend den Kopf verdrehten und aus Seattle kamen. Wie passend, dass Paul Allen, Microsoft-Mitbegründer, sich vom Stararchitekten Frank O. Gehry ein Museum bauen ließ. Wofür? Für seine unglaublich umfassende Science-Fiction- und Musiksammlung.

»Mein Lieblingsplatz in der Stadt ist der Capitol Hill. Hier taucht man in die Szene der Stadt ein. Alles tummelt sich hier: Hipsters, Gays und Künstler aller Art – es ist sozusagen das kulturelle Herz der Stadt.«

Während er das sagt, sitzen wir in einem Kanu auf dem Lake Washington. Da möchte ich jetzt hin, sage ich, und lehne mich zurück. Praktisch, so ein sportlicher Tourguide!

Anreise. Icelandair bietet ab Frankfurt a. M. günstige Flüge über Island in den Nordwesten der USA, nach Seattle. Oder nonstop mit Condor ab Frankfurt a. M. nach Seattle.

Touren.  EverGreenescapes. Private, maßgeschneiderte Touren, aber auch Pauschalgruppentouren für den Nordwesten der USA können hier gebucht werden. Startpunkt der Touren ist entweder Seattle oder Portland. Kieron Weidners Touren finden meist ab Portland statt. Eine private Tour kostet etwa € 1.452 pro Person für vier Tage, Tel.: +1 866 203 7603 (gebührenfrei).

Hoteltipp Portland. Die Atmosphäre aus den alten Hollywoodfilmen herrscht im Hotel Deluxe. Vier-Sterne-Plus-Hotel im stilvollen Dekor. Ab € 80 pro Nacht im DZ, 729 SW 15th Street, Portland, 97205 Oregon.

Hoteltipp Seattle. Eines der schönsten Hotels der Stadt und perfekt gelegen ist das Four Seasons Seattle. Eine Nacht im Superior-DZ ab ca. € 272 Union Street, Seattle, 98101 Washington.

Info. Über Washington State und Oregon: Pacific Northwest, c/o Wiechmann Tourism Service, Scheidswaldstr. 73, 60385 Frankfurt, Tel.: 069 25538240, www.experiencewa.com und www.traveloregon.de

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