Wenn Ostern vor der Tür steht, feiert die Hauptstadt Ecuadors während der Semana Santa ihre spirituelle Seite. Umzüge, Konzerte und kulinarische Spezialitäten prägen die Karwoche. Touristen können bei Stadtführungen die Kirchen und Kulturhöhepunkte Quitos kennenlernen.

Eine ganze Reihe von religiösen und kulturellen Veranstaltungen dominieren das Osterfest in Quito. Uralte Rituale und Traditionen werden dabei zelebriert – viele davon finden sich nur in Quito. Der Startschuss fällt am 2. April mit dem 16. Internationalen Festival der Kirchenmusik, in dessen Rahmen Melodien aus dem 16. Jahrhundert, klassische Werke und zeitgenössische Musik präsentiert werden. Bis zum 9. April, dem Palmsonntag, werden in den Kirchen des historischen Zentrums Quitos Gruppen aus Europa, Nord- und Südamerika sowie neun nationale Interpreten zu sehen sein.

Kreuze mit Blumenarrangements, Prozession der Geistlichen

Ab Palmsonntag zeigen sich Quitos Kirchen in ihrem religiösen Festtagskleid. Dabei werden die Kreuze mit Blumenarrangements geschmückt. Am Mittwoch, dem 12. April, wartet einer der Höhepunkte der Karwoche auf Touristen und Einheimische: der Arrastre de Caudas, ein Brauch, den die spanischen Eroberer aus Sevilla mitbrachten. Der feierliche Akt, erfüllt von Glauben und Tradition, beginnt um 11 Uhr in der Kathedrale Quitos und wird vom Erzbischof der Stadt und 24 Mönchen durchgeführt. Die Geistlichen prozessieren dabei verhüllt in schweren Büßerkutten von bis zu zwei Metern Länge durch die Stadt. Diese stehen symbolisch für den Sündenerlass.

Osterprozessionsteilnehmer in Quito

Bibarama/Shutterstock.com

Ein weiterer Höhepunkt am Mittwochnachmittag ist die Prozession des Lichts. Das Ballet Jacchigua führt den zweistündigen Umzug durch Quitos Zentrum an. Figuren tragen dabei traditionelle Laternen und Altarkerzen; darunter die den Büßern mit ihrer Last helfenden cucuruchos und die almas santas, die heiligen Seelen, die für ihre großen, kegelförmigen Hüte bekannt sind.

Am Gründonnerstag führt der »Rundgang der sieben Denkmäler« den Besucher durch sieben Kirchen der Stadt. Im Zentrum ihrer mit Stoffen und Silber aufwändig geschmückten Altare steht jeweils ein Hostienkelch, die darin liegenden Hostien repräsentieren Jesus‘ Gefangennahme.

Der Karfreitag wartet mit einer der wichtigsten religiösen Veranstaltungen Ecuadors auf. Jesús del Gran Poder ist der Name der Karfreitagsprozession in Quito, die dem Leiden Jesu auf dem Kreuzweg gedenkt. Traditionell nehmen Tausende von Gläubigen teil, die ihre Route auf der Plaza de San Francisco beginnen und beenden.

Ein Karwochen-Gericht, das gerne geteilt wird

Und auch auf den Tellern wird die Semana Santa gefeiert: In der Karwoche werden in Quito ganz besondere Gerichte serviert. Dazu zählen die fanescas, die in Gedenken an die zwölf Apostel und die Stämme Israels aus zwölf verschiedenen Getreidesorten zubereitet werden. Ushucuta ist der Name des prähispanischen Gerichts, auf dem die fanescas basieren, und welches ausschließlich aus Getreide und Kürbis bestand. Unter dem Einfluss der spanischen Eroberer kamen Milchprodukte und Fisch hinzu. Ein Gericht, das gerne geteilt wird: Einem alten Glauben zu Folge haben diejenigen Familien, die andere zum gemeinsamen fanesca-Essen einladen, das ganze Jahr über reichlich Vorräte.

Die Kultur- und Bildungsinstitution Quito Eterno vervollständigt Ostern in der ecuadorianischen Hauptstadt mit speziellen Touren und Führungen, sowohl tagsüber als auch bei Nacht. Die Teilnehmer entdecken dabei die verzierten Fassaden der Kirchen aus der Kolonialzeit sowie das Kulturerbe der Stadt.

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