Wir lieben Ramen. Die japanische Nudelsuppe mit ihrem ausgeprägten Umami-Charakter ist echtes Soul Food. Für eine gute Schüssel Ramen braucht es keine Reise nach Japan: Mit diesen beiden vegetarischen Rezepten gelingt sie auch zuhause – ohne aufwendige Zutaten und ohne stundenlanges Kochen. Ob klare Brühe oder cremige Variante, beides funktioniert unkompliziert und aromatisch.
Ramen – mehr als Nudelsuppe
Ramen gilt heute als der Inbegriff japanischer Alltagsküche, stammt aber ursprünglich aus China. Ende des 19. Jahrhunderts brachten Händler Weizennudeln nach Japan, woraus schnell etwas Eigenes entstand. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Ramen zum günstigen Sattmacher, später zur Kultspeise mit regionalen Eigenheiten, eigenen Ramen-Meistern und Michelin-Sternen. Kurz gesagt: ein Gericht mit Bodenhaftung und steiler Karriere.
Was alle Varianten verbindet: Brühe mit Tiefe, Nudeln mit Biss und Toppings, die alles krönen. Doch was sind eigentlich die typischen Ramen-Sorten? Hier ein kleiner Überblick der verschiedenen typischen Ramen, bevor wir euch unsere liebsten vegetarischen Ramen-Rezepte vorstellen.

Foto: Christian Dala
Shoyu Ramen – der elegante Klassiker
🍜 Sojasauce gibt hier den Ton an. Die Brühe bleibt klar, aromatisch und erstaunlich leicht.
Basis: Hühner- oder Gemüsebrühe, Sojasauce, Ingwer, Knoblauch
Toppings: Schweinebauch (Chashu), Frühlingszwiebeln, Nori, weich gekochtes Ei
Schmeckt ausgewogen, perfekt für das erste Ramen-Erlebnis.
Tonkotsu Ramen – reich & cremig
🍜 In Fukuoka schwört jede Ramen-Bar darauf. Stundenlang gekochte Schweineknochen sorgen für eine milchige, intensive Brühe.
Basis: Schweineknochen, Knoblauch, Sesam
Toppings: Chashu, Pilze, Frühlingszwiebeln, eingelegter Ingwer
Kein Leichtgewicht, dafür echtes Soul Food. Danach sitzt man kurz still da und nickt anerkennend.
Miso Ramen – Herzhaft aus dem Norden
🍜 Hokkaido liebt es kräftig. Miso bringt Tiefe, Umami und eine leichte Süße.
Basis: Brühe mit roter oder weißer Misopaste
Toppings: Mais, Butter, Hackfleisch oder Tofu, Frühlingszwiebeln
Ideal für kalte Tage oder wenn wohligen Genuss gefragt ist.
»Wer Ramen liebt und seinen Ramen-Horizont erweitern will, sollte unbedingt mal Tsukemen Ramen probieren, meine absolute Lieblingsvariante. Die Nudeln kommen separat und werden in eine kräftige, meist etwas dickflüssigere Brühe getaucht. Super lecker und macht richtig Spaß beim Essen.«
Davide Izzi
Kennst du schon unseren Redaktionskoch Davide Izzi (@what_costa_cooks)? Er wuchs als Sohn italienischer Eltern in der Nähe von Stuttgart auf und lebt aktuell in Hamburg. Gegessen hat er schon immer gerne, sagt seine Mama. Und dass er heute fast so gut kocht wie sie, das sagt sie auch. Am liebsten italienisch, gerne auch japanisch oder koreanisch. Bei reisen EXCLUSIV stellt er einmal im Monat eines seiner Lieblingsrezepte vor. Auch hier gibt er gerne seine Tipps für die perfekte Ramen ab!
Und welche Nudeln brauche ich für Ramen?
Klassische Ramen-Nudeln sind klar definiert: Weizennudeln mit Kansui. Dieser alkalische Zusatz sorgt für Elastizität, Biss und genau dieses typische »Ramen-Gefühl«. Diese gibt es in allen Dicken und Frischen, und je nach Ramen wird in Japan eine andere Nuance bevorzugt. Du bekommst getrocknete Ramen-Nudeln ganz einfach im Asia-Store oder auch in gut sortierten Supermärkten. Und was ist mit Mie-Nudeln? Mie-Nudeln stammen aus der chinesischen Küche und werden meist mit Ei hergestellt. Dadurch sind sie gelblicher, etwas weicher und haben einen anderen Biss. Ramen-Nudeln dagegen kommen ohne Ei aus, bekommen ihre Textur durch Kansui und wirken elastischer, fast federnd.

Foto: Montatip Lilitsanong
In der Praxis landen Mie-Nudeln trotzdem oft in Ramen-Schüsseln, vor allem zu Hause oder in schnellen Rezepten. Sie garen fix, sind überall erhältlich und nehmen Brühe gut auf. Geschmacklich passt das, handwerklich bleibt es eine Abkürzung.
Reisnudeln gehören streng genommen in andere Suppenwelten, etwa Pho oder diverse südostasiatische Nudelgerichte.
Aber Küche lebt nicht von Grenzkontrollen.
Für schnelle, moderne oder bewusst vereinfachte Rezepte lassen sich auch andere Nudeln einsetzen. Reisnudeln verändern Textur und Mundgefühl, funktionieren aber gut in leichten Brühen und sind glutenfrei. Geschmacklich bleiben sie zurückhaltender, was Toppings mehr Raum lässt. Du kannst unsere vegetarischen Ramen-Rezepte also auch mit Udon oder anderen Nudeln ausprobieren.
»Ramen ist in Japan kein reines Wintergericht. Es gibt eine riesige Vielfalt und im Sommer lohnt es sich, die Augen offen zu halten. Kalte Varianten wie Hiyashi Chūka oder Zaru Ramen mit frischen Toppings und leichter Würze schmecken auch an heißen Tagen richtig erfrischend.« Davide Izzi
Schnelle Ramen-Rezepte – geht das?
Traditionelle Ramen brauchen Zeit, vor allem wegen der Brühe. In vielen klassischen Varianten köchelt sie mehrere Stunden, manchmal einen halben Tag.
Gleichzeitig war Ramen nie ein elitäres Gericht. In Japan existiert seit jeher eine zweite Spur: schnell, pragmatisch, alltagstauglich. Ramen-Bars arbeiten mit vorbereiteten Brühen, zu Hause wird vereinfacht, Instant Ramen gehören längst zur Kultur.
Unsere vegetarischen Ramen-Rezepte bewegen sich genau dort: inspiriert von klassischen Ramen-Stilen, aber bewusst unkompliziert gedacht. Weniger Ritual, mehr Alltag – und viel Geschmack.

Foto: Monika Grabkowska
Ramen-Rezept: Klare Ramen
Inspiriert von Shoyu Ramen, nur alltagstauglicher und deutlich schneller.
Vorbereitungszeit: 20 Minuten
Garzeit: 20 Minuten
Zutaten für 2 Portionen
- 1 Zwiebel
- 3 Möhren
- 2 Knoblauchzehen
- 1 Stück Ingwer (ca. 3 cm)
- 600 ml Wasser
- 4 EL Sojasauce
- 2 EL Reisessig (oder Mirin)
- 1 TL brauner Zucker
- 1 Sternanis
- 10 g (ca. 3 Stück) getrocknete Shitake-Pilze (bekommst du in jedem Asia-Store)
- optional: 100 g Shitake-Pilze (wahlweise gehen auch Champignons)
- 4 Frühlingszwiebeln
- 80 g Ramen-Nudeln (oder andere – siehe oben)
- 1 Prise Salz
- 2 Eier
- wahlweise: (Mungo-Bohnen-)Sprossen, Sesam, kleingeschnittene Nori-Blätter, Pak Choi, Mais, Erbsen, Tofu
So gelingt das Ramen Rezept vegetarisch
Zubereitung
Für die Brühe
- Zwiebel schälen und in grobe Stücke schneiden.
- Eine der beiden (!) Möhren schälen und in dicke Scheiben schneiden.
- Knoblauch hacken, Ingwer schälen und in Scheiben schneiden.
- Alles in einen Topf, dazu das Wasser, die Sojasauce, Essig, Sternanis und die getrockneten Shitake-Pilze und alles zum Kochen bringen.
- Auf mittlerer Hitze ca. 15 Minuten köcheln lassen.
Die Toppings
- In der Zwischenzeit die zweite Möhre schälen und in feine Streifen schneiden.
- Wenn du frische Pilze als Topping verwenden möchtest (z.B. Shitake oder Champignons), diese putzen und in Mundgröße nach Wunsch schneiden.
- Frühlingszwiebel waschen und in feine Ringe schneiden.
Eier und Nudeln kochen
- Nudeln nach Packungsanweisung in Salzwasser garen. Tipp: Spüle sie nach dem Kochen im Sieb unter kaltem Wasser aus, um die Stärke aus den Nudeln zu waschen.
- Die Eier kochen –nach 5:45 bis 6 Minuten sind die perfekt wachsweich, wie sie in einer Ramen sein sollten. Abschrecken und später schälen.
Brühe abgießen, nochmal aufkochen und servieren
- Wenn die 15 Minuten um sind (paar Minuten länger ist auch nicht schlimm), den Topf mit der Brühe durch ein Sieb gießen, die Brühe unbedingt auffangen!
- Ggf. mit Salz abschmecken und dann noch einmal aufkochen. Die ausgekochten Zutaten kannst du entsorgen. wenn du magst, kannst du aber die Shitake-Pilze anstatt frischer Pilze für deine Toppings verwenden. Sie haben auch nach 15 Minuten kochen noch einen sehr intensiven Umami-Geschmack.
- In zwei größeren Schüsseln die Nudeln, Frühlingszwiebeln, Pilze, Möhren-Streifen, aufgeschnittene Eier und ggf. Sproßen, Sesam oder kleingeschnittene Nori-Blätter drapieren. Mit Brühe aufgießen und fertig!
Guten Appetit!
Du willst lieber eine creamy Ramen? Wir haben auch ein Rezept für eine Peanut-Butter-Ramen, die einfach köstlich ist!

Foto: Anna Jakutajc Wojtalik
Peanut-Butter-Ramen (creamy Brühe)
Inspiriert von Miso-Ramen, gedacht für alle, die es cremig und unkompliziert mögen. Die Erdnussbutter übernimmt hier im Prinzip die Rolle, die bei Miso-Ramen die fermentierte Paste spielt: Tiefe, Dichte und diese Vollmundigkeit. Kokosmilch verstärkt das noch und macht aus diesem Ramen-Rezept richtiges Comfort Food.
Vorbereitungszeit: 5 Minuten
Garzeit: 10 Minuten
Zutaten für 2 Portionen
- 1 Knoblauchzehe
- 1 cm Ingwer
- 1 große Karotte
- 150 g Champignons (oder Shitake)
- 2 kleine Pak Choi
- 1/2 EL Kokos- oder Erdnussöl
- 1 EL Currypaste
- 400 ml Gemüsebruhe
- 200 ml Kokosmilch
- 50 g Erdnussbutter
- 1 EL Sojasauce
- 125 g Ramen-Nudeln oder Mie-Nudeln
- 2 Eier
- 1 Frühlingszwiebel zum Servieren
- 25 g geröstete Erdnusse
- etwas Koriander
- wahlweise: (Mungo-Bohnen-)Sprossen, kleingeschnittene Nori-Blätter, Pak Choi, Tofu
»Wenn man noch ein bisschen mehr Zeit hat, lohnt sich der Griff zu verschiedenen Ölen oder Fetten. Ein gutes Sesamöl, aromatisches Chiliöl, selbstgemachtes Frühlingszwiebelöl oder auch Hühnerfett oder Butter geben der Brühe noch mehr Tiefe und machen aus einer sehr guten Suppe ein richtiges Ramen-Feeling.« Davide Izzi
Zubereitung
Vorbereiten
- Knoblauch pressen und Ingwer fein hacken. Karotten in Streifen, Champignons in Scheiben schneiden und Pak Choi vierteln.
One-Pot-Brühe
- Kokosöl oder Erdnussöl in einem großen Topf erhitzen. Knoblauch und Ingwer kurz anbraten, dann die Currypaste unterrühren.
- Gemüsebrühe, Kokosmilch, Erdnussbutter und Sojasauce in den Topf geben und gut verrühren. Aufkochen lassen.
- Karotten, Champignons, Pak Choi und die Nudeln in die heiße Erdnussbrühe geben und etwa 5 Minuten ziehen lassen, bis alles gar ist.
Eier kochen
- In der Zwischenzeit die Eier etwa 5:45 bis 6 Minuten wachsweich kochen, abschrecken und schalen.
Anrichten
Die Suppe in Schüsseln verteilen. Mit den halbierten Eiern, Frühlingszwiebeln, Koriander und gerosteten Erdnüssen servieren.
Guten Appetit!

Foto: Mitya Ivanov
Mehr Hunger auf Japan?
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