Aus ihren Krügen wird weltweit Bier getrunken: »Kannenbäckerland« heißt der Westerwald, weil hier seit dem 16. Jahrhundert aus Ton Trinkgefäße gebrannt werden. Unser Autor Martin Häußermann hat’s hier auch brennen lassen, denn der passionierte Motorradfahrer liebt die vielen kurvenreichen und abwechslungsreichen Strecken – den Kurvengarten – der Region zwischen den Flüssen Rhein, Dill, Lahn und Sieg. Manchmal mutierte das Bike hier sogar zur Zeitmaschine. Unser Reise-Guide für den Westerwald.

Anreise. Um den Westerwald zu entdecken, empfiehlt sich ein eigener fahrbarer Untersatz, entweder ein Motorrad oder ein Auto. Damit reist man auf der A3 an, um sie dann in Montabaur oder Mogendorf zu verlassen, um sich anschließend auf Landstraßen zu verlustieren.

Immer schön vorsichtig mit dem Motorrad durch den Westerwald

Martin Häußermann

Wo Motorrad und Fahrer gut die Nacht verbringen

Unterkunft. Hotel Paffhausen, Wirges. Das gemütliche Drei-Sterne-Haus ist zwar keine Designerherberge, hat aber durchaus Charme und verfügt über eine gute Küche. Dazu liegt das Paffhausen geographisch günstig, um von hier aus sternenförmig die Region zu erkunden. Die Hoteliers Petra Schmidt und Christoph Meurer empfangen auch Gäste, die auf zwei Rädern anreisen. Sie sind zwar keine aktiven Motorradfahrer, doch wissen sie aus Gesprächen mit Verwandten, Bekannten und Kollegen, was Motorradfahrern wichtig ist. www.hotel-paffhausen.de

Gemeinsam mit sechs weiteren Kollegen haben sich die Inhaber des Paffhausen zu den Bikerhotels Westerwald zusammengeschlossen, die Motorradfahrer willkommen heißen, Garagen oder sichere Parkplätze anbieten, ausgearbeitete Touren bereithalten oder bei Bedarf auch einen Guide organisieren. www.bikerhotels-westerwald.de

Landhotel Kristall, Bad Marienberg. Ruhiger geht’s kaum. Das Kristall liegt wirklich »right in the middle of nowhere« und ist deshalb erholungssuchenden Gästen sehr zu empfehlen. Das Haus wurde 2013/2014 komplett renoviert, bietet also alle zeitgemäßen technischen Annehmlichkeiten. Auch die Küche ist nicht zu verachten. www.landhotel-kristall.de

Stooopp!Halts, die Spaß machen

Sehenswürdigkeiten. Keramikmuseum Westerwald, Höhr-Grenzhausen. Zwischen Westerwald und Mittelrheintal wurde im 16. Jahrhundert Ton gefunden, das größte Vorkommen Europas, wie man heute weiß. Wird er gebrannt, so dient er als Gefäß, Geschirr oder auch als Kunstwerk.

Kunsthandwerk im Westerwald

Martin Häußermann

Letzere sind mittlerweile Geheimtipps unter Kunstsammlern und im Keramikmuseum ebenso zu bewundern wie der klassische graue Bierkrug mit kobaltblauem Muster, das in dem für Westerwälder Steinzeug typischen Salzbrand entsteht. Wie solche Gefäße aus einem Klumpen Ton entstehen, erfährt der Museumsbesucher bei praktischen Vorführungen. www.keramikmuseum.de

Westerwald-Museum Motorrad & Technik, Steinebach/Sieg; Gerhard und Agnes Weller haben einen Wallfahrtsort für Motorradfahrer geschaffen, besonders, wenn sie der Marke BMW huldigen. So wie die beiden Gründer. Der 73-jährige Kfz-Mechaniker im Unruhestand betrieb hier einst eine Werkstatt für Nutzfahrzeuge, heute schraubt er lieber an alten BMW-Motorrädern. An Fahrzeugen von Kunden und natürlich an den eigenen.

Motorrad-Ausstellung im Westerwald

Martin Häußermann

Seit 1993 nutzen die Wellers die alten Werkstatthallen als Ausstellungsfläche für eine veritable Sammlung an historischen Zweirädern – vorwiegend deutscher Provenienz und vorwiegend Motorradmarken, die längst Vergangenheit sind. Bei den Namen Miele, NSU, DKW, Zündapp oder Kreidler werden bei den reiferen Museumsbesuchern alte Erinnerungen wach, die jüngeren bewundern die Eleganz der historischen Maschinen. Auch eine Horex – diese Marke wurde mittlerweile wiederbelebt – sehen wir in der dicht belegten Halle. Und natürlich BMW soweit das Auge reicht. www.westerwaldmuseum.de

Besucherbergwerk Bindeweide, Steinebach/Sieg. Bis 1931 fuhren hier die Kumpel zum Erzabbau ein. Heute gehen Touristen und Menschen unter Tage, die ihre Atemwege kurieren wollen. Rund 500 Meter unter der Erde findet sich einer der wenigen zertifizierten Heilstollen in Deutschland, die mit einer historischen Grubenbahn erschlossen wird.

Bergbau im Westerwald

Martin Häußermann

Wo einst das Dynamit lagerte, kurieren sich heute Asthmatiker und Pollengeplagte unter ärztlicher Aufsicht.

»Aber man kann hier unten auch tolle Feste feiern«,

erfahren wir vom Bergwerksführer. Sogar Götz George war schon da, allerdings weder zum Feiern, noch um seine Lungen zu pflegen. Er drehte in der Tiefe Szenen für einen Schimanski-Krimi. www.besucherbergwerk-grube-bindeweide.de

Nächster Stopp: Motorrad segnen

Abtei Marienstatt, Marienstatt; Zum Start in die neue Saison lassen gläubige Biker am letzten Sonntag im April in der Zisterzienser-Abtei ihre Motorräder segnen. Pater Martin feiert mit seiner in Lederanzügen, Gore-Tex-Jacken und Warnwesten gewandete Gemeinde einen Gottesdienst und besprengt anschließend die Biker und ihre heißen Öfen mit Weihwasser, auf dass sie gesund durch die Saison kommen.

Motrorrad segnen lassen? Möglich in Marienstatt, Westerwald

Martin Häußermann

Das gotische Gotteshaus ist aber auch vor und nach dieser sehr speziellen Veranstaltung einen Besuch wert. Die Buchhandlung bietet reichlich geistige Nahrung, das Brauhaus setzt den kulinarischen Kontrapunkt. www.abtei-marienstatt.de

Tertiär- und Erlebnispark Stöffel, Enspel; Lust auf eine Zeitreise? Dann ab in den Stöffel-Park, wo sich der Besucher bis zu 25 Millionen Jahren in die Vergangenheit zurückbeamen lassen kann. Dazu braucht er nur ein Hämmerchen, dann findet er mit einem bisschen Glück Versteinerungen aus dem Tertiär in einer der weltweit bedeutendsten Fossilienlagerstätten. Technikfreaks empfehlen wir die Besichtigung des Industrie-Erlebnisparks. Schließlich begann hier, lange bevor geologisch geforscht wurde, der Basaltabbau. Das Gestein wurde von 1903 bis 2001 aus dem Stöffelberg gesprengt und an Ort und Stelle weiterverarbeitet. Die so genannten Brecher sind überdimensionale Kaffeemühlen, die per Förderband mit Felsbrocken gefüttert wurden und unten fertiges Baumaterial ausspuckten. Menschen, die oder einen runden Geburtstag feiern will, findet in der Maschinenhalle ein einzigartiges Setting. www.stoeffelpark.de

Restaurant. Moritz Enoteca, Höhr-Grenzhausen. Zugegeben, man muss es erst mal finden. Aber wenn man durch die teilweise engen Straßen von Höhr-Grenzhausen die Enoteca erreicht hat, breitet sich Entspannung aus. Feine italienische Küche, begleitet von erstklassigen Weinen lässt sich in dem modernen Restaurant, das gleichzeitig auch ein kleiner Feinkostladen ist, auf hohem Niveau genießen. Und wenn dann auch noch das Wetter mitspielt und die Terasse bespielt wird, dann zieht italienisches Dolce Vita in den Westerwald ein.

Reisezeit. Nein, über seine Höhen pfeift der Wind nicht kalt. Und dennoch: Am meisten Spaß macht der schöne Westerwald ganz sicher im Sommer. Naja, vielleicht auch noch im Frühjahr oder im Herbst. Aber halbwegs warm sollte es sein. Und dann schön mit dem Motorrad oder im offenen Cabrio den Kurvengarten genießen, das macht wirklich Spaß.

Informationen. Weitere Infos bieten der Westerwald Touristik Service in Montabaur unter www.westerwald.info sowie Rheinland-Pfalz Tourismus in Koblenz, www.gastlandschaften.de

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