Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Balance und Fühlen. Warum der siebte Sinn weniger mit Hellsehen, sondern mehr mit Staunen zu tun hat, wird beim Besuch des The Fife Arms mitten in den schönen schottischen Highlands klar. Unsere Redakteurin Jasmin Faust war dort und ist aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen.

Ich bin in Schottland auf dem Weg in die Highlands. Genauer: auf dem Weg ins The Fife Arms, Braemars geschichtsträchtiges Hotel der Superlative. Und schon der Weg dorthin ist wunderschön. Dabei gilt: je schöner, desto kurviger. Je näher wir dem The Fife Arms in den schottischen Highlands kommen, desto hügeliger wird es. Die Landschaft wechselt minütlich von schön zu noch schöner. Ein erster Eindruck meines neuen siebten Sinns stellt sich langsam, aber sicher ein – Staunen, Stufe eins. Und ein kleiner Spoiler am Anfang: So schnell komme ich da auch nicht wieder heraus.

Die Landschaft der schottischen Highlands

Die Landschaft der schottischen Highlands I Foto: The Fife Arms

The Fife Arms: Übernachten wie die Royals

Bei der Vorabrecherche zu meinem Hotelaufenthalt in den schottischen Highlands staune ich schon wieder ein bisschen: Das ist wirklich ein ganz anderes Hotel. Als ausgewiesener Royal-Fan macht mein Herz einen kurzen Hüpfer. Endlich einmal übernachten wie der Besuch der königlichen Familie. Zur Jahrhundertwende, aber mit WLAN. Ich stelle mir vor, wie ich mir in meinem Himmelbett die Karodecke ans Kinn ziehe, dabei kurz vorm Einschlafen noch ein Ölgemälde bestaune und dann von herrschaftlichen Ausritten in die schottische Landschaft träume. Hach, wie romantisch.

Ganz kurz unterbreche ich meine Fantasiereise und frage mich, ob es in einem so alten Haus spuken könnte. Es sieht schon ein bisschen danach aus.

Ich finde aber in den Rezensionen auf einschlägigen Bewertungsportalen keine übersinnlichen Geschichten und beschließe, mich – was das angeht – einfach überraschen zu lassen. Vielleicht gibt’s ja nette Geister dort.

das Hotel The Fife Arms in Schottland

Foto: Jasmin Faust

Duke of Fife: Der Namensgeber der schottischen Region »Fife«

Und wo vermute ich die Geister? Na, im The Fife Arms in der schottischen Region »Fife«. Zurückgehend auf den namensgebenden Duke of Fife zieht sich die Region von der Ostküste bis in die Highlands und durfte sich in früheren Zeiten sogar mal als Königreich bezeichnen. Königlich war und ist es in der Region immer noch. Das schottische Schloss Balmoral der britischen Königsfamilie liegt nur ein paar Meilen entfernt.

Zurück zum Hotel. Das wurde im 19. Jahrhundert vom damaligen Duke of Fife erbaut und ist mit dem Königshaus eng verbunden. Schon Queen Victoria ließ hier ihre Gäste einquartieren. Vor allem die Rauchenden. Denn diesen Geruch ertrug sie nicht in den königlichen Hallen von Balmoral. Ganz egal wie viel Platz dort ist. Sogar Prinz Albert, so wird gemunkelt, soll unter den ausquartierten Gästen gewesen sein. Ob er geraucht hat oder ob der Haussegen aus anderen Gründen ein bisschen schief hing, lässt sich heute nicht mehr so ganz herausfinden.

Mit den Jahren verlor das The Fife Arms an königlichem Glanz, bis es sogar zu einer billigen Übernachtungsmöglichkeit für Bustouristen wurde. Ein bisschen blutet mein Herz bei dieser Vorstellung. Gut, dass sich das Galeristenpaar Iwan und Manuela Wirth dem Haus annahm, das Hotel 2019 wieder eröffnete und ihm neu zum alten royalen Besucherglanz verhalf.

Willkommen im The Fife Arms in Schottland

Foto: The Fife Arms

Die Galerie Hauser & Wirth: 14.000 Kunstwerke im Hotel

Beim Eintritt ins Hotel ist direkt klar: Der neu entdeckte Sinn (wir erinnern uns: Staunen) wird hier ausreichend unterfüttert. Denn im Hotel werden sage und schreibe 14.000 Kunstwerke inszeniert. Kein Wunder: Die Galerie Hauser & Wirth des Eigentümerpaars gehört mit diversen internationalen Niederlassungen zu den bekanntesten Galerien am Kunstmarkt.

Was mich zur Stufe zwei meines neuen siebten Sinns führt. Die Sammlung des Hotels ist so perfekt kuratiert, dass ich mir immer wieder die Augen reiben muss, weil diese das alles gar nicht auf einen Blick erfassen können. Mehrstöckige Kunstinstallationen zeitgenössischer Künstler, zwei Originalwerke von Picasso, Zeichnungen von King Charles höchstpersönlich und – des Hotels liebstes Stück – die Zeichnung eines Hirschkopfs von Queen Victoria im Eingang des Hotels sind nur einige davon.

Picasso-Gemälde in einem Hotel in Schottland

Foto: The Fife Arms

»Red Deer Chandelier«: Die Verbindung der schottische Natur und Kultur

90 Prozent der Kunst stammt aus Großbritannien, der Rest kommt aus allen Ecken der Welt. Wie der im Treppenaufgang befindliche »Red Deer Chandelier« des in den USA lebenden Künstlers Richard Jackson, der die schottische Natur und Kultur lüstern miteinander verbindet. Will heißen: Die Aufhängung verbindet Schottlands Nationalinstrument, den Dudelsack, und das für die Region typische Rotwild über drei Etagen. Alle drei Jahre wird die Ausstellung erneuert, nur wenige Kunstwerke bleiben als Dauergabe im Hotel.

Apropos Ecken und Red Deer: Ich sehe kaum eine Ecke, die ungenutzt geblieben ist. Und sei es mit diversen Tierpräparaten. Muss man mögen, aber es gehört so untrennbar zu Schottland wie … der Dudelsack und das Karomuster halt.

Hirschgeweihe an der Wand

Foto: Jasmin Faust

Der unsichtbare Klavierspieler am Flügel

Mein Hörsinn wird in der Lobby auch direkt gefordert. Denn der lauscht dem unsichtbaren Klavierspieler am Flügel in der Eingangshalle. Da ist der erste Geist, denke ich. Nicht ganz, auch hier handelt es sich natürlich um eine Kunstinstallation des amerikanischen Künstlers Mark Bradford zusammen mit dem Klavierbauer Steinway & Sons. Die scheinbar von unsichtbarer Hand gespielte Musik stammt aus der Feder des mit einem Grammy prämierten Musikers Robert Glasper. Augen und Ohren haben also gerade viel zu tun.

Der Gedanke an Geister in diesen alten Gängen und Zimmern drängt sich mir trotzdem immer wieder auf. Auf dem Weg zu meinem Zimmer überlege ich, ob es vielleicht der kleine Junge mit lockigem Rundhaarschnitt und schottischer Tracht auf dem Ölgemälde im Treppenhaus ist, der mir nachts erscheinen und etwas zuflüstern wird.

Am nächsten Morgen weiß ich: Er ist es nicht. Keine nächtlichen Heimsuchungen stören meinen sehr erholsamen Schlaf im wunderbar weichen Bett. Das The Fife Arms hat 46 Zimmer und Suiten, die allesamt individuell gestaltet sind. Und das will hier wirklich was heißen! Selbst in meinem Bad ist kein noch so schmales Wandbrett ungenutzt geblieben.

Piano im The Fife Arms in Schottland

Foto: The Fife Arms

Auch die kulinarischen Sinne sind bestens bedient

Kulinarisch werden meine Sinne (und ja, alle Sinne, inklusive des siebten) sowohl vom im Hotel befindlichen Dorfpub The Flying Stag sowie vom Fine-Dining-Restaurant Clunie Dining Room bestens bedient. Der Pub ist gemütlich, typisch schottisch. Ein bisschen laut, oft mit Livemusik und die Kunst ist hier wieder so perfekt kuratiert, dass man gar nicht direkt auf die Kunstverbindung kommt, wenn man sich umsieht.

Im Pub treffen Hotelgäste auf Einheimische, die typisch urige Pubgemütlichkeit ist überall spürbar.

Ich bin gedanklich, emotional und kulinarisch mittlerweile so sehr in den schottischen Highlands angekommen, dass ich mich im Pub sogar an eine Probierportion Haggis herantraue, Schottlands Nationalgericht, bestehend aus diversen Schafsinnereien. Und ich kann versichern: Es schmeckt besser, als es klingt. Und das sage ich hier nicht nur, weil mein Herz anfängt, für Schottland zu schlagen.

Haggis, das traditionelle Gericht Schottlands

Haggis, das traditionelle Gericht Schottlands I Foto: Kwon DaeIk/Shutterstock.com

Dinner im Clunie Dining Room

Feiner geht es im Hotelrestaurant Clunie Dining Room zu, das nach dem neben dem Hotel entlangplätschernden Fluss Clunie benannt ist. Kunstvolles Ambiente inklusive. Natürlich. Die Wandbemalung des Restaurants ist ein Werk des argentinischen Künstlers Guillermo Kuitca. Kubische Formen und Farben holen die Highlands ins Hotelinnere, das Fine Dining mit raffinierten schottischen Gerichten dann auf den Tisch. Unter dem Motto »Less is more«. Weniger ist mehr als ausreichend, das steht fest. Weil’s so lecker ist.

Satt und glücklich widme ich mich dem Absacker schottischer Art: Whisky. Im Bertie‘s gibt es den hier satt. Und das für jeden Gaumen (und Geldbeutel). Ehrlicherweise muss ich aber zugeben: nicht für meinen (Gaumen). Mein Geschmackssinn ist einfach nicht für Whisky geschaffen, egal, wie sehr ich es versuche. Als ich das Angus, dem dortigen Whisky-Sommelier erklären möchte, erkenne ich eine Mischung aus Unverständnis und ein bisschen Enttäuschung in seinen Augen. Whisky ist in Schottland heilig und im Bertie‘s erst recht.

Whisky Bar im The Fife Arms

Foto: The Fife Arms

Übrigens: Bertie war der älteste Sohn Queen Victorias. Und der war der Partyprinz seiner Zeit. Man kann also annehmen, dass er sich im nach ihm benannten Bertie‘s höchstwahrscheinlich wohler als ich gefühlt hätte.

Outdooraktivitäten: Von gemütlich bis wagemutig ist alles dabei

Bei all dem Sehen, Staunen, Schmecken und Hören ist es Zeit, mich ein bisschen zu entspannen. Die umliegenden Berge der Highlands lösen eine Ruhe in mir aus, wie ich sie nur inmitten der Natur fühlen kann. Das The Fife Arms bietet dazu passend einige Outdooraktivitäten für jeden Outdoortyp an. Von gemütlich – wie einer kleinen Wanderung mit Shona Armstrong durch Braemar bis hin zu Queen Victorias liebstem Picknickplatz mit vielen Geschichten aus der Region – oder einem wagemutigen Schwimmausflug mit Shonas Nichte Annie im Highlandfluss.

Auf der Heimreise spaziere ich gedanklich noch einmal durch das Erlebte. Aufgereiht wie eine Ausstellung sind die Eindrücke und Bilder in meinem Kopf. Ich fühle eine neu erwachte Liebe zu Schottland. Wenn ich die Augen schließe, rieche ich Tannen, höre das Rauschen der Bäume, sehe imposante Berge und hänge dem Geschmack nach Scones und Tee am Nachmittag nach. Und kann dabei nicht aufhören, über all das zu staunen.

Zimmer im The Fife Arms in Schottland

Foto: The Fife Arms

Mehr Infos zum The Fife Arms in Schottland

The Fife Arms. Mar Rd – Braemar Aberdeenshire – AB35 5YN, Schottland, 46 Zimmer und Suiten, ab € 700 die Nacht. Mehr Infos gibt es auf der Webseite des The Fife Arms.