»So ist Afrika«, denke ich, während sich mein Landrover den Weg durch Kenias Wildnis bahnt. Genauer gesagt durch den Tsavo-East-Nationalpark. Doch das Land im Osten des Schwarzen Kontinents hat viel mehr als imposante Landschaften und eine einmalige Tierwelt zu bieten. Text: Markus Grenz

Ich halte die Luft an. Hier im Tsavo-East-Nationalpark stehen in Reih und Glied keine 50 Meter von mir entfernt acht Dickhäuter und wedeln mit ihren riesigen Ohren. Über und über sind sie bedeckt mit der roten, eisenhaltigen Erde, die rundherum die Landschaft färbt. Die Luft ist glasklar, und auch ohne mein Zoom-Objektiv meine ich, jede Falte auf den sieben wuchtigen Elefantenkörpern und dem Baby-Nachzügler erkennen zu können. Heißt es nicht, dass mit aufgebrachten Müttern nicht zu spaßen ist? Vor allem wenn sie rund vier Tonnen auf die Waage bringen und die Stoßzähne schon schwerer sind als ich selbst? Langsam drehen sie, einer nach dem anderen, ihre riesigen Köpfe in unsere Richtung. Und wedeln und wedeln. Ich ziehe die Luft ein.

Dabei hatte alles so harmlos angefangen. Nach der Ankunft am Moi International Airport von Mombasa umarmen mich Reiseleiterin Fiona und eine Hitze von 35° C. Ich schmecke den typischen tropischen Geschmack in der Luft. Das Kribbeln beginnt. »Jambo«, begrüßt mich meine Begleitung auf Suaheli, einer von 61 notierten Sprachen Kenias. Das freundliche »Hallo« in der zweiten Amtssprache soll mir noch hundertfach begegnen. »Let’s go«, fordert mich Fiona in gebräuchlichem Englisch auf. Sie deutet auf ein reserviertes Matatu, einen japanischen Kleinbus, in dem in Härtefällen auch einmal 20 Kenianer ihren Platz finden. Fiona grinst. Sie weiß, was ich noch nicht weiß: Knapp 40 Kilometer entfernt von uns liegt das Paradies.

Am Diani Beach werden alle Urlaubs-Klischees bedient …

Das heißt für mich in den kommenden Tagen Diani Beach. Hier, an Kenias Südküste, werden am längsten Strand des Landes alle Klischees bedient, die man sich im Traum vom Badeurlaub nur ausmalen kann. Acht Kilometer mit schlanken Palmen, die sich sanft im Wind neigen, kristallklares und türkisgrünes Wasser, das sich nur ganz sachte kräuselt, und als Sahnehäubchen blendend weißer Sand. Harmonisch fügen sich die luxuriösen Hütten oder Villen in die Landschaft ein. »Ja, hier lässt es sich aushalten», denke ich. Der Indische Ozean ist eben immer wieder nur grandios.

Diani Beach in Kenia

Eduard Kyslynskyy/Shutterstock.com

Als wäre Nichtstun an diesem Ort nicht völlig ausreichend, warten auf die Besucher viele Aktivitäten. Im Holzboot mit Glasboden die herrlichen Korallenriffs und kunterbunte Welt der tropischen Fische inspizieren, eine Partie Golf auf der 18-Loch-Anlage, Tauchen, Surfen, Wasserski oder Hochseeangeln – alles kein Problem. Ich mache mich auf zum Wahrzeichen von Diani Beach. Am Südende treffe ich auf den rund 500 Jahre alten Baobab-Baum, von dessen »Frisur« mir Fiona vorgeschwärmt hat. Sein »Afro« hat einen Durchmesser von unglaublichen 20 Metern. So viel »Naturdenkmal« ist in Kenia vom Präsidenten persönlich geschützt.

Hier ist alles Rot

Auf zahlreiche Artgenossen des Methusalems, die Rede ist nicht von Mwai Kibaki, sollte ich auf den 450 Kilometern der Mombasa-Nairobi-Road noch treffen. Wie Mahnmale stehen sie oder die noch häufigeren Schirmakazien auf dem weiten und oftmals offenen Land. Ich sehe rot. Vom Laterit, einem Oberflächenprodukt des verwitternden Erdgesteins, wird die Erde gefärbt.

Straße in Kenia

Galyna Andrushko/Shutterstock.com

Aber nicht nur die. Rot sind die vereinzelten Hütten am Straßenrand, vor denen struppige Ziegen von rotznäsigen Bengeln umhergetrieben werden. Rot sind die Öfen, in denen die Einheimischen Holz zur Kohle verkokeln. In dem heißen Landstrich sind Baustoffe knapp, die Ziegel werden aus dem Lehm der Böden gebacken. Nach einigen Stunden Fahrt merke ich, wie die Luft sich abkühlt. Ich nähere mich dem »Ort des kalten Wassers«.

So haben die Maasai das Fleckchen genannt, auf dem sie ihre Rinder getränkt haben und auf dem heute geschätzte drei Millionen Menschen leben. Ein Dschungel von Großstadt im angenehmen Höhenklima, die größte Metropole in Ostafrika. Wie durch ein Brennglas kann man einen großen Teil der 42 Volksgruppen des Landes beobachten.

Vor zehn Jahren war Nairobi ein heißes Pflaster. Doch die harten Zeiten sind vorbei. Seinem Suaheli-Namen macht der »Uhuru-Park« (Freiheit) mittlerweile alle Ehre. Entspannt kann man zwischen Hibiskus, sattgrünen Rasenflächen und Teichen eine Verschnaufpause einlegen.

Uhuru-Park in Nairobi, Kenia

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Einige Stunden später stürze ich mich ins Abenteuer Nightlife. Nach Einbruch der Dunkelheit wartet eine schillernde Welt aus erstklassigen Restaurants, gemütlichen Pubs und pulsierenden Diskotheken. Hätte ich gewusst, was mich ein paar Tage später erwartet, wäre ich mit dem Begriff »Abenteuer« vorsichtiger umgegangen. Denn das wartet draußen, in der Savanne, 270 Kilometer von Nairobi entfernt, in Kenias größtem Nationalpark-Brüderpaar: Tsavo East und West, halb so groß wie die Schweiz.

Im Tsavo-East-Nationalpark wird heute nur noch mit der Kamera geschossen

Schon früh am Morgen ist unser Führer John auf den Beinen und schraubt die geöffneten Dachluken des Landrovers fest. Er ist ein alter Hase und paukt uns zuerst die eiserne Safari-Regel ein: Aussteigen verboten! Besucher und Bewohner, die «Big Five», Löwe, Leopard, Spitzmaulnashorn, Afrikanischer Büffel und nicht zuletzt der Steppenelefant, trennen keine schützenden Gitter. Bekommen haben sie ihre Bezeichnung aus traurigeren Zeiten, in denen sie das beliebteste Großwild der hiesigen Jäger abgaben.

Heute wird nur noch mit der Kamera geschossen. Was mir allerdings auf den ersten Kilometern vor das Objektiv kommt, ist weniger spektakulär. Irgendwie sind Antilopen und Impalas ja doch Rehe. Und Zebras, auch wenn sie im Galopp in der flirrenden Luft psychedelisch leuchten, Pferde. Doch umwerfend ist die Landschaft, hier im Tsavo-East-Nationalpark. Die majestätische Spitze des Kilimandscharo wacht von Weitem über schroffe Bergketten und Lavawände.

Kilimandscharo in Kenia

erichon/Shutterstock.com

Die Blätter der bekannten Baobabs eifern in Grün mit dem strahlend blauen Himmel um die Wette. Dornenbüsche stechen klar vom ockerfarbenen Grund ab. »So ist Afrika«, denke ich, während ich auf der Piste hin und her geschüttelt werde. Plötzlich reißt mich eine quäkende Stimme aus den Träumen. Per Funk geben sich die Safari-Guides untereinander Tipps, wo sich Großtiere befinden. Es geht los.

Die Elefanten bloß nicht aus den Augen verlieren

Mit einem leisen Pfeifen entweicht die Luft aus meinem Mund, während ich die Elefanten nicht aus den Augen lasse. Welche von denen wohl die Frau Mama ist? »Wenn die Ohren wedeln, sind die Tiere irritiert. Dann kann es gefährlich werden«, habe ich vor der Reise gelesen. Der kenianische Marathon-Goldmedaillengewinner von Berlin, Abel Kirui, braucht wohl keine zehn Sekunden für die 50 Meter, die uns trennen. Wie lange wohl so ein kenianischer Steppenelefant braucht? John schaut sich die Tiere mit dem Fernglas genau an. »Mit den Ohren kühlen sie sich. Keine Gefahr.« Ich schaue durchs Objektiv und drücke ab.

Anreise. Condor bietet dreimal wöchentlich Direktflüge in Economy-, Premium- und Comfortclass nach Mombasa. Von dort aus geht es mit Kenya-Airways weiter nach Nairobi und in den Tsavo-East-Nationalpark.

Hotel. Zu empfehlen ist das The Sands at Nomad am Diani Beach bei Mombasa. Reservierungstel.: +254 04032036477. Im Tsavo-Nationalpark, das Hotel Kilaguni Serena Lodge. Reservierung und Information unter Tel.: +254 734699865. Im Fünf-Sterne-»Nairobi-Safari-Club« in den »Lilian-Towers« genießt man einen weiten Blick auf die Hauptstadt. Reservierungstel.: +245 020282000,

Infos. Kenya Tourist Board, Schwarzbach 32, 40822 Mettmann, Tel.: 02104 832919 oder www.magical-kenya.de

Ausgehtipps. Ein gemütliches Dinner auf der Terrasse des über 100 Jahre alten »The Norfolk Hotel«, Harry Thuku Road in Nairobi, weckt die Erinnerung an ein vergangenes Afrika.

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