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Republik Irland & Nordirland

Cork: Warum die heimliche Hauptstadt Irlands mehr als ein Wochenende verdient

Schlägt das wahre Herz Irlands in Cork? Zumindest ist die Stadt im Südwesten der Insel ein echtes Schwergewicht in Sachen Kultur und Kulinarik. Wer die heimliche Hauptstadt Irlands und die umliegende Region erkunden möchte, sollte mehr als nur ein Wochenende einplanen.

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Klar, Dublin mag in Irland als Hauptstadt die Blicke auf sich ziehen. Doch Cork gewinnt die Herzen. Die Stadt im Südwesten der Insel begeistert nicht nur mit fantastischen Ansichten und Ausblicken, sondern auch mit Kultur, Genuss und Gelassenheit. Davon sind Besucher schon kurz nach ihrer Ankunft überzeugt.

Luftaufnahme der Innenstadt von Cork bei Sonnenuntergang. Der Fluss Lee teilt sich in zwei Arme, die von mehreren Brücken überspannt werden, am Kai liegt der Port of Cork.

Foto: Islander / Fáilte Ireland

In Cork zeigt sich ein Irland abseits von Stereotypen und Klischees. Als drittgrößte Stadt auf der gesamten Insel ist Cork das kulturelle Zentrum im Südwesten. Dort, an der Mündung des River Lee in den Lough Mahon, liegt das Zentrum mitten im Fluss auf einer Halbinsel. Der Hafen ist schon seit Jahrhunderten die Lebensader der Stadt und bestimmt bis heute das Treiben. Und führt auch dazu, dass die Corkonians mächtig stolz auf ihre Stadt sind. Und das zu Recht.

Die Stadt ist wie geschaffen für einen Kurzurlaub, von Deutschland aus bestens zu erreichen. Von Frankfurt aus geht es nonstop nach Cork. Aus anderen deutschen Städten stehen komfortable Umsteigeverbindungen zur Verfügung. Und während ein schneller Wochenendtrip sich durchaus lohnt, liegt die ideale Zeit zum Kennenlernen der Stadt und des umliegenden Countys bei vier bis fünf Tagen. Wobei nach oben keine Grenze gesetzt ist, wie so oft beim Reisen.

Der rot-weiße Leuchtturm am Roches Point am Eingang zum Hafen von Cork. Er steht mit einigen weißen Gebäuden auf einer felsigen Landzunge, umgeben von Feldern und Meer.

Foto: Islander / Fáilte Ireland

English Market: Hier schlägt das kulinarische Herz der Stadt

Ein erster Anlaufpunkt in der Stadt ist der English Market. Denn Reisen macht bekanntlich hungrig. Der bereits 1788 eingerichtete Markt, untergebracht in einer wunderschönen, viktorianischen Halle, hält für seine Besucher ein kulinarisches Feuerwerk bereit. Statt auf große Inszenierung setzt der Markt dabei auf Qualität und Tradition. Nicht nur Erstbesucher sollten unbedingt das landestypische Soda Bread probieren. Die leckeren Sattmacher gehören auf jede Tafel. Ebenfalls aus der Landesküche nicht wegzudenken: frische Meereskost. Mit Produkten wie Algenbutter, Algencrackern oder Algensalz stehen moderne Interpretationen der traditionsreichen Zutaten zur Wahl. Und wer einen süßen Abgang sucht, wird sicherlich mit einer schmackhaften Apple Tart mehr als glücklich. Vor allem, wenn die mit reichlich Sahne oder Custard serviert wird.

Eine Verkäuferin schöpft an einem Stand im English Market in Cork Oliven aus einer Holzschale. Vor ihr stehen zahlreiche Schalen mit verschiedenen Oliven, darüber hängen luftgetrocknete Schinken.

Foto: Islander / Fáilte Ireland

Die rund 55 Marktstände haben allerdings auch weiteres Brot, Käse, Fisch, Obst und Gemüse im Angebot, hungern muss hier also so oder so niemand. Die beste Adresse zum Schlemmen ist das Farmgate Café. Im oberen Stockwerk der Halle genießen Gäste hier die ganze Bandbreite der regionalen Küche, während sie dem munteren Treiben im Erdgeschoss zusehen können.

Franciscan Well Brewery: Sieben Biersorten aus einer ehemaligen Klosteranlage

Nicht minder köstlich geht es in der traditionsreichen Franciscan Well Brewery zu. Die Brauerei ist benannt nach einem mittelalterlichen Kloster, das früher an derselben Stelle stand, am nördlichen Arm des River Lee. Die Brauerei selbst ist um einiges jünger, die bald 30 Jahre Unternehmensgeschichte sprechen aber für sich. Sieben unterschiedliche Sorten sprudeln hier regelmäßig aus den Fässern, hinzu kommen wechselnde Sondereditionen. Reisende Hopfen-Connoisseure können sich im Brewery Pub selbst ein Bild davon machen. Besonders gut schmeckt ein frisch gezapftes Pint im Biergarten des Pubs.

Zapfanlage im Brewpub der Franciscan Well Brewery in Cork. Über der Theke mit mehreren Bierhähnen hängen Lampen, dahinter stehen ein kupferner Braukessel und bunt beleuchtete Flaschenregale.

Foto: Sonder Visuals / Fáilte Ireland

Doch Cork hat mehr zu bieten als »nur« irdische Genüsse. Im Norden der Stadt ragt die backsteinrote Church of St. Anne mit ihrem kalkweißen Turm unübersehbar in die Höhe. Die älteste Kirche der Stadt, 1722 erbaut, hat sich nicht nur zum Wahrzeichen der Stadt gemausert, sondern soll mit ihren markanten Farben auch mehrere Sportvereine der Stadt geprägt haben, unter anderem den Cork City FC. Dort nämlich findet sich die Farbkombination im Vereinswappen wieder. Eine weitere Besonderheit der Kirche: Jeder kann das Geläut betätigen. Die Bedienung der acht Glocken im ersten Obergeschoss des Gotteshauses ist frei zugänglich. Wo gibt es das sonst?

Der Turm der St Anne's Church im Stadtteil Shandon in Cork vor blauem Himmel. Auf der Spitze sitzt eine goldene Fischfigur als Wetterfahne, darunter sind die Zifferblätter der Turmuhr zu sehen.

Foto: Islander / Fáilte Ireland

Rund um den Emmet Place: Oper, Boutiquen und irische Kunst

Ein anderer Stolz ist Corks Opernhaus am Emmet Place. Nicht allein wegen seiner erstklassigen Musicals, Konzerte und Aufführungen rund ums Jahr, auch mit seinem Opern-Café als Treffpunkt ist es wiederum ein Ort, wo sich die Stadt präsentiert. Der Emmet Place selbst ist die Bühne für einige der luxuriösesten Boutiquen wie Samui für Mode und The Drapery Haus für Wohnaccessoires, die auf ihre Art die kosmopolitische Lebensart der Corkonians bezeugen.

Ein paar Schritte weiter findet man die Crawford Art Gallery. In das frühere Handelshaus mit seiner roten Backsteinfassade ist ein bemerkenswertes Zentrum für visuelle Kunst eingezogen. Mit einer großartigen Sammlung irischer Meister des 18. bis 20. Jahrhunderts ist die Kunsthalle auch ein Kaleidoskop der irischen Geschichte.

Zwei Menschen sitzen auf einer Bank in einer Galerie und betrachten einen modernen Kunstdruck, der einen Hecht zeigt.

Foto: Brian Morrison / Failté Ireland

Cobh: Der letzte Hafen, den die Titanic je ansteuerte

Und so gibt es noch zig verschiedene Orte, die sich während eines Aufenthalts in Cork entdecken lassen und die Seele der Stadt widerspiegeln. Doch wenn Besucher mehr Zeit mitbringen, verwandelt die Stadt sich kurzerhand in den Ausgangspunkt für zahllose Abenteuer und Erlebnisse in der umliegenden Grafschaft, dem County Cork.

Dem Wasser aus dem Lough Mahon Richtung Meer folgend, wird schon bald das Örtchen Cobh sichtbar. Das Bild, das sich vom Wasser auf den Hafenort bietet, wirkt wie aus einem Märchenbuch. Die hübschen Häuser an der Hafenpromenade tragen allesamt unterschiedliche Farben, während die mächtige gotische Kirche auf dem Hügel dahinter die historische Bedeutung des Orts unterstreicht. Hier lief die Titanic am 11. April 1912 um 13.30 Uhr aus. Cobh war der letzte Hafen, in dem das legendäre Passagierschiff geankert hatte, bevor es seine Fahrt auf den Atlantik aufnahm. In der Titanic Experience können Besucher sich mit der Geschichte des Schiffs und seiner Passagiere vertraut machen, Kabinen-Rekonstruktionen bewundern und originale Artefakte von Überlebenden bestaunen.

Blick über Cobh in der Grafschaft Cork mit der hoch aufragenden St Colman's Cathedral und einer Reihe bunter Reihenhäuser. Dahinter liegt der weite Naturhafen unter einem blauen Himmel.

Foto: Chris Hill/Tourism Ireland

Spike Island: Das Alcatraz von Irland lässt sich heute besichtigen

Von der Promenade von Cobh aus geht der Blick direkt auf Spike Island. Lange Zeit unterhielten die Briten auf der Insel zunächst eine Garnison und später ein Gefängnis. Im »Alcatraz von Irland« waren unter anderem Unabhängigkeitskämpfer während des Irischen Unabhängigkeitskriegs von 1919 bis 1922 gefangen.

Heute sitzt hier niemand mehr ein, stattdessen können geschichtsinteressierte Besucher sich hier bei einer Führung mehrere Stunden in die bewegte Vergangenheit des Orts zurückversetzen lassen. Das lohnt sich allein schon für die Fahrt mit der Fähre, von der aus sich ein fantastischer Blick auf Cobh und die umliegende Landschaft bietet.

Luftaufnahme von Spike Island im Hafen von Cork mit der sternförmigen Festung, die früher als Gefängnis diente. Rundum liegt die Insel im Wasser, im Hintergrund die grüne Küste.

Foto: Islander / Fáilte Ireland

Kinsale und der Wild Atlantic Way: Wo eine der schönsten Küstenstraßen der Welt beginnt

Apropos Landschaft: Der Wild Atlantic Way hier an der Westküste der Insel ist ein absolutes Muss für jeden Irland-Fan. Mit einer Länge von mehr als 2.500 Kilometern ist die Route die längste ausgewiesene Küstenstraße der Welt. Und der Start-, beziehungsweise der Endpunkt liegt im County Cork in Kinsale, einem beschaulichen Fischerstädtchen südöstlich von Cork. Der Ort selbst besticht durch kleine Häuserzeilen, die wie hingemalt wirken.

Die Anreise lohnt sich allein für einen Besuch im Restaurant »Bastion«, seit 2019 durchgehend mit einem Stern im Guide Michelin geführt. Und wer nach dem Anblick der einzigartigen Klippen und Küsten nicht sofort Lust bekommt, seine Reise zu verlängern und den Wild Atlantic Way abzufahren – dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Der schwarz-weiß gestreifte Leuchtturm am Old Head of Kinsale in der Grafschaft Cork bei Abendlicht. Im Vordergrund liegt der Rasen eines Golfplatzes auf den Klippen, rechts brandet das Meer.

Foto: George Karbus / Fáilte Ireland

Cork lässt sich im Direktflug von Frankfurt aus (gut zwei Stunden) erreichen. Vom Cork International Airport sind es gerade einmal 15 Minuten bis ins Stadtzentrum. Eine hervorragende Idee für einen fünftägigen Trip durch Cork City und das County Cork gibt es unter www.ireland.com.

Konrad Bender
Konrad hat Geschichte studiert, das Mittelalter, um genau zu sein. Logisch, dass es ihm die geschichtsträchtigen Orte Europas besonders angetan haben. Egal ob in den historischen Städten Deutschlands, einsam im Norden Norwegens oder wandernd in den Vogesen – überall findet Konrad eine Story, die es zu erzählen lohnt. Hauptsache, nicht am Strand liegen – das ist so gar nicht Konrads Ding.