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Yellowstone lässt sich auf allen Ebenen mit einem Wort beschreiben: Wow!  Mit knapp 9.000 Quadratkilometern ist der Nationalpark ungefähr so groß wie die Mittelmeerinsel Korsika. Er liegt im Nordwesten der USA wie ein eigenes kleines Kontinentchen, und wer hier ankommt, begreift sofort: Diese Natur ist gewaltig und atemberaubend schön. Alles zum Nationalpark und auf den Spuren der Duttons.

Old Faithful bläst seinen Dampf in den Himmel, egal ob Zuschauer dabei sind oder nicht. Die Bisonherden, die mitten über die Straße ziehen, halten für nichts und  niemanden an. Die Wölfe verschwinden im Camouflage der Wälder. Das ist kein Kulissenzauber. Auch wenn Yellowstone jetzt auch wegen des TV-Serien-Emperiums in aller Munde ist.

Wer in Yellowstone Luxus sucht, findet ihn anders als erwartet: nicht in Kronleuchtern oder weißen Tischdecken, sondern in Zeit und Weite. Eine Lodge mit Blick auf einen gläsernen See zum Sonnenaufgang. Ein Guide, der nur für zwei Gäste den richtigen Geysir zum Sonnenuntergang kennt. Ein Picknick, bei dem man die einzige Tischgesellschaft weit und breit ist.

Was Yellowstone war, bevor jemand eine Kamera aufstellte

Am 1. März 1872 unterzeichnete Präsident Ulysses S. Grant das Gesetz und gründete damit den ersten Nationalpark der Welt. Die Serie trägt seinen Namen, aber Yellowstone war eine Legende, lange bevor irgendjemand ein Drehbuch schrieb. Er liegt zu 96 Prozent in Wyoming, berührt aber auch Montana und Idaho, und umfasst rund 8.903 Quadratkilometer Land.

Grand Prismatic Spring aus deer Vogelperspektive

Foto: Chris Leipelt

Was ihn von jedem anderen Fleck Erde unterscheidet: der Untergrund. Über 10.000 geothermale Quellen brodeln hier über einem aktiven Supervulkan, mehr als 60 Prozent aller heißen Quellen weltweit befinden sich im Yellowstone-Gebiet.  Der Geysir Old Faithful schießt alle 60 bis 90 Minuten eine Fontäne von bis zu 55 Metern in den Himmel. Die Grand Prismatic Spring leuchtet in Rot, Orange, Gelb und Blau, verursacht durch Mikroorganismen, die je nach Wassertemperatur andere Pigmente bilden. Der Grand Canyon of the Yellowstone stürzt den Fluss in eine gelb-weiße Schlucht, die man nicht vergisst.

Bison auf Wiese im Yellowstone Nationalpark, USA

Foto: Steven Cordes/Shutterstock.com

1978 erklärte die Unesco den Park zum Weltnaturerbe. Heute leben hier rund 5.000 Bisons, Grizzlybären, Wölfe, Pumas, Wapitis. Die Wölfe wurden 1995 nach jahrzehntelanger Abwesenheit wieder ausgewildert, 14 Tiere aus Kanada, die heute eine der am besten beobachteten Wolfspopulationen der Welt bilden. Das alles existierte, bevor die Duttons erfunden wurden. Die Serie hat es nur sichtbar gemacht.

Was ist der Supervulkan in Yellowstone?

Wer durch Yellowstone wandert, läuft buchstäblich über einem der gewaltigsten geologischen Systeme der Erde. Unter dem Park liegt ein Magmareservoir, das bei früheren Ausbrüchen Eruptionen der höchsten Kategorie erzeugte, daher der Begriff Supervulkan. Die Caldera selbst, jenes riesige Einbruchbecken, das entsteht, wenn ein Vulkan nach einer Eruption in sich zusammenfällt, misst etwa 30 mal 45 Kilometer und nimmt einen großen Teil des Parks ein.

Old Faithful Geysir in der Sonne im Yellowstone Nationalpark

Old Faithful Geysir I Foto: Susanne Pommer/Shutterstock.com

In den vergangenen gut zwei Millionen Jahren gab es drei solcher großen Ereignisse: vor rund 2,1 Millionen Jahren, vor 1,3 Millionen Jahren und zuletzt vor 640.000 Jahren. Danach folgten mehr als 60 kleinere Eruptionen, Lavaströme und Explosionen, die unter anderem den West Thumb des Yellowstone Lake formten. Was Besucher heute erleben, Geysire, heiße Quellen, Fumarolen, das leise Brodeln und Zischen überall, ist die sichtbare Oberfläche eines Systems, das tief unten weiterarbeitet.

Ist das gefährlich? Die kurze Antwort: nicht akut. Aktuelle Messungen zeigen, dass das Magmareservoir derzeit nur zu etwa 5 bis 15 Prozent flüssig ist. Für einen großen Ausbruch wären deutlich höhere Schmelzanteile nötig. Das Yellowstone Volcano Observatory überwacht permanent Erdbeben, Bodendeformationen und Gase. Wahrscheinlicher als ein Superausbruch sind kleinere Ereignisse wie Dampferuptionen oder moderate Lavaströme. Was bleibt, ist das Gefühl beim Gehen über diese Erde: dass hier etwas schläft, das größer ist als alles, was man sich vorstellen kann. Und dass die Dampfwolken, die aus dem Boden steigen, kein Bühnenbild sind.

Kevin Costner in Yellowstone

Foto: TMDB.org

Die Ranch, die es wirklich gibt

Während John Dutton im Fernsehen seine Familie und sein Land verteidigt, steht die echte Chief Joseph Ranch bei Darby in Montana stiller, als man es den dramatischen Kamerafahrten zutrauen würde. Das Anwesen liegt im Bitterroot Valley im Westen Montanas, mit dem Trapper Peak am Horizont und dem Bitterroot River direkt vor der Tür, etwa fünf Fahrstunden vom Yellowstone Nationalpark entfernt. Von Missoula, dem nächsten Flughafen, sind es anderthalb Stunden südwärts auf dem Highway 93.

Chief Joseph Ranch mit Vogel Drehort Yellowstone

Foto: Ellie Band

Die Ranch umfasst eine Größe von etwa 1.400 Fußballfeldern. Es ist eine echte Working Cattle Ranch und hat ein historisches Blockhaus als Hauptgebäude, genau das, das Serienfans als Dutton-Anwesen kennen. Davor grasen tatsächlich Rinder. Wer eincheckt, landet nicht in einer Folge irgendeiner Serie, aber in einem Setting, das sich verdächtig nah anfühlt: knarzende Holzveranden, Nächte, in denen es plötzlich wieder dunkel genug ist, um den Himmel ernst zu nehmen.

Es ist ein Reality Check mit Komfortfaktor. Statt Drehbuchdrama gibt es echte Cowboys, statt Stunts echte Arbeitspferde. Wer Glück hat, startet morgens mit Kaffee auf der Veranda und dem Gefühl, dass gleich jemand um die Ecke biegt. Tut niemand. Aber es reicht, dass es kurz so wirkt.

Pilgerziel für Fans: Die echte Dutton Ranch

Die Ranch

Die Chief Joseph Ranch bei Darby, Montana, ist in der Serie das Zuhause der Duttons und im echten Leben eine historische Working Cattle Ranch mit rund 1.000 Hektar. Das imposante Blockhaus mit etwa 464 Quadratmeter Grundfläche liegt im Bitterroot Valley, den Trapper Peak im Rücken, den Bitterroot River vor der Tür.

Übernachten

Es gibt zwei Gäste-Cabins: die Ben Cook Cabin (Rips Cabin in Staffel 1) und die Fisherman Cabin (Lees Cabin in Staffel 1 und 2). In beiden können bis zu acht Personen schlafen. Zur Ausstattung gehört eine vollausgestattete Küche. Touren ohne Übernachtung werden nicht angeboten. Mit jeder Buchung ist eine Führung über das Gelände und die Drehorte inbegriffen.

Anreise

Der nächste Flughafen ist Missoula International (MSO), von dort etwa anderthalb Stunden südwärts auf dem Highway 93 bis Darby. Zum Yellowstone Nationalpark sind es rund fünf Fahrstunden.

Kontakt

Chief Joseph Ranch, 125 Appaloosa Trail, Darby, MT 59829. Buchungen und Infos unter chiefjosephranch.net

Montana als Zeitsprung

Die Serienlandschaft um Yellowstone ist im Grunde eine große Einladung, durch die Geschichte des amerikanischen Westens zu reisen. Weit ausgerollte Täler, Flüsse, Bergrücken, die imposanter sind, als jede Skyline. In den Prequels 1883 und 1923 wird daraus ein echter Zeitsprung: Planwagen stauben durch Prärien, später prallen Prohibition, Viehzucht und frühe Moderne aufeinander. Man reist nicht einfach nach Montana, man reist in eine Version von Amerika, die so nicht mehr existiert und doch noch greifbar ist.

Neue Spin-Offs, lassen Yellowstone weiter glänzen

Mit dem Spin-Off »Dutton Ranch« zieht das Serienuniversum Beth und Rip aus der bekannten Ranch-Dynamik heraus und setzt sie auf eine neue Bühne: eine eigene Ranch, ein neues Versprechen von Ruhe, das natürlich nicht lange hält. Für Setjetter heißt das: neue Drehorte, neue Regionen, die plötzlich auf der Landkarte auftauchen, etwa rund um Dillon. Hier lässt sich eine Reise stricken, die zwischen Working-Ranch-Aufenthalt, Boutique-Lodge und einer Prise Cowboy-Drama pendelt.

Die Serie »Marshals« folgt Kayce Dutton auf den Highways und Backroads des amerikanischen Hinterlands. Kleinstädte mit einer Main Street wie aus einem Americana-Foto, Motels mit Neon-Schriftzug, einsame Tankstellen, endlose Straßenribbons. Es sind die Details zwischen den Highlights, die eine Reise zu einer Geschichte machen. Und genau das ist der Sog dieses Serienuniversums: Es macht aus Landschaft Sehnsucht.

Setjetting deluxe: Auf den Spuren der Duttons

Zwischen Bozeman, Paradise Valley, Darby und den Toren des Nationalparks lässt sich eine Route komponieren, die Serienmomente und Naturhighlights miteinander verwebt.

Tag 1 Bozeman

Anreise nach Bozeman, Boots und Hut im Western-Store, Dinner in einem Restaurant, das viel Holz und noch mehr lokales Beef serviert.

Tag 2 Yellowstone Nationalpark

Tagesausflug in den Nationalpark. Geysire, Wasserfälle, Bison – ein Kontrastprogramm zu den Ranchszenen, das zeigt, dass die Marke »Yellowstone« viel älter ist als jede Serie.

Tag 3 Ranch-Tag

Reitausflug, Rinder von A nach B treiben, abends ein Campfire, an dem es deutlich ruhiger zugeht als in der Fiktion, aber mindestens so atmosphärisch.

Noch tiefer eintauchen

Abstecher nach Darby zur Chief Joseph Ranch.

Mythos mit Verantwortung

Wer in diese Landschaft reist, betritt gleichzeitig einen sehr realen, sehr schützenswerten Raum. Es geht um Naturschutz, nachhaltigen Tourismus, indigene Perspektiven, fragile Ökosysteme. Der Schwefelgeruch ist keine Kulisse. Die Bisonherde hält nicht für das Foto an. Und der Supervulkan unter einem interessiert sich herzlich wenig für Reisepläne.

Vielleicht ist das die schönste Drehung dieser ganzen Geschichte: Man darf sich fühlen wie Beth auf dem Pferd oder wie Kayce auf dem Highway. Aber man muss nicht handeln wie sie. Es reicht vollkommen, einfach da zu sein.

Das Yellowstone-Universum

Yellowstone seit 2018

Die Mutter aller Dutton-Geschichten. Rancher John Dutton kämpft um sein Land, seine Familie und seine Macht im modernen Montana. Landrechte, Stammeskonflikte, Gewalt und Loyalität vor einer Kulisse, die selbst zur Hauptfigur wird. Drehorte: Chief Joseph Ranch bei Darby, Paradise Valley, Yellowstone Nationalpark.

1883 2021 / 2022

Das Prequel zeigt, wie die Duttons ins versprochene Land kamen. Eine Planwagenreise durch die amerikanische Prärie, brutal ehrlich und visuell überwältigend. Drehorte: Texas Hill Country, Fort Worth sowie Teile von Montana und Wyoming.

1923 seit 2022

Prohibition, Dürre, Viehzucht und das frühe 20. Jahrhundert. Jacob und Cara Dutton halten die Ranch gegen alle Widerstände zusammen. Drehorte: Montana, Butte, Darby sowie Teile Afrikas für die Nebenstoryline.

Dutton Ranch ab 2025

Beth und Rip verlassen die bekannte Ranch und starten neu, auf eigenem Land, mit alten Dämonen. Für Reisende bedeutet das eine neue Region auf der Setjetting-Landkarte. Drehorte: Gegend um Dillon, Montana.

6666 in Entwicklung

Das texanische Spin-off spielt auf der legendären Four Sixes Ranch in West Texas, einer der ältesten und größten Ranches der USA, die tatsächlich als Drehort dient. Wilder, staubiger, texanischer.

Marshals ab 2025

Kayce Dutton als Gesetzeshüter auf den Highways des amerikanischen Hinterlands. Wechselnde Kulissen, Kleinstädte, Backroads. Ein Roadtrip-Serienformat, das den Westen in seiner ganzen Breite zeigt.