Vor Ibiza schwimmen Schlangen. Die Bilder dominieren die internationalen Schlagzeilen und verunsichern Badegäste. Das eigentliche Drama spielt unter Wasser und an Land, dort, wo eine kleine Eidechse verschwindet.
Ein Paar filmt an Ibizas Westküste eine Schlange, die hinter dem eigenen Boot herschwimmt. Erst die Kamera, dann Gas geben, das Tier bleibt zurück. Solche Aufnahmen kursieren in den sozialen Netzwerken und schüren eine simple Frage. Lässt sich vor Ibiza noch entspannt baden? Gefährlich wird es für Badegäste nicht, ein mulmiges Gefühl bleibt trotzdem.
Auf einen Blick:
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- Die Hufeisennatter besiedelt rund 90 Prozent von Ibiza.
- Für Menschen ist sie ungiftig und scheu.
- Für die endemische Pityusen-Eidechse wird sie zur existenziellen Bedrohung.
- 2025 fingen die Behörden auf den Pityusen rund 4.400 Tiere.
Wie kam die Hufeisennatter nach Ibiza?
Die Hufeisennatter stammt vom spanischen Festland. Auf Ibiza tauchte sie Anfang der 2000er-Jahre auf, versteckt in den Wurzelballen importierter Olivenbäume. Gärten und Hotelanlagen wollten mediterranes Flair, mit den Bäumen reisten die Schlangen mit. Ab etwa 2010 breitete sich die Art rasant aus. Inzwischen besiedelt sie nach Schätzungen rund 90 Prozent der Inselfläche.

Foto: Accipter/Wikipedia.org
Warum schwimmen die Schlangen aufs Meer hinaus?
Auf Ibiza fand die Natter eine leichte Beute: die Pityusen-Eidechse, auch Ibiza-Mauereidechse genannt. Die kleine, farbenprächtige Echse gilt als Wappentier der Insel. Wo sich die Schlange festsetzt, verschwindet die Eidechse fast vollständig. Viele Schlangen, wenig Beute, also zieht es die Nattern aufs Wasser. Sie schwimmen zu rund 40 vorgelagerten Inselchen und jagen dort die letzten Eidechsen. Auf zehn dieser Inseln haben sie die Bestände bereits ausgerottet. Forscher werten dieses aktive Besiedeln neuer Gebiete per Schwimmstrecke als nahezu einzigartiges Verhalten.
Wie gefährlich ist die Hufeisennatter für Urlauber?
Eine Schlange im Wasser sorgt für Schreckmomente, die Gefahr hält sich aber in Grenzen. Die Hufeisennatter trägt kein Gift. Sie meidet Menschen und flüchtet, sobald sie kann. Nur wer ein Tier packt oder in die Enge treibt, riskiert einen Schnapper. Ein solcher Biss schmerzt und kann sich entzünden, mehr passiert nicht. Wer beim Schnorcheln eine Schlange im Wasser sieht, hält am besten Abstand und schwimmt ruhig zur Seite.

Pityusen-Eidechse | Foto: Iker Cortabarria
Was unternimmt Ibiza gegen die Schlangenplage?
Die Inselverwaltung setzt auf Fallen, und zwar im großen Stil. Über ein Dutzend hauptamtliche Schlangenfänger sind im Einsatz, dazu mehr als 500 Freiwillige. 2025 gingen auf den Pityusen rund 4.400 invasive Schlangen in die Fallen, davon 3.604 auf Ibiza. Für 2026 plant die Regionalregierung mehr Personal, mehr Fallen und eine engere Kontrolle der sensiblen Küsten und Inselchen. Parallel läuft ein Schutzprogramm für die Eidechse. Bedrohte Bestände kommen in Sicherheit, der Zoo Barcelona züchtet Tiere nach.
Sind Formentera und Mallorca auch betroffen?
Formentera kämpft mit demselben Problem. Dort registrierten die Behörden 2025 knapp 900 Schlangen, und auch von hier aus schwimmen Tiere zu benachbarten Inseln. Mallorca führt eine eigene Liste tierischer Begegnungen, die Hufeisennatter inklusive. Welche Arten dort sonst noch lauern, zeigt der reisen EXCLUSIV Überblick zu den gefährlichen Tieren auf Mallorca.
Das Schicksal der Pityusen-Eidechse entscheidet sich auf den kleinen Felsen vor der Küste, dort, wo die ersten Nattern gerade an Land kriechen.

