Keine anderen Orte der Welt sind so weit von den Kontinenten entfernt wie die geheimnisvollen Marquesas-Inseln im Südlichen Pazifik. Text: Carsten Heinke

Vulkangeboren und von tropischer Sonne verwöhnt, vereint der zu Französisch-Polynesien gehörende Archipel atemberaubende Landschaften mit exotischer Kultur voller Mystik und Leidenschaft. Schon Abenteurer wie Thor Heyerdahl und Künstler wie Hermann Melville, Paul Gauguin oder Jaques Brel nahm sein wilder Zauber gefangen.
Die schönste Art, Hiva Oa, Ua Pou und ihre Schwestern wie auch die Korallenatolle des Tuamotu-Archipels und Bora Bora zu entdecken, ist eine Fahrt mit der Aranui 5. Bis zu 19-mal im Jahr geht das nagelneue Passagierfrachtschiff von Tahiti aus auf große Fahrt, um Südseeträume zu erfüllen. Vor oder nach dem Trip sollte man sich unbedingt noch ein paar Tage Zeit für Tahiti und Moorea nehmen.

»25 Grad, 36 Minuten«,

sagt Capt‘n Bligh. Dann geht die Sonne unter. Am anderen Morgen ist Land in Sicht. Die Silhouette von Tahiti erscheint am Horizont. Mit viel Gefühl und riesigem Orchester segelt die Bounty in die Cook-Bucht. Die gehört zwar in Wirklichkeit zur Nachbarinsel Moorea – aber wen interessiert das schon, wenn es dort aussieht wie auf der Verpackung eines Bounty-Riegels. Nun strömen von allen Seiten kreischende Polynesierinnen herbei, um den Seeleuten ihre nackten Brüste zu zeigen und sie mit Blumenketten und Küssen zu überschütten.
Vielleicht war es doch keine so gute Idee, im Flugzeug »Die Bounty« (USA, 1984) zu sehen. Denn kaum etwas sonst hat das Südseeklischee so geprägt wie die fünf Verfilmungen (insbesondere »Die Meuterei auf der Bounty« von 1962 mit Marlon Brando) der Geschichte dieses legendären Segelschiffs. Unwillkürlich erwartet man doch in der Realität etwas Ähnliches, zumindest ein paar Blumenmädchen.

Die Tänzerinnen haben Feierabend

Doch es ist nicht die Bounty, sondern ein Airbus der Air Tahiti Nui, mit dem ich in Tahiti lande – 24 Stunden nach dem Start in Paris und kurzem Zwischenstopp in Los Angeles. Und es ist keine barbusige Dame, sondern der korrekt gekleidete Chauffeur vom Shuttle-Service, der mir eine Blumenkette umhängt. Es ist schon spät – tröste ich mich –, die Tänzerinnen haben Feierabend und sicher müde Hüften.
Vorm Hotel geht bald die Sonne auf. Zum ersten Frühstück unter Palmen gibt es frische Mangos und herrlich süße, grüne Pampelmusen. Das erste Bad im endlos blauen Ozean, der erste Sonnenbrand in Französisch-Polynesien.

Fast vier Millionen Quadratkilometer groß ist dieses Überseegebiet von Frankreich. Nur 130 Inseln und Atolle verkrümeln sich darin. Die schönsten davon werde ich bei einer ganz speziellen Reiseart erleben: mit einer Fahrt auf dem Passagierfrachtschiff »Aranui 5«.

Mit der Aranui 5 zu den abgelegenen Marquesas - Südsee

Carsten Heinke

Bevor das Abenteuer losgeht, will ich Tahiti und Moorea kennenlernen. Zunächst treibt mich die Neugier nach Papeete. Die Hauptstadt von Tahiti und Französisch-Polynesien ist eine wuselige Kleinstadt, die man schnell gesehen hat. Ein hübscher Hallenmarkt und ringsum viele Läden, ein hübsches Rathaus, ein paar Kirchen und offensichtlich stets verstopfte Straßen. Verwaltungs- und Bürogebäude, Cafés und Restaurants, am Rande große Supermärkte. Rund 26.000 Menschen leben hier, und gefühlterweise sind sie alle nett – auch wenn manche Typen manchmal ganz schön auf gefährlich machen.

Tattoo tata – mach mir den Walhai!

Ein schwarzer Lockenkopf im feuerroten Lendenschurz steigt aus dem Jeep. Es ist der Inselführer Teiva, der mich zu einem Ausflug abholt. Als Erstes gibt es wieder Blümchen – diesmal nur eine Blüte. Teiva zeigt mir, wie man sie richtig trägt:

»Hinterm linken Ohr bedeutet ‚bin vergeben’. Wer einen Partner oder Abenteuer sucht, steckt die Blüte hinters rechte Ohr. An jedem eins geht auch.«

Wir fahren ins Inselinnere, das bergig ist und dank permanenter Wolkenhülle feucht und dicht bewachsen. Entlang des Papenoo, des längsten und wasserreichsten Flusses auf Tahiti setzt sich die vulkangeprägte Tropennatur formenreich in Szene. Ringsum steile Gipfel, tiefe Täler, Wasserfälle, Regenwald. Grün in allen Varianten.

Ein Trekkingweg führt bis zum Kraterrand des 2.241 Meter hohen Mont Orohena hinauf und bietet atemberaubende Ausblicke. »Im Vergleich zur eng bebauten Küste lebt im Inneren Tahitis kaum ein Mensch. Nur Vögel, wilde Ziegen, wilde Schweine«, sagt Teiva. Die Nachkommen der von den Europäern mitgebrachten Haustiere sind die größten vierbeinigen Bewohner Polynesiens. Besonders wilde Eber werden gern gejagt. Ihre Hauer trägt der Bezwinger als Trophäe um den Hals. Auch Teiva ist geschmückt mit imposanten Zähnen selbst erlegter Schweine.

Guide Teva zeigt Touristen auf Papeete, wo es lang geht - Französisch-Polynesien

Carsten Heinke

Als er mir zeigt, wie man den rituellen Kampftanz »Haka« tanzt, nimmt er die Kette in den Mund und mimt den Hauerträger. Die Augen wild funkelnd, die tätowierten Muskeln angespannt, präsentiert der Tahitianer seine Axt. Dem guten Stück fehlt zwar grad die Klinge, doch ich zweifle nicht daran, dass allein der reich verzierte Holzstiel ziemlich wehtun kann.

Die beim Tanzen unerlässlichen Waffen sollen Kraft und Männlichkeit symbolisieren – genauso wie Gesichtsbemalung, Kopf- und Körperschmuck. Feinde zu beeindrucken und sich selber Mut zu machen, war der Zweck des aggressiven Haka, der früher in ganz Polynesien jeder Kriegshandlung vorausging und wichtiger Bestandteil vieler Zeremonien war.

Teiva hat sich vom Posen gut erholt und ist wieder ganz der smarte Guide, der mir jetzt einen Crashkurs in tahitianischer Naturkosmetik gibt.

»Wenn deine Freundin mal keinen Lippenstift dabeihat, gib ihr das hier«,

rät er mir und malt mit dem Staub einer großen gelben Hibiskusblüte einen leuchtend roten Strich auf meine Hand. Dann knickt er den Stängel einer blauen Blume ab, presst den Saft heraus und macht damit den Farbstrich unsichtbar: »Und so kriegt ihr das Ganze wieder weg.« Ohne lange zu suchen, pflückt er Blüten, Früchte oder Blätter und verwendet sie als Heil- und Schönheitsmittel. Das eine Kraut enthält ein Gel, das man zum Haarewaschen nutzen kann, jenes hilft gegen Mückenstiche, ein anderes gegen Sonnenbrand.

Surfer am Strand von Strand von Papenoo - Papeete - Französisch-Polynesien

Carsten Heinke

Ich verlasse mich am Strand von Papenoo lieber auf Lichtschutzfaktor 50 aus der Drogerie. So gebannt, wie hier wohl jeder den Surfern hinterherschaut, kann man sich bei dieser Sonnenglut schnell mehr als eine rote Nase holen. Der kleine Küstenort im Norden von Tahiti mit seiner spektakulären Brandung gehört zu den beliebtesten Tummelplätzen der Wellenreiter.

Teiva, der hier geboren wurde, lernte das Surfen als Sechsjähriger von seinem Vater.

»Ich war spät dran. Die meisten Kinder hier können fast eher surfen als laufen«,

meint der 46-Jährige, der seine Fähigkeiten auf dem Surfbrett an seine eigenen Söhne weitergegeben hat.
»Für uns ist Wellenreiten mehr als nur ein Freizeitspaß, denn es gehört seit 4.000 Jahren zum kulturellen und spirituellen Leben unseres Volkes. Übrigens wurde es schon immer von Männern und Frauen betrieben«, berichtet der Polynesier.

Körperschmuck ist Ritual

Das Gleiche trifft auf Tatau – das Tätowieren – zu. In westlichen Kulturen eher eine Mode, ist das Tragen dauerhaften Körperschmucks in Form von Mustern und Bildern in der Haut im Südlichen Pazifik ein Ritual mit strengen Regeln und langen Traditionen. »Bei der ursprünglichen Technik wird ein Gemisch aus Wasser, Ruß und Kokosöl mit einem Holzkamm in die Haut geschlagen. Das tut ziemlich weh«, berichtet Teiva. Heute verzichten auch die meisten Polynesier auf diese Qual und lassen sich ihre Tattoos mit zeitgemäßer Technik stechen.

Wichtig bleibe, was und wo es auf dem Körper platziert werde, so Teiva. Dass dabei Spaß erlaubt ist, zeigt seine muskulöse Brust. Sie ziert ein Hai, das Schutztier der Familie. Erst lässt Teiva den schlanken Raubfisch etwas zucken, dann hebt er den Arm und pumpt ihn auf zu einem dicken Walhai. Nun will ich endlich, gerne ungetunte, aber echte Haie sehen und fahre mit der Fähre zu Tahitis »kleiner Schwester«.

Ein echtes Highlight ist der Hai – »light«

Zwischen den beiden Inseln ist die Welt vor allem blau. Nur die Zackenberge von Moorea reißen – scharf wie Haifischzähne – einen grünen Streifen zwischen Ozean und Himmel. Das Wasser der Lagune ist so klar, dass ich selbst vom Boot aus die Kiemenklappen der Haie zählen kann: fünf exakt auf jeder Seite.

Es sind wunderschöne, elegante Tiere, friedliche Schwarzspitzenriffhaie – wie Turina, unser Guide und Skipper, versichert –, aber eben Haie und nicht viel kleiner als wir selbst. Im Blutrausch, habe ich gelesen, seien sie durchaus nicht ungefährlich, ebenso, wenn man ihnen zu sehr auf die Pelle rückt.

Der Anker sinkt zum nahen Grund. »Auf geht’s!« Das Wasser ist so flach, dass wir fast hineinsteigen können. Um besser zu sehen, tauchen wir mit Schnorchel und Maske ab. Flossen sind nicht erlaubt. Ein paar Stachelrochen sind schon da. Nun kommen die Haie. Erst sind es vier, dann sechs, dann zehn. Die meisten ziehen unbeeindruckt in Endlosschleifen ihre Bahn. Zuweilen steuert einer direkt auf mich zu, um kurz vor mir cool und lässig zur Seite abzubiegen. Im Gegensatz zu den Rochen, die regelrechten Körperkontakt suchen, haben die Haie keine Lust auf Menschen-Kuscheln.

Ein Bad mit Haien vor Moorea - Südsee

Carsten Heinke

Der Respekt vor ihnen bleibt, doch die generelle Angst und das Klischee vom bösen Killermonster ist ein für alle Mal aus meinem Kopf. Bereits nach wenigen Minuten erwische ich mich bei dem Wunsch, die Hand zum Streicheln auszustrecken. Ich verkneife es mir und beschränke meine Sympathiebekundung auf ein Grinsen, das noch ganz lange bleibt, selbst nach der Tour.

Für die nächsten Tage ist Moorea meine Insel. Kaum mag ich mich von ihren herrlichen Gebirgen, Wäldern, Stränden und Lagunen trennen.

Urlaub auf Moorea - ein Traum. Französisch-Polynesien

Carsten Heinke

Doch dann wird es Zeit für neue Schiffs- und Inselabenteuer. Am nächsten Morgen sticht im Hafen von Papeete die Aranui 5 in See.

Kreuzfahrt ohne Schlips und Fummel

Die Fahrt beginnt. Musik und Muschelketten, Südseepunsch und Blumen. Wer von der Crew nichts anderes zu tun hat, spielt ein Instrument, klönt mit den Reisenden, zeigt seine Tattoos und Eberzähne. Vom ersten Augenblick an spürt man: Schickimicki ist hier nicht gefragt.
Der Schiffslautsprecher spricht Französisch, Englisch, Deutsch – in diesem Fall gerade mit leichtem Thüringer Akzent. Es ist Jörg, der sympathische Guide aus Erfurt, Jahrgang 71. Seit acht Jahren fährt der gelernte Hotelfachmann auf Aranui-Schiffen und könnte sich nichts Besseres denken.

»Ich mag die Ruhe und Gelassenheit, mit der hier alles passiert und von der man unwillkürlich angesteckt wird«,

sagt der gut gelaunte Wahl-Polynesier.

Sein legerer Sommer-Freizeit-Look unterscheidet sich kaum von dem der Gäste. Kleiderordnung gibt es nicht, auch nicht im Restaurant. Wer will, kommt dann und wann mal etwas schicker. Sakkos oder Abendkleider sucht man jedoch vergebens auf dem charmant-entspannten Kreuzfahrtschiff.

Tags darauf liegt die Aranui vor Takapoto, einem flachen Korallenatoll in der Nordwestgruppe des Tuamotu-Archipels. Durch die in allen Türkistönen schimmernde Lagune geht es per Beiboot bis nach Fakatopatere – einem Dorf aus ein paar Hütten, Palmen, Sand. Wie alle Dörfer hier lebt es von der Zucht von Schwarzen Perlen.

Die Aranui 5 ankert in Takapoto - idyllischer geht nicht mehr.

Carsten Heinke

Fiona Tehau ist eine der Frauen, die sie an die wenigen, die hier vorbeikommen, verkauft – zusammen mit wunderschönem Schmuck aus über 50 Muschelarten. Die makellos runden, glatten Perlen sind am teuersten. Meine Favoriten sind die »mit kleinen Schönheitsfehlern«. Fiona verkauft mir eine Handvoll davon für fünf Dollar das Stück.

Dem ersten Landgang folgt ein ganzer Tag auf See. Zeit zum Lesen, Kennenlernen. Nach dem Fest am Abend gibt es keine Fremden mehr an Bord.

Als die Sonne halb sechs über Fatu Hivas tropengrünen Felsentürmen aufgeht, hat der Arbeitstag für die Matrosen längst begonnen. Einer holt per Kran die Ladung aus dem Bauch des Schiffes, andere manövrieren die am Haken baumelnden Paletten, Kisten, Fässer, Säcke auf das wackelige Frachtboot, bauen abenteuerliche Stapel und bugsieren sie an Land. Zement und Diesel, Zucker, Bier und Feinfrostfleisch – alles, was man zum Leben braucht auf einer weit vom Rest der Welt entfernten Südseeinsel.

»Außer zwei Dörfern gibt es hier nur Felsen, Regenwald und Palmen. Was die Männer an Bord bringen, ist vor allem Kopra, das getrocknete Fleisch der Kokosnüsse. In Papeete wird Öl daraus gewonnen«,

verrät uns Jörg.

Abgelegener geht kaum: Die Marquesas in der Südsee

Carsten Heinke

Jährlich bis zu 19-mal ist Tahitis Hauptstadt Start- und Endpunkt dieser ungewöhnlichen Mission, bei der es um Güter wie auch Gäste geht. Die aktuelle Route führt über Takapoto (auf dem Rückweg über Rangiroa und Bora Bora) zu den fast 1.500 Kilometer entfernten Marquesas. Fatu Hiva ist eine davon.

14 Inseln gehören zu dem Archipel ganz im Osten von Französisch-Polynesien. »Knapp 10.000 Menschen leben hier. Per Luftfracht können sie nicht versorgt werden, da sich die vier Inselflugplätze nur für kleine Maschinen eignen«, erklärt Jörg. Deshalb laufe fast der komplette Warenaustausch über den Pazifik ab. Seeweg oder »Großer Weg« heißt auf Polynesisch »Aranui«. Was lag näher, die Schiffe dieser Route selbst so zu benennen?

»Das erste 1984 hatte 27 Passagiere an Bord. Waren die Kabinen ausverkauft, schlief man draußen auf dem Deck«,

erzählt Kapitän Vatea Sitjar. Der heute 38-Jährige begleitete als Kind manchmal seinen Vater, der Schiffsarzt war auf der Aranui. Mit jedem neuen Schiff wuchsen die Zahl der Kabinen und der Komfort. Bot die »Zwei« bis zu 90 Gästen Platz, waren es auf der »Drei« bereits 200. Seit Ende 2015 ist die Aranui 5 im Dienst (die Vier wurde von der chinesisch-stämmigen Eigentümerfamilie übersprungen, da sie als Unglückszahl gilt). Ausgestattet mit sechs Kabinenkategorien vom Achter- oder Vierer-Schlafsaal bis zur 41 Quadratmeter großen Präsidentensuite, kann das moderne Schiff bis zu 254 Passagiere aufnehmen.

Viele von ihnen stehen jetzt trotz früher Stunde auf dem obersten Deck vor der Kommandobrücke. Sie verfolgen das spannende Landemanöver und Löschen der Fracht oder genießen einfach den majestätischen Anblick der wellenumtosten Steilküste im goldenen Morgenlicht. Für Bärbel aus Jessen wird die 17 Kilometer lange Wanderung durch die waldigen Täler, Berge und Schluchten von Fatu Hiva zum Highlight der Reise. »Die Landschaft ist einzigartig schön und wildromantisch. Du denkst, du läufst durch einen Traum«, sagt die sportliche Mittfünfzigerin.

Auf den Marquesas wird man auf Händen getragen.

Carsten Heinke

Ihre Faszination teilt die Sachsen-Anhalterin mit vielen Mitreisenden, die aus aller Welt kommen. Der sensationelle Endspurt dieser Tagestour führt durch die »Bucht der Jungfrauen«, die diesen Namen witzigerweise einem Übersetzungsfehler verdankt. Tatsächlich heißt sie wegen der phallisch geformten Felsen »Penis-Bucht«.

Sowohl im Aussehen als auch kulturell und historisch hat jede der Marquesas ihre Eigenheiten. Dazu zählen insbesondere die alten Kultstätten mit ihren Tikis (Götterskulpturen) und Petroglyphen – in Stein gemeißelte Bilder und Symbole. Die bedeutendste ist Ipona auf Hiva Oa. Dort steht neben der größten Steinfigur von 2,43 Metern auch die merkwürdigste.

Mit ihrer kurzen, rundlichen Form, ihren großen Augen und ihrem breiten Mund hätte ich sie spontan für einen Frosch gehalten. Doch Jörg belehrt mich, dass es sich dabei um eine gebärende, vor Schmerzen schreiende Priestergöttin handele:

»Die alten Polynesier glaubten, dass Frauen, die bei der Geburt eines Kindes sterben, zu bösen Geistern werden. Diese Göttin sollte sie davor schützen.«

Ein ebenso heiliger Ort ist Tohua Koueva auf Nuku Hiva, dessen Berggipfel wie Sandkleckerburgen in den Himmel ragen. Trommelklang und wilde Schreie hallen durch den Dschungel.

Ritueller Schweinetanz auf den Marquesas

Carsten Heinke

Wir laufen zu einer riesigen Banyan-Feige, die jahrhundertelang als Friedhof und Opferstätte gedient hatte. Vor dem 15 Meter dicken Stamm des uralten Baumes tanzen halb nackte Kraftprotze mit furchteinflößenden Gebärden. Von Teiva weiß ich schon, dass sie das nicht so meinen.

Schließlich zeigt mir Jörg den Brotfruchtbaum, dessen Frucht bei fast keiner polynesischen Mahlzeit fehlt. Ähnlich wie die Kartoffel, der sie auch im Geschmack verwandt ist, isst man sie frittiert, gekocht, gebraten, vollreif sogar roh – als Beilage, Salat, Suppe oder Mus. Aus dem getrockneten Fleisch der bis zu zwei Kilo schweren, hellgrünen Früchte wird Mehl gemahlen, ebenso aus ihren nussartigen Samen. »Zerstampft und fermentiert, ist Popoi viele Jahre haltbar«, so der Erfurter.

Und dann kam Kapitän Bligh

Neben seinem Holz, aus dem man Waffen und Werkzeuge fertigt, wird die Rinde des tropischen Maulbeergewächses genutzt, um sogenannte Tapas – Stoffe für Tücher, Decken und Kleider – herzustellen. Inzwischen in vielen tropischen Ländern zu Hause, stammt der Brotfruchtbaum ursprünglich aus Polynesien. Genau genommen, gab er einst auch den Anstoß für Tahitis Ruhm als Südseeparadies. Schließlich war er der Grund für die berühmte »Meuterei auf der Bounty« und damit den Mythos von der Trauminsel.

Als billigen Nahrungsproduzenten für ihre Sklaven wollten die alten Briten den fruchtbaren Baum auf den Karibischen Inseln einführen. Um Stecklinge davon zu holen und nach »Westindien« zu bringen, segelte Kapitän William Bligh im Auftrag König Georges III. zweimal nach Tahiti. Ausgerechnet die erste Reise 1788 mit der Bounty, die durch die Meuterei seiner Crew erfolglos blieb, ging in die Geschichte ein und machte die Inseln Polynesiens berühmt. Zu Recht!

Anreise. Bequeme Flugverbindungen mit Südseeflair bietet die Air Tahiti Nui in Kooperation mit Air France. Tickets von Deutschland über Paris und Los Angeles nach Papeete und zurück unter: www.airtahitinui.com
Schiffsreise.  Die komplette Tour (14 Tage, 13 Nächte) mit dem Passagierfrachter Aranui 5 von Papeete über Takapoto zu den Marquesas-Inseln und zurück über Rangiroa und Bora Bora kostet 2017 einschließlich Vollverpflegung, Ausflügen und Steuern ab  € 4.089 in einer Standardkabine. www.aranui.com
Hotels.  Für Übernachtungen vor oder nach der Schiffsreise empfiehlt sich das Tahiti Nui  Hotel unweit des Hafens in Papeete bzw. für ein paar Urlaubstage mehr das preiswerte »Les Tipaniers« oder das Sofitel Hotel auf Tahitis schöner Nachbarinsel Moorea – alle buchbar bei Dertour. www.dertour.de
Auskünfte erteilt das deutsche Büro Tahiti Tourisme,Tel.: 04101 696 8802, http://www.tahiti-tourisme.de

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