Füher hieß Camping: Klapptisch, Gemeinschaftsdusche und ein bisschen Improvisation. Heute geht es auch anders: mit Kingsize-Bett, eigener Regendusche und auf Wunsch sogar einer Garage für den Sportwagen. Diese Luxus-Wohnmobile zeigen, wie komfortabel Reisen auf vier Rädern inzwischen sein kann.
Space Shuttle trifft Campingmobil: Marchi Mobile Element Palazzo
Auf manchen Campingplätzen dreht sich das Gespräch abends um ein einziges Fahrzeug. Denn die österreichische Edelkarosse des Herstellers Marchi Mobile gehört zur Sorte Luxus-Wohnmobile, bei der das Wort »Camping« nur noch als ironisches Zitat funktioniert. Zwölf Meter Länge, rundliche Linien, dazu eine Panoramafront wie ein Cockpit.

Foto: Marchi Mobile
Innen wiederum: Kingsize-Bett, Lounge, Bar und je nach Ausstattung eine ausfahrbare Dachterrasse. Damit richtet sich das Fahrzeug an Menschen, die ihren Urlaub sonst eher auf Superyachten oder in Privatjets verbringen. Entsprechend spielen auch die Preise in einer Liga, in der andernorts eine Villa am Meer zu haben wäre.
Ein Luxus-Wohnmobil mit Garage: Volkner Mobile Performances S

Foto: Volker Mobile/ www.volkner-mobil.com
Den Sportwagen daheim lassen? Kommt nicht in Frage. Der »Performance S« von Volkner Mobil aus Bayern löst ein Problem, das viele gar nicht für lösbar halten: Die Garage fährt einfach mit. Zwölf Meter Gesamtlänge, mittig eine vollwertige Fahrzeuggarage, ausfahrbare Seitenteile für mehr Wohnraum, dazu edle Materialien und ein Bad, in dem keine akrobatischen Verrenkungen nötig sind.

Foto: Volker Mobile/ www.volkner-mobil.com
Preislich spielt der Volkner locker in der Millionenliga. Auf großzügigen Stellplätzen in Südtirol oder am Gardasee mit breiten Zufahrten fühlt sich das Luxus-Wohnmobil am wohlsten, während der Sportwagen direkt nebenan parkt.
Draußen wild, drinnen durchdacht: Homer Venture S Offroad

Foto: Hymer
Allradantrieb, Offroad-Optik, aufblasbares Aufstelldach: Der Hymer »Venture S« klingt nach Abenteuer und hält dieses Versprechen tatsächlich ein. Ein Sprinter als Grundlage, ein Loft als Ergebnis. Hinten gibt es eine großzügige Lounge mit Aussicht, das Bad verfügt über eine vollwertige Dusche, und das Raumkonzept trägt eine skandinavische Handschrift.

Foto: Hymer
Auch hier zeigt sich: Ein Luxus-Wohnmobil muss nicht zwingend auf Asphalt bleiben. Das Fahrzeug spricht Paare an, die lieber auf freier Fläche stehen als zwischen Wohnwagen und Zelten. Mehrere Hunderttausend Euro sind schnell fällig, sobald die Aufpreisliste ernst genommen wird.

Foto: Hymer
Expeditionsyacht für die Wildnis: Earth Roamer LTx
Luxus, der sich nicht an Marmorböden bemisst, sondern vielmehr an Tagen ohne Steckdose und Mobilfunknetz. Genau darauf ist der »EarthRoamer LTx« aus Colorado ausgelegt. Denn er richtet sich an Reisende, die tagelang autark in der Wildnis stehen wollen und dabei dennoch nicht auf Komfort verzichten möchten.

Foto: Earth Roamer
Auf dem Ford-F-550-Chassis mit 6,7-Liter-Turbodiesel-V8 sitzt eine vakuuminfundierte Carbon-Kabine – leicht genug für schwieriges Gelände, groß genug für vier Schlafplätze und ein vollständiges Autarksystem mit 24-Volt-Anlage, Lithium-Ionen-Batterie, hoher Wasserkapazität und Touchscreen-Steuerung. Acht Fenster sorgen für lichtdurchflutetes Wohnen.

Foto: Earth Roamer
Der Basispreis liegt bei 798.000 US-Dollar, während gut ausgestattete Exemplare laut Hersteller meist zwischen 850.000 und 900.000 US-Dollar landen. Lange Touren durch Nordamerika, Skandinavien oder Island sind das natürliche Terrain, gelegentliche Stopps in komfortablen Anlagen die willkommene Auffrischung.
Langstreckenkomfort für Kenner: Morelo Grand Empire

Foto: Morelo
Der Grand Empire ist kein Fahrzeug für den großen Auftritt, sondern vielmehr für die lange Strecke. Das westfälische Unternehmen Morelo baut mit diesem Luxus-Wohnmobil das konservativste Fahrzeug dieser Reihe, ohne dabei jedoch weniger aufwendig zu sein.

Foto: Morelo
Großzügige Couchlandschaft, edle Küche, separates Schlafzimmer, großes Bad, Stauräume in beeindruckender Zahl und auf Wunsch eine Heckgarage für den Kleinwagen. Darüber hinaus ist die Technik auf Langzeitkomfort ausgelegt: große Tanks, Autarksysteme, optionale Fußbodenheizung. Ein »Grand Empire 120 GSO« ist mit rund 920.000 Euro gelistet. Für lange Aufenthalte oder Überwinterungen an Küsten mit Meerblick die konsequenteste Wahl dieser Reihe.

Foto: Morelo
Luxus-Wohnmobile: Das musst du wissen
Gut zu wissen
Welchen Führerschein brauche ich?
Für Marchi Mobile eleMMent Palazzo, Volkner Performance S, EarthRoamer LTx und Morelo Grand Empire ist in Deutschland in der Regel ein Lkw-Führerschein der Klasse C nötig, mit schwerem Anhänger CE. Der Hymer Venture S wiegt gut über 3,5 Tonnen und kann mit C1 gefahren werden, oder einem alten Führerschein Klasse 3 bis 7,5 Tonnen. Während der normale Pkw-Führerschein Klasse B nur bis 3,5 Tonnen gilt.
Ist wildes Campen erlaubt?
In Deutschland grundsätzlich nicht. Jedermannsrecht gilt in Schweden, Norwegen und Finnland, allerdings richtet sich das eher an Wanderer mit Zelten als an Zwölf-Meter-Luxusliner. In Island ist Wildcampen stark reglementiert, vielerorts sind nur ausgewiesene Flächen erlaubt. Die Regeln unterscheiden sich je nach Land und Region deutlich.
Wie lange kann man autark stehen?
Je nach Fahrzeug und Ausstattung zwischen einigen Tagen und mehreren Wochen. Ein EarthRoamer LTx mit großem Frischwassertank, Solaranlage und Lithium-Batterien ist klar auf lange Offgrid-Phasen ausgelegt, während ein eleMMent Palazzo eher für komfortable Stellplätze mit Strom- und Wasseranschluss konzipiert wurde.
Gibt es solche Luxusfahrzeuge auch zur Miete?
Vereinzelt ja, über spezialisierte Anbieter in den USA und Europa, teilweise mit Morelo-, Hymer- oder ähnlichen Luxuslinern in der Flotte. Das Angebot ist überschaubar, die Preise liegen schnell im hohen dreistelligen bis vierstelligen Bereich pro Tag oder bei mehreren Tausend Euro pro Woche.
Welche Campingplätze eignen sich für diese Fahrzeuge?
Nicht jeder Platz hat breite Zufahrten, tragfähige Stellflächen und ausreichend Strom. Spezialisierte Fünf-Sterne-Campingresorts in Kroatien, Südtirol oder am Gardasee werben gezielt mit XXL-Stellplätzen, Spa und Premium-Infrastruktur – genau das, was diese Fahrzeuge und ihre Besitzer brauchen.
