Fast unbemerkt hat sich Palma de Mallorca in den letzten Jahren im Schatten des Massentourismus auf der Insel zu einem Ziel für Kurztrips entwickelt. Das Angebot an Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten ist riesig – und die Wege kurz. Mallorcas-schöne-Seiten-Herausgeber Stefan Loiperdinger hat viele Tipps!

Dabei entdeckt man in den verschiedenen Stadtvierteln Jahrhunderte alte Kultur praktisch im Vorbeigehen. Vor der Kulisse der prächtigen Stilfassaden von schick renoviert bis halb verfallen ist das Flair der römischen und arabischen Geschichte allgegenwärtig und ergibt mit den Jugendstil-Prachtbauten von  Antoni Gaudí  eine faszinierende Spannung.

Fassade eines Hauses in Palma de Mallorca

Maurits Bausenhart

Szeneläden, Conceptstores, Ateliers, Galerien, Boutiquehotels und jede Menge neuer Restaurants mit kreativen Konzepten gibt es in Palma de Mallorca zu entdecken. Selbst die Badesachen sollte man bei einem Stadtbummel nicht vergessen! Palmas Stadtstrand direkt vor der Kathedrale ist nämlich ebenfalls fußläufig zu erreichen – inklusive eines Beachclubs für den Lunch oder Sundowner. Und dann gibt es noch den Yachthafen, der größte im westlichen Mittelmeer. Auch zu Fuß erreichbar.

Strand in Palma de Mallorca

Jennifer Latuperisa-Andresen

Paseo del Borne: Palma de Mallorcas eleganteste Allee

Das Auto parkt man am besten in der Tiefgarage zwischen dem Park de la Mar und dem Paseo del Borne. Für eine Tagestour ist Palmas Prachtallee mit seiner Platanenallee der perfekte Ausgangspunkt. An der Designermeile für Luxusshopping ziehen vor allem die Flagshipstores globaler Modelabel eine internationale und kaufkräftige Klientel an. Zara und Massimo Dutti erstrahlen seit ihrer Renovierung vor ein paar Jahren in neuem Glanz. In dem Stadtpalast an der Ecke zur Carrer Feliú residieren außerdem Louis Vuitton, Relojería Alemana, Uterqüe und das Boutiquehotel »Can Alomar«. Doch nur ein paar Schritte in die kleinen Seitengassen genügen und man befindet sich in einer anderen Welt. Vom Meer aus gesehen links, in der Carrer Feliú, drängen sich kleine Boutiquen, Galerien, Interiorgeschäfte sowie Cafés und Bars aneinander.

Leckere Tapas im Viertel Llonja

Zwei Querstraßen weiter Richtung Hafen lockt abends das Ausgehviertel, die »Llonja« mit seinen Tapasbars. Rechts vom »Borne« kann man gleich das Kulturprogramm starten. Der »Palau de l’Almudaina« ist ein dominantes Beispiel für Palmas Reichtum an kulturhistorischen Schätzen und architektonischen Schönheiten.

Almudaina-Palast in Palma de Mallorca

Melinda Nagy/Shutterstock.com

Einst von den Mauren als Festung und Regierungssitz des arabischen Emirs erbaut, ist der Palast heute offizieller Amtssitz der spanischen Königsfamilie bei ihren Mallorca-Besuchen. Die Führungen sind ein Erlebnis, besonders die flämischen Gobelins und kostbaren Möbel aus dem 16. bis 18. Jahrhundert.

Direkt nebendran werden im »Palau March«, einem prächtigen Stadtpalast des ehemaligen Schmugglerkönigs und späteren Bankiers Juan March, Wechselausstellungen und eine Dauerausstellung mit zeitgenössischen Skulp-turen mit Werken von Henry Moore, Chillida, Berrocal und Alfaro sowie eine berühmte neapolitanische Krippe aus dem 18. Jahrhundert gezeigt.

Im Llonja könnt ihr sehr schön im Hotel Can Bordoy Grand House & Garden übernachten.

Hotel Con Bordoy Palma Mallorca

Jennifer Latuperisa-Andresen

Immer eine Augenweide: die Kathedrale von Palma

Wiederum nur ein paar Schritte weiter lädt die Kathedrale von Palma zur Besichtigung ein. Über 300 Jahre lang wurde an dem Bischofssitz hingebaut.

Palma de Mallorca Kathedrale

Jennifer Latuperisa-Andresen

Und entsprechend beeindruckend ist sie auch, die »Kathedrale des Lichts«. Bis zu 44 Metern ist das Gewölbe hoch, 110 Meter lang und 33 Meter breit, und auf 6.600 Quadratmetern ist hier Platz für 18.000 Menschen. Berühmt ist das Rosettenfenster über dem Chor mit über 12 Metern Durchmesser. 1.236 Glasteile wurden in mühevoller Kleinarbeit zusammengesetzt, und weitere Rosetten sowie 55 kunstvoll gestaltete Glasfenster tauchen das Innere in ein mystisches Licht.

Kathedrale in Palma de Mallorca

Mathilde Cureau

Von der Kathedrale durch die engen Gassen parallel zum Meer nach Osten ist man gleich in Sa Calatrava, das Viertel mit Weinbars, veganen Produkten und Designer-Läden. In den letzten Jahren wurde viel investiert in dem Viertel und der morbide Charme alter Zeiten wechselt sich mit dem neuen Schick trendiger Immobilienprojekte. Hier kann man auch die »Banys Àrabs«, die Bäder aus der Zeit der maurischen Herrschaft von 902 bis zum 13. Jahrhundert besichtigen. Oder die 1281 vom Franziskanerorden erbaute Basilika Sant Francesc. Mit einem der größten Kreuzgänge der europäischen Gotik aus 115 schlanken Säulen mit Spitzbögen. und letzte Ruhestätte für einige Adelsfamilien. Stilvoll wohnen in alten Stadtpalästen mit modernem Luxus kann man in den Boutiquehotels in Sa Calatrava. Zum Beispiel im Fünfsternehotel Calatrava mit sechs Suiten und Meerblick. Oder im Hotel Sant Francesc.

Früher Rotlichtviertel, heute Szeneviertel: Sa Gerrería

Noch ursprünglicher ist das Nachbarviertel Sa Gerrería. Früher wurde in Palmas Rotlicht- und Drogenviertel neben nackter Haut und heißem Stoff vor allem Kunsthandwerk angeboten – Tonkrüge überwiegend. Daher hat das Viertel auch seinen Namen. Von »Gerra«, Tonkrug.  Doch seit Kurzem verirren sich schon die ersten Touristen und vor allem Investmentjäger auf der Suche nach renovierungsbedürftigen Objekten mit Potential. Und davon gibt es hier jede Menge – vor allem renovierungsbedürftige. Zusammen mit den Graffity-Kreationen der Straßenkünstler ergibt das eine durchaus spannende Mischung.

Street Art in Palma de Mallorca

Jennifer Latuperisa-Andresen

Das Viertel zwischen der Carrer del Sindicat und den Avenidas hat sich in den letzten Jahren als neues Szeneviertel etabliert. Aus schmuddeligen Bars sind nun ausgeflippte Bars geworden. Die Bar Boya, das Cala Seu, die Bar Farina und die Bar Flexas zum Beispiel. Optisch wie kulinarisch eindrucksvoll ist das »Bocalta« nahe der Plaça Quadrado. Feine Gerichte gibt es von Chefkoch Alvaro del Campo, einem Sevillaner, der lange in London kochte. Ganz neu und ganz hervorragend ist das »La Vieja de Jonay Hernandez« mit Gerichten der Kanaren am neu sanierten Plaça de Raimundo Clar. Der Hingucker in dem Lokal ist ein Riesenoktopuss, der als Wandgemälde seine Arme meterlang an der Wand ausstreckt.

Wer sich in dem neuen Szeneviertel einquartieren möchte, liegt im Posada Terra Santa, einem Luxus-Boutiquehotel mit 26 Zimmern und Suiten zwischen Plaça Major und Plaça de Quadrado richtig. Das alte Herrenhaus der Barone von Boixador aus dem 16. Jhd. wurde aufwändig restauriert. Für das Restaurant »La Despensa del Barón« wurden die früheren Marés-Steinbögen freigelegt, in dessen Ambiente man von Chefkoch David Raya verwöhnt wird. Ideal als krönender Abschluss des ersten Palmatages.

Shopping-Fans, hier lang: Conceptstore »Rialto Living«

Die Tour am zweiten Tag startet wieder vom Paseo del Borne aus, allerdings in westlicher Richtung in das Viertel »La Llonja«. In den engen, Jahrhunderte alten Gassen zwischen zwischen dem Paseo de Borne und dem Museu Es Baluard läßt sich viel entdecken. Nur ein paar Schritte vom Paseo del Borne in die Carrer de Sant Feliu landet man in Palmas schönstem Shoppinghimmel, dem Conceptstore »Rialto Living«.

Rialto Living in Palma de Mallorca

Stefan Loiperdinger

In dem wunderschönen Stadtpalast kann man beim Stöbern der Mode, Möbel, Bücher, Kunst und Accessoires die Zeit vergessen. Weiter geht es die Carrer Feliú entlang. Kleine Boutiquen, Galerien, Interiorgeschäfte sowie Cafés und Bars drängen sich hier aneinander. Jeder Abstecher in die Seitengassen verspricht weitere Entdeckungen. Die bedeutendste Entdeckung ist dabei das »Museu es Baluard«.

Auf der Hälfte der insgesamt 5.000 Quadratmeter verteilen sich Ausstellungsflächen über drei Stockwerke mit Werken von gebürtigen, Wahl- und Teilzeit-Mallorquinern wie Antoni Tàpies, Miquel Barceló, Rebecca Horn bis Fabrizio Plessi, Joan Miró und andere Weltklassekünstler. Unverzichtbar ist auch ein Besuch in der »Llonja«, der ehemaligen Handelsbörse, ein Meisterwerk der Spätgotik mit schlanken Spitzbogenfenstern und sechs gedrehten Säulen in ihrem Inneren.

Den dritter Tag einer Tour durch Palma führt durch das Viertel Santa Catalina. Das ehemalige Fischerdorf ist heute ein Stadtteil Palmas. Und eine Welt für sich. Eine sehr bunte Welt. Aus Häusern mit nur zwei- oder drei Etagen in verschiedenen Farben­, die Fassaden mit bunten Fensterläden und die engen Straßen von grünen Bäumen gesäumt. Und fast in jedem Haus ein Lokal oder ein Geschäft. Dass Palma zur Heimat einer Vielzahl von Individualisten aus aller Herren Länder geworden ist, zeigt sich in Santa Catalina ganz besonders. Die internationale Klientel weiß das Flair des Viertels und die individuellen Geschäfte und Lokale zu schätzen. Multikulti mit Niveau.

Lust auf mehr Mallorca? Dann schaut mal hier und ins Magazin »Mallorcas schöne Seiten«.

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