Nebel streicht über den Bostalsee, als wolle er ihn noch eine Weile in den Schlaf wiegen. Ich trete auf den Balkon und zögere kurz. Zum Glück, sonst wäre ich geradewegs in den See gelaufen, genauer gesagt in sein Spiegelbild. Die Trennwände zwischen den Balkonen sind verspiegelt und verdoppeln die morgendliche Seelandschaft.
Bei unserer Ankunft am Vorabend war vom See nichts zu sehen. Es regnete in Strömen, das Wasser lag irgendwo im Stockdunkeln, kein Licht am Ufer verriet ein Dorf. Gut zu erkennen war dagegen das mächtige Eingangstor, wie man es von Safari-Lodges in Afrika kennt. Das nächste Mal würden wir es erst bei der Abreise passieren. Das wussten wir in diesem Moment allerdings noch nicht. Der Plan fürs Wochenende: ausspannen und viel draußen sein, auch wenn die Vorhersage reichlich Regenwolken versprach.

Foto: Günter Standl
Flusskiesel in der Dusche: Fußreflexzonenmassage inklusive
Das Frühstück muss warten. Unser Zimmer heißt »Wohlfühlkoje«, und wer darin aufwacht, hat es mit dem Aufstehen nicht eilig. Die knapp 100 Zimmer und Suiten der Lodge sind in Sand-, Weiß- und Brauntönen gehalten, schlicht und warm zugleich. Geöltes Parkett, Möbel aus heimischer Eiche, Vorhänge und Kissen aus gewebter Baumwolle, gestrickte und geflochtene Lampen und ein Sofa aus Schilfrohr geben ihnen etwas Handgemachtes.
Dann noch schnell unter die Dusche. Im Boden stecken kleine Flusskiesel, und während warmes Wasser aus der Regendusche auf mich prasselt, massieren sie meine Fußsohlen. Eine Fußreflexzonenmassage, die niemand gebucht hat. Die Kiesel stammen aus Flussbetten, erfahre ich später. Steinen begegne ich an diesem Tag noch einmal: Abends serviert das Restaurant die Kräuterbutter auf faustgroßen Exemplaren.

Foto: Günter Standl
Die Kräuterbutter-Steine haben die Schwiegereltern eines Küchenmitarbeiters aus der Isar gefischt, erzählt uns die Servicekraft. 150 Stück! An solchen Details merkt man, wie viel Herzblut in diesem Haus steckt.
Die Lodge am See: Warum sie bewusst nicht Hotel heißt
Lang gestreckt wie ein gefällter Baumstamm liegt die Seezeitlodge auf einem bewaldeten Kap über dem Bostalsee. Die Fassade aus Holzlamellen verwittert mit den Jahren silbergrau und rückt das Gebäude noch näher an den Wald. »Es war uns wichtig, dass die Lodge die Umgebung widerspiegelt«, erzählt Gastgeberin Kathrin Sersch, die uns auf dem Weg zum Frühstück begegnet.
»Wir haben uns auch bewusst für den Beinamen Lodge statt Hotel entschieden«, sagt sie. Mit »wir« meint sie ihren Mann Christian und sich. Beide stammen aus der Region und haben die Lodge 2017 eröffnet. Ihr erklärtes Ziel: Die Seezeitlodge soll eine Destination in der Destination sein.

Foto: Günter Standl
Das ergibt Sinn, denn rundherum gibt es nicht viel. Die Lodge liegt im waldreichen Naturpark Saar-Hunsrück, ein gutes Stück ab vom Schuss. Der See, viel Wald, ein paar Hügel. Mehr braucht es an diesem Wochenende nicht.
Saunadorf nach keltischem Vorbild: Baden wie die Kelten
So vergeht die Zeit wie von selbst. Erst am Frühstücksbüfett mit Bio-Joghurt, Eiern von Bauern aus der Region und Brot aus der hauseigenen Backstube. Danach im Spa, dem Herzstück der Lodge, wo eine keltische Massage mit heißen und kalten Steinen den letzten Rest Anspannung löst. Aus einigen der Innen- und Außensaunen blickt man beim Schwitzen auf den See, zum Abkühlen geht es in den beheizten Pool, drinnen oder draußen.
Der keltische Bezug zieht sich wie ein roter Faden durchs Haus, im Spa tritt er am deutlichsten hervor. Im Ruheraum stehen Birkenstämme Spalier, die Birke gilt in der Volksheilkunde als Heilbaum. Den Sauna-Außenbereich hat das Haus einem keltischen Dorf nachempfunden, mit Ritualplatz und Feuerstelle. Keltische Symbole schmücken die Wände, und in der Lobby markiert ein glänzendes Messingband im Boden die Achse der Sonnenwende. Wer dem keltischen Erbe der Region im Original begegnen will, fährt zwölf Kilometer zum Ringwall von Otzenhausen, einer der größten keltischen Befestigungsanlagen Europas.





