An der V & A Waterfront von Kapstadt wurde das »The Silo Hotel« eröffnet. Wo früher Getreide lagerte, ruhen heute betuchte Gäste in den Suiten. Autorin Frida van Dongen quartierte sich ebenfalls in den ehemaligen Speicher ein – zwecks Probeschlafen.

Es gehört schon ein wenig Chuzpe dazu, ein neues Luxushotel auf den Namen »The Silo Hotel« zu taufen. Ein Getreidespeicher als Nobelherberge? »Na dann, viel Spaß im Silo«, spottete mein Vater, der im Oktober 1985 auf Dienstreise in Kapstadt gewesen war und sich noch an das Hafengebiet mit dem hohen Betongebäude erinnern kann. Ich lächelte milde, denn ich hatte schon ein bisschen recherchiert. Und so ahnte ich bereits, dass wir nicht auf Getreidesäcken würden nächtigen müssen, wenn wir ins »Silo« einchecken. Ganz im Gegenteil.

Ich bin beeindruckt, als ich das Bauwerk in Natura erblicke. Wir fahren auf die Waterfront von Kapstadt zu, und das »The Silo Hotel« ist schon von Weitem sichtbar: 57 Meter hoch ragt es in den blauen Himmel. Die in die Betonstruktur integrierten wabenförmigen Fenster glitzern in der Sonne – das Ensemble wirkt auf mich wie ein gestrandetes Raumschiff, das aus seiner Fluguntauglichkeit eine Tugend macht und sich irgendwie mit der alienierten Umgebung versöhnt hat.

The Silo Hotel: Außenfassade

The Silo Hotel,Foto: Mark Williams

Neue Landmarke in Kapstadt

Einst, so erfahre ich aus der Hotelhistorie, war es das höchste Gebäude im gesamten Afrika südlich der Sahara. In dem 1924 eröffneten Industriegebäude wurde Getreide aus ganz Südafrika gelagert und dann in Schiffe nach Europa verfrachtet. Ab 2001 allerdings stand es ungenutzt am Hafen. Mit der Hoteleröffnung im März 2017 ist das vom Londoner Architekten Thomas Heatherwick gestaltete Bauwerk eine neue Landmarke für die Stadt am Kap. Ich bin gespannt, was uns im Inneren erwartet …

Bereits im Entree des »The Silo Hotel« springt den Gast ein wilder Mix aus neobarocken Möbeln, Glasleuchtern und afrikanischen Artefakten an. Ich kann mich bei all den Sinneseindrücken kaum auf den Check-in konzentrieren. Und dabei habe ich noch gar nicht auf die großformatigen Gemälde geachtet, die im  Haus verteilt sind: wahre Schätze zeitgenössischer (afrikanischer) Kunst, von namhaften Künstlern wie dem aus Soweto stammenden Mohau Modisakeng oder dem Kenianer Cyrus Kabiru.

The Silo Hotel

The Silo Hotel

Sie sollen auch einen Vorgeschmack geben auf die Eröffnung des Museums Zeitz MOCAA (Museum Of Contemporary Art Africa), das ab September 2017 in die unteren Etagen des ehemaligen Silos einziehen wird. Ein Ausstellungshaus für zeitgenössische afrikanische Kunst, das sich mit Museentempeln wie der Tate Modern in London oder dem MoMa in New York messen will.

Afrika trifft auf Europa

Die Stilexplosion in der Lobby und dem Café setzt sich in den 28 Zimmern und Suiten fort: Es passt im Grunde nichts zusammen – und das macht den Charme aus. Modernes Afrika trifft auf antikes Europa, nüchternes Design auf verspielt bunte Tellerchen. Ich lasse mich erst mal ermattet aufs Bett fallen, dessen Kopfende ein Wandpolster mit stilisierten Leoparden und Äffchen schmückt. Zur Ruhe komme ich nicht: Vom Bett aus schweift der Blick über die Waterfront, wo die Touristen das frühere Hafentreiben ersetzt haben, bis zum Berg Lion’s Head. Und wenn ich meinen Hals etwas verrenke, kann ich vom Bett aus sogar eine Ecke des Tafelbergs sehen.

Zimmer im The Silo Hotel, Kapstadt

The Silo Hotel

Verantwortlich für das Interieur ist Liz Biden, die designaffine Eigentümerin des Hauses. Biden und ihrem Mann gehören insgesamt vier Luxushotels und eine Safarilodge in Südafrika, die unter dem Titel »The Royal Portfolio« firmieren. Biden, so erfahre ich, wollte der Außenstruktur aus Beton ganz bewusst ein verspieltes, eklektizistisches Interieur entgegensetzen. Die 28 Zimmer sind großzügig bemessen: 41 Quadratmeter zählen die kleinsten (mit Balkon), satte 211 Quadratmeter zählt »The Penthouse«. Wir residierten in einer der sechs Superior Suiten, jede umfasst mehr als 70 Quadratmeter auf zwei Ebenen.

Rooftop-Bar mit Infinity-Pool im 11. Stock

Für Ausblicke auf den Tafelberg, Lion’s Head oder die Waterfront müssen wir unsere Suite eigentlich gar nicht verlassen. Dennoch lohnt sich stets eine Fahrt in die elfte Etage: Dort erwartet Gäste und (nach Anmeldung) auch externe Besucher eine Rooftop-Bar mit Infinitypool. In dem Becken hält sich zu unserer Überraschung nie jemand auf – bis wir feststellen, dass der durchsichtige Pool eine äußerst beliebte Fotolocation ist, die Gäste ohne selbstdarstellerische Ader folglich ungerne frequentieren. Unerklärlich aber bleibt uns, warum es kaum jemanden zum Sonnenbad auf dem eigentlichen Dach des »The Silo« verschlägt: Auf grünem Kunstrasen thronen vier Liegen, die einen Rundumblick auf Ozean, Kapstadt und den Tafelberg ermöglichen.

Pool auf der Dachterrasse des The Silo Hotel

The Silo Hotel, Foto: Mark Williams

Vor der Tür des »The Silo Hotel« wartet eine Amüsiermeile par excellence. Die nach Königin Victoria und ihrem Sohn Alfred benannte V & A Waterfront erfuhr in den vergangenen Jahrzehnten einen Strukturwandel. Weil der Hafen während des Apartheidregimes zeitweise boykottiert wurde, hatte das Areal bis 1990 weitgehend brachgelegen. Seit dem Ende der Apartheid aber wurden die alten Gebäude saniert und Boutiquen, eine Shoppingmall, Museen, Restaurants sowie das Two Oceans Aquarium angesiedelt.

Der Botantische Garten ist gleich um die Ecke

Dass die Waterfront trotz eines Riesenrades und Millionen von Touristen nicht wie ein artifizieller Rummelplatz wirkt, liegt auch daran, dass der Hafenbetrieb hier noch fortgeführt wird: Fischerboote laufen ungerührt vom Trubel aus, ein großes Trockendock ist weiterhin in Betrieb. Hauptattraktion ist wohl der »Nelson Mandela Gateway« am Kai: Hier legen die Fähren nach Robben Island ab, der berüchtigten Gefängnisinsel, auf der Nelson Mandela 18 Jahre inhaftiert war. Es ist ein berührendes Erlebnis, sich von ehemaligen Gefangenen über die Insel führen zu lassen.

Auch die Innenstadt mit Sehenswürdigkeiten wie dem Viertel Bo-Kaap mit seinen knatschbunten Häusern oder dem Botanischen Garten ist vom »The Silo Hotel« inzwischen bequem und sicher über einen Fußweg zu erreichen. Am ersten Abend widerstehen wir den Verlockungen vor der Tür und gehen in das Hotelrestaurant The Granary Café.

Essen im The Silo Hotel

The Silo Hotel,Foto Mark Williams

Küchenchefin Veronica Canha-Hibbert kreiert relativ bodenständige und (vor allem gemessen an den Zimmerraten) preisgünstige Gerichte mit französischer Note aus überwiegend regionalen Produkten. Eine kräftige Bouillabaisse mit üppiger Einlage aus Meeresfrüchten und heimischem Fisch überzeugt uns ebenso wie der Yellowtail mit provenzalisch abgeschmecktem Gemüse.

Fazit: Es macht richtig Spaß

Es läuft noch nicht alles ganz rund in dem neuen Haus. Der Tisch, den wir auf der Dachterrasse reservieren, ist zunächst besetzt. Beim Frühstück fragen wir mehrfach nach dem Brotkorb. Und auf den zugesagten Kaffee zum Early-Bird-Check-out müssen wir verzichten. Aber das sind sicher kleine Kinderkrankheiten und auch deshalb verzeihlich, weil der Service im gesamten Hotel ansonsten kompetent, freundlich und nicht aufgesetzt ist. Da plaudern wir abends mit dem Kellner, er erzählt uns unter anderem, dass man in seiner Heimat Lesotho Ski fahren kann, und ich gucke etwas dumm aus der Wäsche – da lacht er, laut und herzhaft. Und lädt uns fröhlich zum afrikanischen Skivergnügen ein. Der Aufenthalt im alten, neuen »The Silo Hotel«: Er machte richtig Spaß!

The Silo Hotel.  Silo Square, V&A Waterfront, 8001 Cape Town, Südafrika, Tel. +27 21 671 5502, eine Nacht im DZ inkl. Frühstück kostet umgerechnet etwa € 840, inkl. sind das Parken, die Minibar, eine Flasche Sekt zur Begrüßung, der Eintritt in das Spa sowie ab Eröffnung am 23. September 2017 zwei Tickets für das Zeitz MOCAA Museum.

Unser Tipp: Nach einem Aufenthalt in Kapstadt Südafrika entdecken. Sich auf die Suche nach den schönsten Stränden des Landes machen oder einen Trip nach Johannesburg unternehmen.

 

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