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Es klingt wie ein Märchen: Der omanische Sultan Qaboos, der das Land bis zu seinem Tod im Jahr 2020 genau 50 Jahre lang regierte und in die Moderne führte, suchte nach einem Weg, sich bei einem seiner wichtigsten Berater erkenntlich zu zeigen. Schließlich machte er diesem ein wahrlich außergewöhnliches Geschenk. Er dürfe sich rund um die Hauptstadt Muscat ein beliebiges Grundstück aussuchen, um dort ein Hotel zu bauen. Einzige Auflage: Die Edelherberge solle ein Aushängeschild für die omanische Kultur und Gastfreundschaft sein. Willkommen im Shangri-La Al Husn Oman.

Text: Anna Kocherscheidt

Der Berater hätte kaum besser wählen können. Nach einem mehrstündigen Helikopter-Rundflug entschied er sich für eine geschützte Bucht am Golf von Oman, direkt am ikonischen Felsentor »Muscat Arch«. Hier ließ er 2006 einen Resortkomplex mit insgesamt 640 Zimmern erbauen, der Besuchern seither tiefe Einblicke in die omanische Lebensweise und Gastfreundschaft erlaubt.

das Shangri-La Al Husn von oben mit einer Drohne

Foto: @beautifuldestinations

Dabei richten sich die Hotels innerhalb der Anlage an verschiedene Zielgruppen: Al Waha (»die Oase«) spricht in erster Linie Familien an, Al Bandar (»die Stadt«) zeigt sich quirlig mit vielen Restaurants und Shops. Gemeinsam bilden sie die Resortanlage Shangri-La Barr Al Jissah.

Shangri-La Al Husn: das einzige Adults-only-Resort des Landes

Das Schwesterhotel Shangri-La Al Husn (»die Festung«) wiederum wurde im Mai 2018 nach intensiver Neugestaltung mit 180 Zimmern und Suiten wiedereröffnet und ist das einzige Adults-only-Resort des Landes. Inspiriert von der historischen Architektur omanischer Festungen, thront das im obersten Luxussegment rangierende Haus auf einer Klippe oberhalb des Golfs und vor der dramatischen Kulisse des kargen Gebirges im Hinterland.

Nach einer etwa 45-minütigen Fahrt vom Flughafen Muscat treten wir durch den großen Torbogen in eine duftende Oase. In einem goldenen Räuchergefäß verdampfen auf glühender Holzkohle einige Weihrauchstückchen. »Das duftende Harz war früher wertvoller als Gold und reduziert den Stress im Handumdrehen auf null«, erklärt uns Khalid Al Amri, der hauseigene Weihrauch-Sommelier. Und tatsächlich hat der wohlriechend dezente Duft wenig mit dem zu tun, was ich aus katholischen Kirchen hierzulande kenne.

Während ich mich noch staunend umsehe, eilen uns aufmerksame Mitarbeiter in langen, weißen Dishdashas, dem typischen Gewand der omanischen Männer, freundlich lächelnd entgegen und nehmen uns das Gepäck ab. Zur Begrüßung reicht man uns kühle Tücher, süße Datteln und einen Kaffee mit Rosenwasser.

Wüstentöne und der Duft von Weihrauch

Irgendetwas muss dran sein an der Wirkung des Weihrauchs – jedenfalls fällt der Anreisestress tatsächlich spätestens in dem Moment von mir ab, in dem ich mein Zimmer betrete und die dicke Winterjacke an den Haken hänge. Ich finde mich in einem knapp 50 Quadratmeter großen Wohntraum in Wüstentönen wieder. Meine Füße sinken in den weichen, cremefarbenen Teppichboden ein, meine Augen gleiten über Mobiliar aus dunklem Holz mit üppigen Schnitzereien, meine Nase saugt den Duft von Sandelholz, Weihrauch und ätherischen Ölen ein.

Zimmer im Shangri-La in Oman

Foto: Charlies Wanderings

Ich öffne die Balkontüren und lasse mich von der warmen Brise umfangen. Mein Blick schweift über den Golf von Oman, ich höre seine Wellen an den lang gezogenen Sandstrand schlagen. Die vegetationsarme Bergkette gegenüber erinnert ein wenig an einen schlafenden Drachen. Wenig später sinke ich in die weißen Laken und falle in einen tiefen, erholsamen Schlaf.

Frühstück im Restaurant »Sultanah«

Vogelgezwitscher weckt mich, die Sonne steht bereits am Himmel und das Frühstück erwartet mich. Gut, dass ich Appetit mitgebracht habe, denn das Buffet im Restaurant Sultanah ist so appetitanregend, dass ich mich unmöglich mit einem Müsli begnügen kann: Neben verschiedenen Backwaren warten frische Früchte, köstliche Mezze, unzählige Ei-Varianten, Salate, herrliche Dips und kunstvoll angerichtete Süßspeisen auf ihre Verkostung.

Frühstück im Shangri-La Al Husn

Foto: Charlies Wanderings

Danach brauche ich dringend Bewegung und muss doch nur wenige Schritte dafür gehen. Denn das ShangriLa Al Husn verfügt über eine private Marina, an der uns bereits Captain Abdullah erwartet. Seit 25 Jahren begleitet der sympathische Seebär – der von Haus aus eigentlich Fischer ist – Touristen mit seinem Boot hinaus aufs Meer. Die bunte Unterwasserwelt im Sultanat Oman zählt unter Schnorchlern und Tauchern zu Recht als Alternative zum Roten Meer, und vor der Küste rund um Muscat lassen sich mit etwas Glück sogar Walhaie sehen.

Hotel direkt am Meer

Silbrig und glatt glänzt das Meer im Sonnenlicht, doch die sanften Riesen suchen wir heute vergeblich. Dafür genießen wir die salzige Meeresluft und den grandiosen Ausblick auf die schroffe Felsenküste. Unvermittelt befinden wir uns inmitten einer Schule von 30 bis 40 Delfinen, die um unser Boot herum spielen. Ihr Anführer klatscht mit seiner Schwanzflosse immer wieder auf die Wasseroberfläche, bedeutet seinen Gefährten, ihm zu folgen.

Klippen in Oman am Shangri-La Hotel

Foto: Shangri-La al Husn

Jedes Mal, wenn die Tiere an der Oberfläche auftauchen, entsteht ein kaum wahrnehmbares, zartes Geräusch. So als tauchten sie durch Seide. Andächtig verfolgen wir das Geschehen, nach der ersten Aufregung wird es ganz still an Bord – ein echter Zen-Moment.

Bevor wir zum Hotel zurückkehren, zeigt uns Captain Abdullah eine versteckte Bucht und lässt uns nach Meeresschildkröten schnorcheln. Im aufgewirbelten Wasser sind sie heute nur schwer auszumachen. Doch wer zum richtigen Zeitpunkt reist, hat gute Chancen, die Tiere mit dem urzeitlichen Panzer sogar im Resort zu erleben.

Schildkröten-Nistplatz vor der Tür

Der Strand des Shangri-La gilt als einer von fünf offiziellen Schildkrötennistplätzen in Oman. Alljährlich zwischen Januar und Mai kommen rund 100 Tiere hierher und legen ihre Eier im Sand ab. Ein eigens hierfür engagierter Ranger kümmert sich um den Schutz der Nester, klärt Gäste über die Lebensweise der Schildkröten auf und begleitet die Jungtiere zwischen Mai und Mitte September beim Schlüpfen.

Strand beim Shangri-La in Oman

Foto: Shangri-La al Husn

Inzwischen ist es später Nachmittag. Der Innenhof des Shangri-La Al Husn rund um die hübschen Wassergärten hat sich in eine elegante Cocktail-Lounge verwandelt – ein allabendliches Ritual, das der traditionellen omanischen Gastfreundschaft Respekt zollt. Hier können die Resortgäste kostenlos bei einem Aperitif ins Gespräch kommen oder entspannt den Tag Revue passieren lassen.

Mit meinem Drink, dem ein Hauch Weihrauch den besonderen Pfiff verleiht, schlendere ich hinab zum Infinitypool. Sein türkisfarbenes Wasser scheint mit dem Golf von Oman zu verschmelzen. Während sich die Sonne allmählich zum spektakulären Finale anschickt, muss ich mich entscheiden, wo ich heute dinieren möchte: Vier Restaurants locken allein im Shangri-La Al Husn.

11 Restaurants (!) finden sich über das Gelände verteilt

Rechnet man die sieben Lokale – von arabisch über mediterran bis südamerikanisch und südostasiatisch – der beiden Schwesterresorts hinzu, kommt man auf stattliche elf Restaurants. Unmöglich, sich da zu entscheiden! Ich bitte das Universum um Hilfe und sage im Geiste so lange das Alphabet auf, bis die Sonne im Meer versinkt. Ich bin beim Buchstaben B, da zischt es leise. Das ist mein Zeichen. B wie »Bait Al Bahr«, das »Haus des Meeres«.

Paar in Oman beim Lunch am Meer

Foto: @reganhillyer

Die elegante Terrasse des Seafood-Tempels verläuft mit Blick über die Bucht oberhalb des Lazy Rivers. Während ich noch zwischen fangfrischem Lobster, Austern, Ceviche und Bouillabaisse schwanke, beobachte ich amüsiert ein paar Jugendliche, die auf dicken Gummireifen gemächlich durch den Flusslauf im schön angelegten Garten dümpeln.

Lazy River: Eine Hommage an das traditionelle Bewässerungssystem

Wie alles hier, hat auch dieser lang gezogene Pool mit Strömungsanlage eine besondere Bedeutung: »Der Lazy River ist eine Hommage an das traditionelle Bewässerungssystem in den vielen Wadis in Oman«, erklärt Jessen Soopramanien, Marketingmanager des Hotels.

Menschen in der Bar im Shangri-La in Oman

Foto: Shangri-La

Am nächsten Morgen begegne ich Khalid, dem Weihrauch-Sommelier. »Soll ich dir meine kleine Oase zeigen?«, fragt er und führt mich in den hoteleigenen Weihrauchgarten. Hier kultiviert er 21 »Luban«-Bäume, wie der Weihrauch auf Arabisch heißt. »Diese Bäume werden zwischen 60 und 100 Jahre alt und trotzen den widrigsten Bedingungen«, erklärt er mir. »Sie wachsen auf trockenen, steinigen Böden und kommen mit sehr wenig Wasser aus. Hier in Oman schätzen wir nicht nur den Duft ihres Harzes, sondern vor allem auch die nachgewiesenen gesundheitsfördernden Eigenschaften.«

Der einzige ›Luban‹-Spa des Landes

Dann gibt mir Khalid noch einen Tipp mit: »Im Shangri-La Al Husn findest du das erste und einzige ›Luban‹-Spa des Landes. Dort kannst du dich hautnah davon überzeugen.« Das lasse ich mir nicht zweimal sagen. Vor Ort begrüßt mich May Borlasa. Die gebürtige Philippinin reicht mir Hibiskussaft und ein kühles Handtuch. Für mein Treatment entscheide ich mich (natürlich!) für das edle Weihrauchöl. Eine knappe Stunde später verabschiedet sie mich – herrlich tiefenentspannt und wie neugeboren – mit einem Zitronengrastee.

Am Nachmittag stürzen wir uns ins Getümmel der omanischen Hauptstadt, besuchen die Große Sultan-QaboosMoschee mit dem berühmten riesigen Kronleuchter aus Swarovski-Kristallen und tauchen in den Mutrah Souk ein. Mit geschultem Auge erraten die Verkäufer unsere Nationalität und versuchen, uns lauthals mit deutschen Wortbrocken von ihren Waren zu überzeugen.

Zimmer im Shangri-La Al Husn

Foto: Marcelo Barbosa

Als wir am Abend schwer beladen in unsere Oase im Shangri-La Al Husn zurückkehren, schwirrt mir der Kopf vor lauter Eindrücken. Wie gut, dass unser Abschiedsabend so »reizarm« ausfällt: Auf der obersten Klippe des Resorts erwartet uns neben dem spektakulären Blick auf den Golf von Oman ein privater, mit unzähligen weichen Sitzkissen ausgestatteter und von Kerzen illuminierter Pavillon.

Der laue Wind bewegt die zarten, zur Seite gebundenen Vorhänge und setzt den »Muscat Arch« in Szene, hinter dem nun dramatisch die Sonne im Meer versinkt. Und während ich am Champagner nippe und kunstvoll arrangierte Kanapees verspeise, gebe ich mir selbst ein Versprechen: Ich werde wiederkommen.

Informationen zum Shangri-La Al Husn

Das »Shangri-La Al Husn Resort & Spa« befindet sich östlich der Stadt Muscat am Meer. Ein Deluxe Room im Shangri-La Al Husn kostet für zwei Personen ab etwa 306 Euro pro Nacht inklusive Frühstück. Auf der Webseite des Hotels bekommst du mehr Infos.

Diese grandiosen Landschaften erwarten dich bei einem Urlaub in Oman.

Portier im SHangri-La Al Husn in Oman

Foto: Shangri-La