Es muss nicht immer der Gold-Status bei Lufthansa & Co. sein: Wer sich am Frankfurter Flughafen einen VIP-Aufenthalt gönnen möchte, braucht keine Luxus-Mitgliedschaft bei einem der Bonusprogramme der Airlines. Möglich macht das der VIP-Service des Airports. Ein Besuch. Text: Frank Störbrauck

Dienstagvormittag, Flughafen Frankfurt, Terminal 1. Soeben habe ich auf den Lufthansa-Flug nach Chicago eingecheckt. Jetzt sind es noch geschlagene zwei Stunden bis zum Abflug. Normalerweise schlage ich die Zeit bis dahin auf den Shopping- und Food-Meilen entlang der Gates tot. Beobachte die anderen Passagiere oder puste die Zeit in den Raucherkabinen weg. In die schicke Airline-Lounge der Lufthansa darf ich nicht mehr. Meinen Frequent-Traveller-Status bei Miles & More habe ich irgendwann vor ein paar Jahren verloren. Seitdem bin ich auf die Plastiksitze am Gate verbannt.

Heute aber gönne ich mir einen ganz besonderen Service: den VIP-Service des Frankfurter Flughafens. Noch nie von gehört? Das verwundert kaum. Denn der VIP-Service des Airports versteckt sich. Man kann so wie ich schon dutzende Male den Flughafen zum Abflug, Umstieg oder zur Ankunft genutzt haben ohne ihm je begegnet zu sein. Was ist das also für eine Welt? Heute möchte ich das Geheimnis lüften.

Wo ist er nur, der VIP-Bereich?

Den Eingang zur VIP-Welt zu finden, ist gar nicht so einfach. Zumindest dann, wenn man nicht das »Color-«, »Clarity-« oder »Cut«-Paket des VIP-Services gebucht hat. Jedes der drei Pakete beinhaltet nämlich, dass man mit der Limousine von zu Hause aus zum Flughafen chauffiert wird. Ich aber habe nur die Basic-Version gebucht. »Carat« heißt die in der Sprache des VIP-Services. »Carat« bedeutet, dass man sich selbst zum Eingang des VIP-Reiches begeben muss. Aber wo um Himmels Willen ist der? Hinweisschilder gibt es nicht. Immerhin: Herr Schneider vom VIP-Service holt mich am Terminal 1 ab. Vom wuseligen Mittelpunkt des Terminals aus geht es in einen Seitengang, vorbei an kleinen Modeshops und Fast-Food-Imbissläden.

Plötzlich geht es links ab. Ein riesiger Eingangsbereich. Limousinen fahren vor. Ein roter Teppich ist auf dem Asphalt ausgelegt. Vor dem Eingang mit elegantem Vordach steht ein Page Spalier und grüßt freundlich. Herr Schneider, ein junger Mann, Anfang 30, übernimmt nun das Zepter und begleitet mich zu zwei Sicherheitsbeamten: »Wenn Sie kurz den Sicherheits-Check-In erledigen möchten«. Kurz ist nicht zu viel versprochen. Gerade einmal eine Minute dauert der Security-Check. Warten muss ich nicht. Ich bin der einzige Passagier, um den sich die Dame und der Herr vom Sicherheitsdienst kümmern.

Mit der Limousine geht es zu den Suiten

Anschließend geht es vorbei an der Rezeption, durch einen Gang und wieder nach draußen. Wow! Wir sind nun auf dem Vorfeldgelände, vor unserer Nase düsen Abfertigungsautos und Busse vorbei. Nur wenige Meter entfernt steht ein Riesenjumbo und wartet auf die nächsten Passagiere. Gern würde ich jetzt einfach losmarschieren und mich umsehen. Aber leider darf ich nicht das Vorfeld erkunden. Natürlich nicht. Wirklich schade. Denn spannend wäre es allemal, einmal hinter die Kulissen des größten deutschen Flughafens zu blicken. Stattdessen begleitet mich Herr Schneider zu einer Limousine. »Von hier aus fahren wir die Gäste in den eigentlichen VIP-Bereich«, erläutert er.

Limousinen des VIP-Service des Frankfurter Airports

Frankfurt Airport, VIP-Service

Es gibt zwei VIP-Bereiche, beide im Terminal 1 in den Abflugbereichen A und B. Der VIP-Bereich im Abflugbereich B ist neuer. Erst jüngst wurde er renoviert.  Bevor ich mich aber im VIP-Bereich entspannen kann, passieren wir die Passkontrolle der Bundespolizei. Okay, dann muss ich wohl noch mal raus ins öffentliche Terminal, vermute ich. Aber nichts da. Die Bundespolizei hat im VIP-Bereich ihren eigenen Platz. Eine junge Polizistin sitzt dort ziemlich verloren. Gut für mich. Ruckzuck habe ich auch diese Hürde genommen.

Regierungschefs, Schauspieler und Spitzensportler trifft man hier

Nun geht es mit dem Aufzug nach oben. Herr Schneider zeigt mir einige Lounges. Die haben mitunter mehrere Räume und sind bis zu 200 Quadratmeter groß. Richtige Luxustempel sind das. Vor einer Präsidentensuite im, sagen wir Hilton, brauchen sich diese »Wartebereiche« nicht zu verstecken. Besonders die richtigen VIPs, also die Premierminister, Staatspräsidenten, Wirtschaftsbosse, Hollywood-Schauspieler, Sportler und Stars und Sternchen aus der A-Prominentenszene buchen sich hier ein.

VIP-Service des Frankfurter Flughafens: Suite mit Aussicht

Frankfurt Airport, VIP-Service

Nicole Ebner, Chefin des VIP-Services, sagt über ihre Gäste: »Sie möchten nicht nur in einem stilvollen Heim oder Luxushotel residieren, sondern auch stilvoll reisen. Dabei geht es ihnen nicht um sehen und gesehen werden, sondern um ihre Selbstbestimmung«. Was allen VIPs gemein ist: Sie haben einen ziemlich hohen Anspruch an den Service. »Insbesondere unsere nichteuropäischen Gäste, bei denen auch kulturspezifische Serviceansprüche eine große Rolle spielen«, sagt sie. Das gelte besonders für die Gäste aus dem arabischen Raum, die samt Kind und Kegel anreisen. Nannys natürlich inklusive. Gäste, die Suiten buchen, werden dort über den Roomservice bedient. Alle Speisen und Getränke sind im Preis inkludiert. Ab Januar kommenden Jahres, so Ebner, werde man das gastronomisches Angebot außerdem um eine Gourmetkarte erweitern. Diese Speisen werden jedoch additiv angeboten werden.

Sonderwünsche kommen bei den VIP-Gästen immer wieder vor. Vom Gassi gehen mit dem Vierbeiner, dem Wunsch nach einer original indischen Küche bis hin zu ärztlichen Behandlungen in den Private-Suiten. Es gibt auch amüsante Anekdoten. »Vor kurzem hat eine bekannte Rockband mit einigen Kollegen im Brückenbauwerk ein Liedchen angestimmt. Sehr zur Belustigung der im Gate wartenden Gäste«, erzählt Ebner.

Das Boarding übernimmt der VIP-Service

Nun möchte ich aber etwas Zeit für mich haben. Schön: Dafür habe ich aber den öffentlichen Wartebereich fast ganz allein für mich. Der ist recht groß, fast 200 Quadratmeter, Raucher-Lounge inklusive. Mit dem Luxus der Suiten kann er nicht mithalten. Hellgrün gestrichene Wände, Laminatboden, Polstersitze.

Lounge im VIP-Service des Frankfurter Flughafens

Frank Störbrauck

Für alle, die einen Vergleich mit den Airline-Lounges ziehen möchten: Sehr groß ist der Unterschied nicht. Es gibt alkoholfreie Drinks, Wein, Bier, Spirituosen und ein kleines Frühstücksbuffet. Wer lesen mag, darf sich am üppig gefüllten Magazin- und Zeitungsregal bedienen. Eine junge Dame vom Service flitzt durch den riesigen Raum und erfüllt Latte-Macciato- und Espressowünsche, während ich verträumt aufs Rollfeld blicke und von den Zielen der Flieger träume, die gerade abheben.

Sitzplatz in der Lounge des VIP-Service am Frankfurter Flughafen mit Blick aufs Rollfeld

Frankfurt Airport, VIP Service

Etwas ist aber doch anders als in den Airline-Lounges: Die elektronische Anzeigetafel, auf der alle Flüge, Abflugzeiten und Gates aufgelistet und ständig aktualisiert werden, fehlt. Ich schaue irritiert in alle Ecken. Verflixt. Irgendwo muss sie doch sein.  »Das übernehmen wir allein«, sagt Herr Schneider mit sonorer Stimme und beruhigendem Blick. Ich nicke erleichtert. Sehr gut, denke ich. Wie oft habe ich am Flughafen herumgeträumt, gelesen oder andere Passagiere beobachtet und völlig vergessen, einen Blick auf die Abflugzeiten zu werfen – mit der Folge, dass das Gate zwischenzeitlich geändert wurde und ich zu der zweifelhaften Ehre kam, dass mein Name zum Boarding aufgerufen wurde.

Diskret geht es mit der Limousine direkt zum Flieger

Nach einer halben Stunde ist es dann so weit. Herr Schneider bittet mich zum Flieger. Huch, es geht wieder in die Limousine. Oje, denke ich. Werde ich jetzt etwa mit der Limousine vor den Augen aller Passagiere vorgefahren, um dann in der Holzklasse Platz zu nehmen? Wie peinlich wäre das denn? Herr Schneider beruhigt mich. Sehen wird mich niemand, bevor ich den Flieger betrete. Erleichtert lasse ich mich in den schweren Ledersitz der Limousine zurückfallen. In der Tat: Über einen Lastenaufzug geht es direkt zum Ende der Schwebebrücke, die zum Flieger führt. Plötzlich steht auch schon die Flugbegleiterin vor mir. »Willkommen an Bord«, sagt sie. »Auf Wiedersehen, Herr Störbrauck«, sagt Herr Schneider. Ja, auf Wiedersehen. Ganz bestimmt.

Preise. Das Basic-Paket »Carat« ist für derzeit 330 Euro pro Person (180 Euro jede weitere Person) zu haben. Wer sich für die Pakete »Color«, »Clarity« oder »Cut« entscheidet, wird mit der Limousine zu Hause abgeholt und darf mindestens eine Panorama-Suite benutzen (ab 480 Euro pro Person). Weitere Informationen, detaillierte Preise und inkludierte Leistungen sowie Buchung auf der Website des VIP-Service des Frankfurter Flughafens.

Wir und unsere Partner verwenden Cookies, um unsere Dienste zu erbringen und Ihnen Werbung entsprechend Ihrer Interessen anzuzeigen. Informationen zu Cookies und ihrer Deaktivierung finden Sie in unseren Cookie-Richtlinien. Durch die Nutzung unserer Internetseite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen