Im Yellowstone-Nationalpark wurde ein Mann von einem wilden Bison mehrere Meter in die Luft geschleudert, festgehalten auf Video. Wie gefährlich sind die riesigen Vierbeiner und wie verhält man sich am besten bei einer Begegnung?
Im Video geht alles ganz schnell. Gerade noch beobachten ein älterer Mann und sein Enkel ein liegendes Bison. Im nächsten Moment richtet sich das massive Tier auf, läuft staubwirbelnd auf die beiden Beobachter zu und stößt den Mann kurzerhand mit seinem Kopf mehrere Meter weit in die Luft. Der Vorfall ereignete sich am Freitagabend (10.07.) im Yellowstone-Nationalpark in den Vereinigten Staaten, in der Nähe des Yellowstone Lake.
Laut der Lokalzeitung »Cowboy State Daily« wurde der 65-Jährige unmittelbar nach der Attacke in ein nahegelegenes Krankenhaus geliefert, wo seine Verletzungen behandelt wurden. Von Seiten der Parkverwaltung gibt es bisher (Stand Dienstag, 14.07.) noch keine Stellungnahme, wie es zu dem Vorfall kommen konnte. Im Video ist zu sehen, dass Großvater und Enkel dem Tier nicht übermäßig zu nahe gekommen sind. Auch Augenzeugenberichte bestätigen laut »Cowboy State Daily«, dass die beiden das Tier nicht gereizt oder provoziert hätten. Durch die Brunftzeit, die noch bis September anhält, sind die Tiere allerdings laut Expertenmeinung schneller zu solchen Angriffen bereit.
Sind Bisons gefährlich?
Tatsächlich sind die meisten durch Tiere verursachten Verletzungen im Yellowstone laut Parkverwaltung (www.nps.gov) auf Begegnungen mit Bisons zurückzuführen. Erst am 26. Juni war ein 12-jähriges Kind im Park von einem der Tiere angegriffen worden und musste vom Notdienst ins Krankenhaus transportiert werden. Die felligen Vierbeiner sind also längst nicht so gemütlich und friedfertig, wie der erste Eindruck vermitteln könnte.
Schon die Dimensionen der Tiere sind beeindruckend. Ein männlicher Bison kann zwischen 500 und 900 Kilogramm auf die Waage bringen, bei einer Schulterhöhe zwischen gut 1,70 und 1,90 Metern. Hinzu kommt, dass die Tiere bis zu dreimal schneller laufen können als ein Mensch, im Sprint zwischen 50 und 60 Kilometern pro Stunde. Im Grunde wie ein zotteliger Kleinwagen.
Wie sollten Menschen sich in der Nähe von Bisons verhalten?
Das soll aber nicht heißen, dass Besucher etwa im Yellowstone-Nationalpark grundsätzlich das Weite suchen sollten, wenn sie eine Herde Bisons am Horizont erblicken. Die mächtigen Vierbeiner sind eine imposante Erscheinung und viele Menschen reisen extra dafür in den Nationalpark. Die goldene Regel, wie bei vielen Tierbegegnungen, lautet: Abstand halten. Denn ein Bison greift in der Regel nicht ohne Not an, sondern aus einer vom Tier wahrgenommenen Gefahrensituation.
Die Verwaltung des Nationalparks empfiehlt daher einen grundlegenden Abstand von mindestens 23 Metern. Sollte sich ein Tier nähern, müssen die Besucher den Abstand wieder vergrößern. Insbesondere, wenn Muttertiere mit Kälbern Teil der Herde sind, ist eine Extraportion Vorsicht geboten.
Warnzeichen eines agitierten Tiers sind unter anderem das Antäuschen eines Sprints, wiederholtes »Nicken« mit dem Kopf, Aufstampfen mit den Hufen, ein aufgerichteter Schwanz oder lautes Bölken. Allerspätestens dann sollten Besucher sich zügig entfernen, im Zweifel Schutz hinter einem Baum oder einem Auto suchen und zudem ein Bärenspray zur Hand haben. Im besten Fall kommt es aber gar nicht so weit.
Auch bei Begegnungen im Auto sollten Menschen sich klarmachen, dass sie im Nationalpark nur zu Gast sind. Als Maximalgeschwindigkeit empfiehlt die Parkverwaltung knapp 70 Kilometer pro Stunde. Besucher sollten sich außerdem auf einen »Bison-Stau« einstellen, also eine durch eine Herde blockierte Straße. Dann hilft nur Geduld. Das Betätigen der Hupe oder aggressives Fahren in Richtung der Tiere sind alles andere als hilfreich.
Mehr Informationen zu Bisons im Yellowstone-Nationalpark gibt es auf der Website des Parks.
Wo sind Bisons in freier Wildbahn anzutreffen?
Der Amerikanische Bison war bis zur Ankunft der Europäer fast in der gesamten nordamerikanischen Prärie sesshaft. An die 30 Millionen Tiere sollen über den Kontinent gezogen sein. Im Lauf des 19. Jahrhunderts wurden die Tiere vor allem wegen ihres Fells und zur Lederherstellung massiv bejagt und die Population gegen Ende des Jahrhunderts an den Rand der Ausrottung gebracht. Nicht zuletzt durch die Gründung des Yellowstone-Nationalparks und des Wood-Buffalo-Nationalparks konnte der Bison vor diesem Schicksal gerettet werden.
Heute gibt es in den USA wieder rund 200.000 Tiere, die meisten davon in South Dakota, Nebraska, Montana, North Dakota und Colorado. Die besten Chancen für Touristen in den Vereinigten Staaten, die Tiere zu beobachten, gibt es im Yellowstone-Nationalpark. Gut 5.000 Bisons ziehen durch den Nationalpark, die größte der Öffentlichkeit zugängliche Population in den USA.
Ebenfalls eine gute Gelegenheit zur Beobachtung von Bisons gibt es in Kanada. Gleich zwei Orte sind besonders geeignet. Zum einen der Riding Mountain National Park, vom dem unsere Redakteurin Marie sich schon ein Bild machen konnte. Zum anderen Metis Crossing in Alberta, wo die seltenen weißen Bisons leben.
Gibt es auch Bisons in Deutschland?
Tatsächlich gibt es auch in Deutschland Bisons, allerdings bei weitem nicht in so großer Zahl und auch nicht in freier Wildbahn. In der Lüneburger Heide etwa züchtet die Bisonfarm Essel (www.bisonfarm-essel.de) die Tiere, die das ganze Jahr auf dem freien Feld stehen. Besucher können nach Anmeldung stilecht mit dem Planwagen und unter kundiger Führung die Herde beobachten. Auch in Sachsen können sich Besucher Bisongehege Wermsdorf (bison-wermsdorf.de) mit mehr als 60 Bisons selbst ein Bild von den Tieren machen.
Nicht weniger imposant, aber wesentlich heimischer ist das europäische Wisent. Trotz einiger Versuche gibt es heute keine völlig freilebende Herde mehr in Deutschland. Im Wisentgehege Springe (www.wisentgehege-springe.de) südlich von Hannover und in der Wisent-Wildnis Wittgenstein (www.wisent-wildnis.de) bei Siegen können die Tiere aber in großen Gehegen ihrer Art entsprechend durch die Wälder und Felder ziehen.
Häufige Fragen zu Bisons
Was sind Bisons und wo leben sie?
Bisons sind große Wildrinder, die auf der Nordhalbkugel verbreitet sind. Es gibt den Amerikanischen Bison in Nordamerika und den Europäischen Bison, auch Wisent genannt, der heute vor allem in Osteuropa vorkommt. Sie leben in Herden und gelten als Symbol für die Wildnis Nordamerikas sowie für die ursprünglichen Wälder Europas.
Sind Bisons gefährlich für Menschen?
Ja, Bisons können für Menschen sehr gefährlich werden. Ein ausgewachsener Bulle wiegt bis zu 900 Kilogramm, läuft über 50 Stundenkilometer schnell und kann mit seinen Hörnern schwere Verletzungen verursachen. Im Yellowstone-Nationalpark verletzen Bisons mehr Besucher als jedes andere Wildtier, häufig weil der Sicherheitsabstand missachtet wird.
Wie verhält man sich richtig gegenüber Bisons?
Von Bisons ist immer ein Abstand von mindestens 25 Metern einzuhalten, besser deutlich mehr. Bei Annäherung wirken die Tiere oft ruhig, können aber bei Irritation durch Wedeln der Ohren oder Schwanzschlagen warnen. Bei Warnsignalen ist sofort zurückzuweichen, und von Fütterung oder dem Versuch, die Tiere zu berühren, ist strikt abzuraten.







