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Das Gepäck ist gepackt, die Vorfreude groß. Und dann sitzt die Familie am Gate und stellt fest, dass der Kindersitz nicht zugelassen ist, der Kinderreisepass abgelaufen und der Buggy nicht bis zum Gate erlaubt war. Fliegen mit Baby und Kleinkind gelingt, wenn die Vorbereitung stimmt. Das müssen Eltern vor dem Flug mit Baby wissen!

Was den Unterschied macht zwischen einem Familienflug, der gelingt, und einem, der in Erinnerung bleibt aus den falschen Gründen? Meistens sind es keine dramatischen Fehler, sondern Fragen, die einfach zu spät gestellt wurden. Die gute Nachricht: Die meisten davon lassen sich in Ruhe klären, lange bevor es ans Gate geht.

Kleinkind am Flughafen

Foto: Vladimir Haltakov

Clever abheben: Planung ist die halbe Reise

Der häufigste Fehler beginnt beim Buchen. Wer zum günstigsten Ticket greift, ohne auf die Abflugzeit zu achten, zahlt das später mit Nerven. Bei einem Flug am frühen Abend, wenn Babys oder Kleinkinder ohnehin müde sind, haben Eltern gute Chancen, dass ein Teil der Reise verschlafen wird. Ein Nachtflug auf der Langstrecke funktioniert nach demselben Prinzip. Der vermeintlich günstige Anschlussflug mit zwei Umstiegen und fünf Stunden Wartezeit hingegen ist mit kleinen Kindern eine Rechnung, die sich fast nie auszahlt, auch wenn der Taschenrechner kurzzeitig etwas anderes behauptet.

Direktflüge oder Verbindungen mit einem gut getimten Umstieg kosten manchmal mehr. Sie reduzieren aber den Aufwand erheblich, gerade wenn das Kind sonst um Mitternacht durch einen fremden Terminal getragen werden müsste. Genauso wichtig ist ein genauer Blick auf die Airline selbst: Gibt es bevorzugtes Boarding für Familien? Werden Bassinets auf der Langstrecke angeboten, von Fluggesellschaften bereitgestellte Babybettchen, die an der Trennwand in der ersten Reihe angebracht werden? Gibt es kindgerechte Mahlzeiten? Das sind keine Komfortfragen, sondern handfeste Planungsgrundlage.

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Baby im Bassinet im Flugzeug

Foto: Dmitry Dven/Shutterstock.com

Zum Vorlauf gehört außerdem ein Termin beim Kinderarzt: Flugtauglichkeit, aktueller Impfstatus und eine gut sortierte Reiseapotheke sollten vor dem Packen geklärt sein. Eine Reisekrankenversicherung mit medizinisch sinnvollem Rücktransport ist außerhalb Europas unverzichtbar. Eine Reiserücktrittsversicherung schützt, wenn kurz vor Abflug ein Infekt alle Pläne durchkreuzt, was bei kleinen Kindern nicht selten vorkommt.

Papierkram ohne Drama: Dokumente richtig vorbereiten

Beim Thema Dokumente lohnt besondere Sorgfalt. Jedes Kind braucht ein eigenes Ausweisdokument, vom Neugeborenen bis zum Teenager. Ein Eintrag im Pass der Eltern genügt nicht und kann dazu führen, dass die Reise am Check-in endet, bevor sie begonnen hat. Für Flüge innerhalb des Schengen-Raums reicht in der Regel ein Personalausweis, der in Deutschland ab Geburt ausgestellt werden kann. Für Fernreisen in die USA, nach Asien oder Afrika ist ein biometrischer Reisepass mit Chip Pflicht.

Wer noch ältere Dokumente besitzt, sollte wissen: Der Kinderreisepass wurde in Deutschland zum 1. Januar 2024 abgeschafft. Bereits ausgestellte Exemplare laufen zwar weiter, werden außerhalb der EU aber nicht überall anerkannt. Ein vollwertiger Reisepass ist die unkompliziertere Lösung. Reisen Kinder nicht mit beiden Sorgeberechtigten, sondern mit Großeltern oder befreundeten Familien, verlangen viele Länder zusätzlich eine schriftliche Reisevollmacht sowie Ausweiskopien der Eltern. Das gilt oft auch, wenn das Kind nur mit einem Elternteil verreist. Die Anforderungen unterscheiden sich von Land zu Land, weshalb ein Blick auf die Webseiten des Auswärtigen Amts und der Bundespolizei vor jeder Reise sinnvoll ist.

Schoß oder Sitz? Die Sicherheitsfrage

Auch an Bord bleibt die Sicherheitsfrage relevant. Kinder unter zwei Jahren können als sogenanntes Schoßkind mit einem zusätzlichen Schlaufengurt reisen. Sicherer ist ein eigener Sitzplatz mit vertrautem Kindersitz. Kinder ab zwei Jahren benötigen ohnehin einen eigenen Platz.

Mutter sitzt mit Baby im Flugzeug am Fenster

Kaspars Grinvalds/Shutterstock.com

Fachstellen empfehlen Kinderrückhaltesysteme oft bis etwa 1,25 Meter Körpergröße. Wer den Autositz mit an Bord nehmen möchte, muss fast immer einen zusätzlichen Kindersitzplatz buchen, denn ohne gebuchten Platz gibt es keinen Sitz, auf dem sich irgendetwas befestigen ließe. Nicht jeder Autositz ist dabei automatisch zugelassen. Akzeptiert werden in der Regel nur Modelle nach ECE R44-03/04 oder R129 mit dem Hinweis »For use in aircraft«.

Viele Airlines beschränken die Nutzung auf bestimmte Reihen und prüfen die Sitze beim Boarding. Wer frühzeitig bei der Airline nachfragt, Modellbezeichnung und Zulassungsschild bereithält und eine schriftliche Bestätigung einholt, spart sich Diskussionen am Gate.

Handgepäck-Helden: Was wirklich an Bord muss

Beim Aufgabegepäck lohnt ein genauer Blick in die Tarifbedingungen. Viele Airlines erlauben pro Kind die kostenlose Aufgabe von Buggy und Kindersitz im Frachtraum, andere sind restriktiver. Wer das vorher weiß, erlebt beim Check-in keine teuren Überraschungen. An vielen Flughäfen lässt sich der Buggy bis zum Gate mitnehmen und erst dort einchecken, was auf langen Terminalwegen ein erheblicher Vorteil ist. Nach der Landung steht er allerdings nicht immer direkt an der Flugzeugtür, sondern kommt manchmal am Sperrgepäckband an. Eine Trage als Backup macht die Ankunft dann deutlich einfacher.

Fliegen mit Kleinkind und Baby Tipps: Genug Beschäftigung und Spielzeug mit ins Flugzeug nehmen

Foto: Lenar Nigmatullin/Shutterstock.com

Das Handgepäck entscheidet darüber, wie sich die Stunden in der Kabine anfühlen. Windeln, Feuchttücher, Wechselkleidung für Kind und begleitenden Erwachsenen, Babynahrung sowie eine kleine Reiseapotheke gehören so verstaut, dass sie im engen Gang schnell erreichbar sind. Babynahrung darf die Sicherheitskontrolle in üblichen Mengen passieren, auch wenn einzelne Packungen mehr als 100 Milliliter fassen. Für Kleinkinder empfehlen sich Snacks, die weder kleben noch zerbröseln, sowie Beschäftigung in kurzen Einheiten: ein Hörspiel, dann Malen, dann ein kleines Reisespiel. Ein neues Stickerheft oder ein Bilderbuch als stille Reserve für schwierige Momente kann in großer Höhe erstaunlich viel bewirken. Wer Serien oder Kinder-Apps auf ein Tablet lädt und kindgerechte Kopfhörer einpackt, hat eine weitere Option in der Hinterhand.

Ohren auf Durchzug: Druckausgleich leicht gemacht

Am Flughafen hilft großzügige Zeitplanung mehr als jeder andere Trick. Wer entspannt durch Check-in und Sicherheitskontrolle möchte, plant Puffer für ungeplante Wickel- und Toilettenstopps ein, und davon gibt es erfahrungsgemäß immer einen mehr als gedacht. Kurz vor dem Boarding empfiehlt sich ein letzter Wickel- und Snackstopp, damit Kinder satt und frisch in die Kabine kommen. Beim Start und bei der Landung hilft Saugen und Schlucken gegen den Druckausgleich im Ohr. Für Babys sind Stillen, Fläschchen oder Schnuller ideal, für Kleinkinder Kaubonbons oder Trinken durch einen Strohhalm. Ist das Kind verschnupft, gehört ein kurzer Check beim Kinderarzt zur Vorbereitung.

Fliegen mit Baby und Kleinkind Tipps: Schlafendes Kind im Flugzeug mit Flasche und Kuscheltier

Foto: FamVeld/Shutterstock.com

An Bord helfen vertraute Rituale oft mehr als neues Spielzeug. Wer zu Hause mit Schlafsack, einer bestimmten Musik oder einem Gute-Nacht-Buch einschläft, nimmt dieses Ritual einfach mit. Kinder verstehen, warum Anschnallen bei Turbulenzen wichtig ist, wenn es ihnen in einfachen Worten erklärt wird. Sobald das Anschnallzeichen erlischt, tun kleine Bewegungsrunden gut.

Ankommen statt ausrasten: Warum Perfektion überbewertet ist

Ein Flug mit Baby oder Kleinkind bleibt eine Ausnahmesituation, egal wie gut vorbereitet. Kinder weinen, quengeln und überdrehen. Das ist kein Versagen, das ist Normalzustand. Eltern, die die Erwartung an einen reibungslosen Ablauf loslassen, kommen entspannter ans Ziel als jene, die gegen jede Abweichung ankämpfen. Eine klare Aufgabenverteilung unter den Erwachsenen, kurze Pausen zum Durchatmen und die Erkenntnis, dass in großer Höhe schlicht nicht mehr möglich ist, sind die ruhigsten Begleiter auf jeder Familienreise. Das Ziel ist nicht der perfekte Flug. Es ist der Anfang des gemeinsamen Urlaubs.

ein Großvater mit Kleinkind im Flugzeug

Foto: MEDIAIMAG/Shutterstock.com