Beirut boomt. In der libanesischen Hauptstadt herrscht eine elektrisierende enthusiastische Stimmung. Das Four Seasons Beirut ist auch hier absoluter Vorreiter. Text: Jennifer Latuperisa

Seine Zähne sind strahlend weiß. Er lächelt jetzt bestimmt schon eine halbe Stunde ununterbrochen und wird auch bei meiner zwanzigsten dummen Frage nicht müde, mir alles zu erklären, die Orte auf einem Stadtplan zu markieren und mir wieder und wieder Empfehlungen auszusprechen. Mohammed ist Concierge im Four Seasons Beirut – und ich glaube, er lernt noch. Nichts für ungut. Der Mann ist adrett, attraktiv und offen, stets freundlich und hilfsbereit, aber seine Beziehungen reichen noch nicht weit genug, um ein richtig guter Concierge in einem Fünf-Sterne-Hotel zu sein. Aber auch das, ehrlich, ist kein Manko, sondern sympathisch. Zwar ab und an etwas unpraktisch, aber jeder fängt einmal an. Die Chancen, in Beirut ein exzellentes Netzwerk aufzubauen, um in der Sternehotellerie die Gäste so zu verwöhnen wie ein Hotelconcierge in Rom, der seinen Beruf schon seit Jahrzehnten ausübt, ist fast unmöglich. Der Krieg 2006 und die inneren Unruhen haben die touristischen Projekte Beiruts gestoppt.

So wie auch den Bau und die Eröffnung des Four Seasons an der Corniche dieser Stadt. Schon vor 15 Jahren war von einem Luxushotel der kanadischen Gruppe in der libanesischen Hauptstadt die Rede, doch leider kam alles anders – und so konnte der 25-stöckige Glaspalast erst im Januar 2010 eröffnet werden. Mohammed hat den Telefonhörer in der Hand. Er ist auf der eifrigen Suche nach einer netten Lokalität für ein Abendessen. Jung und hip soll es sein – so meine Anweisungen. Anfänglich hat er gelächelt und »no problem« gesagt. Aber es ist Ostern, und das macht es Mohammed schwer, seine Prophezeiung zu erfüllen. Entweder sind die Restaurants, die in seinem Adressbüchlein stehen, geschlossen oder bereits ausgebucht. Mohammed lächelt immer noch, auch ohne Tischreservierung. Die Situation verkauft er mir ganz charmant. So charmant, dass ich mich nicht traue zu sagen, dass ein richtig guter Concierge die Wörtchen »fully booked« selten ausspricht, und schon gar nicht bei einem so banalen Anliegen. Aber das muss Mohammed noch lernen. Ergo: kein Tisch, kein Abendessen, kein hippes Lokal. Selbst suchen ist gefordert. Dennoch, Concierge Mohammed hat mich verzaubert. Trotz Erfolglosigkeit gebe ich ihm ein Trinkgeld, für die Bemühungen und als Ansporn für die Zukunft. Denn ich fühlte mich umsorgt – und das ist die Hauptsache.

Mein hilfloser Blick bugsiert mich zum Kuchenbuffet

Die Beratung im Café »The Boulevard« ist dagegen wesentlich ergebnisorientierter. Meinen hilflosen Blick aufschnappend, führt die Servicekraft mich in die köstlichen Weisheiten des Kuchenbuffets ein. Und dort liegt ein Leckerbissen neben dem nächsten. Selbst eine »echte« Sacher-Torte wird aus Wien eingeflogen – immerhin die Königin unter den Süßspeisen. Die unter Glasglocken präsentierten Kuchenmuster wie Eclairs oder Käsekuchen sehen allesamt verlockend aus, ich werde jedoch zu einem Stück überredet, das ich mir persönlich niemals ausgesucht hätte. Ein Stück Himbeertarte. Jeder Bissen ist ein Traum. Servicekraft Elie hat mir einen glücklichen Moment geschenkt. Die Frau weiß einfach, was schmeckt.

Als ich das Hotel besuche, ist der Rooftop-Pool noch nicht eröffnet. Wie aufregend muss das sein, über der Metropole auf der 26. Etage eines Luxushotels zu schwimmen. Ich finde die Aussicht aus meinem 21. Stockwerk schon spannend. Jedes Zimmer hat zudem einen Balkon mit einer Liege, die sich zum Genießen der Mittelmeer­sonne eignet. Und zum Ausruhen, denn in Beirut beginnt das Leben, wenn die Sonne untergeht. Also noch ein wenig das Nichtstun genießen. Am liebsten mit einem Cocktail. Die Bar, ein wirklich imposanter Teil des Restaurants, tagsüber hinter einem schweren samtigen Vorhang versteckt, ist noch nicht geöffnet. Also muss der Roomservice etwas zaubern. Der arme Nazir hat einen Gast mit sehr unpräzisen Wünschen am Telefon. Ohne Karte fällt es mir immer schwer, mich für etwas zu entscheiden. Er erkennt meine Schwierigkeiten und empfiehlt mir spontan einen libanesischen Wein. Obwohl ich eigentlich keinen Wein trinken wollte, überzeugt mich seine Beschreibung. Als ich bei Sonnenuntergang von diesem vollmundigen, geschmeidigen Roten probiere, muss ich Nazir vollkommen recht geben. Der beste Drink für einen gelungenen Abendbeginn.

Ein perfektes Team hat Hoteldirektor Stefan Simkovics noch nicht in Beirut – aber alle sind bemüht, geduldig und enthusiastisch, wie ich es selten in einem anderen Hotel erlebt habe. Es ist fast so, als wäre jeder, der hier arbeitet, unglaublich stolz auf seinen Arbeitsplatz. Stefan Simkovics selbst hat gesagt: »Jedes Hotel hat eine Dekoration, schöne Blumen und Komfort. Aber unser Team leuchtet am Servicehimmel.« Recht hat er, auch wenn bei Mohammed momentan erstrangig die Zähne glänzen. Doch eines Tages wird er der beste Concierge des Libanons sein. 

Four Seasons Beirut. 1418 Professor Wafic Sinno Avenue, Minet El Hosn, Beirut, Lebanon 2020 4107, Resevierungstel.: 00 800  64886488,  www.fourseasons.com

Preise. Ein Standard-Room mit City View kostet pro Nacht im DZ € 375 ohne Frühstück

Anreise.
Germania fliegt ab Düsseldorf und Berlin insgesamt dreimal pro Woche nach Beirut. Ein Oneway-Flugticket kostet ab € 149 (inkl. Steuern und Gebühren). Tickets sind im Internet unter www.flygermania.de sowie im Reisebüro buchbar. Bitte beachten: Mit einem israelischen Stempel im Pass darf man nicht in den Libanon einreisen, zudem ist es ratsam, Dollars mitzunehmen, die sind gern gesehen

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