Sarah Magnusson (43) ist Tochter einer Isländerin und eines Deutschen. Als Kind ist sie in Island zur Schule gegangen. Heute lebt sie in Köln, reist aber immer wieder in ihre zweite Heimat – zuletzt beim ersten Ausbruch des Vulkans Fagradalsfjall im August 2021. Ihre liebste Reisezeit ist im Juni, wenn die Nächste hell bleiben. Als die Islander bei der Fußball-EM 2016 die Herzen Europas eroberten, machte sie den Stammbuch-Test, in Island sehr unkompliziert über eine Datenbank möglich: Sie war mit sämtlichen Fußballspielern der isländischen Nationalmannschaft verwandt. Hier schreibt sie über ihre Lieblingsorte. 

1. Wandern im Nationalpark Thingvellir

Der Nationalpark Thingvellir ist für viele Island-Besucher nur einer von drei Stopps, wenn sie die sogenannte »Golden Circle«-Tour inklusive Geysir und Gullfoss-Wasserfall als Tagestrip von Reykjavik aus absolvieren. Ein Skandal! Nein, es reicht nicht, einmal genau zwischen der europäischen und der amerikanischen Erdplatte zu stehen und dann wieder sofort zum Auto oder Bus zurückzulaufen. Der geschichtsträchtige Nationalpark, in dem die Isländer das Parlament erfunden haben, ist riesig und will in langen, wunderschönen Spaziergängen erkundet werden. Auf dem Weg zurück nach Reykjavik unbedingt Halt machen im »Fontana Spa«. Wer sich dort in die Dampfbäder setzt, kann die darunter liegenden heißen Quellen laut blubbern hören – Abkühlung verschafft der um die vier Grad kalte See Laugarvatn.

Wanderer im Thingvellir Nationalpark in Island

Alex He

2. Tauchparadies

Wer tauchen liebt und ziemlich kaltes Wasser nicht scheut, hat in Island mindestens zwei atemberaubende Anlaufstationen: den Nationalpark Thingvellir oder den See Kleivarvatn, nur eine gute halbe Stunde Fahrtzeit von Reykjavik entfernt. Man kann in dem acht Kilometer großen See zu heißen Unterwasserquellen tauchen – natürlich nicht auf eigene Faust! Aber auch zum Spazieren und Fotografieren ist der See mit den ihn umgebenden bizarren Lavaformationen ein Erlebnis. Und zudem bestens geeignet, wenn man nur noch Zeit für einen Halbtagestrip auf der Insel übrig hat. Das Heißquellengebiet Krysuvik ganz in der Nähe bietet neben höllischem Eiergestank faszinierend blubbernde Schlammlöcher und kochendes Wasser in der Erde.

Heißquellengebiet Krísuvík

Ragnar Th Sigurðsson

3. Wasserfall-Wanderung am Skógarfoss

Die Ringstraße 1, die von Reykjavik in den Süden Islands führt, ist geradezu gepflastert mit Wasserfällen am Wegesrand, gerne umzingelt von Hunderten Autos auf den Besucher-Parkplätzen davor. Aber auch im sehr touristischen Süden Islands ist es wie an so vielen Orten auf der Insel: Wer nicht nur vor den Attraktionen stehen bleibt, sondern nur ein paar Schritte weitergeht, hat die Erhabenheit der Natur praktisch für sich allein. Eine der schönsten Wandermöglichkeiten im Süden: Wer die hohe Treppe neben dem Skógarfoss-Wasserfall auf sich nimmt, kann von dort mit nur leichter Steigung eine ganze Reihe weiterer wunderschöner Wasserfälle erwandern. Das lohnt sich sogar für nur eine Wanderstunde, etwas mehr Zeit ist natürlich noch besser.

Regenbogen vor dem Skogafass-Wasserfall

Páll Jökull Pétursson

4. Der blaueste Wasserfall Islands

Fifty Shades of Wasser hat Island zu bieten, mindestens. Graues Gletscherwasser, grüne Seen, dunkles Meer – und einen Wasserfall, der als der blaueste von ganz Island gilt. Der Brúarfoss (Brücken-Wasserfall) ist aber nicht nur wegen seiner Farbe eine Entdeckung wert: Isländer, die stets versuchen, den Touristenmassen aus dem Weg zu gehen, schätzen ihn, weil er erwandert werden muss. Obwohl der Parkplatz, von dem die Wanderung aus beginnt, nicht weit von dem fast immer völlig überlaufenen Geysir im »Golden Circle« zu finden ist, hat man diesen Wasserfall oft für sich allein. Man passiert zwei weitere Wasserfälle auf der 3,5 Kilometer langen, unbeschwerlichen Wanderung, bis endlich die Brücke auftaucht, die dem dahinter auftauchenden Naturwunder seinen Namen gegeben hat.

Einer unserer Lieblingsorte in Island ist der Bruarfoss-Wasserfall - Der blauste Wasserfall Islands

Danny Jongerius

5. Vulkaninsel Vestmannaeyjar

Man stelle sich vor, man bewohnt eine kleine Insel, auf der nachts plötzlich ein Vulkan ausbricht: Ist genauso passiert im Jahr 1973 auf Vestmannaeyjar im Süden Islands. Die Bewohner hatten Glück: Weil wegen rauer See ungewohnt viele Fischerboote nachts im Hafen lagen, ging die Evakuierung schnell. Ein Mensch starb jedoch. Mit Löschbooten verhinderten die Isländer in einem mehrwöchigen Kampf nur knapp, dass der ins Meer laufende Lavastrom den Hafen nicht einschloss. Das hätte die Insel unbewohnbar gemacht. Noch heute liegen Häuser auf der Insel halb unter Lava begraben, das allein ist schon die Reise dorthin wert. Wer in Ruhe ein paar Runden auf dem nördlichsten Golfplatz der Welt spielen oder das Vulkanmuseum besuchen möchte, sollte eine Übernachtung einplanen. Aber auch ein Tagestrip auf die Insel – morgens mit der Fähre hin und abends zurück – lohnt sich unbedingt.

Empfehlung: Nicht nur den Vulkan, auf Isländisch Feuerberg, besteigen für eine fantastische Aussicht, sondern auch noch einen Bootstrip rund um die vielen Felsen der Insel buchen. Dort gibt es nicht nur Papageientaucher und andere faszinierende Wasservögel, sondern auch einen riesigen steinernen Elefanten zu entdecken.

Vulkaninsel Vestmannaeyjar im Süden Insel, einer der Geheimtipps für Island

Haukur Snorrason

6. Whale Watching in Húsavík

Húsavík ist eindeutig der beste Ort in Island, um Wale zu beobachten. Und ohne Walerlebnis sollte man die Insel tunlichst nicht verlassen. Sehr zu empfehlen: die teurere Speedboat-Variante, denn damit kommt man den aus dem Wasser ragenden Walflossen sehr nah. Wer Húsavík besuchen will, sollte vorher den zugegeben etwas albernen Hollywood-Film »Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga« gesehen haben, der die ESC-Leidenschaft der Isländer aufs Korn nimmt: Húsavík spielt darin eine zentrale Rolle und ist seitdem zum Pilgerort für ESC-Fans geworden.

Nach der Waltour lohnt sich eine Hummersuppe in einem der gemütlichen Restaurants am Hafen oder aber das beeindruckende Thermalbad »Geosea Husavik«, das bei den Isländern als schönstes im Norden gilt. Wer nicht in Húsavík übernachten will: Die kleine Luxus-Ferienhaus-Siedlung »Svarta Borg« liegt nur 30 Kilometer weit entfernt. Jedes Häuschen ist mit einem Hot Pot auf der Veranda ausgestattet, in wolkenfreien Nächten schaut man von dort hoch in einen der unglaublichsten Sternenhimmel.

Whale Watching Tour in Husavik

Remizov/ Shutterstock.com

7. Geheimtipps für Island: Schwimmbad in Hofsós

Ob in Hot Pots, Pools, warmen Quellen oder heißen Flüssen: In keinem Land der Welt ist Baden im Freien so fantastisch möglich, gemütlich, abwechslungsreich und abenteuerlich wie in Island. Ein tägliches Muss. Die Touristen-Badewanne »Blaue Lagune« meiden Isländer wie der Teufel das Weihwasser, doch in allen anderen heißen Töpfen treffen sie sich am liebsten stundenlang, um hingebungsvoll über das Wetter und andere inselbewegende Nachrichten zu philosophieren. Das spektakulärste Freibad der Insel versteckt sich im unspektakulären Örtchen Hofsós im Nordwesten. Die 170 Einwohner sind mächtig stolz auf ihr in den Hang gebautes Becken, das einen herrlichen Blick auf den in der Sonne glitzernden Fjord bietet. Eine reiche Einwoh- nerin hat ihrem Dorf den Quasi-Infinity-Pool mit Walaussichtschancen gespendet.

Die einzige weitere Attraktion, eine alte Kirche, steht praktischerweise gleich gegenüber. In den zwei heißen Töpfen neben dem großen Becken finden sich nach Feierabend Einheimische dicht an dicht neben Touristen – ideal, um ins Gespräch zu kommen.

Schwimmbad in Hofsós bei Sonnenuntergang

Visit North Iceland

8. Elfen begegnen in der Schlucht Ásbyrgi

Die Schlucht Ásbyrgi im Norden Islands haben viele Touristen nicht auf dem Schirm. Für Isländer gilt sie als ein magischer Ort, was – natürlich – auch bedeutet, dass Elfen und Götter im Spiel sind. Die Form der Schlucht ist hufeisenförmig, Saga-Island hat dazu die passende Geschichte geschmiedet: Das achtbeinige Pferd Sleipnir des Gottes Odin soll hier einen seiner Hufe in die Erde gebohrt haben. Außerdem gilt Ásbyrgi offiziell als Elfenhauptstadt Islands. Wer zu dem wie verzaubert wirkenden See unterhalb der Schlucht spaziert, kann die Popularität dieses Orts beim verborgenen Volk sofort verstehen. Hier ist die Ruhe geradezu erfunden worden.

Ásbyrgi Schlucht bei Sonnenuntergang, einer unserer Geheimtipps für Island

Visit North Iceland

9. Papageientaucher-Paradies

Die Insel Drangey ist nichts für Höhenängstliche: Aber wer sich die steilere Aufstiegspassage über eine Leiter auf das Plateau der Insel zutraut, kann anschließend mit diversen Mitgliedern der größten Papageientaucher-Brutkolonie Islands Bekanntschaft machen. So nahe kommt man den hübschen kleinen Vögeln, die die Insel mit Gängen unterhöhlt haben, und ihren Partnern, denen sie beneidenswert treu sind, nirgends.

Das kleine Boot vom Festland auf die Insel wird von Viggo Jonsson und seinem Sohn Helgi Rafn gesteuert. Der kleine Familienbetrieb bringt Besucher von Mai bis September auf die schroffe Vogelinsel, darunter auch etliche Hollywood-Stars. Bei der einstündigen Tour auf der Insel erzählt Helgi Rafn neben vielen weiteren unterhaltsamen Geschichten auch die Saga von Grettir dem Starken, der als Outlaw auf der Insel Zuflucht suchte. Auf dem Campingplatz Reykir, wo das Boot ablegt, stehen zwei in den Boden gehauene Hot Pots, in denen sich schon Grettir nach seinen Trips durch den eiskalten Fjord aufgewärmt haben soll. Ein perfekter Abschluss nach der Tour.

Papageientaucher hat Fische im Schnabel

Glen Hooper

10. Dorf am Ende der Welt

Wer sich schon mal gefragt, wo sich das Dorf am Ende der Welt eigentlich befindet, der sollte doch mal nach Seyðisfjörður fahren. Um zu diesem Bilderbuch-Fischer-Örtchen zu gelangen, muss man entweder mehrere Tage mit der Autofähre von Dänemark oder von den Färöer-Inseln über den Ozean schippern oder mit dem Auto von Egilsstaðir, der größten Stadt im Westen, über einen sehr hohen Pass dorthin gelangen. (Bitte oben einmal aussteigen, die Aussicht ist spektakulär.) Die isländische Fernsehserie »Trapped« aus dem Jahr 2015 soll in Seyðisfjörður spielen – wirkt im dunklen Winter aber alles andere als einladend.

Im Sommer sind die bunt angemalten Häuser, Cafés und Straßen mindestens einen Kurzbesuch, wenn nicht sogar eine Übernachtung wert. Und wenn man es schon in den Westen Islands geschafft haben, den viele Touristen wegen vermeintlich mangelnder Attraktionen gar nicht erst ansteuern: Ein Abstecher zu den heißen Quellen »Vök Baths« in Egilsstaðir, wo die heißen Pötte mitten in einem Fluss liegen, lohnt sich unbedingt. Denn wie gesagt: Baden! Jeden Tag!

Mann schwimmt im isländischen Vök Baths

Vök Baths