Was ergibt lässiges karibisches Lebensgefühl plus britische Kultiviertheit? Die British Virgin Islands! Ein Geheimtipp unter den Karibikinseln, wo Segler reichlich Wind und Ruhesuchende Luxus und Abgeschiedenheit finden. Text: Ulrike Klaas

USA und Großbritannien liegen nur zwei Kilometer auseinander. Zwischen ihnen tobt die karibische See. Die Insel St. John gehört zu den US Virgin Islands, einem amerikanischen Überseegebiet in der Karibik, und die Insel Tortula zu den British Virgin Islands (BVI). Der Weg zwischen St. John und Tortula führt gewissermaßen nach Holland: Die Insel Jost van Dyke, ebenfalls zum britischen Überseegebiet gehörend, wurde nach dem holländischen Piraten benannt. Er war dort einer der ersten Siedler.

Lässige Sunnyboys am Strand

In der Bucht »White Bay« auf Jost van Dyke schaukeln große und kleine Segelboote, Katamarane und Jachten. Hängematten spannen sich zwischen den Palmen vor den Bars, die aus Holzbrettern zusammengenagelt  sind. Am Strand sonnen sich die Segler und schlürfen Cocktails aus bunt bedruckten Plastikbechern. Reggae-Musik mischt sich mit dem Jauchzen und Jubeln der Jugendlichen, die nach dem Beachvolleyball-Match  im Wasser Abkühlung suchen.

Ulrike Klaas

Über der Kasse der Soggy Dollar Bar hängen aufgereiht die nassen Dollarscheine. Sie zeugen davon, dass auch heute die Tradition lebendig ist, sich erst einen Dollar in die Badehose zu stecken, dann über die Rehling zu springen und sich an Land einen Painkiller zu genehmigen. Der süße Schmerzlöscher aus Ananas- und Orangensaft, Kokosmark, Rum sowie geraspelter Muskatnuss ist das Nationalgetränk der BVIaner.

Dieser schmeckt am besten, wenn es schaukelt – entweder in der Hängematte oder auf dem Boot. Denn ein Segeltörn gehört zu einem Urlaub auf den British Virgin Islands wie Sonnencreme auf die Haut. Es ist die einfachste Art, das britische Überseegebiet und seine 60 Inseln zu erkunden.

Tortula ist die größte und quirligste Insel

Von den 20.000 Einwohnern des Inselreiches leben 16.000 auf Tortula. Es ist die größte Insel des Überseegebiets. Statt Teetime gibt es Rum-Time im Pusser’s. Dort werden in urigem Ambiente die besten Cocktails gemixt. Gezahlt wird mit dem US-Dollar. Auch wenn der amerikanische Einfluss überall spürbar ist: Die Insulaner sind stolz darauf, keine internationale Fastfoodkette zu beheimaten.

Shop auf Tortula auf den British Virgin Islands

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Stattdessen isst man bei Mrs. Scatlife, die das beste Huhn in Kokosnusssoße zubereitet, das die Insel zu bieten hat. Die ältere Dame kredenzt den Gästen ihre Mahlzeiten im eigenen Wohnzimmer. Massentourismus gibt es nicht und so führen auch nur zwei geteerte Straßen über die hügelige Insel. In der Haupstadt Road Town regelt eine Ampel den Verkehr. Vor zehn Jahren füllte sie wochenlang mit ihrer Funktionsweise die ortsansässige Zeitung »Island Sun«. Über Mord und Totschlag berichtet die Zeitung nie. Es gibt keinen.

Bei so viel Idylle verwundert es nicht, dass die meisten der handverlesenen Hotels keine Türschlösser benötigen wie das Biras Creek Resort auf Virgin Gorda. Das beschauliche Inselchen ist bei Honeymoonern äußerst beliebt. Morgens frühstücken sie mit Blick auf die Bucht »Eggs Benedict« mit Shrimps und genießen den Blick sowie die Zweisamkeit. In der Ferne schaukeln Segelboote, ihr Weiß steht im Kontrast zum Blau des Wassers und dem Grün der unbebauten Hänge. Ab und an unterbrechen das Krächzen einer Möwe oder ein in der Ferne vorbeisummendes Golfcaddy die Ruhe.

Promireich auf den British Virgin Islands

Resorts wie das Biras Creek, wo schon Michael Douglas und Gattin Catherine Zeta-Jones turtelten, sind typisch für das Inselreich. Gebaut wurde nach dem Motto »Qualität statt Quantität«. So haben auch Prominente die Inselkette längst als Rückzugsort auserkoren.

Traumhaft diese BVIs

Ulrike Klaas

Der amerikanische Schauspieler Morgan Freemann besitzt auf Virgin Gorda sogar ein Anwesen. Model Kate Moss dagegen wollte nicht gleich investieren. Sie mietete mehrmals das feudale Ferienhaus »Frenchmans Lookout« auf Tortula. »Seien Sie unbesorgt, das Model urlaubte hier in der Vor-Pete-Ära«, sagt Verwalterin Lissy. Es sei also alles ganz geblieben. Das hübsche Anwesen im Kolonialstil ist von rot blühenden Flammenbäumen umgeben. Und die Veranda, an deren Ecksäulen Hängematte gespannt sind, zieht sich um das ganz Haus. Von ihr, aber auch vom Pool aus blickt man auf St. John, die amerikanische Jungferninsel, sowie auf kleine unbewohnte Vulkaninseln. Zwischen ihnen versinkt abends die Sonne und taucht alles in ein leuchtendes Orange.

Luxus pur auf Peter Islands

Noch luxuriöser geht es auf der größten Privatinsel der British Virgin Islands zu. Auf Peter Islands gibt es drei Riesenvillen in den Hügeln zu mieten. Jede bietet neben einem geräumigen Haupthaus noch drei kleinere Bungalows. Am Abend treffen sich die Gäste der Villa dann am hauseigenen Infinity-Pool, wo der Koch Lobster grillt, während der Butler den gekühlten Champagner in die Gläser gießt. Wer dann noch nicht entspannt ist, kann sich im hauseigenen Spa durchkneten lassen und sich völlig dem Motto der BVIs hingeben: »Just Liming!«, »Immer locker bleiben!«

Anreise. Air France fliegt von mehreren deutschen Flughäfen via Paris nach St. Marteen auf den British Virgin Islands. Von dort fliegt Winair täglich Beef Islands an. www.airfrance.de, www.fly-winair.com

Hotels. Biras Creek Resort auf Virgin Gorda, www.biras.com;
Peter Island Resort, www.peterisland.com;
Villa Frenchman’s Lookout auf Tortula, www.frenchmanslookout.com

Segeln. Boote zu mieten über kh+p Yachtcharter, Tel.: 0711 638282, www.khp-yachtcharter.de;
The Moorings, Tel.: 0800 6935080 (gebührenfrei), www.moorings.com

Info. The British Virgin Tourist Board, Tel.: 02104 286671, www.britishvirginislands.de

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