Das Jung Hotel & Residences in New Orleans hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Noch vor wenigen Jahren ächzte es nur so vor sich hin. Das war nicht mehr schön anzusehen. Nach einer Rundumrenovierung sieht es heute viel besser aus. Ein echtes Schätzchen ist es geworden. Text: Sebastian Heimer

Joanne ist ganz überrascht, als sie an der Straßenecke Canal Street und LaSalle Street vorbeifährt. »Was, das Jung ist wieder offen?«, fragt die alte Dame mit großen Augen. 70 Jahre ist es her, dass sie hier ihre Prom, den Highschool-Abschluss, gefeiert hat. Im Jung Hotel. Damals war das sowas wie das erste Hotel am Platz in New Orleans. Ein Hotel mit eigenem Theatersaal, eigener Radiosendung und überhaupt so luxuriös wie kein zweites Haus in der Stadt. 1907 hatte das Hotel eröffnet, mit allem Schnick und Schnack. Immer wieder wurde es erweitert, blieb aber lange Jahre die Nummer eins in der Stadt: »Es war der Ort, wo man zum Tanz hinging“, sagt auch Kathy, eine Stadtführerin. »Meine Eltern haben sich hier kennengelernt.«

The Jung Hotel & Residences

The Jung Hotel & Residences

Allerdings: Wer in den vergangenen Jahren hier entlanggegangen ist, in dem Bereich, in dem das neue Biomedical District rund um die Tulane University entstanden ist, der erinnert sich eher an ein heruntergewirtschaftetes Hotel, das mehrfach den Besitzer gewechselt hat und nichts mehr vom Glanz des alten »Jung’s« hatte. »Es war echt traurig«, sagt Dena Aicklen, die als Sales Manager im Hotel arbeitet. Denn das berühmte Saenger Theatre ist ganz nah, auch zahlreiche andere Theater am Big Easy, das historische French Quarter mit seinen zahlreichen Bars und Clubs und der Central Business District.

Kitsch? Gibt’s Gott sei Dank im Jung Hotel & Residences nicht

Dabei ist es ein echtes Schätzchen, dieses Jung’s mit seinen hohen Decken, dem weißen Marmor und der schicken Innenarchitektur. Das hat sich auch ein einheimischer Geschäftsmann gedacht, der mit Immobilien sein Geld verdient. Er kaufte das Hotel und investierte 150 Millionen Dollar. In die Fassade, in das Innere, in das Drumherum. Nun heißt das Hotel Jung (gesprochen »Dschang«, so wie der englische Jungle) Hotel and Residences, denn es gibt auch Apartments, die vermietet werden.

Den Zimmern geht jeglicher Plüsch ab, der so weit verbreitet ist in amerikanischen Hotel – das macht das Jung besonders. Die Zimmerfluchten auf den Etagen sind geblieben, auf die alten Türrahmen hat man als Gestaltungselement behalten. Die Zimmer sind sehr übersichtlich eingerichtet: weißer Marmor auf dem Boden, das gemütliche King-Size-Bett dominiert den Raum. Und die vielen Kissen sind dann doch wieder sehr amerikanisch. Aber auch sehr gemütlich. Die Möblierung ist edel, aber sparsam – so bleibt Platz in den Räumen, um sich ein bisschen auszubreiten.

The Jung Hotel & Residences

The Jung Hotel & Residences

Auch in den Bädern dominiert der Marmor, hier allerdings in braun. Feinheiten gibt es, die zeigen, dass man sich Gedanken um die Einrichtung und um Praktisches gemacht hat. So gibt es keine Badewannen, sondern nur große, begehbare Duschen mit Armaturen made in Germany. Und: Die »Aufdreher« der Duschen sind ausnahmsweise nicht direkt unter dem Duschkopf angebracht, sondern auf der gegenüberliegenden Wand – da also, wo man in die Dusche hineingeht. Ein sehr smarter Gedanke – denn wer hat sich in Nordamerika nicht schon mal darüber geärgert, dass er unfreiwillig unter einem Schwall kalten Wasser gelandet ist?

Barocke, schwere Stoffe auf den Stühlen in der Lobby

Auf dem Dach des Hotels, im sechsten Stock, gibt es eine große Terrasse, einen beheizten Pool und eine Bar – das alles kann man in den schwülen Monaten in New Orleans (also fast rund ums Jahr) gut gebrauchen. Auch einen Konferenzbereich im ersten Stock gibt es, ebenso ist die alte »Ticket Booth« des ursprünglichen Saals erhalten geblieben. »Vielleicht kann man die in Zukunft wieder für große Veranstaltungen nutzen«, hofft Dena.

Modern und stylish, aber trotzdem gemütlich ist das Erdgeschoss gestaltet. Das Restaurant, in dem es derzeit nur Frühstück gibt, ist von Sonnenlicht durchflutet. Die Wände sind in einem satten Petrol gestrichen, der Holzboden dunkel. Dazwischen gibt es fast schon barocke, schwere Stoffe auf den Stühlen und dazu Lichtobjekte an der Decke. Eine gelungene Mischung haben die Innenarchitekten da hingekriegt.

Die gut sortierte Bar ist schräg gegenüber der Rezeption. Hier lohnt es sich, am Abend einen Drink zu nehmen und sich ein paar gute Tipps für die Partynacht zu holen. Wer es lieber etwas intimer mag, findet in den gemütlichen Nischen sowohl Platz als auch eine gute Atmosphäre für Gespräche. Auch kleine Meetings können auf den gemütlichen Sesseln und Sofas abgehalten werden, ohne dass gleich die ganze Hotelhalle mithört. Auch hier: weißer Marmor, helle neutrale Farben und ab und zu ein knalliger Akzent.

The Jung Hotel & Residences

The Jung Hotel & Residences

Ganz neu ist das Jung’s jetzt wieder am Start in New Orleans, erst kurz vor dem Mardi Gras im Februar hat es seine Türen geöffnet. Doch die Zeichen stehen gut für das neue Hotel mit der langen Tradition. Die ersten Proms 2018 sind auch schon terminiert.

Info. The Jung Hotel & Residences, 1500 Canal St, New Orleans, LA 70112, USA, Tel. +1 -504-226-5864. Mehr Informationen auf der Website des Hotels.

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