Inselparadies Koh Yao Noi versus pulsierende Metropole Bangkok. Stille versus wuseliges Leben. In Thailand gibt es beides in Reinform. Reisen-EXCLUSIV-Autorin Susanne Wess ist in diese Welt der Gegensätze eingetaucht und kann sich nicht entscheiden, welcher Teil ihr besser gefällt. Muss sie zum Glück auch nicht, denn das eine ist vom anderen nur eine Flugstunde entfernt.

Es raschelt. Und zwar direkt vor der Terrasse meines Bungalows. Ich erspähe einen bunten Farbfleck zwischen den Baumwipfeln. Und als ich realisiere, wer mir da Guten Morgen sagt, erhebt sich der Tukan schon in die Lüfte und segelt davon.

Thukan in Thailand

Raymond Pauly/Shutterstock.com

Solche Naturerlebnisse gehören auf Koh Yao Noi zum Urlauberalltag. Wobei »Alltag« eigentlich das Wort ist, das einem bei diesem Inselparadies am wenigsten in den Sinn kommt. Denn auf Ko Yao Noi gibt es (fast) nichts zu tun, keine Freizeitaufgaben, die zu erfüllen wären. Und genau das macht dieses kleine Fleckchen Erde so bezaubernd.

Hier geht es nur ums Abhängen, Abschalten, Relaxen. Das kleine Inselparadies liegt in der Bucht von Phang Nga zwischen Phuket und Krabi. Sie ist neben Koh Yao Yai die größere der beiden Inseln im Koh- Yao-Archipel und heißt übersetzt »kleine lange Insel«, wobei sie an ihrer längsten Stelle gerade mal 30 Kilometer misst.

Ein erster Blick aufs Paradies auf Koh Yao Noi

Ich reise von Phuket mit dem Schnellboot an. Das dauert gerade mal 30 Minuten. Vorbei an unbewohnten Inseln und schroffen Kalksteinfelsen, die aus dem Meer ragen, bringt der Kapitän mich und eine Handvoll weitere Touristen sicher zur Anlegestelle des Paradise Beach. Der Name ist Programm.

Vor uns tut sich ein sattgrüner Kegel aus Mangroven, Palmen und Regenwald auf, umsäumt von hellen feinen Sandstränden und türkisblauem Meer. Ein absolutes Postkartenmotiv. Selbst das kleine, in die Natur eingebettete Designresort Paradise Koh Yao mit seinen flachen Bungalows und den stylischen Treehouse Villas fügt sich so harmonisch in die Landschaft ein, dass man sich wie auf einer Robinsonade fühlt – aber dabei von Kopf bis Fuß verwöhnt wird.

Koh Yao Noi

Apropos Kopf bis Fuß: Als es mir nach meinem ersten relaxten Tag auf Koh Yao Noi wegen des langen Anflugs noch im Nacken zog, gönnte ich mir eine Thaimassage. Und zwar im offenen Pavillon mit Blick auf Strand, Felsen und Meer. Im Ohr nur leises Vogelgezwitscher und das Rascheln der Palmen im Wind. Die Spa-Dame legt los. Mal kniet sie auf mir, mal zieht sie an mir. Eine Stunde später: Nicht nur der Nacken, sondern auch der Rest meins Körpers fühlt sich nun herrlich locker an. Da steht einem weiteren faulen Strandtag nichts im Wege.

Und der geht so: sich vom Zirpen und Zwitschern der tierischen Inselbewohner wecken lassen, erst mal kurz zur Erfrischung in den kleinen Privatpool auf der Terrasse springen, beim Frühstück die nackten Füße in den Sand stecken, einen Teller mit frischen Mangos, Papaya, und Ananas verspeisen, dazu ausgiebig Kaffee und dann ab in die Hängematte.

Tree House Villas

TUI

Meinen kleinen Hunger nach Bewegung bändige ich mit ein paar Runden im Infinity-Pool oder im ruhigen Meer, wenn gerade keine Ebbe herrscht. Denn die lässt das Plantschen in den Wellen nicht zu allen Zeiten zu.

Kokosnusspalme am Strand von Koh Yao Noi

Tee11/Shutterstock.com

Rumpelfahrt ins Dorf Ban Yai

Nach dem dritten Relax-Tag brauche ich aber doch ein wenig mehr Auslauf. Ich fahre mit dem Sammeltaxi ins Inseldorf Ban Yai. Dreißig Minuten dauert die Fahrt auf Lehmstraßen und Buckelpisten, vorbei an Kautschuk- und Mangoplantagen. Sie ähnelt eigentlich mehr einem Kamelritt und ist eine echte Herausforderung für meine Bandscheiben. Das Dorf besteht nur aus einer Hauptstraße und zwei, drei sandigen Seitensträßchen mit Garküchen, kleinen Handwerks- und Lebensmittelläden und dem obligatorischen Seven Eleven nebst Geldautomat.

Da die rund 6.000 Einwohner der Inseln zu 90 Prozent muslimisch sind, begegnen mir viele Frauen mit Kopftuch auf Motorrollern mit und ohne Beiwagen, in denen oft mehrere Kinder sitzen und fröhlich winken. Ich vertraue meinen Mittagshunger einem Straßenlokal mit Currys an und versuche die höllische Schärfe mit frischem Wassermelonensaft zu löschen. Köstlich, aber nichts für Thaifood-Anfänger.

Wenig später rumpeln wir zurück ins Resort. Zwei Tage bleiben mir noch zum Relaxen, und zwar in einer der verglasten Baumhausvillen, die direkt an die Hänge des Dschungelwalds grenzen. Hier ist man der Inselnatur nochmal ein ganzes Stück näher. Von meinem Day Bed richte ich den Blick auf die untergehende Sonne. Ganz Koh Yao Noi ist nun in ein fast unwirkliches, violett-rosafarbenes Licht getaucht. Ich hänge meinen Gedanken nach und freue mich schon auf ein Farbenspiel der ganz anderen Art, das mich bald in Bangkok erwartet.

Cut, Film ab und Action!

Szenenwechsel zu den Lichtern der Großstadt: 61. Etage des Banyan Tree Hotels. Wer in der luftigen Moon Bar im Stadtteil Bang Rak Platz nimmt, hat das Gefühl in einem Freiluft-Raumschiff zu schweben – die glitzernde Stadt darunter scheint Lichtjahre entfernt.

Moon Bar im Banyan Tree Bangkok

Banyan Tree

Im schicken Cocktailkleid und Pumps – die Kleiderordnung ist hier streng  –  genieße ich den Blick auf das bunte Treiben, in das ich mich bald mit Vollgas hineinstürzen werde. Und zwar mit einem Gefährt, auf das ich mich vor jedem Bangkokaufenthalt wie ein kleines Kind freue: dem Tuk-Tuk.

Das bunte Dreirad in schrillen Farben mit der Aufschrift »VIP« scheint wie geschaffen für mich. Sein Fahrer kurvt mich am nächsten Morgen vom schicken Anantara Siam im Stadtteil Silom in waghalsigen Manövern durch das Verkehrschaos der Millionenmetropole.

Bangkok Tuk Tuk Fahrer

Sven Scheuermeier

Grellgrüne und pinke Taxis überholen uns scharf, wir schrammen an unzähligen Garküchen nur knapp vorbei, überall blinkt und hupt es. Und dass der bunte Atemschutz meines Tuk-Tuk-Fahrers kein Luxusaccessoire ist, wird mir schnell klar.

Mitten in Chinatown entlässt mich mein Abenteuer-Chauffeur in die Großstadtwildnis. Und hier wartet schon die nächste Herausforderung für die Sinne: An der Yaowarat Road werben überdimensionale Leuchtreklamen chinesischer Goldhändler um die Gunst der Kundschaft, fahrende Händler verkaufen bunten Plastik-Nippes, während die appetitlich in Reih und Glied aufgehängten gerupften Enten der Streetfoodstände zum Mittagssnack verführen.

Abendessen im Fisch-Biergarten auf dem Talad-Neon-Nachtmarkt

Ich stille meinen Appetit heute tagsüber lieber mit frischen Pomelo- und Ananassticks und hebe mir meinen Hunger für den großen Talad-Neon-Nachtmarkt auf. Hunderte von Food- und sonstigen Verkaufsständen, geschäftige Restaurants und kunterbunte Bars mit Live-Musik erwarten mich hier ab 18 Uhr.

Street-Food-Koch in Bangkok

Gareth Harrison

Echtes Fingerfood heißt das Motto der Stunde: In einer Art Fisch-Biergarten werden Muscheln, Tintenfische, & Co. mit der Hand verspeist. Der Kellner bringt jede Menge Servietten, Zeitungspapier für den Tisch und Plastikhandschuhe. Und los geht das schmutzige Vergnügen. Die jungen Thais-Mädels am Nebentisch kichern, als mit beim Verspeisen des feurigen Meeresgetiers Tränen in die Augen schießen. Ich grinse gezwungen – immer schön Haltung bewahren. Schließlich bin ich im Land des Lächelns.

Wohlgesättigt stürze ich mich anschließend ins Gewühl, kaufe quietschbunte Flip-Flops, ein paar T-Shirts mit Glitzeraufdruck und Seidenschals für die Daheimgebliebenen. Denn schon morgen geht es zurück in die kalte deutsche Wirklichkeit. Aber Stopp: Ein letzter Cocktail muss noch sein. In der chilligen Yao-Rooftop-Bar des Marriott Surawongse schaue ich ein letztes Mal auf die Lichter der Stadt herab und vergesse dabei die Zeit . Denn »One Night in Bangkok« ist zum Schlafen viel zu schade.

Tipps für eine Reise nach Koh Yao Noi und Bangkok

Anreise. Ab Deutschland bietet Thai Airways tägliche Nonstop-Flüge mit erstklassigem Service und 30 Kilogramm Freigepäck von Frankfurt a. M. und München nach Bangkok an. Ab dort bestehen nationale und internationale Anschlussflugmöglichkeiten. Außerdem bietet Thai Airways drei Mal in der Woche Nonstop-Verbindungen von Frankfurt nach Phuket.

Diese Reise könnt ihr zum Beispiel bei Airtours buchen.

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