Die anhaltende Lage rund um die Straße von Hormus hat die internationalen Kreuzfahrtreedereien zu einer der größten Routenverschiebungen der vergangenen Jahre veranlasst. Statt einzelner Saisonkorrekturen wird der gesamte Kreuzfahrt Winter 2026/27 neu gezeichnet. Welche Reederei nimmt jetzt welchen Kurs? Wir verraten es dir!

Wenige Tage vor der Jungfernfahrt hat TUI Cruises die wichtigste Routenentscheidung der vergangenen Jahre getroffen. Die nagelneue »Mein Schiff Flow«, die am 14. Juni 2026 in Triest erstmals Gäste an Bord nimmt, wird ihre erste Wintersaison nicht im Persischen Golf verbringen. Statt Dubai, Doha und Maskat fährt das Flaggschiff von Oktober 2026 bis Mai 2027 nach Nord- und Westeuropa. Auf dem Programm stehen Norwegen und die Kanaren. Die neuen Routen sind seit Ende April buchbar.

Die Entscheidung fällt in eine Lage, in der die Straße von Hormus seit Ende Februar 2026 für die zivile Schifffahrt nicht verlässlich passierbar ist. Statt eine Saison lang auf Hoffnung zu setzen, hat TUI Cruises sein neuestes Schiff komplett umdisponiert. Im deutschsprachigen Markt, in dem »Mein Schiff« zu den meistgebuchten Marken zählt, ist das eine Verschiebung mit Folgen, die weit über die einzelne Route hinausreichen.

Kreuzfahrt-Winter 2026/27 auf der »Mein Schiff 4« und »Mein Schiff 5«

Die Schwesterschiffe »Mein Schiff 4« und »Mein Schiff 5« lagen unfreiwillig sieben Wochen im Persischen Golf vor Abu Dhabi und Doha. Am 18. April 2026 nutzten sie das knappe Zeitfenster für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus und nahmen Kurs auf Kapstadt. Der Stopp in Südafrika war rein logistisch: Treibstoff, Proviant und vor allem die Crew, die während der Zwangspause auf ein Minimum reduziert worden war.

Mein Schiff 4 auf hoher See

Foto: Jevgenijs Slihto

Aktuell sind beide Schiffe entlang der westafrikanischen Küste auf hoher Geschwindigkeit unterwegs. »Mein Schiff 5« nimmt am 15. Mai 2026 in Heraklion den Gästebetrieb wieder auf, mit der Route »Inseln des östlichen Mittelmeers«: Valletta, Catania, Piräus, Souda Bay. »Mein Schiff 4« folgt am 17. Mai ab Triest mit »Sehnsuchtsziele an der Adria«. Beide Schiffe kehren damit in ihr reguläres Sommerprogramm zurück, alle TUI-Cruises-Reisen von Anfang März bis Mitte Mai 2026 wurden ersatzlos gestrichen.

Für den Winter 2026/27 hat TUI Cruises die ursprünglich geplanten Orientrouten aufgrund der angespannten Lage im Nahen Osten abgesagt. Stattdessen wurden neue Reisen der »Mein Schiff Flow« in andere Fahrtgebiete aufgelegt. Gleichzeitig sind erste Repositionierungsrouten im Frühjahr 2027 zwischen Doha bzw. Dubai und Kapstadt buchbar, was zeigt, dass die Reederei ihre Planungen für die Zeit nach einer möglichen Entspannung der Lage offen hält.

AIDA, Costa, MSC: Die deutsche und italienische Konkurrenz zieht mit

AIDA Cruises hat die Orient-Saison der »AIDA Prima« für 2026/27 gestrichen. Costa Cruises streicht die gesamte Wintersaison im Nahen Osten. Die »Costa Smeralda« übernimmt von November 2026 bis ins Frühjahr 2027 Wochenrouten zwischen den Kanaren und Madeira: Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote, Funchal. Die »Costa Pacifica« wechselt parallel ins Mittelmeer.

333 Meter lang, 47 Meter breit: Die MSC World Europa gehört zu den größten Kreuzfahrtschiffen der Welt. Der MSC Yacht Club liegt ganz vorn im Bug.

333 Meter lang, 47 Meter breit: Die MSC World Europa gehört zu den größten Kreuzfahrtschiffen der Welt. Der MSC Yacht Club liegt ganz vorn im Bug.
Foto: MSC

Bei MSC Cruises trifft die Verlagerung das größte Schiff. Die »MSC World Europa«, ursprünglich von November 2026 bis April 2027 für den Persischen Golf eingeplant, fährt stattdessen in die französischen Antillen, mit Schwerpunkt Martinique und Guadeloupe. Im Gegenzug rückt »MSC Seaview« von der Karibik nach Brasilien und Argentinien.

Explora Journeys: Premieren im winterlichen Mittelmeer

Am dichtesten geplant liest sich die neue Routenkarte bei der Reederei Explora Journeys. Die »Explora II« verlässt den Persischen Golf und das Rote Meer und übernimmt das Mittelmeer im Winter. Auf dem Plan stehen vier Erstanläufe: Ceuta, San Sebastián de La Gomera, Fuerteventura und Palamós an der katalanischen Küste. Algier kommt als allererster Algerien-Anlauf der Reederei dazu.

Das Deck von Explora Journeys.

Foto: Explora Journeys

Die Routen sind bewusst entschleunigt angelegt, mit längeren Liegezeiten und Übernachtungen. Das Programm spielt mit der Nebensaison: ein privates Weihnachtskonzert in der St. Michael’s Cave in Gibraltar, After-Hours-Zugang zur Alhambra in Granada, eine Silvesternacht in Cannes. Genau diese Häfen, Ceuta, La Gomera, Fuerteventura, Palamós, wären in einem regulären Jahr nicht im Winterprogramm einer Luxus-Reederei aufgetaucht.

Kreuzfahrten: Was Reisende jetzt erwartet

Drei Konstellationen zeichnen sich für Winter 2026/27 ab. Wer die kanarische Sonne sucht, findet bei TUI Cruises mit der »Mein Schiff Flow«, bei Costa Cruises und bei Explora Journeys gleich drei Reedereien mit ausgebautem Programm. Bei MSC Cruises geht es in die Karibik. Am schönsten übrigens in den Kabinen vom MSC Yacht Club. Wer das Mittelmeer im Winter erleben möchte, also Häfen ohne Hochsaison-Trubel und mit kulturell sortierten Programmen, hat über Explora Journeys einen Zugang, der so im Markt selten zu finden ist.

Die Hormus-Passage bleibt vorerst eine offene Frage. Die Saison 2026/27 ist es nicht mehr.

Häufige Fragen zu Kreuzfahrten

Findet meine gebuchte Orient-Kreuzfahrt im Winter 2026/27 statt?

TUI Cruises, Costa und AIDA haben ihre Orient-Saison komplett abgesagt, MSC verlegt die World Europa in die Karibik. Wer eine Reise im Persischen Golf gebucht hatte, wurde von der Reederei oder vom Reisebüro bereits informiert. Repositionierungsreisen zwischen Golf-Region und Kapstadt bleiben einzelne Ausnahmen.

Bekommen betroffene Gäste ihr Geld zurück?

Ja. Alle großen Reedereien bieten vollständige Erstattung oder Umbuchung an, teils mit Bordguthaben als Kulanz.

Welche neuen Häfen kommen ins Programm?

Explora Journeys nimmt Ceuta, San Sebastián de La Gomera, Fuerteventura und Palamós erstmals auf. Algier ist der erste Algerien-Anlauf der Reederei überhaupt.