Die Malediven gelten als das Urlaubsparadies schlechthin. Was aber, wenn man eine Landratte ist, die am liebsten steile Berge erklimmt, auf Städtetrips steht und beim Schnorcheln allenfalls in den Genuss einer Meerwasser-Nasendusche kommt? Urlaubsziel verfehlt, hier im Oblu Select at Sangeli? Stimmt nicht – die Malediven sind ideal für eine Hyperaktive wie mich … klingt seltsam, stimmt aber.

Allein beim Blick auf die Landkarte formten sich vor meinem geistigen Auge jede Menge Fragezeichen. Acht Flugstunden, nur um dann auf einem Sandhügel am anderen Ende des Erdballs im Oblu Select at Sangeli zu sitzen? Warum das? Und warum ausgerechnet ich? Wo ich doch beim letzten Strandurlaub spätestens nach zwei Stunden auf einer Sonnenliege wie ein Huhn mit den Füßen im Sand gescharrt und den Tauchkurs bereits im Hotel-Pool für beendet erklärt habe? Weil die Malediven ein Muss sind, eine Traumdestination, die man als Reisejournalist zumindest einmal im Leben gesehen haben muss. Romantik und Erholung pur. Und man will ja schließlich mitreden können.

Nach Ankunft ab auf Speedboats oder Wasserflugzeuge

Nach der Ankunft am überschaubaren Flughafen Malé werden die Gäste von zahlreichen Herren in bunten Polohemden mit Resort-Emblem zügig auf Speedboats und Wasserflugzeuge und weiter auf über einhundert Touristeninseln der insgesamt 26 Atolle verteilt. »Unsere« Insel liegt im Nord-Malé-Atoll und damit nur 50 Minuten per Schnellboot vom Flughafen entfernt. Gekonnt jagt der junge Kapitän das Boot über die Wellen, die Schiffsjungs grinsen zufrieden unter ihren dunklen Sonnenbrillen, ich halte die Krempe meines Strohhuts fest und denke: »Na, gut, eine Woche Strandurlaub – natürlich mit WLAN im gesamten Resort – da kannst du endlich mal deine alten Mails aufarbeiten.«

Und wie ich so im Kopf durchgehe, was ich alles beackern könnte, sehe ich in der Ferne unser Resort auf der Insel Sangeli. Ein palmenbewachsenes Stück Paradies, eine Doppelinsel, wo sich auf einer Seite die Overwater-Villen sichelförmig wie ein Halbmond über dem Wasser aufreihen.

Oblu Select at Sangeli

Oblu Select at Sangeli

»Whow, das hat schon was – so direkt über dem Meer wohnen und abends womöglich das leise Rauschen des Wassers hören«, schießt es der Landratte unwillkürlich durch den Kopf.  Bei der Ankunft steht die gesamte weiß gekleidete Resort-Crew zu landestypischen Trommelklängen am Steg und nimmt uns mit Blumenkränzen, einem breiten Lächeln und einem kühlen Getränk in Empfang. Viele sind barfuß und in Shorts – da fühlt man sich in Flip Flops und langem Sommerkleid fast overdressed. Urlaubsfeeling kommt auf.

Gespannt, aber noch nicht entspannt im Oblu Select at Sangeli 

In kleinen Elektrowägelchen werden wir in unsere Deluxe Villa mit Pool gefahren. Klar, dass ich als Daueraktive gleich nach dem WLAN-Passwort frage, um ja keine Mail, keinen Auftrag zu verpassen.

»Kein Problem, Sie können überall online surfen, aber das werden Sie sicher nicht«, versichert mir unser Begleiter grinsend. Na, mal sehen.

Da sich die Sonne über Sangeli im Winter bereits früh verabschiedet, sind wir schnell in abendlicher Cocktail-Laune.

Schlafzimmer in der Deluxe Bach Villa im Oblu Select at Sangeli

Oblu Select at Sangeli

Ab an die Hotelbar am Strand, rein in die Hängematte und Gin Tonic ins Glas. Herrlich, wenn man so daliegt und mit zunehmender Dunkelheit immer mehr Sternengebilde am Himmel entdeckt. Ich werfe einen verstohlenen Blick auf die jungen Pärchen neben mir und frage mich ernsthaft: »Wie kann man nur so stur auf seinem Smartphone rumklimpern, wo man hier mitten im Paradies?« Ja, ich habe tatsächlich »Paradies« gedacht – Sternenhimmel, Meeresrauschen und die im Preis inbegriffenen Cocktails sind ein verdammt guter Mix.

Cocktails im Oblu Select at Sangeli

Obu Select at Sangeli

Am nächsten Morgen schlafe ich bis halb zehn. Mag am Jetlag liegen – ich bin doch eigentlich Frühaufsteher! Vielleicht liegt’s aber auch daran, dass hier morgens kein Müllwagen rumpelt und kein Nachbarskind lauthals seinen Unmut kundtut. Hier ist einfach nur Ruhe, … Ruhe und die Brandung der Wellen. Zum Munterwerden hüpfe ich kurz in den Pool der Villa, um anschließend sofort die Füße ins Meer zu stecken. Die einzigen, die am Strand geschäftig rumwuseln, sind kleine Taschenkrebse. Verführt vom Frühstücksbuffet, das auch typisch maledivische Morgenkost wie Thunfisch mit viel Chili und Kokos bereithält, vergesse ich den morgendlichen Mailcheck und denke nur: hast ja den ganzen Tag Zeit …

Landratte meets Wasserratte

Und deshalb schnappe ich mir erst einmal eines der türkisblauen Resort-Räder und erkunde die Insel. Die Rundfahrt dauert nur 20 Minuten: Ich strample gemächlich von der Bar »The Rock« , wo sich alle Romantiker zum Sonnenuntergang einfinden, über den Holzsteg, unter mir das disneyartig türkis-hellblaue Wasser, vorbei an den Overwater-Villen zur anderen Inselhälfte.

Susanne Wess auf den Malediven

Susanne Wess

Am Strand tummeln sich Schwärme pastellfarbener Kleinfische, denen chinesische Youngster im Neoprenanzug mit Schnorchel zu folgen versuchen. Ist anscheinend toll, was man hier alles unter Wasser sieht. »Vielleicht sollte ich doch mal, wenn ich schon hier bin…?« denkt die Landratte, der man wohlweislich eine 1A-Schnorchelausrüstung in die Villa gelegt hat.

Um den verkrampften Laptop-Nacken zu entspannen, buche ich erst mal ein Spa-Treatment und gönne mir im »One Banyan«, dem Inselteil nur für Erwachsene, einen Aperitif an der Bar. Irgendwie cool, dieses faul Rumhängen – und noch immer keine Mails gecheckt. Beim Zurückradeln komme ich am Tauchcenter vorbei und da Tauchlehrerin Sandra Italienerin ist, also aus meiner Wahlheimat stammt, haben wir gleich ein Thema. Ja, und man ahnt es, mit Charme und Geschick hat sie mich für den Schnorchelausflug am Folgetag eingebucht …

»Sie wird schon sehen, was sie davon hat, wenn ich japsend an ihrem Bikinizipfel hänge«, denke ich nach dem Abendessen mit indischem Curry, zu dem uns der Maitre tatsächlich einen deutschen Riesling kredenzt.

Essen im Restaurant des Oblu Select at Sangeli

Oblu Select at Sangeli

In trauter Zweisamkeit lassen wir den Abend auf der Terrasse ausklingen. »Willst du ein wenig Musik?«, fragt der mit Bluetooth-Boxen ausgestattete moderne Mann. »Ach, nein, ist gerade so schön still …«

Die mit den Fischen schwimmt

Auf dem Boot am nächsten Morgen sehe ich aus wie eine Art australisches Schnabeltier: T-Shirt, Bikini, Flossen und Schnorchelausrüstung auf der Stirn.

Susanne Wess beim Schnorcheln

Susanne Wess

Eine Stunde später gibt es kein Pardon mehr. Sandra lockt mich mit einem Rettungsring ins Wasser, ihre Hand an einer Seite, meine an der anderen. »Kopf gerade, Schnorchel nach oben, und wenn du müde bist, zieh ich dich.« Ein faires Angebot.

»Und wenn mich ein Fisch beißt?« Ich ernte das Gelächter der gesamten Schnorcheltruppe.

Und dann passiert’s: Sandra zieht mich sanft unter Wasser. Ich versuche ruhig zu bleiben, mache lange Atemzüge.

Wie im Schwebezustand treiben wir vorbei an bizarren Korallenformationen, als ein zitronengelber Schwarm Minifische an mir vorüberzieht. Sandra kennt das Riff gut. Sie führt uns zu einer Stelle, wo es vor bunten Fischen geradezu wuselt: blaugestreifte Zackenbarsche, Kaiserfische, ein knallroter Feuerfisch, der aussieht wie ein Indianerhäuptling, schwarzweiß gepunktete Drückerfische und leuchtend blaue Doktorfische tummeln sich hier – was für eine faszinierende neue Welt, die so gar nichts Beängstigendes hat.

Fische im Reef Oblu Select at Sangeli

Oblu Select at Sangeli

Vom Wasser getragen sind auch unsere Schwimmbewegungen: weich und sanft. Als dann noch ein Schwarm Anemonenfische auftaucht, die mich an »Nemo« erinnern, bin ich endgültig hin und weg. Was für eine neue Welt. Und so still. Genau wie abends, wenn man in den Sternenhimmel schaut. Ganz ohne Musik – und die Mails sind noch immer nicht gecheckt. Morgen ist auch noch ein Tag …

Susanne Wess mit Getränk in der Hand auf den Malediven

Susanne Wess

Infos und Buchung

Infos. Das Premium All-Inclusive Vier-Sterne Deluxe Resort Oblu Select at Sangeli liegt an einigen der schönsten Tauch- und Schnorchelgebiete im gesamten Malé Atoll und umfasst 137 freistehende Villen, daruner 77 Overwater Villen. Es bietet mit dem »Serenity Plan« ein echtes All-inclusive-Programm, verfügt über ein Hauptrestaurant, zwei A-la-carte Restaurants und zahlreiche Aktivitäten, die im Preis inbegriffen sind. Preisbeispiele: eine Woche für zwei P. inkl. Flug, all inclusive, Beachvilla: ab 4.152 Euro, eine Woche für zwei P. inkl. Flug, all inclusive, Overwater Villa: ab 4.578 Euro. Mehr Infos und Buchung hier.

 

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