Wie wäre es mit einem Roadtrip vom Süden Mexikos bis nach Guatemala? Unterwegs zwischen kolonialen Prachtstädten, jahrhundertealten archäologischen Stätten, farbintensiven Märkten, dem schönsten See der Welt und einem Lagunenparadies. Unser Reiseguide für die Region. Text: Ulrike Klaas

Anreise. Wer den Süden Mexikos, das heißt die Ostküste bereisen möchte, bis hinunter nach Guatemala oder Belize, fliegt am besten mit Condor direkt von Frankfurt a. M. nach Cancún.

Ein- und Ausreise/Grenzübergänge. Deutsche, Schweizer und Österreicher benötigen zur Einreise einen noch sechs Monate gültigen Reisepass und eine sogenannte Tarjeta de Turista, eine Touristenkarte, die man bei der Ausreise wieder abgeben muss und im Land bei Straßenkontrollen der Polizei oder Behörden zusammen mit dem Reisepass vorzeigen muss. Wichtig: Wer vorübergehend in die Nachbarländer Guatemala, Belize oder in die USA reist, muss zuweilen eine Ausreisesteuer von 269 Pesos (ca. 15 Euro) bezahlen. Unbedingt auf den mexikanischen Ausreisestempel bestehen, sonst muss man bei der Wiedereinreise eine Strafe bezahlen. Bei der Wiedereinreise wird eine neue Touristenkarte benötigt sowie eine erneute Einreisesteuer von 294 Pesos (ca. 16 Euro) fällig – außer man hält sich weniger als sieben Tage im Land auf.

Was zieh’ ich an?

Beste Reisezeit. Mitte Oktober bis Ende April herrschen angenehme Temperaturen, da diese Monate meist trocken und weniger heiß sind. Die Monate Mai bis September/Oktober eignen sich weniger gut zum Reisen, da es dann heißer und regenreicher ist.

Fortbewegung in Mexiko. Entweder mit dem Mietauto; gute nützliche Tipps rund ums Autofahren in Mexiko gibt es hier. Oder aber mit Bussen; sie fahren bis in die letzten Winkel des Landes. Das mexikanische Bussystem gilt als eines der besten der Welt. Busgesellschaften existieren viele und es gibt verschiedene Komfortklassen. Die größten Gesellschaften sind ADO, OCC, AU und UNO. Alle Haupt- und Fernstrecken werden von 1. Klasse- und Luxusbussen bedient – mit Klimaanlage (besser etwas Warmes zum Anziehen mit in den Bus nehmen!!! Zuweilen kann es bitterkalt werden), Video, Toilette und Sitzplatzreservierung. Für den Preis gilt: 100 Kilometer in der 1. Klasse kosten ca. 75 Pesos (ca. € 4,50).

Busfahren in Mexiko ist vergleichsweise kostengünstig. Der Unterscheid zu den Zweite-Klasse-Bussen liegt vor allem darin, dass sie länger unterwegs sind, da sie öfters anhalten. Die Busse fahren in modernen Busterminals ab. Abfahrtszeiten und Preise unter diesem Link oder hier. Auf den Websiten kann man die Tickets reservieren, man muss dann eine Stunde vor der Abfahrt im Busterminal das Ticket bezahlen. In den Terminals kann man jederzeit die Tickets an den Schaltern kaufen.

Lohnenswerte Stopps in Südmexiko: Mérida

Mérida. Die Hauptstadt Yucatáns (900.000 Einwohner) überzeugt nicht wirklich mit Sehenswürdigkeiten, auch wenn sie hübsche Kolonialbauten um den Zócalo (der zentrale Platz) und die große Kathedrale vorzuweisen hat.

Kathedrale von Merida - Südmexiko

Ulrike Klaas

Wer Mérida besucht, ist in Fiesta-Laune, denn die Stadt bietet reichlich mexikanisches Lebensgefühl und ein breites kulturelles Angebot wie kaum eine andere Stadt. Jeden Abend finden Folklore-Veranstaltungen, Open-air-Konzerte, Musik- und Tanzdarbietungen von städtischen Orchestern und Tanzgruppen, die man tagsüber auf den Plätzen üben sieht. Besuchenswerte Veranstaltungen (zumeist kostenlos): jeden Montag um 21 Uhr: »Vaquerá Regional«, Musik- und Tanzvorführung vor dem Palacio Municipal am Zócalo, die einen Einblick gibt, wie ein ländliches yucatekisches Volksfest abläuft. Jeden Donnerstag, 21 Uhr: Im kleinen Parque Santa Lucía (Calle 60/Ecke C. 57) findet die »Serenata Yucateca« statt mit Gedicht- und Gesangsvorträgen und den typischen Jarana-Tänzen.

Übernachten im Rosas y Xocolate. Wunderschönes rosafarbenes Boutique-Hotel auf der baumbestandenen Prachtstraße Méridas, dem Paseo de Montejo, gelegen.

Rosas y Xocolate - Designhotel in Merida - Südmexiko

Ulrike Klaas

Eine Nacht im DZ ab € 227. Paseo de Montejo 480×41, Colonia Centro, Mérida, Yucatán, 97000, Mexico. Buchbar über Design Hotels.

Es muss nicht Chichén Itzá sein

Palenque. Intim und verwunschen liegen sie inmitten der tropischen Kulisse des Regenwaldes: die Maya-Ruinen von Palenque. Sie sind täglich geöffnet von 8 bis 17 Uhr (letzter Zutritt um 16.30 Uhr). Nicht wundern: Man bezahlt zunächst Eintritt in den Nationalpark Palenque an der Zufahrtsstraße (28 Pesos, ca. € 1,60) und dann noch einmal oben am Eingang weitere 59 Pesos (€ 3,50).

Palenque: Maya-Stätte im Süden mexikos

Diego Grandi/Shutterstock.com

Für die Besichtigung sollte man rund drei Stunden einplanen, rutschfeste Schuhe (im schwülen Regenwald können die Trepp e zu den Ruinen hinauf vor allem morgens sehr rutschig sein) und Mückenspray sind ein Muss. Man kann eine geführte Tour am Eingang buchen oder auf eigene Faust die Ruinen erkunden.

Unbedingt besuchenswert sind auch die Wasserfälle in der Umgebung: Agua Azul und Misol-Há. Zahlreiche Reiseagenturen vor Ort bieten Touren mit verschiedenen Kombinationen an.

Wasserfall Aqua Azul bei Palenque

WitR/Shutterstock.com

Die beste Kombination: morgens die Ruinen besuchen, nachmittags die Wasserfälle. Unterkünfte gibt es wie Sand am Meer – vom Hostel bis zum komfortablen Hotel, im Regenwald oder in der Stadt Santo Domingo de Palenque. Diese glänzt allerdings nicht mit Schönheit. Allgemein empfiehlt es sich, frühzeitig zu buchen, weil insbesondere in der Hochsaison die Unterkünfte meist ausgebucht sind. Eine gute Alternative zwischen Stadt und Regenwald ist das Waldgebiet »La Cañada«.

Übernachten im Hotel Chablis. Solides und sauberes Mittelklassehotel mit AC und Pool. DZ ab € 56. Merle Green No 7, Centro Ecoturistico La Cañada, 29960 Palenque, Mexiko.

Kolonialer Charme im Süden Mexikos

San Cristóbal de las Casas. Auf 2.100 Metern gelegen, bietet die historisch bedeutsame Kolonialstadt San Cristóbal de las Casas nicht nur klare, reine Luft, sondern auch eine besondere Atmosphäre. Wer hier einen Stopp einlegt, sollte vor allem von Dezember bis Februar warme Kleidung dabei haben, denn kalte Abende und Nächte sind keine Seltenheit. Koloniale Vergangenheit trifft auf indigene Gegenwart. Schon frühmorgens pilgern Indígenagruppen aus den umliegenden Dörfern in die Stadt, um auf dem Mercado Municipal ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu verkaufen.

Ebenfalls lohnenswert ist der Markt zwischen Templo de la Caridad und der Kirche Santo Domingo: der Tianguis Artesanal Indígena mit Textilien und Kunsthandwerk (zumeist Importware aus Guatemala). Ansonsten gibt es lohnenswerte Restaurants, Cafés und Weinbars , wo man sich herrlich die Nachmittage und Abende vertreiben kann.

DC_Aperture/Shutterstock.com

Essen im Madre Tierra. Ein Bio-Restaurant mit Flair und köstlichen Gerichten, viel Vegetarisches. Insurgentes 19. Übernachten im Casa Selah. Gemütliches, zentral gelegenes Hotel. Eine Nacht im DZ ab € 50.

Eine Lagune wie aus dem Bilderbuch

Bacalar. Lohnenswerte Alternative zu den überfüllten Stränden an der Ostküste. Die Laguna Bacalar, in der Nähe der Stadt Chetumal an der Grenz zu Belize, hat zwar außer türkisfarbenem Traumwasser und Ausflüge zu den Cenoten nicht allzu viel zu bieten, aber für ein paar geruhsame und ruhige Sonnentage ist sie der perfekte Ort.

Lagune Bacalar im Süden Mexikos

Jakub Zajic/Shutterstock.com

Übernachten im Casita Carolina. Rustikal, aber gemütlich eingerichtete Zimmer mit großer Seewiese, Hängematten, Bootssteg und Kajaks. Besitzerin Carolyn gehört quasi zum Inventar. Eine Nacht im DZ in der Casita Carolina zwischen € 24 und € 48.

Besser nicht …

… teure Uhren oder Schmuck tragen, wenn man im Land unterwegs ist.

… in Nachtbussen das Handgepäck besser in Körpernähe unterbringen und nicht in die Gepäcknetzte legen.

… sich bei Überfällen wehren. Wer im Land umherreist, sollte am besten ein separates Portemonnaie mit circa 50 Euro mit sich tragen und dieses bei bewaffneten Überfällen widerstandlos herausrücken.

Info. Weitere Infos übner das reiseland Mexiko gibt es hier.

Nach Guatemala hier entlang

Anreise Guatemala. Wer über Mexiko nach Guatemala einreist, tut dies am besten von San Cristóbal de las Casas aus. Dort können in den Reiseagenturen, aber auch in vielen Hotels sogenannte Colectivos, Kleinbusse, gebucht werden, die einen über die Grenze bringen. Von San Cristóbal de las Casas bis zum Atitlán See (nach Panajachel) bezahlt man umgerechnet € 17. Hinzu kommen umgerechnet € 17 Ausreisegebühr, und an der Grenze zu Guatemala bezahlt man noch einmal USD 20 (€ 18,50) für die Einreise, wenn man noch nie in Guatemala gewesen ist. Dies scheint allerdings nach Gutdünken der Einreisebeamten abzulaufen. Zudem ist es möglich, mit Billigairlines von Cancún nach Guatemala-Stadt zu fliegen. Oder von Deutschland direkt nach Guatemala-Stadt. Günstige Flüge nach Guatemala-Stadt via Madrid bietet Iberia.

Einreise Guatemala. Deutsche, Schweizer und Österreicher benötigen zur Einreise einen noch sechs Monate gültigen Reisepass.

Beste Reisezeit. Die Monate Oktober/November bis Mai sind die Trockenmonate. Gerade in den Höhenlagen kann es dann sehr angenehm warm und trocken sein, ideal für Trekkingtouren und Tierbeobachtungen. Auch Besichtigungen sind in dieser Zeit in den Höhenlagen empfehlenswert. Im Mai kann es in niedriggelegenen Gebieten (tierra caliente) jedoch schon sehr heiß sein.

Sicher ist sicher

Sprache. Allgemein gilt: Mit Englisch kommt man nicht allzu weit. Wer in Guatemala herumreist, sollte zumindest die gängigsten spanischen Floskeln beherrschen, um sich im Land zurechtzufinden.

Sicherheit. Wer sich die Sicherheitswarnungen des Auswärtigen Amtes durchliest, den überkommt wahrscheinlich ein leichter Schauer. Generell gilt, dass nächtliche Reisen außerhalb der Städte und abgelegene Strecken zu vermeiden sind und man definitiv nicht alleine reisen sollte. Das Risiko beraubt zu werden, besteht – wenn auch in geringerem Maße – ebenfalls in Touristenzentren wie Antigua, Flores, Tikal und am Atitlán-See.

Es empfiehlt sich, auch hier ein Zweit-Portemonnaie mit umgerechnet € 50 in der Tasche zu haben und gegebenenfalls ein zweites, altes Mobiltelefon, das man bei bewaffneten Überfällen ruhig und unverzüglich aushändigen sollte. Die Deutsche Botschaft empfiehlt, vor der Einreise oder unmittelbar danach Kopien der Reisedokumente (Pass, Flugschein, Reisekrankenversicherung) und Kontaktdaten von Familie oder Freunden in Deutschland an die Deutsche Botschaft (Fax: +502 23652270, E-Mail: info@guat.auswaertiges-amt.de) zu senden. Ebenfalls wird empfohlen, im Hotel eine Nachricht zu hinterlassen, mit dem Inhalt, wohin man unterwegs ist und wann man ungefähr zurückkehren wird. Im Hotel kann man zudem nachfragen, ob der geplante Tagesausflug ein Sicherheitsrisiko birgt. Oft wissen die Einheimischen am besten, was gefährlich ist. Also einfach im Hotel beraten lassen.

Das musst du dir angucken – rund um den See

Atitlán See. Er ist einer der schönsten Seen der Welt: der Lago Atitlán. Rund um den See gibt es viele Orte, wo man wohnen kann. Der beliebteste und touristischste von ihnen ist Panajachel.

Atitlan See in Guatemala

Cameron Wwilkins

Von dort aus kann man die anderen Dörfer per Boot erreichen. Einfach runter zum Ufer gehen und dort den Preis für eine Tour aushandeln. Eine vierstündige Tour zu den Orten San Marco, San Juan, San Pedro und Santiago kostet bei ab vier Personen ca. 10 Euro p. P.

Mit dem Chicken Bus nach Solalà. Unbedingt sehenswert ist auch der Markt von Solalà, wo sich kaum ein Tourist tummelt, dafür aber Einheimische in ihren bunten Trachten. Ein ganz schönes Gewimmel!

Markt in Solala am Atitlan See in Guatemala

Ulrike Klaas

Auch der Friedhof von Solalà ist mit seinen bunten Mausoleen und einer Wahnsinns-Aussicht über See und Vulkane ein Besuch wert. Der Chicken Bus fährt ständig von Panajachel hinauf nach Solalà und auch wieder zurück. Die halbstündige Fahrt kostet knapp € 1. Ein Erlebnis! Man kann zu Fuß hinauf und Halt machen am Aussichtspunkt, der auf halber Strecke liegt. Allerdings kommt es ab und an zu Überfällen. Auch sollte man sich vor Trekkingtouren auf die Vulkane genau informieren, mit Blick darauf, welche Wege sicher sind. Und eine geführte Tour buchen. Eine gute Adresse ist Viva Atitlán, ein von Maya geführte Reiseveranstalter, der Trekkingtouren aller Art anbietet. Zu finden in: Panajachel, Calle de los Salpores 0–83, Tel.: 005027762/01 59.

Urlauben am See

Essen. Leckere und frische Gerichte gibt es im Deli Jasmin, Calle Santander, Panajachel.

Ausgehen. In der Circus Bar gibt es nicht nur köstliche Pizza und Cocktails, sondern auch Livemusik. Circus Bar Panajachel, Avenida de los Arboles Zona Viva.

Übernachten. Rund um den See gibt es viele Unterkünfte, von kleinen Pensionen bis zu größeren Hotels. Sehr schön ist das Hotel Primavera mit komfortablen Zimmern. Vorsicht: Die Zimmer zur Straße hin sind laut. Im Hinterhof dagegen herrscht angenehme Ruhe. Eine Nacht im DZ kostet € 36. Calle Principal, Panajachel, Tel.: +502 7762 2052.

Hier möchte man nicht mehr weg

Antigua. Die einstige Hauptstadt der spanischen Kolonien in Zentralamerika, die seit 1979 zum Weltkulturerbe zählt, ist ein Muss. Antigua, circa 90 Kilometer entfernt vom Lago Atitlán ist ein lebendiges Städtchen mit reicher, barocker Kolonialarchitektur und Kopfsteinpflaster.

Antigua in Guatemala

Ulrike Klaas

Übernachten. Zentral gelegen, mit geräumigen und modern eingerichteten Zimmern bietet das Bed & Breakfast Casa del Arco. Zudem sind die Besitzer und Personal so hilfsbereit und nett, dass man nicht mehr abreisen möchte. Eine Nacht im DZ ab € 71.

Fortbewegung in Guatemala. Taxi oder Kleinbusse bestellen bei Transportservice Posada de Los Volcanes, Tel.: 00502 7762/02 44.

Infos. Wer erfahren möchte über Reisen in Guatemala findet hier weitere Infos. Mehr Wissenswertes auch unter diesem Link.

 

Was unsere Redakteurin Ulrike Klass auf ihrem Roadtrip durch den Süden Mexikos und Guatemala erlebt hat, lesen Sie in der Reportage »Das Ziel ist der Weg«.

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