So muss es sich angefühlt haben – wie ein Inka mit Lama und Gepäck die Anden zu rocken: bedächtig, schön langsam und sicher dem Ziel entgegen. Gut, dass es dieses Inka-Anden-Feeling auch vor unserer Haustüre gibt – beim Lama-Trekking durch die Osttiroler Dolomiten.  Text: Beate Hitzler

Wem die Anden für eine Wandererfahrung mit Lamas zu weit weg sind, der reist am besten nach Tirol. Genauer gesagt in die beschauliche Gemeinde Oberlienz, die nordwestlich von Lienz am Eingang des Iseltals liegt. Die beiden Ortsteile Oberlienz und Oberdrum, die auf dem sonnseitigen Schleinitzschuttkegel liegen, gehören zu den größten Tirols. Sie gelten aufgrund ihrer günstigen Lage am Sonnenhang als Geheimtipp für Naturliebhaber und Erholungssuchende. Und sie sind Ausgangspunkt für eine ganz besondere Tour: das Lama-Trekking durch die Osttiroler Dolomiten.

Norbert Eisele-Hein

Die Touren führen in die Bergwelt rund um Lienz, in die Kalkmauern der Lienzer Dolomiten, über die sanften Gratrücken der Deferegger Alpen, aber auch ins hochalpine Gebiet der Glocknergruppe und in die Bergwelt des Alpenhaupkammes. Damit machen die Alpenszenarien der Andenwelt mächtig Konkurrenz.

Fast 1.500 Einwohner – und elf Lamas

Archäologische Funde und Untersuchungen beweisen, dass Oberlienz eine durchgehende römische Besiedelung von der frühen Kaiserzeit bis in die Spätantike (1.- 4. Jh. n. Chr.) hatte und sogar eine römische Villa Rustica im Ortsteil Lesendorf vorweisen kann. Heute zählt Oberlienz übrigens ca. 1.470 Einwohner und – elf Lamas.

Anreise. Ab München ca. 2 ¾ Std., über A8 bis Rosenheim, A 106 Ri. Innsbruck, Ausfahrt Ri. St. Johann, Kitzbühel nach Mittersil (Salzburger Land), weiter durch den Felbertauerntunnel und Felbertauernstraße Richtung Lienz. Kurz davor ist Oberlienz erreicht. Mit der Bahn über Salzburg, Mallnitz, Spittal/Drau, per Flugzeug nach Salzburg, Klagenfurt, München. Mitten im Dorf wohnt Karl-Peter Schneeberger, seine Lamas am Ortsrand.

Lama-Touren.  Lama-Wanderungen mit »Dolomitenlama« und dem Bergwanderführer Karl-Peter Schneeberger sind von einer einfachen Schnuppertour, einem 2-Stunden Spaziergang im Talboden, bis hin zu Tages-, Wochenend- und sogar mehrwöchigen Touren, wie etwa eine Alpenhauptkammüberquerungen mit Hüttenübernachtungen, oder auf Wunsch auch mit Zelt, zu haben.

Norbert Eisele-Hein

Schneeberger gibt Auskunft über das Lama-Trekking durch die Osttiroler Dolomiten: Oberlienz 36, 9903 Lienz, Österreich. E-Mail: dolomitenlama@aon.at, Tel.:0 043 – 48 52 – 6 80 87, Mobil: 06 64 – 4 31 27 29.

Was zum Schlafen: der Glanzhof und der Wildauers Haidenhof

Klima & Reisezeit.  Mit den Lamas tourt Schneeberger am liebsten im Herbst, Winter und Frühling durch die Lienzer Berge. Kältester Monat im Lienzer Becken ist der Januar, die höchsten Temperaturen werden in den Sommermonaten Juli und August gemessen. Dann fallen allerdings auch die höchsten Niederschläge. Nebel tritt im Lienzer Becken selten auf.

Unterkunft. Auf dem biologisch geführten Glanzhof in 850 Meter Seehöhe am Beginn des Ortsteiles Oberdrum, dem Sonnenbalkon von Lienz, lässt sich‘s prima und stilecht im ein Hektar großen Obstgarten mit Biotop entspannen.

Im uralten und trotzdem brandneuen Wildauers Haidenhof beeindrucken nicht nur sensationelle Ausblicke über die Dächer von Lienz und Blicke auf die majestätischen Dolomiten von den Zimmern, der Sonnenterrasse und vom 25 Meter Naturpool aus. Im Restaurant und den Kellerstuben mit den alten Gewölben des Haidenhofs aus dem 11. Jhd. landet aus dem Bräukeller mit Bar das eigene Haidenhofbier in den Gläsern.

Restaurants. Deftige Hausmannskost serviert in Oberlienz der Gasthof Oberwirt. Hier kann auch übernachtet werden, Tel. 0043 – 48 52 – 6 34 74. Lienz-Besucher müssen einen Kaffee-Stopp im Genusswerk einplanen. Hier locken einmalige Torten, hausgemachte Desserts und eine abwechslungsreiche Auswahl an Speisen, alles aus qualitativ hochwertigen Produkte und mit Liebe zum Handwerk.

Norbert Eisele-Hein

Und sonst? Wandern, Radfahren, Kajakfahren, Stand-up-Paddeling

Aktiv-Tipps. Die Gemeinde Oberlienz liegt am 29 km langen Iseltal-Radwanderweg, der mit einer durchschnittlichen Steigung von einem Prozent auch größtenteils asphaltiert ist. Wandefans kommen auf etlichen gut beschilderten und einfachen Wanderwegen samt Rastplätzen auf ihre Kosten. Wagemutige wählen etwa den Klettersteig Galitzenklamm, der durch die imposante Galitzenklamm mit ihren faszinierenden Wasserfällen bezwungen werden will. Geführte Touren gibt es hier dienstags und donnerstags gegen Voranmeldung/Gebühr. Mit erfahrenen Guides geht es im Nachbarort Ainet im Adventurepark zum Rafting, Canyoning, Kajakfahren oder Stand-up-Paddeling oder in den nahe gelegenen Kletterpark. Familien mit Kindern bestaunen im Wildpark Assling unweit von Oberlienz mehr als 100 Wildtiere.

Kultur-Tipps. Am Schleinitzbach in Oberlienz erzählt das kleine Freilichtmuseum vom Bauern- und Handwerksleben. Erwandern lässt es sich bei einem zweistündigen Spaziergang von der Bad- & Brechelstube im Ortsteil Oberdrum aus. Infos und Führungen gibt das Gemeindeamt Oberlienz, Tel. 0043 –  48 52 – 6 44 88-13. Einen Besuch wert ist auch das Museum der Stadt Lienz im Schloss Bruck. In der im 13. Jahrhundert erbauten mittelalterlichen Burganlage mit zweigeschössiger Kapelle und spätgotischem Freskenschmuck, lassen sich in Sonderausstellungen Gemälde und Fotografien bedeutender Künstler bewundern.

Historische Stätten besuchen

Auf die Spuren der Römer macht man sich in den Ruinen der einzigen römischen Stadt auf Tiroler Gebiet, der Römerstadt Aguntum. Archäologische Schätze lassen sich auch im kleinen Museumsraum am Kirchbichl von Lavant, dem heiligen Berg Osttirols, bewundern.

Norbert Eisele-Hein

Reiseführer. Toureninfos und 50 Tourentipps liefern der Rother Wanderführer Osttirol Süd von Walter Mair mit Lienz – Drautal – Pustertal – Villgraten – Lesachtal, 1:50.000, 14,90 Euro, und das Rother Wanderbuch Osttirol von Mark Zahel, 14,90 Euro. Für unterwegs geeignet ist die Kompass WK 47, Lienzer Dolomiten – Lesachtal – Karnischer Höhenweg, 1:50.000, 9.95 Euro.

Info. Ferienregion Lienzer Dolomiten. Tourismusinformation Lienz, Mühlgasse 11 in Lienz, Tel.: Tel. 0043 – 5 02 12 – 4 00

Ein ABC über das Lama-Trekking durch die Osttiroler Dolomiten

A = Alpakas
Sind kleiner, haben eine feinere Wolle und meist mehr am Kopf als Lamas. Lamas und sie haben gemeinsame wilde Vorfahren, die Vikunjas und Guanakos. Sie gehören zu den Neuweltkameliden. Das Kamel ist zwar ein entfernter Verwandter, gehört aber wie Dromedar und Trampeltier (mit Höckern) zu den Altweltkameliden. Vor ca. 6000 bis 7000 Jahren begannen die Inkas die Vorfahren zu domestizieren und züchteten aus ihnen Lamas und Alpakas. Damit zählen sie zu den ältesten Nutztieren der Menschheit.

B = Beine
Sind schlank, lang und haben an den Füßen weiche Hornleder-Sohlen (Tylopoden) mit dicken federnden Schwielen. Damit hinterlassen sie weit weniger Trittschäden im Gelände als Schafe, Pferde oder Rinder. Die zwei nagelartigen, beweglichen Zehen pro Bein passen sich perfekt an die Unebenheiten des Untergrundes an, müssen gut gepflegt und immer wieder geschnitten werden.

C = Cria
In ihrem Heimtatland wird das Lamafohlen Cria genannt. Die putzigen Wollknäuel müssen ungestört innerhalb der Lamaherde aufwachsen – zu intensiver Kontakt zum Menschen kann Schuld daran sein, dass Lamas Mensch für einen Artgenossen halten. Nach der Geschlechtsreife sehen Hengste in Menschen dann einen Rivalen den sie aggressiv bekämpfen.

Scheu, freundlich und neugierig

D = Dickköpfig
Sie sind anfänglich etwas scheu, dann freundlich und sehr neugierig. Ihre ruhige Art und ihr Einfühlungsvermögen herrscht zwar vor, nur wenn etwa die Reihenfolge nicht eingehalten wird, oder andere Lamas leckeres fressen, können sie ganz schön dickköpfig werden.

Norbert Eisele-Hein

E = Ernährung
Lamas gehören zu den Wiederkäuern haben drei Mägen, fressen Heu, mageres Gras, krautige Pflanzen, Sträucher, Flechten, Blätter, Pilze. Acht Lamas haben in etwa den gleichen Futterbedarf wie eine Kuh. Anders als andere kamelartige Tiere müssen Lamas regelmäßig Wasser trinken, weil sie keine Flüssigkeit speichern können. Da sie bei der Nahrungsaufnahme nicht rupfen, dafür die Spitzen gezielt abgrasen, sind sie optimale Landschafts- oder Deichpfleger.

F = Fell
Die feinen, warmen Fellfasern können viel Feuchtigkeit aufnehmen, isolieren mit ihren minikleinen Luftkammern hervorragend und sind leicht. Lamas werden jährlich geschoren, aber nicht nur, um Wolle zu gewinnen: So bekommen sie im Sommer keinen Hitzeschlag, ihr Fell verfilzt nicht (Lamas betreiben keine Fellpflege) und die Haut wird auf Parasitenbefall, Pilz usw. kontrolliert. Zu den 25 unterschiedlichsten Farbvariationen gehören etwa einfarbig weiß, braun und schwarz, bis hin zu gefleckt, gemustert und gepunktet.

Brummen, Summen, Glucksen

G = Geräusche
Lamas sind stille Tiere, ihre »Unterhaltung« beschränkt sich auf ein leises Brummen, Summen, Glucksen, Grunzen, Schreien und Pfeifen in verschiedenen Höhenlagen. Bei Gefahr gibt es einen Warnruf, der dem Wiehern ähnelt. Die Laute nennt man auch »das Singen der Lamas!« Mit ihnen verständigen sie sich untereinander und mit den Menschen.

H = Herdentier
Lamas und Alpakas sind sehr soziallebende Tiere brauchen dringend ihre Artgenossen. Sie dürfen nie alleine gehalten werden.

I =  Intelligenz
Lamas lernen rasch: Nach nur wenigen Wiederholungen etwa das An- und Ablegen des Halfters, Leinenführigkeit, Ein- und Aussteigen aus einem Hänger, Packsattel tragen und ihre Namen.

J = Junghengste
Werden in Junggesellengruppen auf gesonderten Weiden im Herdenverbund gehalten. Sind Stuten in der Nähe, kann es zu Rangkämpfen und Verletzungsgefahr innerhalb der Hengstgruppe kommen.

Auf Schwanz und Ohren der Lamas achten

K= Körperhaltung
Verständigt wird untereinander mit einer Reihe von Ohr- Schwanz- und Körperstellungen. Entspannte Lamas, die sich dem ranghöheren Lama oder dem Menschen, der es führt, unterordnen, haben locker nach hinten gerichtete Ohren. Der Schwanz hängt ebenso nach unten. Schwanz und Ohren nach oben heißt erhöhte Aufmerksamkeit und Anspannung. Legt es die Ohren an, hält Nase und Schwanz nach oben, fühlt es sich unwohl, es wird geärgert oder gereizt; kommen gurgelnde Geräusche dazu, fühlt es sich äußerst unwohl. Achtung: Spuckgefahr!

L = Lama
Je nach Bewollung werden Lamas eingeteilt in Woll-Lamas (Woolys), Medium-, Classic und –Suri-Lamas. Ihre Schulterhöhe liegt zwischen 100 bis 140 cm, ausgewachsene Lamas wiegen zwischen 100 bis 220 kg (Hengste). Die Wildformen (Guanako, Vikunja) werden in der Freiheit 15 – 20 Jahre, Lamas können 25 – 30 Jahre alt werden.

M = Maul
Die gespaltene Oberlippe ist mit ihren hochsensiblen Lippen sehr beweglich, weich und zart. Füttert man Lamaleckerlis aus der Hand, ist nur ein ganz leichtes Kitzeln zu spüren.

N = Nahrung
Lamas brauchen viel »Rauhfaser«, das ist gut ausgereiftes Heu. Junges saftig grünes Gras hat sehr viel Eiweiß und ist für Lamas ungesund!

Lamas mögen Aufmerksamkeit

O = Ohren
Lamas haben bananenförmige Ohren, im Unterschied zu Alpakas die lanzenförmig zulaufende Ohren haben. Sie dienen neben Hören auch zur Wärmeregulation.

P = Pippi-machen
… und auch das »große Geschäft« wird oft von einem nach dem anderen Lama am gleichen Ort erledigt. Dazu hält dann die ganze Karawane an.

Q = Quengeln
Wer seinem Lama nur wenig Aufmerksamkeit schenkt oder nie Bissen von würzigen Bergkräutern gönnt, bekommt gurgelnde Geräusche zu hören. Stuten reagieren manchmal darauf mit Anspringen oder achtlosem Beiseiteschieben im Weg stehender Personen. Haben Lama ganz schlechte Laune, legen sie sich nieder.

R = Reiten
Reiten ist für alle möglich, die unter 20 Kilo wiegen.

Untereinander spucken Lamas einander schon mal an

S = Spucken
Mit halbverdautem Mageninhalt und nicht mit Spucke wird die Rangordnung innerhalb der Herde festgelegt. Somit werden aufdringliche Artgenossen auf Distanz gehalten. Lamas spucken Menschen normalerweise nicht an. Frisch verspeiste Körner können mitunter bis zu vier Meter weit fliegen. Akut wird es, wenn das Lama die Ohren länger anlegt und die Nase hoch aufrichtet.

T = Tragen
Die ausgezeichneten Tragetiere, trittsicher unterwegs, übernehmen in unwegsamem Gelände die unangenehme Rucksack-Tragerei. In Anden-Regionen arbeiten Lamas immer noch als Lasttiere in kargen, schwer zugänglichen Gegenden. Hengste tragen bis zu 50 Kilo und können an einem Tag 30 bis 50 Kilometer zurücklegen.

U = Ungewöhnlich
Obwohl sie Höhen von bis zu 5000 Metern gewohnt sind, sind Lamas gegen Feuchtigkeit und Luftzug recht empfindlich. Daher müssen sie vor Wind und Regen mit einem dreiseitig geschlossenen Stall geschützt werden.

V =  Verstehen
Je nach Situation brummen, glucksen, grunzen Lamas oder geben einen Alarmschrei ab. Tiefes Brummen (Summen) drückt v.a. Freude und Zufriedenheit aus. Höhere Tonlagen und längeres kraftvolles Brummen kann heißen, dass sie traurig, müde, besorgt, neugierig sind oder sich unwohl fühlen. Volltoniges Glucksen, etwas mehr durch die Nase als menschliches Glucksen, gebrauchen Lamas wenn sie etwa ein fremdes Lama sehen oder mit dem anderen Geschlecht flirten. Männliche Lamas geben kraftvolle Gurgellaute beim Deckakt ab. Laute, hohe, rhythmische Alarmschreie gibt es, wenn sich Lamas bedroht fühlen oder erschreckt werden. In der Wildnis warnen sie damit vor einem Raubtier.

Die Youngster werden verschont

W = Wolle
Lamahaare sind fettfrei, federleicht, warm und wertvoll. Sie werden für Strickwolle, Steppdecken, Bettinlays, Filzhüte, Hausschuhe, Schuheinlagen, Jacken, usw. verwendet. Noch wertvoller weil feiner ist Alpaca-Wolle.

X = X-Beine
Lama-Beine sehen wegen ihrer etwa dicken Kniegelenke und der Zehenstellung nach außen oft nach X-Beinen aus. Echte sind allerdings selten und – wie beim Menschen – eine Fehlstellung.

Y = Youngsters
Werden ab circa einem Jahr bei kurzen Wanderungen ohne Tragelast eingesetzt. Erst ab einem Alter von ca. 5 – 6 Jahren darf ein Lama bei alpinen Trekkingtouren als Lastenträger verwendet werden.

Z = Zähne
Hengste haben zu den üblichen 22 Backen- und sechs Schneidezähnen zusätzlich sechs spitze Hengst- oder Eckzähne. Im vorderen, oberen Kiefer haben Lamas keine Zähne, dafür eine feste Kauleiste. Ihre Schneidezähne wachsen das ganze Leben lang.

Buchtipp. »Die Favoritin«, Historienroman von Colette Davenet. Sie erzählt aus der Sicht einer Inka-Prinzessin von der Eroberung des Inkareiches und wie sie Gemahlin eines Konquestadores wird. Südamerikaliebhaber erfahren hier über die Sitten und Gebräuche der Inka-Kaste und wie und wohin die Lamas die Menschen begleitet haben.

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