Vom 9. bis 13. Mai 2017 ist Kiew Gastgeberin des 62. Eurovision Song Contests. Lohnt sich ein Besuch der Stadt? Unser Autor Carsten Heinke findet: Auf jeden Fall! Er verrät, was man sich in Kiew unbedingt ansehen sollte.

Einreise. Für EU-Bürger genügt der gültige Reisepass. Wer nicht länger als 90 Tage bleiben will, braucht kein Visum.

Anreise nach Kiew. Die lettische Fluggesellschaft Airbaltic www.airbaltic.de fliegt preisgünstig von Berlin- Tegel via Riga nach Kiew. Dabei gibt es in Lettlands Hauptstadt Zwischenstopps von einigen Stunden bis zu einem ganzen Tag oder einer ganzen Nacht – also entweder mit Zeit für einen Stadtrundgang oder einer Übernachtung – zum Beispiel in einem der Riga Airport Jurmala Apartments, wenige Taximinuten vom Flughafen (mit Panda-Taxi 3 EUR) entfernt. Die modern und gemütlich eingerichteten Studios mit Bad (Dusche und WC) und Kitchenette mit Herd und Kühlschrank sind völlig neu, sauber und superpreiswert. Die Nacht für zwei auf der bequemen Schlafcouch gibt es bei www.booking.com ab 30 Euro. Die Eigentümer sind freundlich und korrekt und sprechen Englisch. Adresse: Zolitūdes iela 54, Zemgales priekšpilsēta, Rīga, LV-1029, Lettland, Telefon: +371 29 242 407.

Sowohl der Flug von Tegel nach Riga als auch der von Riga nach Kiew Boryspil https://kbp.kiev.ua/en/ dauert eine Stunde und 40 Minuten. Vom modernen, tadellos organisierten Flughafen Kiew-Boryspil kommt man besten per Sky-Bus (mit pinken Streifen) und Metro (U-Bahn) ins Zentrum. Ratsam ist es, sich direkt nach Ankunft und Passkontrolle Bargeld zu besorgen – entweder per EC-Karte an einem Automaten (Gebühr inklusive der der eigenen Bank ca. 6 Euro) oder man tauscht an einem Wechselschalter noch kostengünstiger Euro in ukrainische Hrywni um.

Mit dem Bus und dann mit der U-Bahn in die City

Transfer ins Zentrum. Die Sky-Busse www.skybus.kiev.ua pendeln rund um die Uhr zwischen dem Flughafen Boryspil und dem Bahnhof Pivdenny. Die komplette Fahrt kostet 80 Hrywen (2,80 EUR). Am schnellsten und bequemsten kommt man jedoch ins Zentrum, wenn man mit dem Sky Bus nur bis zur ersten Metrostation »Kharkivska« fährt und sich von dort weiter in dem gut ausgebauten U-Bahn-Netz bis zum gewünschten Ziel bewegt.

Metro. Um mit der Metro fahren zu können, kauft man sich »zhetoni«(Gitons) – kleine Plastikmarken, die man zum Passieren der Absperrungen kurz vor den Rolltreppen in die Münzschlitze steckt. Wenn der grüne Pfeil leuchtet, kann man gehen. Erhältlich sind die Chips an den orangefarbenen Automaten mit der Aufschrift »ЖЕТОНИ« (siehe Foto). Man füttert sie mit einem grünen 20-Hrywen-Schein und erhält dafür 5 Gitons. Mit jedem davon kann man so lange U-Bahn fahren, wie man will (solange man nicht wieder die Absperrung passiert) oder bis die Metro gegen 24 Uhr schließt – und das für jeweils 4 Hrywni (14 Cent). Wer Zhetoni übrig behält, kann sie zu Hause prima als Chip für den Einkaufswagen nutzen. Sie passen nämlich genau hinein.

Carsten Heinke

Günstig in der City im »Ukrajina« übernachten

Geld. Die ukrainische Währung heißt Hrywnja (Einzahl und nach allen Zahlen mit -1 am Ende), in der Mehrzahl nach Zahlen mit -2, -3 oder -4 am Ende „Hrywni“ bzw. nach allen anderen Zahlen „Hrywen“) – ganz einfach, oder? Jeder Ukrainer ist beeindruckt, wenn man das weiß. Wenn nicht, auch nicht schlimm. Für einen Euro erhält man derzeit (Stand 24. 4. 2017) 29,16 Hrywen. Die kleine Einheit, die man kaum noch zu Gesicht bekommt, ist die Kopijka.

Übernachten. Nicht das allermodernste, aber dafür eines der coolsten Hotels Kiews ist das berühmte »Ukrajina« (4 Sterne) im Herzen der Stadt, unnmittelbar am Maidan Nezalezhnosti gelegen. Wer nicht das Glück hat, ein Zimmer auf der Maidan-Seite zu erwischen (aber dafür etwa mit einer Aussicht auf den Dnipro-Fluss entschädigt wird), kann mindestens beim Besuch des opulenten Frühstücks- (eigentlich eher Brunch-) Buffets im Restaurant (2. Etage) oder abends bei einem Drink in der Bar ganz oben den imposanten Blick auf den geschichtsträchtigen Platz genießen. Der in den 1950er-Jahren entstandene, 16-stöckige Protzbau im stalinistischen Zuckerbäckerstil diente während der revolutionären Ereignisse rund um den Euromaidan 2013/14 als internationales Medienzentrum und Lazarett. Heute sind das Haus und seine 375 hellen, hohen Zimmer saniert und neu möbliert. Das einfache Doppelzimmer mit Bad gibt es ab 42 Euro inklusive Frühstück. Adresse: ulitsa Institutskaja 4, Telefon +38 044 590 44 00, www.ukraine-hotel.kiev.ua/en

Carsten Heinke

Speisen in der Markthalle Bessarabskyj rynok

Essen & Trinken. Wer noch nie veganes Street Food probiert hat, sollte es in Kiew unbedingt mal tun. Für alle anderen ist der superhippe Foodcourt in einer Ecke der wunderbar altmodischen Markthalle Bessarabskyj rynok (Jugendstil, Baujahr 1912) sowieso ein Muss. Bespielt wird er derzeit von zwei (sicher bald wieder drei) Läden – dem »Green Kitchen 13« (ehemals »Vegano Hooligano«), www.facebook.com/Green13Cafe und »Buterbrod«, www.facebook.com/buterbrod.sumasbrod.

Beide bieten frische, hausgemachte Wraps und Burger, Suppen und Salate, Sandwiches und Crepes – allesamt vegan und tierisch lecker – genauso wie die kreativen Drinks, Desserts und süßen Teilchen. Das teuerste Gericht im »Buterbrod« kostet 60 Hrywen (2,10 EUR), im „Green 13“ 55 Hrywen (1,90 EUR). Geöffnet täglich von 10 bis 22 Uhr. Adresse: Bessarabska ploshtsha, 2, Telefon +380 98 294 0231, Metrostation: Lwa Tolstoho oder Teatralna.

Achtung: Trinkwasser sollte man nicht aus der Leitung trinken. Mineralwasser in Flaschen ist für wenige Cent fast überall und rund um die Uhr erhältlich, u. a. in Apotheken.

ESC im Expocenter

Eurovison Contest. Austragungsort des 62. Eurovision Song Contest (ESC) vom 9. bis 13. Mai 2017 ist das »Expocenter der Ukraine« (Національний експоцентр України) auf dem zentralen Messegelände (ehemaliges Areal der Ausstellung der Errungenschaften der Sowjetrepubliken WDNG). Der große Saal fasst 8.000 Zuschauer auf 6.500 Sitz- und 1.500 Stehplätzen. Die Entfernung zum Flughafen Boryspil beträgt 27 Kilometer. Adresse: Prospekt Akademija Hlushkowa 1-5, Telefon +380 44 596 9101, Metrostation Livoberezhna (Brovarsky prospekt), von dort etwa 5 min zu Fuß, www.expocenter.com.ua. Das für alle offene Eurovison Village mit Public Viewing, Liveshows und anderen Veranstaltungen befindet sich während des Festivals auf dem Chreshtshatyk, der Hauptstraße im Stadtzentrum. Weitere Informationen zum ESC bei www.eurovisionworld.com

Sehenswürdigkeiten. Konkurrenz machen den unzähligen historischen Sehenswürdigkeiten in neuester Zeit die vielen fantastischen Street-Art-Kunstwerke der Stadt. Mindestens 80 sollen es bis 2018 sein. Maßgeblich unterstützt wurde das von dem ukrainischen Filmemacher Geo Leros initiierte Projekt übrigens von Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko, der zu diesem Projekt Künstler aus aller Welt in die Stadt holte. Zu den schönsten und bekanntesten zählt Guido van Heltens Porträt der ukrainischen Nationaldichterin Lesja Ukrainka (1871-1913) an der Hauswand in der Wul. Striletzka 28. Eine Karte mit allen Werken gibt es hier: www.kyivmural.com Geführte Touren dazu (2 Stunden – 49 Euro für eine Person, bei zwei Personen je 29 Euro, bei drei 19, bei vier 15 Euro usw.) kann man buchen unter www.kievfriendly.com/streetart-tour

Must see: das Höhlenkloster Petsherska Lawra

Für orthodoxe Christen ein hochheiliger Wallfahrtsort und zugleich touristische Hauptattraktion Kiews ist das Höhlenkloster Petsherska Lawra, ein weitläufiger Komplex aus Kirchen, Katakomben und Museen. Optimale Besuchszeit ist werktags vormittags. Der Eintritt ist frei. Für die verschiedenen Ausstellungen zahlt man wenig Geld für Extra- oder Kombitickets. Anfahrt bis Metrostation Arsenalna. Vom Ausgang schräg links auf der gegenüberliegenden Straßenseite fährt der Linienbus 24 direkt zum Kloster. Tickets zu 3 Hrywni (10 Cent) bei der Schaffnerin im Bus. Einfach einsteigen – sie kommt zum Fahrgast.

Was man sich in Kiew unbedingt ansehen sollte: Nur wenige Minuten zu Fuß hinter dem Höhlenkloster erhebt sich – mächtig gewaltig – die stählerne Kolossalstatue Mutter Heimat über einem Berghang am Dnipro. Das 102 Meter hohe Denkmal bildet den Mittelpunkt eines Erinnerungsparks zum Gedenken an den Sieg der Roten Armee im Großen Vaterländischen Krieg (2. Weltkrieg), zu dem auch ein Museum gehört. Wul. Lawrska (Anfahrt wie Höhlenkloster), www.warmuseum.kiv.ua

Auch sehenswert: die Sophienkathekrale und das Michaelskloster

Die über tausendjährige Sophienkathedrale mit ihren 13 goldenen Zwiebeltürmchen war einst Sitz der mittelalterlichen Kirchenfürsten. Heute ist sie ein Museum. Wer keine Höhenangst hat, sollte unbedingt den freistehenden, 76 Meter hohen Glockenturm besteigen, von dem man nicht nur ganz Kiew überblickt, sondern auch die beste Aussicht auf die Kathedrale selber hat. Wul. Wolodymyrska 24, Metro Majdan oder Soloti Worota. Eintritt nur aufs Gelände 20 Hrywen (70 Cent), Turm 40 Hrywen (1,40 Euro), Kathedrale 80 Hrywen (2,80 Euro). Geöffnet von 9 bis 19 Uhr.

Wenige hundert Meter weiter liegt das gleichfalls zwiebelbetürmte Michaelskloster. Von dort ist man in ein paar Minuten am Andreassteig, dem bekanntesten Kiewer Künstler- und Kunsthandwerker-Kiez. Er führt vom hochgelegenen Altkiewer Plateau bis zum Kontraktplatz hinab. Hier gibt es viele schöne und originelle Dinge zu kaufen und interessante Leute zu sehen, jede Menge Straßenstände, Läden, Cafés und Restaurants sowie das Haus, in dem der Schriftsteller Michail Bulgakow (»Meister und Margarita«) von 1906 bis 1919 lebte. Metrostation Poshtowa Ploshtsha, mit der Seilbahn (Funikuler) hoch und ein paar hundert Meter in die Richtung, wo die meisten Menschen herkommen.

Kunst in der Landschaftsallee

Ein großer Spielplatz vor allem für Erwachsene ist die Pejsazhnaja Alleja (Landschaftsallee) zwischen dem Altkiewer Plateau und der Wul. Welyka Zhytomyrska. Der ukrainische Künstler Konstantin Skretutskyi hat hier aus Mosaik-Stein-Skulpturen einen ganzen Park geschaffen. Neben einer Katzenkletterburg gibt es eine 25 Meter lange Katze, die Prinzessin auf der Erbse, den Kleinen Prinzen, Brunnen mit Elefanten und einem Zebra-Liebespaar – ein toller Platz zum Träumen, Fotografieren und Auf-der-Wiese-sitzen. An einer kleinen Wagen-Bar gibt’s selbstgemachte Limonade, Coffee-to-go und Eis.

Als spektakuläre Rekonstruktion blieb das Goldene Tor, größtes der einst vier mittelalterlichen Stadttore Kiews, erhalten. Viel über seine Geschichte erfährt man in dem kleinen Museum des burgartigen, von einer winzigen Kirche gekrönten Bauwerks. Wul. Wolodymyrska 40a, Metrostation Soloti Worota.

Infos übers Nightlife in den sozialen Netzwerken

Nachtleben. Kiews Ausgehszene ist bunt (von ultraschick bis super lässig) und ständig in Bewegung. Kneipen, Clubs und Bars öffnen, schließen, ziehen um und öffnen unter neuen Namen wieder. Bis ein Laden in einem Reiseführer steht, steigt die Party manchmal längst woanders. Websites sucht man oft vergebens. Eher kriegt man Infos über das soziale Netz – wenn man denn Anhaltspunkte hat. Doch zum Glück kommt man mit den Kiewern sehr leicht ins Gespräch. Die jungen sprechen alle Englisch – und wissen, wo man gerade wonach tanzt, wo welche Band spielt oder welcher DJ auflegt.

Eine empfehlenswerte Adresse (getestet am 1./2. April) ist das »Closer« – ein Club mit chilliger Terrasse und Balkon in einer alten Fabrik mit Drehkreuz und Pförtner. Hier gibt’s in erster Linie viel Electro auf die Ohren, aber auch alle möglichen Indie-Livekonzerte, Filme, Kunst und Mode. Tickets: 180 Hrywen (6,30 Euro). Am Wochenende geht’s im Schnitt von 23 bis 15 Uhr. Obwohl ein bisschen abgelegen, stehen bis zum Schluss Taxis vor der Tür. Die Hinfahrt vom Maidan kostet 120 Hrywen (ca. 4 Euro), die Rückfahrt 200 Hrywen (7 Euro). Metro geht auch: bis zur Station Tarasa Shevtshenka, dann ein ganzes Stück zu Fuß. Adresse: Nyzhnoiurkivska St. 31, www.facebook.com/closerkiev

Partystart im Pink Freud Kyiv

Ein prima Platz für den Start in die Partynacht ist das angenehm durchgeknallte Pink Freud Kyiv – eine Bar, deren größter Raum ein mit Zeltdach überspannter Altstadt-Innenhof ist. Die nach einer polnischen Jazzband benannte Location mit freundlich-schrägem Personal und Sigmund-Freud-Motiven an den Wänden gehört zu den Hotspots der Kiewer Subkultur. Außer allen möglichen Drinks bekommt man hier auch gut zu futtern. Wer die Rote-Bete-Suppe »Borshtsh« – das ukrainische Nationalgericht – bestellt, und gut »smetana« (Sauerrahm) dranrührt, hat sogar pinkes Essen – und eine handfeste Grundlage für alles, was die Nacht noch bringt.

Mit Zigaretten muss man wie inzwischen auch überall in Kiew vor die Tür. Doch wer Shisha mag, wird im Pink Freud sogar von einem Smoke Sommelier betreut und kann seinen Lieblingsgeschmack in der Wasserpfeife rauchen. Dazu gibt’s endlos viele Cocktails, Longdrinks, Bier und Wein, gute Musik (oft live) und interessantes Publikum. Geöffnet täglich von 18 bis 2 Uhr. Adresse: Nyzhnii Val St. 19, Telefon +380 50 991 9818, www.facebook.com/pinkfreudkyiv

Gesundheit. In medizinischen Notfällen am besten direkt an eine ausländische Klinik wenden. Behandlungskosten müssen vor Ort gezahlt werden. Eine Auslandskrankenversicherung ist erforderlich, am besten mit Reiserückholversicherung. Die Notrufnummer für die Ambulanz ist 103.

Mehr Infos im CityTrip-Kiew-Reiseführer

Reiseführer. Sehr zu empfehlen ist »CityTrip Kiew« von Insiderin Heike Maria Johenning – sehr praktisch, übersichtlich und informativ und mit vielen Infos darüber, was man sich in Kiew unbedingt ansehen sollte. Der erst kürzlich überarbeitete, im Januar 2017 neu erschienene Kiew-Reiseführer ist wohl momentan der aktuellste auf dem deutschen Markt, allerdings wegen der Schnelllebigkeit der Boom Town auch nicht komplett auf dem letzten Stand. So z. B. wurde der im Buch genannte Kult-Club »Hlib« (Das Brot) geschlossen, und die Angaben zu dem veganen Food-Court (siehe weiter oben »Essen & Trinken«) stimmen so leider auch nicht mehr. Anyway, die 11,95 Euro dafür sind nützlich angelegtes Geld! Reise Know How Verlag, 144 Seiten, ISBN: 978-3-8317-2931-9, www.reise-know-how.de/citytrip/kiew17

Allgemeine Auskünfte. Botschaft der Ukraine, Albrechtstraße 26, 10117 Berlin, Telefon 030/ 28 88 72 17, Telefax 030/ 28 88 71 63, www.mfa.gov.ua

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