In Singapur wird Essen zur Identität. Zwischen dampfenden Garküchen, klappernden Woks und endlosen Schlangen vor kleinen Ständen zeigt sich, warum Streetfood hier weit mehr ist als schnelle Küche. Und sogar Unesco-Welterbe wurde. Hier kommt unser Guide für die sogenannten »Hawker Center«, so nennt man die Streetfood-Märkte in Singapur. Welche Spezialitäten ganz oben auf der Probierliste stehen sollten und was sich hinter einer Bestellung namens »Michael Jackson« verbirgt – all das und mehr erfährst du hier.
Was ist ein Hawker Center in Singapur?
Ein Hawker Center ist eine überdachte Markthalle, in der zahlreiche kleine Garküchen unter einem Dach zusammenkommen. In Singapur sind Hawker Center ein fester Bestandteil des Alltags und der Esskultur. Hier wird frisch gekocht, oft nach über Generationen weitergegebenen Rezepten. Die Auswahl reicht von einfachen Nudelgerichten bis zu aufwendig zubereiteten Spezialitäten. Gegessen wird meist an einfachen Tischen, schnell, unkompliziert und zu fairen Preisen. Hawker Center gelten als Orte, an denen sich kulinarische Vielfalt und lokales Leben besonders authentisch erleben lassen. Hier verschmelzen chinesische, malaiische, indische und indonesische Einflüsse zu einer Küche, die so bunt ist wie die Stadt selbst. Über 120 dieser Food-Hallen mit rund 14.000 Garküchen machen den Stadtstaat zu einer lebendigen Spielwiese für Genießer – offen, laut, kreativ und vor allem: herrlich unkompliziert.
Das Besondere daran? Hier trifft Streetfood auf Spitzenküche. Denn einige der kleinen Stände wurden schon mit Michelin-Sternen oder Bib Gourmand ausgezeichnet – und das ist weltweit fast einzigartig. Dass diese Esskultur seit 2020 offiziell zum immateriellen Unesco-Kulturerbe zählt, ist da eigentlich nur konsequent.
5 Gerichte, die du probieren musst
Singapurs multikulturelle Vielfalt zeigt sich nirgendwo so deutlich wie in den Hawker Centern – und vor allem auf den Tellern. Diese Klassiker solltest du auf jeden Fall probieren:
Laksa: Eine cremig-würzige Kokosnuss-Nudelsuppe, inspiriert von der Peranakan-Küche.
Roti Prata: Frittiertes Fladenbrot aus Indien, das mit Currys oder süß, mit Käse und Ei gefüllt serviert wird.
Chilli Crab: Saftige Krabben in einer süß-scharfen Chilisauce, serviert mit fluffig gebratenen Brot zum Dippen.
Hainanese Chicken Rice: Saftiges Huhn auf aromatischem Ingwerreis, dazu würzige Chilisauce und eine Paste aus Ingwer und Knoblauch.
Nasi Lemak: Aromatischer Kokosreis, serviert mit einer Auswahl köstlicher Beilagen.

Foto: lydiarei / Shutterstock.com
Welche Hawker Centres sind die Besten?
Hawker Center sind mehr als einfache Essensstände – hier treffen Geschichte, Identität und Gemeinschaft in jeder Schüssel aufeinander. Wer Singapur verstehen will, kommt an einem Besuch in den Hawkers nicht vorbei. Hier sind unsere Tipps:
»Chinatown Complex Food Centre«
Mit über 10.000 Quadratmetern, mehr als 220 Ständen und tausenden Sitzplätzen ist das »Chinatown Complex Food Centre« (hier gehts zur Webseite) das größte Hawker Center in Singapur. Es empfiehlt sich also, sehr hungrig hinzugehen. Kein Wunder, dass hier kulinarische Highlights auf engem Raum aufeinandertreffen – vom klassischen Hühnerreis bis zu preisgekrönten Streetfood-Gerichten.
»Peoples Park Food Centre«
Das älteste Hawker Center Singapurs (hier gehts zur Webseite) findet man mitten in Chinatown – die Anfänge reichen zurück bis ins Jahr 1923. Schon damals diente es als lebendiger Treffpunkt für Einwanderer, die hier frisches Essen, handgemachte Spezialitäten und ein Stück Heimat fanden. Alte Rezepte treffen auf quirliges Treiben und zwischen den Ständen duftet es nach klassischen Gerichten, die Generationen von Familien bewahren.
»Lau Pau Sat«
Lau Pa Sat (hier gehts zur Webseite) sticht nicht nur mit seiner einzigartigen viktorianischen Architektur ins Auge, sondern ist auch ein echtes Highlight für Food-Fans. Die markante viktorianische Bauweise des Hawker Centers ist nicht nur perfekter Fotospot, sondern erzählt auch von der reichen Einwanderungsgeschichte der Stadt. Am Abend erwacht die angrenzende Satay Street zum Leben: Über glühender Holzkohle brutzeln die Satay-Spieße, dazu steigt der verführerische Duft von würziger Erdnusssauce auf – na, wem läuft jetzt schon das Wasser im Mund zusammen?
Newtwon Food Centre
Das Newton Food Centre (hier gehts zur Webseite) diente nicht nur als Kulisse für asiatische Kinohits, sondern ist auch kulinarisch ein Hotspot. Dieses Hawker Centre ist eines der bekanntesten Foodspots der Stadt und punktet besonders mit seiner einzigartigen Abendstimmung unter freiem Himmel – perfekt, um sich durch die leckeren Streetfood-Spezialitäten zu schlemmen.
Maxwell Food Centre
Zum Maxwell Food Centre (hier gehts zur Webseite) gibt es eine kleine Anekdote: Der wohl bekannteste Hühnerreis-Stand Singapurs ist »Tian Tian Hainanese Chicken Rice« (hier geht es zur Seite auf Instagram), von dem selbst internationale Küchenstars begeistert sind. Der amerikanische Starkoch Anthony Bourdain schwärmte einst davon, es gäbe dort eines der besten Gerichte, die er je probiert habe. 2013 versuchte sich sogar Gordon Ramsay im Kochduell gegen die Besitzerin – und musste sich geschlagen geben.
Tipps und Tricks für den Erstbesuch
Wer zum ersten Mal in ein Hawker Center geht, sollte das Abenteuer genießen, offen für Neues sein und vor allem mit ordentlich Appetit kommen.
Wann lohnt sich ein Besuch?
Früh am Morgen oder abends nach Sonnenuntergang – dann erwachen die Stände zum Leben, es duftet nach frisch zubereiteten Gerichten, und Einheimische treffen sich, um zu essen, zu plaudern und die Atmosphäre zu genießen.
Wo hingehen?
Ein guter Tipp: einfach dorthin, wo sich Schlangen bilden. Das ist das meist ein sicheres Zeichen dafür, dass das Essen richtig gut ist.
Wie bestellt und bezahlt man?
Direkt am Stand bestellen, zahlen entweder bar oder digital – Trinkgeld ist hier eher unüblich.
Was ist »Choping«?
In Singapur reserviert man Plätze auf kreative Art: Ein Taschentuch, eine Wasserflasche oder sogar ein Regenschirm auf dem Tisch signalisiert: Hier sitzt jemand!
Und was hat es mit dem »Michael Jackson« auf sich?
Hierbei handelt es sich weniger um eine ausgefeilte Gesangsperformance, als mehr um ein beliebtes Getränk aus Sojamilch mit schwarzem Grasgelee (eine Art Bubble Tea) – der Name spielt auf den Kontrast von Schwarz und Weiß an. Wer es einfacher mag, bestellt einfach einen »Black & White«.
Gibt es vegetarische oder vegane Optionen?
Auf jeden Fall! Fast jedes Hawker Center bietet fleischfreie Gerichte. Besonders beliebt sind indische Thali-Teller, Gemüse-Laksa oder gebratene Nudeln ohne Fleisch.

Foto: George Dagerotip
Kulinarische Legende
Das Paradebeispiel dafür, wie Streetfood und Sterneküche in Singapur Hand in Hand gehen, ist »Liao Fan Hong Kong Soya Sauce Chicken Rice & Noodle« (hier gehts zur Webseite) – der erste Streetfood-Stand weltweit, der mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde.
Oder wie Gründer Chan Hon Meng sagt:
»Ich wollte zeigen, dass Streetfood genauso hochwertig sein kann wie Fine Dining.«
Bis heute gilt sein Gericht als eines der günstigsten Michelin-Menüs überhaupt – ein perfektes Beispiel dafür, dass kulinarische Spitzenqualität in Singapur für jeden erschwinglich ist. Mittlerweile kann man sein Streetfood sogar an mehreren Standorten genießen. Was es hier gibt? Das Signature Dish ist Soya Sauce Chicken Rice. Berühmt ist das in Sojasauce geschmorte Huhn, das stundenlang nach geheimer Rezeptur gegart wird. Das Fleisch ist zart, saftig und intensiv gewürzt, die Haut dunkel glänzend.

Foto: Kevin Hellon / shutterstock
Singapurs Hawker Center sind kein Touristensightseeing – sie sind das pulsierende, aromatische Herz der Stadt. Hier trifft Kultur auf Chaos, Tradition auf Geschmacksexplosionen, und jeder Stand erzählt seine eigene Geschichte. Einfach hungrig hingehen und genießen!
Auf der Webseite des Fremdenverkehrsamtes von Singapur bekommst du weitere spannende Infos zu den Hawker Centern.
Was du bei deinem Besuch in Singapur beachten solltest: Den Kaugummi bitte daheim lassen – hier gehts zum Text!
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Foto: curated lifestyle



