Die Costa do Cacau im brasilianischen Bundesstaat Bahia war weltbekannt für ihre Kakaoplantagen – bis ein fieser Pilz den Plantagen den Garaus machte. Doch ein paar von ihnen haben überlebt. Man kann sie heute sogar besuchen. Was man dort macht? Über Feld und Wiese stampfen und die süßen Verführungen verkosten. Ein Besuch in der Vila Rosa.

In wenigen Tagen ist es wieder so weit: Der Advent steht vor der Tür. Die Supermärkte sind bereits seit Wochen vollgestopft mit Schokoladenhasen, Pralinen und Mozartkugeln. Und die Deutschen langen nur allzu gern zu: Fast neun Kilogramm Schokolade isst jeder Deutsche pro Jahr. Das ist eine ganze Menge. Als eine der größten Schokoladenhersteller gelten Nestlé, Mars, Lindt & Co. Sie beziehen die Schokolade oft von Barry Callebaut, dem größten Schokoladenverarbeiter weltweit.

Hergestellt wird Schokolade aus der Kakaobohne. Das sind die Samen der Kakaofrucht. Der Anbau von Kakao gelingt nur in den Tropen rund um den Äquator. Der Grund liegt auf der Hand: Der Kakaobaum mag es schwül, warm und schattig. In Regionen, die außerhalb 20 Grad nördlicher und 20 Grad südlicher Breite liegen, hat man keine Chance, Kakao anzubauen. Zu Hause in Deutschland würde das also niemals etwas werden. Viel zu kalt. Der Kakaobaum mag es nämlich warm. Sehr warm. Sobald die Temperatur unter 16 Grad sinkt, ist es auch schon vorbei mit seinem Dasein.

Ein traditionelles Kakao-Anbaugebiet liegt im brasilianischen Bahia. Genauer gesagt an der Costa do Cacau. Ihr schwülheißes Klima garantiert ideale Anbaubedingungen für den Kakaobaum.

Kleine Kakao-Zuchtpflanzen

Frank Störbrauck

Desaströse Pilzkrankheit zerstörte die Kakaoplantagen

Ab Ende des 19. Jahrhunderts war Bahia der weltweit bedeutendste Kakaoproduzent. Vom Hafen Ilhéus aus schifften die Plantagenbesitzer bis zu 400.000 Tonnen Kakaobohnen nach Europa und in die USA. Doch das gute Geschäft währte nicht ewig. In den 80-er Jahren brach der Weltmarkt-Preis für Kakao ein, und 1989 machte die aus dem Amazonasgebiet durch einen Pilz eingeschleppte »Vassoura de Bruxa«-Verwachsungen der Pflanze den Garaus. Binnen weniger Jahre wurden rund 90 Prozent der Pflanzen in Bahia zerstört. Viele Plantagenbesitzer mussten aufgeben. Aber nicht alle. Eine der wenigen Kakaoplantagen, die den Widrigkeiten der Branche trotzt, ist die Vila Rosa. Sie liegt rund 25 Kilometer südwestlich des Surferparadieses Itacaré.

Morgens um 11 Uhr ist die Welt hier in Ordnung. Eine wuchtige Kolonialzeit-Villa ist das Zentrum der Plantage. Ganz so wie früher. Es geht Steintreppen hinauf, rechts und links wuchert das Grün, im Innenhof plätschert ein Bach durch die Plantage.

Kleiner Wasserfall in der Fazenda Vila Rosa

Frank Störbrauck

Alles sehr idyllisch hier. Vila-Rosa-Mitarbeiterin Luciane begrüßt die Gäste. Ein halbes Dutzend hat sich heute zu einer Tour durch die Plantage am Ufer des Rio de Contas angemeldet. Luciane führt in der nächsten Stunde vor, wie und wo man den Kakaobaum pflanzt, die Schoten korrekt erntet, fermentiert, trocknet – und welche Leckereien am Ende dabei herauskommen. Aber der Reihe nach …

Der Kakaobaum braucht Wärme und Schatten

Der Anbau der etwa zwanzig Zentimeter langen Schoten ist ein arbeitsintensives Unterfangen, das lernt man schnell. Luciana führt zunächst durch einen kleinen Schrebergarten, indem die jungen Kakaobäume hochgezüchtet werden. Ganz vorn lugen sie nur ein paar Zentimeter aus dem Boden, je weiter es nach hinten geht, desto größer werden die Bäumchen. Das sieht alles sehr kleinteilig und putzig aus – kaum zu glauben, dass diese Pflanzen einmal bis zu 13 Meter hochwachsen können. Auf die neugierige Frage eines Besuchers, wo denn nun die Kakaofrucht ist, heißt es nur: gemach, gemach.

Kakaofrucht hängt am Baum

Frank Störbrauck

Weiter geht es über den Weg hinab, Richtung Rio de Contas. Zuvor aber muss, Achtung, bitte, Autos, die Straße überquert werden. Es geht weiter auf einem Urwaldweg. Vorbei an irre wuchtigen Bambusbäumen, den für Bahia so typischen Kokosnusspalmen und Mangobäumen.

Köstlich: das glibberige Fruchtfleisch der Kakaofrucht

Der Kakao ist ein Unterholzbaum. Das heißt, er braucht große Pflanzen und Bäume als Nachbarn, die ihm Schatten spenden. Zu viel Sonne mag er nicht. Und dann der Höhepunkt der Tour: Luciana zeigt den Besuchern einen ausgewachsenen Kakaobaum und pflückt eine Frucht ab. Mit einem Holzstück klopft sie zweimal auf die Frucht –und zack, geöffnet ist sie. Die Bohnen sollte man bitte nicht probieren, die sind ungenießbar, weil megabitter. Das glibberige Fruchtfleisch dagegen schmeckt köstlich. Fängt man einmal an mit dem Naschen, kann man gar nicht mehr aufhören.

Mitarbeiterin der Vila Rosa in Bahia hält in ihrer Hand das Fruchtfleisch der Kakaobohne

Frank Störbrauck

Und wann ist Erntezeit, fragt ein Besucher? Nun, der Kakaobaum produziert das ganze Jahr über Früchte. Die erste Ernte erfolgt zwischen Mai und September, die Haupterntezeit ist aber zwischen Oktober und Dezember. Geerntet wird mit der Hand, Maschinen sind tabu. Die Erntehelfer bedienen sich meist eines »Podãos«, einer großen Astschere. Anschließend landet die Frucht in einem Weidenkorb und wird in die Produktionshallen gebracht. Nun geht es darum, die Kakaobohnen (jede Frucht hat ca. 20 bis 50 davon) zu verarbeiten.

Was für Liebhaber bitterer Schokolade

Auch die Kakaoplantage Vila Rosa hat so eine Produktionshalle. Mitarbeitern Luciana erläutert kenntnisreich den weiteren Verarbeitungsprozess, der sich ziemlich kleinteilig und arbeitsintensiv anhört. Die Samen werden ein paar Tage mit der glibberigen Masse in Kisten und Tonnen gefüllt, damit sie nicht mehr so bitter sind. Diesen Prozess nennt man Gärung. Aber nicht nur der Geschmack ändert sich, auch die Farbe: Aus der weißgelben Kakaobohne wird das typische Schokoladenbraun. Anschließend werden die Bohnen getrocknet und geröstet.

Nun sind die meisten Besucher aber neugierig. Wie schmeckt denn nun die plantageneigene Schokolade? Kommt drauf an, was man mag. Liebhaber von bitteren Schokoladen dürften schier entzückt sein.

Angestellte in der Fazenda Vila Rosa

Frank Störbrauck

Denn einige der Schokoladensorten haben einen ziemlich hohen Schokoladenanteil – entsprechend ist der Geschmack. In dem kleinen Verkaufsshop werden einige Sorten angeboten. Zu Preisen, die nur geringfügig höher sind als in den Supermärkten bei uns. Geschmacklich aber spielen sie in einer ganz anderen Liga. In der Spitzenliga.

 

 

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