Stockholm ist ganzjährig eine Reise wert. Wenn die Sonne aber ab Juni immer kräftiger scheint, ganz besonders. Dann nämlich verbringen die Bewohner ihre Freizeit draußen, verbreiten immerfort gute Laune, und man kann sich bei Kanelbullar, Radwanderungen und Shoppingtouren bestens erholen. Text: Andreas Dauerer


Knapp 14 Inseln, 53 Brücken, rund 1,4 Millionen Einwohner, ein alter Stadtkern samt königlichem Schloss – neuerdings sogar inklusive Nachwuchs ­– so oder so ähnlich steht es im Stockholm-Reiseführer. Kulturbeflissene erfahren zudem, wo die Königliche Oper steht und wo das Moderna Museet, jenes Museum für zeitgenössische Kunst, das 1993 so traurige Berühmtheit erlangte, weil Gemälde von Picasso und Braque im Wert von 60 Millionen entwendet wurden.

Wer gut essen gehen möchte, dem schlägt das Werk Stureplan als Stadtviertel vor, und dass man Hippes und Ausgefallenes in Sachen Textil und Design vor allem auf der Südinsel Södermalm bekommt, verschweigt das Büchlein ebenso wenig. Blättert man dann ein wenig weiter, kommen irgendwo die Geheimtipps der Buchautoren.

Frederik Broman

Nur, gibt es diese Geheimtipps überhaupt?

In Schwedens Hauptstadt kann man getrost sagen: Ja, die gibt es. Jedoch sind sie nicht ausschließlich daran festzumachen, dass einige Plätze, Bars oder Restaurants einfach besser sind als andere – was natürlich unbenommen stimmt – sondern schlichtweg, weil man als Besucher fast an jeder einzelnen Straßenecke etwas ganz Neues entdecken kann. Die immer stärker werdende Sonne ist es aber, die die skandinavische Metropole vom Winter- in den Sommermodus schaltet und auch für Besucher unwiderstehlich macht.

Wer dann etwa auf eines der zahlreichen Stadträder steigt, wird vom ersten Tritt an belohnt. Mit frischer Luft, einem unentwegten Blick auf die extravagant und überaus stilsicher gekleideten und nicht minder gut gelaunten Bewohner Stockholms und nicht zuletzt auf eine herausgeputzte Stadt, welche die intensiven Sonnenstrahlen zu inhalieren scheint, um sie für den nächsten Winter wenigstens eine kleine Zeit konservieren zu können, bevorzugt auf den unzähligen Grün- und Wasserflächen der Stadt.

Im Hagapark etwa mit dem gleichnamigen Schloss, in dem der aktuelle König Carl XVI. Gustaf das Licht der Welt erblickte, trifft sich das picknickwillige Volk auf dicken Decken, die die Hintern vor dem kühlen Boden schützen sollen. Die vorgelagerten Kupferzelte der ehemaligen Leibgarde glitzern in der Sonne braunrot und blau um die Wette, und im Inneren haben die Damen alle Hände voll zu tun, Kaffee und Kuchen auszugeben.

Bergab Richtung Kultur

Wenn man sich dann von diesem Anblick sattgesehen hat und sich der erste Hunger regt, dann sollte man auf der anderen Seite des Brunnsviken Sees an der Uni vorbei zurück in die City fahren. Jedoch nicht ohne einen Abstecher in östlicher Richtung zum Skafferiet i Ekoparken zu machen. Schon der Anblick des roten Schwedenhäuschens lässt einen an Astrid Lindgren denken. Die müde gewordenen Beine streckt man bei leckerem Kaffee, Kanelbullar, den schwedischen Zimtschnecken, oder üppigen Käsekuchenstücken in die warme Schwedensonne und genießt die grünen Wiesen und Bäume, fernab der hektischen Stadt. Die nämlich ist hier auf einmal sehr weit weg.

Nicho Soedling

Wer anschließend keine große Lust mehr verspürt, wieder in den Sattel zu steigen, der hat Glück: Von hier aus führt das Gelände leicht bergab ins Zentrum. Das Stockholmer Olympiastadion, das einst 1912 für die Sommerspiele erbaut wurde und jetzt als Heimspielstätte des Fußballclubs Djurgårdens IF dient, liegt direkt am Weg in Richtung Östermalm und ist allein schon wegen seines pompösen Eingangs ein Foto wert. Fünf Minuten später steht man dann vor der Saluhall, der berühmten Markthalle aus roten Backsteinen aus dem 19. Jahrhundert, vollgestopft mit aller nur erdenklichen Feinkost.

Dort treiben einen die Gerüche automatisch voran, man schlendert an den fein säuberlich dekorierten Theken vorbei, probiert hier ein Stück getrockneten Schinken, merkt, dass es Köttbullar nicht nur bei Ikea gibt und die kleinen Fleischbällchen auch richtig gut schmecken können, knabbert da an getrocknetem Stockfisch, dem Lutfisk, herum, und Wagemutige versuchen gar ein Stückchen vom Gegorenen aus der Dose, dem Surströmming. Doch Vorsicht: Von manch unbefleckter Nase könnte diese schwedische Delikatesse durchaus als Geruchsbelästigung wahrgenommen werden.

Durchgestyltes Alltagsleben

Gestärkt tritt man dann wieder hinaus und wandert gemütlich an den vielen Geschäften vorbei zum nächsten grünen Punkt auf der Karte, der jedoch im Frühling rosa und im Sommer überwiegend grün und rot leuchtet: Der ganze Kungsträdgården-Platz ist gesäumt von Kirschbäumen, die den vielen Sonnenanbetern Schatten spenden und der Innenstadt ein sanftes Sommergewand verleihen.

Beschwingt durch das Farbenspiel, fällt der Weg über die Altstadt Gamla stan hinauf den kleinen lästigen Berg hinüber nach Södermalm noch leichter, und man kann endlich ans Einkaufen denken. Spätestens südlich der Folkungagatan Straße, im angesagten »SoFo«-Viertel, merkt man, wo die topgestylten Schweden tatsächlich einkaufen. Ein hipper Klamottenladen reiht sich hier an den nächsten, unterbrochen von Secondhandgeschäften oder netten Cafés, wo sich die stilsicher gekleidete Meute bei einem Latte macchiato vom Shoppingfieber erholt. Die Sonne lugt zwischen den relativ niedrigen Gebäuden immer wieder hervor, und ganz Stockholm kostet die Strahlen in vollen Zügen aus.

Ein eigenwilliger Mix aus alternativem Chic und überkandideltem Hippstertum bei maximaler Sonnenausbeute. Entlang der Nytorgsgatan kauft man etwa beim Acne Retail Store ein, ersteht einen feinen Stickpulli im maritimen Blau-Weiß bei 6/5/4, trinkt einen Kaffee im Café String, und hat das gerade keine Sonne mehr, geht’s schnurstracks hinunter zum Nytorget Park, wo man sich entweder ein Café oder ein Plätzchen zwischen den bereits halbnackten Stockholmern sucht.

Ola Ericson

Immer der Sonne entgegen

Fast ist es wie überall auf der Welt, wenn die Sonne scheint: Die Leute gehen ins Freie, strotzen vor Energie, und in Stockholm merkt man das sehr intensiv, was sicherlich an den langen, kalten Wintern liegen dürfte. Ein Ausflug mit dem Boot in die Schären ist Pflicht, schließlich sind es 24 000 Inseln auf rund 100 Kilometern rund um Stockholm herum. Auch ein Abstecher nach Södra Djurgården und sein Freilichtmuseum Skansen lohnt sich, man schaut sich beim Vorbeigehen oder Vorbeiradeln die imposanten Herrenhäuser und Villen an, ehe man auf einer der Bänke an den Kanälen Rast macht und später der Sonne am Hornstulls Strand am Südwestufer von Södermalm bei einem herzhaften Barbecue und einem Bier beim Untergehen zusieht: All das macht Stockholm so einzigartig und besuchenswert. Besonders im Sommer.

Anreise. Lufthansa fliegt täglich von den großen deutschen Flughäfen direkt nach Stockholm. www.lufthansa.de

Infos. Fremdenverkehrsamt Schweden, Stortorget 2-4, SE-831 30 Östersund, Tel.: 069 22223496, www.visitsweden.com  oder direkt zur Stadt unter www.visitstockholm.com/de

Stadterkundung. Stockholm besitzt einen gut ausgebauten Nahverkehr. Die Stockholmkarte etwa für 72 Stunden kostet € 83. Günstiger geht es mit den Citybikes. Eine 3-Tage-Karte kostet etwa € 18. Die Saisonkarte gibt’s für € 28, und sie gilt von April bis Oktober. www.citybikes.se/en

Ausgehen. Livemusik findet man in der Pet Sounds Bar, Skånegatan 80, Södermalm. Discofeeling kommt im Debaser auf, wo man im Sommer auch draußen sitzen kann. Am Karl Johans Torg 1, zwischen Södermalm und Gamla stan. www.debaser.se

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