Die spanische Hotelkette Barceló hat 2016 ein neues Haus in Madrid eröffnet: das Barceló Emperatriz. Zur Eröffnung prahlte die Kette damit, 2.000 Ideen und Wünsche fürs neue Hotel von ihren Gästen ergattert zu haben. Was die sich wohl gewünscht 
haben? Und vor allem: Was hat Barceló davon umgesetzt? Ein Besuch. Text: Frank Störbrauck

Käme ein Hoteldirektor auf mich zu und würde mich fragen, was ich mir von seinem neuen Hotel wünschte, wäre ich vermutlich nicht nur geschmeichelt. Ich käme vermutlich auch ganz schön ins Schleudern. Denn was will er wohl von mir hören? Soll ich ihm die Arbeit abnehmen und ihm innovative Guest-Relation-Konzepte und -Annehmlichkeiten aufs Papier kritzeln? Oder die Dinge beim Namen nennen, die mir in anderen Hotels den Aufenthalt so versüßt haben und die ich, bitte schön, so viel Luxus darf man von einem 5-Sterne-Haus erwarten, auch in seinem neuen Domizil gern hätte?

Die Barceló-Hotelgruppe hat sich vor der Eröffnung ihrer neuesten Dependance im Madrider Stadtteil Salamanca voll und ganz dem Plebiszit verschrieben. Gäste der Hotelkette wurden vorab gefragt, was für Ideen und Wünsche sie haben. Stolz vermeldete die Kette anschließend, dass mehr 2.000 Antworten bei ihr ins E-Mail-Postfach hineinflatterten. Für die Hotelplaner freilich dürfte der Umgang mit den Antworten wohl der berühmte Ritt auf der Rasierklinge gewesen sein; einerseits möglichst vielen Gästewünschen entsprechen, andererseits die Kosten dafür nicht in astronomische Höhen entgleiten zu lassen.

In nur 25 Minuten geht es vom Flughafen ins Hotel

Am besten also, sich vor Ort selbst ein Bild machen. Neugierig und erwartungsvoll lasse ich mich vom Flughafen Madrid-Barajas ins Hotel düsen. Der Chauffeur verliert wenig Zeit, nach rund 25 Minuten dreht er schon die letzte Kurve, bevor wir in die Calle de López de Hoyos hineinspurten – die Straße, in der das Barceló Emperatriz sein Zuhause gefunden hat. Nun bin ich gespannt: Was jetzt wohl passiert? Kommt jemand herausgeschossen und geleitet mich in die Lobby, wo von oben, wie aus Geisterhand, Blumenblätter herabfallen, Musiker mit Trommel und Sitar spielen und die Rezeptionsdamen mir Blumenketten um den Hals legen?

Barcelo

Das jedenfalls gefiel mir bei einem Besuch im Leela Palace Hotel im indischen Udaipur vor ein paar Jahren außerordentlich gut. Ja, das wäre auf meiner Hotel-best-of-Wunschliste gelandet.

Nada. Jedenfalls nada dergleichen. Madrid ist eben nicht Udaipur, denke ich und schäme mich fast über meinen vermessenen Wunsch. Am Empfang im Barceló Emperatriz gibt es wenig zu mäkeln; der Check-in verläuft professionell und flott: Während ich vor dem wuchtigen Schreibtisch der Rezeptionistin Platz nehme, wird mir ein gekühltes Glas Champagner gereicht, während im Hintergrund ein Bediensteter mit meinem Koffer bereits zum Fahrstuhl schleicht. Bevor ich dankend meine Zimmerschlüsselkarte entgegennehme, hat die Rezeptionistin noch eine kleine Aufmerksamkeit für mich parat: das WiFi away. Bitte, was? Jeder internationale Gast des Hauses, klärt sie mich auf, bekommt diesen kleinen, nicht mal Zigarettenschachtel großen W-Lan-Router.

W-Lan-Router to go

Damit kann ich, hold on to your seat, in der ganzen Stadt gratis surfen. Ui, was für eine feine Idee, denke ich. Vorbei, das Stochern im Auslandstarifdschungel meines Handyanbieters, nichts da mit verzweifeltem Suchen eines W-Lan-Netzes, keine nervige Passwort-Tipperei à la »528xzp??iRTO25«. Und das Beste, das sei schon jetzt verraten: Es funktionierte tadellos während meines gesamten Aufenthalts in Madrid.

Patronin des Hotelnamens ist – Spanischverstehende ahnen es schon – eine Kaiserin. Genauer gesagt, María Eugenia Ignacia Augustina Palafox de Guzmán Portocarrero y Kirkpatrick, kurz Eugénie de Montijo. 
Die resolute und im Volk wenig beliebte Dame war von 1853 bis 1870 Kaiserin in Frankreich, hielt sich aber oft in Madrid auf und hatte ein Faible für Stil und Mode. Und so war der Geschmack der Kaiserin 
eine Blaupause für die Barceló-Innendesigner.

Mein Zimmer, das sehr gemütlich ist, aber leider ziemlich klein ausfällt, wird von edel anmutenden Creme- und Brauntönen dominiert. Der Boden aus Wallnussholz schafft eine behagliche, warme Atmosphäre – und mittendrin das schneeweiße Bett mit Kopfkissenmenü. Was darf’s sein? New aerelle (extrem soft), Visco Cervical (medium), Latex (Medium-high) oder doch lieber die Iron-Max-Version?

Chefkoch Ignacio Martinez Garcia kredenzt eine mediterrane Artikel

Ich lasse mich erst mal tief in die Matratze fallen und blättere in einem DIN-A-5-großen Info-Heftchen – und das war eine gute Idee. Maria Pardo de Santayana, Chefin des Marie-Claire-Magazins, lächelt mir entgegen. Acht Tipps hat sie fürs ultimative Madrid-Sightseeing parat, natürlich nur aus der Crème-de-la-Crème-Liga. Fürs Abendessen zum Beispiel empfiehlt sie das »Horcher«, wo es vorzüglichen »Baumkuchen« geben soll.

Aber das kommt gar nicht in die Tüte. Heute Abend wird zu Hause gegessen. Bei Ignacio Martinez Garcia, dem Chefkoch des Barceló Emperatriz, nämlich. Er kommt aus Alicante, da liegt es nahe, dass eine feine mediterrane Küche kredenzt wird.

Chefkoch im Barceló Emperatriz: Ignacio Martinez Garcia

In der Tat: Die gesunden Algen verleihen dem Krabben-Risotto eine innovative Note, der Seebarsch mit Ochsenschwanz-Ravioli zergeht auf der Zunge, und vom Nachtisch »Emperatriz«, einem russischen Keks mit Mandelpralinen und selbst gemachtem Eis in knalligem Violette, kann man gar nicht genug bekommen. Kaiserin Eugénie de Montijo wäre stolz auf dieses Emperatriz gewesen.

Unterkunft. Barceló Emperatriz Calle de López de Hoyos, 4, (Junto al Paseo de la Castellana), Madrid 28006. Eine Übernachtung für zwei Personen im Doppelzimmer inkl. Frühstück ist ab € 211 buchbar. Reservierungen sind per E-Mail an: sac2@barcelo.com oder in Deutschland unter der kostenfreien Tel.: 0800 777 73 73 möglich.

Anreise. Air Europa fliegt täglich zweimal von München und Frankfurt nonstop nach Madrid. In der Economy Class ist man für den Hin- und Rückflug ab € 105 dabei, in der Business Class ab € 345.